Freie Universität Berlin, Institut für Theaterwissenschaft
Seminar für Filmwissenschaft
Wintersemester 2008/2009
Hausarbeit im
Hauptseminar Film Noir
Vertiefungsmodul Filmanalyse und -geschichte
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von
Theresa Hartig
2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 3
2 Film
Noir ... 4
2.1
Entstehung des Film Noir... 4
2.2
Themen und stilistische Mittel des Film Noir... 4
2.3
Film Noir, ein Genre?... 5
3 Femme
Noire... 5
3.1
Kontext und historische Hintergründe ... 6
3.2
Frauentypen im Film Noir... 8
3.2.1
Die mächtige Frau ... 9
3.2.1.1 Die
Femme
Fatale ... 9
3.2.1.2 Andere mächtige Frauen ... 10
3.2.2
Die abhängige Frau ... 11
3.3
Filmtechnische Umsetzung des Frauenbildes ... 13
3.4
Die indirekte Macht des Mannes... 13
3.5
Das Schicksal der mächtigen Frau und der Mann als Opfer ... 15
4 Schluss ... 17
Literaturverzeichnis... 18
3
1
Einleitung
Film Noir bezeichnet eine Reihe von Filmen, die in den 40er und 50er Jahren in den USA
entstanden. Der Film Noir war ein Phänomen, das am Ende des zweiten Weltkriegs und nach
dem Krieg auftauchte und ist geprägt von der unruhigen Zeit, zu welcher die Filme
entstanden. Die Filme zeichnen sich aus durch eine verwandte Thematik sowie einen
ähnlichen Stil, insbesondere aber durch eine gemeinsame dunkle und geheimnisvolle
Atmosphäre. Dennoch sind die meisten Films Noirs sehr vielfältig und lassen sich auch noch
weiteren Genres, wie beispielsweise häufig dem Politkrimi, zuordnen. Der exakte Rahmen
des Film Noir bleibt verschwommen und es gibt viele Filme, die sich in einem
Zwischenbereich befinden. Was die Films Noirs jedoch zu vereinen scheint, ist vor allem ihre
Abgrenzung von den konventionellen Hollywood-Filmen dieser Zeit. Thematisch vereint die
Filme außerdem ihr Pessimismus und Hang zum Negativen, stilistisch besteht die Einheit in
dunklen zerschnittenen Bildern und zahlreichen Schattierungen und Kontrasten. Im Film Noir
lässt sich ebenfalls feststellen, dass das hier präsentierte Bild von Frauen nicht jenem des
konventionellen Hollywood-Films entspricht. Insbesondere treten hier vermehrt mächtige und
selbstständige, von Männern vollkommen unabhängige Frauen auf, wenngleich auch ihr
Gegenbild, die dem Mann unterworfene Frau, auch noch gelegentlich eine Rolle spielt. Eines
der beliebtesten und das wohl bekannteste Frauenbild des Film Noir ist die femme fatale.
Diese Arbeit untersucht das Frauenbild des Film Noir, die so genannte femme noire. Es wird
ein Überblick über die verschiedenen präsentierten Frauentypen gegeben, sowie nach dem
Anlass für diese Inszenierungsweise der Frau gesucht. Hierzu wird zuerst ein Überblick über
den Film Noir gegeben, bevor die Arbeit sich dem Thema der femme noire zuwendet.
Bezüglich des Frauenbildes werden erst einmal der Kontext und die historischen
Hintergründe dargestellt. Anschließend werden die zwei grundsätzlichen Typen von Frauen
im Film Noir vorgestellt, die wesentlich häufigere mächtige Frau, zu der auch die femme
fatale
zählt, und die vom Mann abhängige Frau. Daraufhin wird auf die filmtechnische
Umsetzung der femme noire eingegangen, was direkt weiterleitet zur indirekten Macht, die
der männliche Blickpunkt dennoch auf dieses Frauenbild ausübt. Zuletzt wird aufgezeigt,
welchen Verlauf das Schicksal der mächtigen Frau in der Regel nimmt und warum durch
diese der Mann im Film Noir meist zum Opfer wird. Über den gesamten Prozess der Analyse
des Frauenbildes hinweg dient des Weiteren der Film Noir Mildred Pierce (Michael Curtiz,
USA 1945) als exemplarische Fallstudie.
4
2
Film Noir
2.1
Entstehung des Film Noir
Films Noirs wurden ungefähr zwischen den Jahren 1941 und 1958 geschaffen, wenngleich
auch, wie vieles den Film Noir betreffend, die genauen Daten umstritten sind, da die
Zuordnung gewisser Filme zu der Gattung Film Noir ebenfalls umstritten ist.
1
Mit dem Film
Noir kam eine neue Stimmung, bestehend aus ,,cynism, pessimism and darkness"
2
, in die
amerikanischen Filme. Der Film Noir definiert sich nicht über die üblichen Konventionen,
sondern durch seine Tonebene und Atmosphäre sowie die Entstehungsperiode in den 40er
oder und 50er Jahre. Es gab vier Elemente, die die Entstehung des Films Noirs in den 40er
Jahren entschieden prägten: die negative Stimmung nach dem Krieg sowie der danach
aufkommende Realismus, der deutsche Einfluss durch die zahlreichen Emigranten in den 20er
und 30er und eine Tradition frei von den gewöhnlichen Hollywoodgeschichten, der sich die
Drehbuchautoren zuwandten.
3
Der Begriff Film Noir entstand erst, als mehrere Filme dieser Gattung nach dem zweiten
Weltkrieg auf einen Schlag nach Frankreich kamen. Hier waren zahlreiche der Romane, auf
denen diese Filme basierten, in einer Buchreihe namens série noire veröffentlicht worden. Als
Name für die daraus hervorgegangen Filme sowie weitere Filme der gleichen Art, setzte sich
schließlich der Begriff Film Noir durch.
4
2.2
Themen und stilistische Mittel des Film Noir
Ein klassifizierendes Element für den Film Noir ist sowohl thematisch als auch stilistisch erst
einmal die Unterscheidung vom konventionellen Hollywood-Film dieser Zeit.
5
Paul Schrader
hält einige weitere entscheidende Aspekte fest, die zu einer Klassifizierung des Films Noirs
maßgeblich beitragen. Er zeigt sieben stilistische Mittel auf, die für einen Film Noir typisch,
wenn auch nicht essentiell, sind: eine nächtliche Ausleuchtung, schräge und vertikale Linien
und Muster, Schauplätze, die genauso hell oder dunkel wie die Schauspieler ausgeleuchtet
werden, Spannung, die durch die Zusammensetzung der Szenen erzeugt wird, das Auftauchen
von Wasser (z.B. Regen), eine Liebesgeschichte sowie verzweigte chronologische
Zusammenhänge.
6
Weiterhin unterteilt er den Film Noir in drei thematische Phasen.
7
Die
1
Vgl. Wager 1999, S. 73, 76.
2
Schrader 1972, S. 53.
3
Vgl. Schrader 1972, S. 54-56.
4
Vgl. Martin 1998, S. 204.
5
Vgl. Wager 1999, S. 78.
6
Vgl. Schrader 1972, S. 57f..
5
erste Phase ist die Kriegszeit von 1941 bis 1946, in welcher häufig Privatdetektive und
Einzelgänger in den Filmen vorkamen und es insgesamt mehr Dialoge als Aktionen gab. Die
zweite Phase ist die direkte Nachkriegszeit von 1945 bis 1949, in welcher es in den Filmen
um Straßenkriminalität, politische Korruption und den Polizeialltag geht (in dieser Zeit
entstand auch der Film Mildred Pierce). In der dritten Phase, von 1949 bis 1953, wandte sich
der Film Noir der psychologischen Ebene zu und präsentierte nun auch Dinge wie Psychosen,
Selbstmord oder einen Psychopathen als Protagonisten.
2.3
Film Noir, ein Genre?
Eine anhaltende Diskussion ist, ob der Film Noir überhaupt als ein eigenes Filmgenre
angesehen werden kann. Dagegen spricht, dass der Film Noir mit einer bestimmten
historischen Epoche verknüpft ist, während ein Genre dauerhaft und zu verschiedenen
Epochen bestehen sollte. Eine Möglichkeit wäre daher, den Film Noir stattdessen als eine
Filmbewegung von Filmen mit den gleichen thematischen und filmischen Elementen zu
definieren.
8
Dafür den Film Noir als Genre zu klassifizieren, sprächen die ähnlichen Arten der
Narration in den Filmen
9
, für eine Definition als ein Filmstil sprechen die gleichen
Filmtechniken bezüglich Kameraeinstellungen und Licht
10
. Andere bezeichnen den Film Noir
wieder als ein System, das mehrere dieser Elemente in sich vereint.
11
Eine Diskussion, was
davon der Film Noir letztendlich ist, soll jedoch nicht Bestandteil dieser Arbeit sein und eine
definitive Antwort kann möglicher Weise gar nicht gegeben werden. Für den Kontext dieser
Arbeit genügt es, davon auszugehen, dass der Film Noir eine bestehende Gattung, welcher Art
auch immer, ist, welcher sich bestimmte Filme eindeutig und einige weitere weniger eindeutig
oder nur zum Teil zu ordnen lassen und die eine einheitliche Inszenierungsweise bezüglich
ihres Frauenbildes aufweisen.
3
Femme Noire
Die Frage nach dem Frauenbild im Film Noir ist sowohl die Frage nach dem, was dort als
Frau auf dem Bildschirm zu sehen ist, als auch nach dem, was die Frau in der Ideologie des
Films darstellt und wie dies interpretiert wird. Das Frauenbild im Film Noir ist sehr vielfältig
und lässt sich kaum nur als ein einziges Bild beschreiben, vielmehr gibt es verschiedene
Frauenbilder. Den meisten gemein ist jedoch eine entscheidende Eigenschaft, und zwar die
7
Die folgenden Darlegungen zu den drei thematischen Phasen des Film Noir stützen sich auf Schrader 1972, S.
58f..
8
Vgl. Place 1978, S. 49f..
9
Vgl. Wager 1999, S. 76.
10
Vgl. Wager 1999, S. 77.
11
Vgl. Wager 1999, S. 77f..
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