Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
2. Begriffsklärung 4
2.1 Erziehung. 4
2.2 Erziehungsstil. 5
3. Erziehungsstilkonzepte. 6
3.1 Die Grundstile der Erziehung: Eduard Spranger. 6
3.1.1 Weltnaher vs. isolierender Erziehungsstil. 7
3.1.2 Freier vs. gebundener Erziehungsstil 8
3.1.3 Vorgreifender vs. entwicklungstreuer Erziehungsstil 8
3.1.4 Uniformer vs. individualisierender Erziehungsstil 9
3.2 Die sozialpsychologische Erforschung von Erziehungsstilen: Kurt Lewin 9
3.2.1 Der autokratische Führungsstil 10
3.2.2 Der demokratische Führungsstil 11
3.2.3 Der Laissez-faire Stil 11
3.3 Vergleich 12
4. Schlussbetrachtung: Gibt es die richtige Erziehung? 14
5. Literaturverzeichnis 16
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1. Einführung
Die „Super-Nanny“ macht es in ihrer wöchentlichen Sendung vor: Kinder brauchen klare Grenzen und Regeln, um ihren Alltag zu bewältigen. Allzu schlimme Exemplare von Kinder bzw. Jugendlichen werden gar vor den Augen der Öffentlichkeit in „Erziehungscamps“ gesteckt und sind anschließend reumütig und geheilt von ihrer „Unerzogenheit“. Aber auch Lob und Begeisterung für die Leistungen der Kinder fordert die „Super- Nanny“ ein, vielen zeigt sie gar erst auf, welche Tätigkeiten außer Fernsehen und PC-Spiele ihnen Spaß machen könnten. Die Sichtbarmachung der scheinbaren „Erziehungsunfähigkeit“ lässt häufig die Frage nach der „richtigen“ Erziehung aufkommen. Doch ein Patentrezept, so viel kann vorab gesagt werden, gibt es nicht.
Der Gedanke der Erziehung von Heranwachsenden stellte sich schon Platon, dessen Erziehungsmethode die Erkenntnis mittels seiner durch Sokrates übermittelten Dialoge war (Vgl. Encarta Enzyklopädie 2001 Stichwort „Erziehung“). Die Auffassung von der richtigen Erziehung hingegen wandelte sich im Laufe der Geschichte immer wieder.
Auch im vergangenen Jahrhundert gab es verschiedene Auffassungen über die richtige Art und Weise der Erziehung. In der Nachkriegszeit gab es vor allem in den Erziehungsinstitutionen wie der Schule eine äußerst strenge Erziehung, bei der die Prügelstrafe verwendet wurde. Ende der 60er kam dann die Bewegung des sogenannten antiautoritären Erziehungsstils auf, bei dem es um die völlige Freiheit des zu Erziehenden ging.
In unserer individualisierten Gesellschaft ist die Wahl des Erziehungsstils völlig freigestellt. Dass diese Wählbarkeit nicht immer positive Folgen haben kann, zeigen nicht zuletzt die mehr oder minder dramatisierten Bilder der oben genannten RTL Serie mit der „Super Nanny“. Die Nachfrage nach Erziehungsexperten und -beratern (Vgl. Der Spiegel 1999/ 32, S.96ff „Moderne Erziehung“) scheint sichtlich anzusteigen und auf Grund der Aktualität des Themas treten immer häufiger Fälle von vollkommender Überforderung von Erziehung in die Öffentlichkeit. Im Rahmen dieser Hausarbeit werden die klassischen Modelle der modernen Erziehung von Eduard Spranger und Kurt Lewin dargestellt. Während das Modell von Spranger ein idealtypisches und sehr weitläufiges Konzept ist, stellt die Typologie Lewins die Grundlage von den bekannten Gruppenexperimenten von White und
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Lippit dar, deren Ergebnisse in vielzähligen Experimenten bestätigt bzw. ergänzt wurden (Vgl. Höger 1978: S.70/71).
Nach der Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Begriffe Erziehung und Erziehungsstil im 2. Kapitel erfolgt im 3. Kapitel die Darstellung und der Vergleich der Konzeptionen von Eduard Spranger und Kurt Lewin zum Erziehungsstil. Im abschließenden 4. Kapitel soll dann auf die Frage nach der richtigen Erziehung eingegangen werden.
2. Begriffsklärung
2.1 Erziehung
Der Unterschied zwischen Mensch und Tier besteht zuallererst darin, dass Menschen eine Kultur besitzen. Kultur wird am allgemeinen als die Fähigkeit bezeichnet die Natur ins Lebensdienliche umzugestalten. Die humane Lebensweise die demzufolge eine Kultur besitzt, ist jedoch nicht angeboren sondern muss von jedem Menschen vollständig erlernt werden (Vgl. Weber 1986: S.17). Dementsprechend wird „die soziale Interaktionsform der Enkulturationshilfe (im umfassenden Sinne) [...] als Erziehung bezeichnet“ (Weber 1986: S. 24) Erziehung kann sowohl unbewusst, also durch Zufall, durch eigenes Probieren, durch selbstständiges Überlegen und selbstgewonnene Erfahrung, durch Nachmachen oder Angleichung geschehen, als auch durch planvolle Erziehungseinwirkung erfolgen.
„Die Enkulturationshilfe ist immer dort angebracht, wo das Individuum die notwendigen bzw. wünschenswerten Lernprozesse selbst nicht erfolgreich zu bewältigen vermag.“ (Weber 1986: S. 26)
Die Erziehung erfolgt in verschiedenen Instanzen, von denen die einflussreichsten die Familie und die Schule bzw. der Kindergarten darstellen. Doch auch eine Vielzahl anderer gesellschaftlicher Teilbereiche sind eingeschlossen. Die Erziehung innerhalb dieser Instanzen kann wiederum in unterschiedlichen Zusammenhängen erfolgen. So ist die Art der Erziehungsleistung in der Schule oder dem Kindergarten, als eigens für die Erziehung errichteten Einrichtungen, formell- institutionalisiert und ist gekennzeichnet durch eine hochgradige pädagogische Reflexion und Disposition. Zudem sind die Erzieher innerhalb dieser Institutionen auf diese Berufsrolle spezialisiert. Ganz anders als die Erzieher innerhalb informell- situativer Erziehung. Hier stellt die Erziehung nur einen Teilbereich einer umfassenden sozialen Rolle dar
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und das erzieherische Verhalten ergibt sich eher aus zufälligen Gelegenheiten. Zudem ist der Grad der pädagogischen Reflexion gering. (Vgl. Weber 1986: S.27)
2.2 Erziehungsstil
Die Anerziehung von bestimmten Kultureigenschaften wird immer bestimmt durch ein gewisses Ziel bezüglich des Verhaltens, der Sprache oder anderem kulturellem Gut. Das Erreichen eines solchen Ziels variiert in verschiedenen Kulturen, aber auch innerhalb der gleichen Kultur in der Zuhilfenahme von verschiedenen Erziehungsmitteln bzw. von Weber auch als Praktiken bezeichnet. „Erziehungspraktiken sind jene Verhaltensweisen durch die sich Erziehung konkret realisieren lässt. Mit Erziehungspraktiken meint man das soziale
Interaktionsverhalten der Enkulturationshilfe“ (Weber 1986: S.29). Die Kombination von dem zu erreichenden Ziel der Erziehung und den Mitteln um dieses zu erreichen wird als Stil der Erziehung verstanden. Demzufolge sind Erziehungsstile „relativ sinneinheitlich ausgeprägte Möglichkeiten erzieherischen Verhaltens, die sich durch typische Komplexe von Erziehungspraktiken charakterisieren lassen.“ (Weber 1986, S.33) Weber unterscheidet beim Begriff des Erziehungsstils den Individualstil und den Gruppenstil. Dem Sinn entsprechend bezieht sich der Individualstil auf eine individuelle Eigenart eines Erziehers bezüglich seiner Vorstellungen und Mittel der Erziehung. Der Gruppenstil hingegen sammelt deskriptiv unterscheidbare Formen des Erzieherverhaltens, die beispielsweise auch typisch für bestimmte Berufsfelder, soziale Schichten o.ä. sein können (Vgl. Weber 1986, S.33). Die Wahl und Wirkung der Erziehungsstile ist abhängig von einer Vielzahl von Faktoren. So spielt die Persönlichkeit des Erziehers eine große Rolle für die zu Erziehenden, da beide Personen in einer engen Wechselbeziehung zueinander stehen (Vgl. Keller/ Novak 1991: S.105). Übergeordnet hat auch die jeweilige kulturelle Idealvorstellung des Menschen und der dazugehörige Habitus bezüglich des menschlichen Zusammenlebens einen enormen Einfluss darauf, welches an einem bestimmten Erziehungsstil orientierte Erzieherverhalten als das Richtige angesehen wird bzw. die gewünschten Lernerfolge am ehesten begünstigt (Vgl. Keller/ Novak 1991: S.101).
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Arbeit zitieren:
M.A. Janin Zippel, 2006, Erziehungsstile , München, GRIN Verlag GmbH
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