Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung. 1
2 Maßnahmen zur Verbesserung des Unterrichtsangebots zum Themenge-
biet Jugendschuldenprävention und -beratung’ 3
2.1 Lernen durch Lehren - Ein Konzept zur Integration der Schülerinnen und
Sch üler in die Lehr- und Lernrolle 3
2.2 Was wollen wir eigentlich? - Schülersichten als Basis für guten Unterricht. 7
2.2.1 Grundlagen der Fragebogenkonstruktion. 7
2.2.2 Erfassung der Schülersichten zum Thema „Schuldenprävention
und -beratung“ 10
2.3 Lehrer sind keine Einzelkämpfer oder zum themen- und teambezogenen
Erfahrungsaustausch 11
3 Literaturverzeichnis 13
Anlagen
1
1 Problemstellung
„Die (Ausgangs)situation:
Ungewollte Verschuldung ist mittlerweile ein Problem, welches immer jüngere Menschen
betrifft. Laut Aussagen von Andreas Göbel und der Money-Master e.V. sind im Jahr 2008
bundesweit 950.000 Jugendliche verschuldet bzw. haben ein Schuldenproblem. 350.000
Jugendliche sind sogar schon überschuldet. Was kann man daran ändern?
Wichtig ist, dass sich insbesondere schon die Jugendlichen mit dem Thema ‚Verschul- 1 dung - Überschuldung’ auseinandersetzen.“
Dieser vorgestellte Textabschnitt diente als Einstieg für einen Unterricht im November 2008, in dem Schülerinnen und Schüler einer Zweijährigen Berufsfachschule mit dem Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung ihre Arbeitsergebnisse einer ihnen unbekannten Klasse von angehenden Bürokaufleuten vorstellten 2 . Dabei bestand die grundlegende Zielsetzung der insgesamt 6-stündigen Unterrichtssequenz - vier Unterrichtsstunden zur Vorbereitung, zwei Unterrichtsstunden zur Präsentation - darin, dass Schülerinnen und Schüler, welche sich im Themengebiet ‚Jugendschuldenprävention und -beratung’ relativ gut auskennen andere Schülerinnen und Schüler für das Thema sensibilisieren und bei diesen Interesse wecken.
Insgesamt ergaben sich bei der Vorstellung der Ergebnisse zahlreiche Probleme, von denen einige hier kurz stichpunktartig aufgegriffen werden: • ‚Abspulen’ von Fakten seitens der Vorstellenden
• Kein Aufgriff von realen Schicksalen und Erfahrungen der jugendlichen Präsentierenden
• Sprachliche und haltungsbezogene Unsicherheiten bei den Vortragenden • Fehlen einer emotionalen Präsentationsqualität - die Jugendlichen kommen nicht aus sich heraus • Kaum Rückfragen der Zuhörerinnen und Zuhörer
Es wird an dieser Stelle schon deutlich, dass hinsichtlich der Problemlagen Zusammenhänge zwischen einzelnen Elementen bestehen. So bedingen bspw.
1 sh. Anlage 1. Der in der Anlage hinterlegte Textausschnitt basiert auf Datensammlungen der Money Master e.V., welche in einem Reader zusammengefasst sind. Die hier genannten Ausschnitte beziehen sich auf S. 7 dieses Readers.
2 Die verwendeten Unterrichtsmaterialien, der Unterrichtsentwurf (unpersonalisiert) und eine Präsentation der Arbeitsergebnisse im Rahmen einer Seminarveranstaltung werden zur weite- ren Be- und Verarbeitung auf Anfrage an xxx gerne versendet.
2
die sprachlichen und haltungsbezogenen Unsicherheiten der Vortragenden das ‚Abspulen’ der Fakten, da so seitens der Präsentierenden ein sprachlicher Schutz vor Bloßstellungen und Nachfragen aufgebaut werden kann. Gleichzeitig sinkt somit die emotionale Präsentationsqualität, die Adressaten fühlen sich kaum angesprochen und das Interesse am Zuhören sinkt ebenfalls, was sich auch in den mangelnden Rückfragen zeigt.
Das Ziel dieser Arbeit besteht nun darin, auf Basis der dargelegten Problemlagen geeignete Lösungsmöglichkeiten und eventuelle Alternativen zu entwickeln und zu analysieren. Gleichzeitig können die aufgezeigten Elemente auch im Rahmen weiterer schul- und seminarbezogener Entwicklungsmöglichkeiten genutzt werden, sodass hier der Einstieg für weitergehende Optimierungen gelegt wird.
Zunächst wird das Konzept ‚Lernen durch Lehren’ kurz theoretisch vorgestellt. Auf diesen Darlegungen aufbauend wird das Konzept in den Rahmen des Unterrichtsthemas ‚Jugendschuldenprävention und -beratung’ eingebettet; Opti-mierungsvorschläge der durchgeführten Unterrichtssequenz werden hier entsprechend eingebunden.
Im nächsten Kapitel stehen die Erfahrungen und Interessenlagen der Jugendlichen - also sowohl die der Vorstellenden als auch die der Zuhörenden - im Vordergrund. Dabei wird anhand der Grundlagen der Fragebogenkonstruktion ein Erhebungsinstrument konzipiert, anhand dessen Schülersichten zum oben genannten Thema erfasst und unterrichtlich nutzbar gemacht werden können. Entscheidend ist hier die Motivationslage der Schülerinnen und Schüler in den Blick zu nehmen.
Im abschließenden Kapitel wird nun der Leitgedanke des Lehrers als Einzelkämpfer zur Idee des kompetenzorientierten Lehrerteams gedacht. Dementsprechend werden auch Vorschläge entwickelt inwieweit eine Übertragbarkeit der schulbezogenen Erfahrungen zum Themenbereich ‚Jugendschuldenpräven- tion und -beratung’ sinnvoll ermöglicht werden kann.
3
2 Maßnahmen zur Verbesserung des Unterrichtsangebots zum Themengebiet ‚Jugendschuldenprävention undberatung’
2.1 Lernen durch Lehren - Ein Konzept zur Integration der Schülerinnen und Schüler in die Lehr- und Lernrolle
Trotz jahrzehntelanger Bemühungen zugunsten offener Unterrichtsformen findet der Großteil unterrichtlicher Gestaltungen frontal statt, was bedeutet, dass der Unterrichtsstoff vom Lehrer an die Schülerinnen und Schüler weitergeleitet wird. Die kognitive Leistung der Schülerinnen und Schüler besteht in diesem Unterrichtskonzept weiterhin darin die immer korrekt vermittelten Inputhäppchen zu verstehen und zu memorieren 3 . Diese von HAGE ET AL. bezeichnete methodische „Monostruktur 4 “ des Frontalunterrichts erzieht nach MEYER „zum obrigkeitsstaatlichen Denken und Fühlen [und] […] ist kaum geeignet [ ] [die Forderungen der Kultusministerkonferenz 5 nach] Selbst[st]ändigkeit des Denkens, Fühlens und Handelns der Schüler[innen und Schüler]“ 6 zu erfüllen. Gerade „in einer Gesellschaft, deren Komplexität und Unüberschaubarkeit zunehmen und die deshalb vielfältigere Kompetenzen erfordert als bloßes Wissen, erscheinen neue Lernmethoden unabdingbar. Die Schüler müssen mehr denn je zur Bewältigung und aktiven Gestaltung dieser komplexen Umwelt befähigt werden.“ 7 Diese Forderung erreicht nach MARTIN und GRZEGA das von ihnen begründete bzw. weiterentwickelte pädagogische Konzept ‚Lernen durch Lehren’ 8 .
Das grundsätzliche Vorgehen bei diesem Konzept ist die Aufteilung des zu vermittelnden Unterrichtsstoffs in kleine Portionen auf die Schülerinnen und Schüler. Diese reduzieren die z.T. immer noch umfangreichen Inhalte auf ihre Kernsubstanz und vermitteln das Wesentliche anschließend ihren Mitschülerinnen und Mitschülern 9 10 . Entscheidende Merkmale dieses didaktischen Kon-
3 vgl.MARTIN 2003, S. 1
4 vgl. HAGE ET AL. 1985, S. 46 zit. n. SEIFRIED 2005, S. 1
5 vgl. KULTUSMINISTERKONFERENZ 2006, S. 5
6 MEYER 2006, S. 184
7 GRZEGA o.J.a, S. 1
8 vgl. GRZEGA o.J.b, S. 1
9 vgl. MARTIN 2003, S. 3
10 Das von HEROLD/ LANDHERR entwickelte Konzept des Sandwich-Prinzips i.V. mit dem Grup- penpuzzle gleicht dem hier vorgestellten Konzept des Lernen durch Lehrens und kann als Ver-
4
zepts sind die autonome Moderation des Unterrichtsablaufs durch die Schülerinnen und Schüler, die Präsentation neuen Unterrichtsstoffs in einem motivierenden Unterrichtsverlauf und die Förderung sozialen Lernens durch direkte Schüler-Schüler-Kontakte 11 .
MARTIN schreibt dem Konzept ‚Lernen durch Lehren’ weitergehende Wahrnehmungsmöglichkeiten seitens des Lehrers zu, welche in einer traditionellen Unterrichtsanlage kaum wahrgenommen würden. Demnach zeige die Schülerin bzw. der Schüler den Umgang mit fächerübergreifendem Wissen, Ausstrahlung bei der Interaktion mit Mitschülerinnen und Mitschülern, die Gabe das Publikum zu fesseln, kreative Visualisierungstalente und ihr bzw. sein didaktisches Geschick der Gestaltung von Arbeitsmaterialien im Vermittlungsprozess. Zudem zeigen seiner Meinung nach die Schülerinnen und Schüler ihre moderative Begabung und ihre Fähigkeit Mitschülerinnen und Mitschüler direkt zur Meinungsäußerung zu ermutigen 12 .
Entscheidend für MARTIN ist in diesem Kontext, dass der Lehrer die Schülerinnen und Schüler dazu bringen muss „ihre Ressourcen vollständig für die Erreichung eines Zieles einzusetzen.“ 13 Gerade bei dieser Zielformulierung fordert er vom Lehrer weiter, dass dieser solche Unterrichtsziele anbietet, welche möglichst die Bedürfnisse nach sozialer Anerkennung, nach Selbstverwirklichung und nach Transzendenz 14 ansprechen. Das Unterrichtssetting soll den Schülerinnen und Schülern entsprechend ermöglichen einen Inhalt schrittweise zu hinterfragen, ihn zu diskutieren und zu modifizieren und so zu einer Lösung zu gelangen, welche sich als Resultat einer Emergenz eines kollektiven Denkprozesses ergibt 15 .
Das Konzept ‚Lernen durch Lehren’ erscheint in der obigen Darstellung, welche sich hauptsächlich auf die Sichtweise MARTINS stützt, als ideelle Vorstellung eines Unterrichtsarrangements, das grundsätzlich von intrinsisch motivierten Schülerinnen und Schülern ausgeht, was bedeutet, dass die Schülerinnen und
gleichskonzept durchaus herangezogen werden. Für einen grundlegenden Überblick zu dem Vergleichskonzept empfiehlt sich die Literaturrecherche von HEROLD/ LANDHERR 2003.
11 vgl. GRZEGA o.J.a, S. 1
12 vgl. MARTIN 2003, S. 3 - 4
13 MARTIN 2003, S. 5
14 Transzendenz ist für MARTIN das Bedürfnis, dem eigenen Leben einen Sinn über die eigene Existenz hinaus zu verleihen. (MARTIN 2003, S. 5)
15 vgl. MARTIN 2003, S. 5 - 7
Arbeit zitieren:
Dipl.-Hdl. Michael Steinert, 2008, Schülerindividuelle Voraussetzungen zur motivationsgeladenen Erschließung und Vermittlung eines sensiblen Themas, München, GRIN Verlag GmbH
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