eine entscheidende Rolle. Es ist durchaus von einer großen Verantwortung bei der Tourismusbranche zu sprechen, da gerade sie vorgibt, sich mit den beworbenen Ländern auszukennen und kompetent Wissen vermitteln zu können. Dass dies häufig nicht der Fall ist, wird die folgende Untersuchung zeigen. Gegenstand der Forschung sind folgende neun Kataloge des Jahrgangs 2004: JahnReisen, STATravel, ADAC Reisen, Meier’s Weltreisen, Tjaergeborg, DerTour, Neckermann, TUI, Thomas Cook.
Des weiteren stützen sich die Beobachtungen zum Teil auf die Aussagen Anke Poenickes, die sich mit ähnlichem Forschungsinteresse mit deutschen Reiseführern zu Ländern Afrikas beschäftigt hat. Viele ihrer Kritikpunkte an den in Reiseführern verwendeten Bildern lassen sich auf die Kataloge übertragen. Auch in weiteren Aspekten, wie Wortwahl und Themen lassen sich Parallelen ziehen. Es soll gezeigt werden, an welchen Stellen die Darstellung Afrikas in Reisekatalogen auf Stereotype zurückgreift und wie diese vor allem in den Bildern zum Ausdruck kommen. In Form einer Inhaltsanalyse werden Texte und Fotos der Kataloge betrachtet und unter dem benannten Aspekt untersucht. Mit welchen Begrifflichkeiten wird gearbeitet? Und wie korrelieren diese mit der bildlichen Darstellung? Wie wirken die Einheimischen? Wie verhalten sich die Bilder dem Betrachter gegenüber? Welche Eindrücke werden erzeugt?
2 Das Forschungsfeld
2.1 Von der Macht des Bildes
Glindmeyer beschreibt die Aufnahmesituation als „der Rahmen, innerhalb dessen die Produktion stattfindet“. Sie schildert, wie der Fotograf in seiner Wahl des Blickwinkels oder Ausschnittes, in der Wahl der Kamera und des Moments der Belichtung, das Bild in seinem Ausdruck steuern kann.
„Er [der Fotograf, B.G.] sortiert aus, was ihm sozusagen gefällt bzw. missfällt, und damit verhält er sich zu seiner Hervorbringung, klassifiziert sie als eine mehr oder weniger gültige Tat, als eine mehr oder weniger zurechnungsfähige Selbstäußerung.“ (Wünsche in Glindmeyer, S. 12)
Nicht weniger bedeutend ist jedoch die Situation, in der ein Betrachter mit den Bildern im Reisekatalog konfrontiert wird. Schließlich tritt dieser mit einem touristischen Interesse an Afrika heran. Auch bestärken die untersuchten Bilder den Eindruck einer Entdecker- und Abenteurerkultur. In Fotos mit Einheimischen kommt Distanz zwischen Fotografierten und Fotografierendem (bzw. Betrachter) zum
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Ausdruck. Es handelt sich, wie Poenicke es auch für die Reiseführer beschreibt, um „gestohlene Bilder“. Man merkt den Bildern sozusagen an, dass sich der Fotograf in keinerlei kulturellen Austausch mit den Menschen begeben hat. Hinzu kommt, dass die Fotos eine schlechte Qualität haben, was Poenicke, die Bilder in den Reiseführern betrachtend anmerkt. Für die Kataloge lässt sich anmerken, dass sich dies auch durch das Material begründet. Andererseits sind die Bilder in vielen Fällen ungeschickt angeordnet und erwecken zudem einen allgemeinen Eindruck vom (aus europäischer Sicht) mittelalterlichen Afrikaner vs. abenteuerlustigen, entdeckenden Touristen. Wodurch dies passiert, soll in dieser Arbeit gezeigt werden.
2. 2 Der Kontext: „Reisekatalog“
„... jedoch bleibt eine Fotografie von ihrem Wesen her mehrdeutig... Erst durch ihr kontextuelles Beiwerk kann den Fotos also eine spezifische Bedeutung zugewiesen werden.“ (Glindmeier 2002, S.10)
So zeichnet sich das Bildmaterial in Reisekatalogen im „kontextuellen Beiwerk“ „Tourismus“ durch besondere Eigenschaften aus. Da die Bilder vornehmlich zum Zweck der Werbung und damit Lobpreisung des jeweiligen Ortes eingesetzt werden, kann man ihnen bestimmte Eigenschaften schon vorweg zukommen lassen. Bezieht man sich auf Flusser (zitiert von Glindmeyer 2002, S.17), der drei Wahrnehmungskanäle der Bildwirkung unterscheidet, lassen sich im Falle der Katalogfotos alle Aspekte finden. Vor allem wirken sie als Werbefotos „imperativ“. „Indikativ“ sind sie insofern, als dass sie dem Betrachter auch Wissen darüber vermitteln sollen, WIE Afrika beschaffen ist. Das „Künstlerisch-ästhetische“ Element verbirgt sich in der Wahl der (schönen!) Bilder und ihrer Anordnung. Somit werden bei den Bildern alle drei Kanäle motiviert.
Die Fotos werden zum Einen im positivistischen Sinne verwendet. Es geht nicht darum Missstände aufzudecken oder aufzuklären, das passt nicht in den Rahmen „Werbung“. Vielmehr soll Attraktivität, Schönheit, sicher auch Fremdes und Unerlebtes gezeigt, vornehmlich positive Gefühle erweckt werden. Zum zweiten handelt es sich im Reisekatalog um verhältnismäßig wenige Bilder, die die „tatsächlichen“ Bilder vertreten. Auch wenn dieser Anspruch vielleicht von „Macher“-Seite nicht unbedingt verfolgt wird, so entsteht doch zumindest beim (v.a. in Hinsicht Afrika unerfahrenen) Betrachter ein unbewusster Eindruck darüber, wie Afrika beschaffen ist. Die Fotos erzeugen ein „Bild“ des jeweiligen Landes und produzieren gewisse Vorannahmen.
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Gerade in dieser Hinsicht kann man auch von einer Verantwortung der Reisekataloge sprechen, Afrika nicht verzerrt, exotisiert oder verfälscht darzustellen. Selbstverständlich ist sich dabei die Frage zu stellen: Wie sollte denn eine „richtige“ Darstellung Afrikas beschaffen sein? Und wie fügt sich diese in den Rahmen „Reisekatalog“? Sind beide Aspekte überhaupt vereinbar? Mir ist durchaus bewusst, dass das Bild Afrikas in der Reisebranche schon durch den positivistischen Anspruch der Werbung verzerrt sein muss. Andererseits gibt es meiner Meinung nach auch auf dieser Ebene Möglichkeiten einer Darstellung, die der Wirklichkeit näher kommt. So ist gerade an Aufnahmen, die erotisierend, exotisierend oder gar kolonialistisch anmuten, Kritik zu üben. Vor allem diese Bilder sind es, die den Eindruck des „rückständigen, unzivilisierten, wilden Afrikas“ aus ethnozentristischer Perspektive aufrecht erhalten und bei welchen unbedingter „Berichtigungsbedarf“ besteht.
Ein weiterer Aspekt der Bilder in Reisekatalogen ist, neben ihrem Positivismus, ihre bereits erwähnte Attraktivität. Sowohl in den Farben, dem Licht, der dargestellten Menschen, sowie ihren Gesichtsausdrücken und der gezeigten Situation, soll Wohlwollen beim Betrachter erzeugt werden. Es muss sich um einen Ort handeln, an welchem der Reisende sich behaglich fühlt. Diesen Gesamteindruck sollen die Bilder erzeugen, um den Touristen „anzulocken“. Ob dies nun dadurch passiert, dass auf den Aspekt „Abenteuer“ und „Fremde“ oder auf „Offenheit“ und ein „Sich-zu-Hause-Fühlen“ Wert gelegt wird, sei außen vor gelassen. In jedem Falle müssen die Bilder dazu anregen, da bzw. dabei sein zu wollen.
3. Beschreibung & Methode
Nachdem nun beschrieben worden ist, wie die Bilder durch die Branche, in der sie sich bewegen, beschaffen sind, soll näher auf die Forschung an sich eingegangen werden.
Diese bewegt sich an den Grenzen zu dem, was über das „Muss“ der Darstellung hinausgeht. Es soll aufgezeigt werden, an welchen Stellen die Bilder in Reisekatalogen extrem verzerrend oder verfälschend wirken. Des weiteren kann man anhand ihrer Anordnung untereinander auf weitere „Missstände“ aufmerksam machen.
In Form der Inhaltsanalyse soll anhand einer Auswahl an Bildern gezeigt sein, an welchen Stellen indirekt auf Stereotype zurückgegriffen wird. Im umgekehrten Prozess bestärken die Bilder die in der Öffentlichkeit vorhandenen Vorurteile.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Mauksch, 2004, Kritische Analyse stereotypischer Bilder in Reisekatalogen am Beispiel Afrika, München, GRIN Verlag GmbH
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