Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Philosophisches Seminar
Proseminar: David Humes Moralphilosophie
Wintersemester 2008/2009
David Humes Kompatibilismus
im Lichte der modernen Hirnforschung
30.03.2009
Bernd Harder
Studiengang: Bachelor of Arts
Beifach:
Wirtschaftswissenschaften
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis... 2
1. Einleitung ... 3
2. David Humes Kompatibilismus ... 4
2.1 Grundlegendes ... 4
2.2 Kausalität bzw. Notwendigkeit ... 4
2.3 Freiheit und Determinismus... 5
2.4 Moralische Verantwortlichkeit... 7
3. Die moderne Hirnforschung... 8
3.1 Einführendes ... 8
3.2 Forschungsergebnisse ... 8
3.3 Schlussfolgerungen ... 9
4. Abschließende Diskussion... 11
4.1 Zusammenfassung und Einschätzung ... 11
4.2 Fazit und Ausblick ... 12
5. Literaturverzeichnis... 14
David Hume ... 14
Hirnforschung ... 14
Sonstiges ... 14
3
1. Einleitung
Ein grundlegendes Problem der Philosophie war und ist die Frage nach der Willensfreiheit des
Menschen und damit eng verbunden nach der moralischen Verantwortlichkeit für sein
Handeln. Intuitiv gehen wir davon aus, dass wir über einen freien Willen verfügen, der uns
dazu befähigt, frei zu entscheiden und zu handeln. Dieses Bewusstsein des freien Willens
steht nun aber in krassem Widerspruch zu unserem allgemeinen Verständnis von der Natur
und unserer Umwelt. Die materielle Welt scheint nach gewissen Gesetzmäßigkeiten, wie
Ursache und Wirkung, zu funktionieren, welche zudem fortwährend Bestand haben- die
Abläufe in der Natur sind offenbar determiniert. Diese Diskrepanz zwischen Natur- und
Selbstverständnis des Menschen wurde in der westlichen Welt bis zur Aufklärung, aufgrund
des allgegenwärtigen christlichen Weltbildes, in welchem die menschliche Seele als Teil einer
geistigen Welt und somit als losgelöst vom irdischen Leib angesehen wird, nicht weiter
hinterfragt. Dem Menschen wurde zudem eine gottgegebene Willensfreiheit zugesprochen,
sich zwischen Gut und Böse, für oder wider Gott entscheiden zu können.
Der Empirist David Hume schließlich war es, der während der schottischen
Aufklärung, in Folge der revolutionären Erkenntnisse Newtons über universale physikalische
Prinzipien, das christliche Weltbild des Dualismus ablegte und eine Theorie entwickelte,
welche den Menschen und dessen Geist als Teil der Natur begreift und aufgrund dessen die
Handlungen des Menschen geradeso wie Ereignisse in der Natur auf zuvor verortete Ursachen
zurückführt. Später wurde dieses Konzept, das mit einem eingeschränkten Freiheitsbegriff
einhergeht, als weicher Determinismus oder aber Kompatibilismus bezeichnet.
250 Jahre nach Humes Überlegungen wurden nun erstaunliche Beobachtungen durch
moderne Hirn- und Verhaltensforschung gemacht, die Interpretationen zulassen, welche
starke Zweifel an der Willensfreiheit, an Verantwortlichkeit und Schuldfähigkeit des
Menschen mit sich bringen. Die möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen dieser
Erkenntnisse über das menschliche Wesen ließen die breite Öffentlichkeit aufgrund
entsprechender Publikationen hellhörig werden, machen vor allem aber einen nüchternen,
interdisziplinären Austausch, gerade zwischen Philosophie und Neurobiologie, unverzichtbar.
Zu überprüfen, inwiefern sich die philosophischen Gedanken des David Hume in den
Forschungsergebnissen der modernen Hirnforschung widerspiegeln und gleichzeitig
aufzuzeigen, wie uns ein Rückgriff auf den Hume´schen Kompatibilismus in der heutigen
Diskussion weiterbringen kann, soll Aufgabe dieser Arbeit sein.
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2. David Humes Kompatibilismus
2.1 Grundlegendes
Zentrales Element der Philosophie Humes ist die Unterteilung der Bewusstseinsinhalte,
welche er als Perzeptionen (perceptions) bezeichnet, zu verstehen als ,,das Erfaßte"
1
, in
Eindrücke (impressions) und Vorstellungen (ideas). Als Empirist geht Hume davon aus, dass
der Mensch, bevor er einen ersten Gedanken fassen kann, zunächst Eindrücke wahrnehmen
muss. Hierbei handelt es sich um äußere Wahrnehmungen sämtlicher menschlicher Sinne,
aber auch um innere Wahrnehmungen, den Gefühlen. Basierend auf diesen Eindrücken ist der
menschliche Geist dank seiner Fähigkeiten der Einbildungskraft (imagination), sowie der
Erinnerung (memory) in der Lage schwächere Abbilder dieser Eindrücke zu entwickeln: die
Vorstellungen (ideas). Aus seiner Vernunft heraus allein kann der Mensch jedoch keine
Vorstellungen entwickeln, vielmehr sind diese ausnahmslos auf Eindrücke zurückzuführen.
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Ausgehend von diesem seinerzeit völlig neuen Verständnis des menschlichen Geistes
als Teil des Körpers, auf dessen Funktionen (Sinneswahrnehmungen) er angewiesen ist,
untersucht Hume philosophische Konzeptionen, wie Kausalität und Notwendigkeit, auf deren
Ursprünge und lehnt in der Folge alle die Konzeptionen als falsch ab, die sich nicht auf die
Eindrücke zurückführen lassen.
3
Im nächsten Abschnitt werde ich daher ebendiese
Konzeptionen aus der Sicht David Humes beleuchten.
2.2 Kausalität bzw. Notwendigkeit
Kausalität als notwendige Abfolge von Ursache und Wirkung offenbart sich dem
menschlichen Geist nach Hume nicht direkt über Eindrücke. Die Vorstellung des Menschen
ist aber dennoch, dass es eine notwendige Verknüpfung von Ursache und daraus folgender
Wirkung zu geben scheint. Zu dieser Vorstellung gelangen wir durch Beobachtung der Natur,
die augenscheinlich konstante Abfolgen gleicher und ähnlicher Ereignisse bei raum-zeitlicher
Berührung, also eine gewisse Uniformität, aufweist.
4
Aufgrund dieser Eindrücke können wir lediglich mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit von einem Ereignis auf dessen Ursache bzw. Wirkung schließen. Es liegt
aber in der menschlichen Natur, unbewusst Induktionsschlüsse zu ziehen. Beobachten wir
1
Jens Kulenkampff: David Hume. 2., neubearbeitete Auflage, München
,
2003. S.30
2
vgl. David Hume, Jens Kulenkampff [Hrsg.]: Abriß eines neuen Buches, betitelt "Ein Traktat über die
menschliche Natur", etc. [Ausz.]. Hamburg, 1980. S.8-9
3
vgl. Jens Kulenkampff: David Hume. 2., neubearbeitete Auflage, München
,
2003. S.39
4
vgl. David Hume: Abschnitt 8. Über Freiheit und Notwendigkeit. In: David Hume: Eine Untersuchung über
den menschlichen Verstand. Frankfurt am Main, 2007. S.109
5
beispielsweise häufig das Wechselspiel von Ebbe und Flut, so schließen wir, dass es dieses
Wechselspiel ebenso in der Vergangenheit gegeben hat und auch in der Zukunft weiter geben
wird. Diese Annahme, dass die natürlichen Gesetzmäßigkeiten in der Zukunft noch genauso
funktionieren werden, wie in der Gegenwart und Vergangenheit, beruht also ausschließlich
auf dem Glauben des Menschen daran.
Kausalität stellt sich David Hume als eine notwendige Abfolge von Ursache und
Wirkung dar, die auf Wahrscheinlichkeitsschlüssen und nicht auf realen Verknüpfungen
beruht. Da dies einem ,,sehr schwachen Begriff von Notwendigkeit"
5
entspricht, ist dieses
Prinzip auch intuitiv leicht auf das menschliche Handeln übertragbar.
Die Ursache für menschliches Handeln sind Motive, Motive wiederum finden sich in
Affekten und Gefühlen. Somit kann man Motiv und Handlung in ihrer Beziehung zueinander
Ursache und Wirkung gleichsetzen: Die Abfolge bestimmter Motive und bestimmter
Handlungen ist entsprechend uniform, was sich auch leicht durch einen Blick in die immer
wieder gleichartig auftretenden Verhaltensweisen in der Menschheitsgeschichte zeigen lässt.
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Wo immer eine dem Motiv entsprechende Handlung nicht ausgeführt wird, kann man
dies auf das Überwiegen eines stärkeren Gegenmotives zurückführen. Überraschende
Handlungen sind also nicht frei von Ursachen, sondern haben lediglich unbekannte Ursachen.
Auch völlig abwegig erscheinende Handlungen wären von einem allwissenden Wesen
aufgrund seines Einblicks in das Geflecht von Notwendigkeiten somit erklärbar.
Gleichmäßigkeit, Uniformität menschlichen Handelns, also nachvollziehbare und
vorhersehbare Handlungsweisen, sind wiederum Grundvoraussetzung für jede Form einer
funktionierender Gesellschaft, da deren Mitglieder nur aufgrund des Vertrauens auf
berechenbares Verhalten ihrer Mitmenschen vorausschauend handeln und planen können.
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2.3 Freiheit und Determinismus
David Humes Freiheitskonzept gilt als grundlegendes Lehrstück des kompatibilistischen
Menschenbildes, das ein eingeschränktes Konzept von Freiheit bei gleichzeitig herrschendem
Determinismus, in Einklang zu bringen versucht. Hume ist der Meinung, dass für unsere
Freiheit allein entscheidend ist, dass wir tun können, was wir tun wollen, dass wir also nicht
durch äußere Zwänge daran gehindert werden, die Handlungen auszuführen, die unseren
5
David Hume, Jens Kulenkampff [Hrsg.]: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Klassiker
Auslegen Band 8, Berlin
,
1997. S.138
6
vgl. David Hume: Abschnitt 8. Über Freiheit und Notwendigkeit. In: David Hume: Eine Untersuchung über
den menschlichen Verstand. Frankfurt am Main, 2007. S.110
7
vgl. ebd. S.117
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