Das Thema Sterben und Tod bei älteren Menschen wird in der Literatur mit verschiedenen Aspekten verbunden. So nennt Kruse (1994) beispielsweise fünf Verlaufsformen der Auseinandersetzung mit dem nahenden Tod: (1) Mit der Erwartung des Todes wird gleichzeitig nach Möglichkeiten gesucht, die das Leben noch bietet. (2) Resignation und Verbitterung führen zur Empfindung des Lebens als Last. (3) Durch die Erfahrung eines neuen Lebenssinns kommt es zur Linderung von Todesängsten. (4) Versuch, die Bedrohung der eigenen Existenz nicht zentral werden zu lassen. Und (5) Erleben tiefer Depressionen, hin zur Akzeptanz des Todes. Gerade die erste Ver-laufsform, die Akzeptanz des herannahenden Todes, korreliert nach Kruse (1994) mit einem positiven Lebensrückblick. Starke und chronische Schmerzen hängen hingegen eher mit den Verlaufsannahmen zwei, nämlich Resignation und Verbitterung, und fünf, tiefer Depression, zusammen.
Da die Beschäftigung mit der Endlichkeit und dem Tod gerade im Alter nicht nur als eine zwangsläufige Folge einer zumeist irreversiblen Krankheit angesehen wird, sondern einen wichtigen Teil der Entwicklung darstellt (Klie & Wilkening, 2003), wird als weiterer wichtiger Aspekt von Kruse (1994) der Einfluss der Bewertung des Lebensrückblicks älterer Menschen auf die Einstellung zum Tod genannt: je positiver das eigene bisherige Leben gesehen wird, umso eher kann auch das herannahende Ende, der Tod als Endpunkt des Lebensschaffens, akzeptiert werden. Umgekehrt empfinden Personen, die in ihrem Leben Rückschläge und Belastungen hervorheben, den herannahenden Tod eher als Bedrohung, als Nichtvollendenkönnen ihres Lebenswerkes. Mit diesem Hintergrund fordert die Thanatopsychologie (XXX) wohl mit Recht die stärkere Berücksichtigung der Lebensgeschichte des älteren Menschen bei der Erfassung der Einstellung zum Tod. Doch auch Merkmale der aktuellen Situation im Erleben und Verhalten sterbender Menschen sollen in die Betrachtungsweise mit einfließen (Kruse, 1994).
Einen anderen Ansatz liefern Wilkening und Martin (2003), die stärker den Aspekt der Lebensqualität bei älteren Menschen fokussieren. Seine Begründung findet der im Folgenden beschriebene Ansatz in den immer wieder aktuellen Diskussionen über die Legalisierung aktiver Sterbehilfe und der steigenden Toleranz gegenüber den zunehmenden Suizidzahlen im Alter. So ist für die Lebensqualität im Alter die aktive Auseinandersetzung mit dem Tod und das Schaffen von positiven Gegengewichten
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wie etwa der Generativität oder der erlebten Kontrolle entscheidend, da sich darin entwicklungsfördernde Aspekte finden.
Darauf aufbauend nennen Wilkening und Martin (2003) vier wichtige theoretische Ansätze für den Sterbeprozess im Alter: (1) Im Ressourcenansatz wirken Personen ihren Verlusten durch das Fokussieren auf ihre Ressourcen entgegen. Dies wird durch längere Überlebensraten bei gegen den Tod ankämpfenden Personen belegt. (2) Der Generativitätsansatz geht davon aus, dass Personen profitieren, wenn sie sich in ihrer Bewertung nicht auf den herannahenden Tod, sondern beispielsweise auf die überlebende Familie konzentrieren. (3) Die Veränderung sozialer Interaktionen auf positive soziale Kontakte wird bei erhöhter Bedrohung und verringerter Kompetenz angestrebt. Und (4) deckt sich mit den Aussagen von Kruse (1993), dass die Bewertung des gelebten Lebens einen starken Einfluss auf das Erleben des Sterbeprozesses hat. Und zwar in die Richtung, dass ein positiver Lebensrückblick einen stärkeren Prädiktor für das Sterbeerleben darstellt als aktuelle körperliche Symptome.
Aus diesen Ansätzen heraus ergeben sich für Wilkening und Martin (2003) folgende Kriterien für die Erhöhung und Sicherstellung einer höheren Lebensqualität beim Sterbeprozess: (1) Förderung vorhandener Stärken. (2) Gelegenheit zur Weitergabe ideeller oder materieller Vermächtnisse oder Ideen. (3) Ermöglichung der bewussten Gestaltung sozialer Interaktionen. Und (4) Hilfestellung zur positiven Bewertung der eigenen Vergangenheit.
Nach Wilkening und Martin (2003) gehört zur Lebensqualität auch die Qualität des Sterbeprozesses. So nennen sie aus einer Befragung heraus folgende Konditionen eines „guten Sterbens“: Schmerzkontrolle, Klarheit der Entscheidungsprozesse, Vorbereitungsmöglichkeiten auf das Sterben, Vollendung/Abschließen verschiedener Dimensionen, das Gefühl, noch etwas geben zu können, die ganzheitliche Akzeptanz seiner Person, die Vermeidung unangemessener Lebensverlängerung, das Bedürfnis nach Kontrolle und die Betonung der Beziehungen zu nahe stehenden Menschen.
Einen weiteren Aspekt der Sterbens/Todes stellt das Todesverlangen älterer Menschen dar. Burkhardt, Sperling, Gladisch und Kruse (2003) erfassten dieses Verlangen in einer Pilotstudie mit zehn geriatrischen Akutpatienten hinsichtlich der Dauer,
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Arbeit zitieren:
Mag. Lucia Pichler, 2007, Sterben und Tod bei älteren Menschen, München, GRIN Verlag GmbH
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