1 Einleitung
Die Zielsetzung dieser Arbeit, besteht einerseits darin, einen Überblick der Negationstypologie im Slawischen aufzuzeigen, und andererseits die damit aufkommenden Problemstellungen. Als theoretischen Ansatzpunkt werden weitestgehend die Untersuchung von William Croft (1991) und Ljuba Veselinova (2008), die die Forschungserkenntnisse Croft´s als Basis ihrer Untersuchungen machte, verwendet. Croft erarbeitet in seinem Aufsatz eine Typologie zwischen der Beziehung des verbalen Negationsglieds und der negativexistentiellen Formen. Er findet drei distinktive Typen in den Sprachen der Erde: Typ A, in welchem das existentielle Prädikat von dem Verbal-Negator negiert wird; Typ B, in welchem es ein negativ-existentielles Prädikat unterschiedlich vom Verbal-Negator gibt; Typ C, in dem das negativ-existentiellen Prädikat identisch mit dem Verbal-Negator ist. Die Haupterkenntnis in Croft´s Aufsatz ist der fortlaufende Wechsel von einem Typ zum anderen. Dadurch entsteht eine zyklische Entwicklung, nämlich der negativ-existentielle Zyklus. In wieweit der Croft Zyklus die Vollständigkeit der Slawischen Negation wiederspiegelt, diese Frage soll als Ansatz durch meine Arbeit führen. Ich werde im Folgenden den von William Croft entwickelten Forschungsansatz zur Typologie der Negation genauer darstellen und anschließend mein Hauptaugenmerk auf Lücken des Croft Zyklus in Bezug auf die Negation im Slawischen, sowie auf die Erweiterungen der Croft Theorie, die von Ljuba Veselinova erarbeitet worden sind, eingehen.
2 Hauptteil
2.1 Grundbegriffe der Satznegation
Warum sind Negationen für den Sprecher bzw. für die Sprachen der Erde nun so wichtig? Negationen besitzen eine spezifische Eigenschaft die nur in natürlichen Sprachen wiedergegeben werden kann. Es wird allgemein behauptet, Negation sei ein sprachliches Universal, etwas also, das in jeder natürlichen Sprache ausgedrückt werden kann. (BRÜTSCH (1990); GREENBERG (1963); HORN (1989) u.a.). Um den Fortlauf der Arbeit besser illustrieren zu können, möchte ich einige Grundbegriffe definieren und erläutern. In der einfachen Logik, ist die Negation ein Operator, welche den Wahrheitsgehalt der Behauptung umkehrt. (JACOBS 1991: 560) Während die Kernaussage der Negation als eindeutig beschrieben wird, zeigt Negation aus der linguistischen Ansichtsweise eine komplexe Interaktion von Bedeutung und Struktur. Wenn wir uns Negation von der einzelsprachlichen und sprachübergreifenden Perspektive anschauen, erkennen wir sofort, dass Negationen viel
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mehr beinhaltet als nur das Anfügen eines Negations-Marker an einen bejahenden Satz. In der Theorie werden drei Typen der Negation unterschieden. Der Begriff der Standard Negation bezieht sich auf die Negation einfacher indikativischer Sätze mit einem offenen Verb Prädikat, zum Beispiel: Mary ne pee (Mary singt nicht). Indikative Sätze beschreiben die objektive Wirklichkeit. Der Indikativ als Wirklichkeitsform erklärt den Sachverhalt als gegeben dargestellt, das heißt der Indikativ gilt als die Form der neutralen, sächlichen Aussage. Der Satz wie Mary ne e lekarka (Mary ist kein Arzt) wäre hier ein non-verbaler Satz, da ein Verb Prädikat vollständig fehlt. Njama divi kotki (Es gibt keine wilden Katzen) ist ein negativ-existentieller Satz, da die Existenz bzw. das Vorhandensein eines bestimmten Objektes bestritten wird. Die non-verbalen und negativ-existentiellen Sätze werden von dem Bereich der Standard Negation ausgeschlossen, weil sie in vielen Sprachen nach unterschiedlichen Mustern negiert werden, deswegen werden sie unter der Gruppe der speziellen Negation eingegliedert. Die erste Frage die sich nun stellt ist, wie die Interaktion zwischen spezieller Negation und Standardnegation verläuft. Eine erste Antwort darauf gibt der von William Croft entwickelte Negationszyklus, den ich im nächsten Teil dieser Arbeit beschreiben möchte.
2.2 Schematisierung der Negationstypen nach William Croft
Der von William Croft entwickelte Zyklus zeigt nicht nur die drei in der Einleitung genannten Typen A, B und C, sondern auch, dass durch den fortlaufenden Wechsel von einem Typ zum anderen ein komplett neuer Negationstyp entstehen kann. In Crofts Artikel von 1991 präsentiert er eine dynamische Interpretation von synchronen Daten, dass heißt er benutzt Daten von heutigen Sprachen um eine Hypothese des diachronen Wandel dazustellen. Am Anfang entwirft er eine Typologie zwischen der Beziehung des verbalen Negationsglieds und der negativ-existentiellen Formen. Die entwickelten Typen möchte ich nun an konkreten Beispielen illustrieren. Da sich meine Arbeit hauptsächlich auf die Negation der slawischen Sprachen bezieht, werde ich nicht alle Typen des Croft Zyklus näher erläutern, sondern wirklich nur die Typen erwähnen die in den slawischen Sprachen vorkommen. Eigentlich sind nur drei der sechs vorgeschlagenen Typen von Croft in den slawischen Sprachen attestiert. In Typ A sind das verbale Negationsglied und das existentielle Negationsglied identisch, dieses trifft nur für eine slawische Sprache zu, nämlich des Obersorbische. Das Negationsglied nje wird als Präffix zur Verneinung in Beispielsatz 1 als verbales Negationsglied verwendet.
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In Beispielsatz 2 wird das Negationsglied nje als existentielles Negationsglied verwendet.
2a) Diw-je kóþk-i eksistu-ja/dawa-(ja) ‘Wilde Katzen existieren’
2b) Diw-je kóþk-i nje-eksistu-ja/dawa-(ja) ‘Wilde Katzen existieren nicht’
Das Negationsglied nje wird in beiden Beispielen als Präfix zur Verneinung verwendet. Es besteht damit kein Unterschied zwischen dem verbalen und existentiellen Negationsglied, die somit identisch sind. In Typ A ~ B, der als Übergangsvariante der Typen A und B beschrieben wird, zeigt sich als der am häufigsten auftretende Typ in den slawischen Sprachen. Hier sind das verbale und das existentielle Negationsglied verschieden und das existentielle Negationsglied ist auf die Gegenwartszeitform beschränkt. Somit wird dem existentiellen Negationsglied eine Kontextabhänigkeit im Präsens zugeschrieben. Als verbales Negationsglied aus dem serbo/kroatischen in Beispiel 3 und als existentielles Negationsglied in Beispiel 4 ist zu erkennen, dass in der existentiellen Negation durch spezielle Negationsglieder die Verneinung durchgeführt wird.
(haben.3Pers.Sg.Pres/wild-Gen.Pl.m/Katze-Gen.Pl.m) ‘Es gibt/existieren wilde Katzen’ 4b) nema divl-jih maþ-aka
(nicht-haben.3.Sg.Pres/ wild-Gen.Pl.m/ Katze-Gen.Pl.m) ‘Es gibt/existieren keine wilde Katzen’
Durch das Negationsglied nema, welches die Negation von dem Verb haben im Präsens ist, wird die nicht Existenz von Dingen dargestellt. Auch hier wird nur in der Gegenwart eine Verneinung ermöglicht. Der letzte Typ der für die slawischen Sprachen eine Relevanz demonstriert, ist der Typ B ~ C, der wiederum eine Übergangvariante zu Typ B und C wiederspiegelt. Dieser Typ bezieht sich nur für das Bulgarische und Mazedonische, das besondere hierbei ist zeitliche Unabhängigkeit des Kontextes, sowie die Verbindung der existentiellen mit den verbalen Negationsgliedern. Zu dem oben genannten serbo/kroatischen Beispiel kommt nun im Bulgarischen Beispiel 5 und 6 dazu.
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Arbeit zitieren:
René Smickt, 2009, Typologie der Negation im Slavischen, München, GRIN Verlag GmbH
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