Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Anfänge des Naturschutzes 4
2.1. Jagd und Naturschutz am Beispiel Afrikas 4
2.2 Der Weg zur Gründung des ersten Nationalparks 6
2.3. Exkurs: Die geschichtliche Rolle der Medien bei der Naturschutzbewegung 8
3. Die Entstehung des internationalen Naturschutzes und internationaler Organisationen 9
4. Weitere Institutionalisierung des internationalen Naturschutzes 12
5. Ausgewählte internationale Abkommen 15
6. Schlussbetrachtung 18
7. Literaturverzeichnis 20
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1. Einleitung
Menschen fühlen sich seit jeher der Natur verbunden. Die Wurzeln der Naturverbundenheit reichen bis in das 3. Jahrhundert vor Christus, als Religionen Taoismus und Konfuzianismus die Wertvorstellungen prägten (Kovarik 2001). Sie erklärten die Gesetzmäßigkeiten der Umwelt und vermittelten den Menschen Erkenntnisse über das Leben im Einklang mit der Pflanzen- und Tierwelt. Die Zivilisationen des Altertums Ägypten, Babylonien und Sumer glaubten an Verbindung zwischen der Natur und dem Göttlichen (ebd.). Griechische Philosophen sehen die Nachahmung der Natur als Schlüssel zum Verständnis des Lebens (ebd.). Griechische Mythologie verbindet die Gerechtigkeit mit der Umwelt, indem Themis, die Göttin des Gesetzes als Tochter von Gaia, der Gottheit der Erde auftritt (ebd.). Auch Propheten der Weltreligionen Judentum, Islam, Buddhismus und Christentum haben die Verbindung zum Göttlichen durch den Rückzug in die Natur aufgenommen (ebd.).
Die besondere Beziehung der Menschen zu ihrem Lebensraum kann nicht nur auf religiöse oder spirituelle Gründe zurückgeführt werden. Die Abhängigkeit von den Stoffen der Natur wie Wasser, Erde, Luft, Sonne und von den sensorischen Eindrücken aus der Umwelt, wie vom Blütenduft oder Vogelstimmen sind ein Zeugnis dafür, dass der Mensch ein Teil der Natur ist (Heydemann 2001: 117). Dieses Abhängigkeits- und Zugehörigkeitsgefühl wird durch das Angewiesensein auf das Nahrungsnetz verstärkt (Heydemann 2001: 117). Auf diese Weise kann das Verpflichtungsgefühl des Menschen die Natur und die Umwelt zu schützen, erklärt werden. Aus diesem Verpflichtungsgefühl heraus wurden bereits in der frühen Menschheitsgeschichte Maßnahmen zum Naturschutz ergriffen. Dschingis Khan ordnete 1210 Schonzeiten für Rotwild, Steinböcke und Wildesel (Erdmann 2006). Die ersten Gesetze zum Vogelschutz stammen aus Zürich, aus dem Jahre 1325 und die ersten Pflanzenschutzbestimmungen 1650 aus Münster (ebd.). Somit blickt der Naturschutz auf eine lange Geschichte zurück. Die historische Entwicklung des Naturschutzes und die dadurch hervorgebrachten Veränderungen sind der Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Die geschichtliche Entwicklung des Naturschutzes ist entscheidend für das Verständnis der Umweltpolitik und des Umweltrechtes. Daher beschäftigt sich diese Arbeit mit der Frage, welche Ziele Naturschutz im Laufe der Jahre verfolgte und in Abhängigkeit von welchen Faktoren sich diese gewandelt haben. Eine weitere Frage lautet: Wie hat sich die Umweltpolitik im Verlauf der Zeit verändert?
Um diesen Fragen nachgehen zu können, bin ich chronologisch vorgegangen, beginnend mit den Anfängen des Naturschutzes in Afrika und den Vereinigten Staaten von Amerika. Des
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Weiteren werde ich auf die Internationalisierung und Institutionalisierung des Naturschutzes ausführlich eingehen. Um den Rahmen der Arbeit nicht zu sprengen, werden nur ausgewählte internationale Abkommen präsentiert, die von besonderer Bedeutung sind.
2. Die Anfänge des Naturschutzes
2.1. Jagd und Naturschutz am Beispiel Afrikas
„The question is not, Can they reason? Nor can they talk? But, Can they suffer?“ (Kovarik 2001, zit. n. Jeremy Bentham 1780).
Die Lebensart der Ureinwohner Afrikas als Sammler und Jäger bedrohte keine Ressourcen oder Tierwelt des Landes. Die eingeborenen Stämme jagten nur für den Eigenbedarf und gingen nicht verschwenderisch mit den Naturressourcen um. Im 17. Jahrhundert kamen die ersten ausländischen Siedler, die eine Veränderung des Naturzustandes durch Rodungen, Urbarmachung, Vernichtung von Lebensräumen und Jagd, die nicht primär der Nahrungsversorgung diente, hervorgerufen haben. Die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen Afrikas erreichte ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert als mehrere Tierarten am Rande des Aussterbens standen. Diese Entwicklung war nicht nur das Resultat der gestiegenen Nachfrage nach Fellen, Elfenbein und Hörnern sondern auch eine Folge vom Jagen aus Vergnügen. William M. Adams (2004: 21) beschreibt eine im Jahre 1830 neu in Indien entstandene Form der Jagd, die mit dem Begriff „Jagdtourismus“ erfasst werden kann. Ausländische Jäger organisierten Expeditionen ins Landesinnere mit dem Ziel wilde Tiere zu erlegen. Sie veröffentlichten Bücher über ihre Jagdreisen, die großen Zuspruch bekamen. Die dabei errungenen Trophäen schmückten die viktorianischen Häuser und wurden zu Exponaten in öffentlichen und privaten Museen. Durch den Handel mit Elfenbein und anderen bei der Jagd erworbenen Wirtschaftsgütern war es möglich die Expeditionen zu finanzieren und einen Profit zu erzielen. In Afrika hielt die oben beschriebene Jagdform ebenso Einzug. Jagd wurde als Sport angesehen und genoss eine ungemeine Popularität. Sie diente der gesellschaftlichen Repräsentation und galt als ein Privileg des Adels. In den 1860ern wurde ein alarmierendes Zurückgehen von Beständen festgestellt. Adams (2004: 21) führt aus, dass am Ende des 19. Jahrhunderts nur zwei Elefantenpopulationen südlich von Limpopo verblieben waren. Mehrere Arten waren zu dem Zeitpunkt bereits ausgestorben und das nicht nur in Afrika. Quagga, eine Zebra-Form, die äußerlich an eine Mischform aus Zebra und
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Pferd erinnert und weit verbreitet in Südafrika war, gehörte zu den ausgerotteten Arten. Blaubock, eine afrikanische Antilope aus Südafrika, wurde auch von den Europäern durch Vergnügungsjagden ausgerottet. Der Dodo oder auch Dronte, eine restlos vernichtete Vogelart, deren Verbreitungsgebiet sich auf die Inseln Mauritius und Reunion im Indischen Ozean beschränkte, war durch die Flugunfähigkeit eine leichte Beute. Rodrigues-Solitär, eine nah verwandte Art des Dodos; Stellersche Seekuh des nördlichen Pazifik; der Riesenalk, ein flugunfähiger Seevogel aus der nördlichen Atlantik, sowie die Wandertaube, die in Nordamerika verbreitet war, wurden durch exzessive Bejagung ausgerottet und sind ein Zeugnis der Verantwortungslosigkeit, des Geizes und der Blutrünstigkeit ( Adams 2004).
Als diese Entwicklungen bewusst wurden, sind Maßnahmen zum Naturschutz eingeleitet worden mit dem Ziel die Jagdbestände zu erhalten. Es wurden mehrere Gesetze zum Artenschutz in Südafrika erlassen. Die „Game Law Proclamation“ (1822) regelte die Vergabe von Jagdlizenzen für bestimmte Tierarten, darunter Elefanten und erteilte Jagdverbote in Abhängigkeit von Jahreszeiten (Adams 2004: 22). Dieses Gesetz gewährte Land- bzw. Plantagebesitzern ein Recht zu jagen und erlaubte Reisenden die Jagd zur Nahrungsversorgung. Der Gesetz zum Schutz der Areale in der Nähe von Kapstadt wurde 1846 verabschiedet (Adams 2004: 23). Im Jahre 1886 wurden die ersten Gesetze zum Schutz bestimmter bedrohter Arten erlassen („Act for the Better Preservation of Game“), darunter auch von Quagga, das zu dem Zeitpunkt in der Wildnis bereits ausgestorben war. Diese Bestimmungen wurden 1880 von Transkei und 1890 von Natal übernommen (ebd.). Weitere Kolonien folgten dem Beispiel, Kenia und Rhodesien erließen 1898 Bestimmungen zur Bewahrung des Tierbestandes (Adams 2004: 24). Britisch verwaltete Kolonien führten Listen geschützter Tierarten am Ende des 19. Jahrhunderts ein. Diese enthielten unter anderem Giraffe, Elanantilope, Büffel, sowie Tiere, die sich nur langsam fortgepflanzt haben, solche wie Nilpferde, Nashörner oder Großer Kudu.
In dieser Zeit erlangte das Thema Naturschutz eine weltweite Bedeutung. Die Folgen der unkontrollierten Jagd in Afrika und die daraus resultierende Beeinträchtigung der Tierwelt erreichten das Bewusstsein der Kolonialmächte. Im Jahr 1900 fand in London eine der ersten internationalen Naturschutzkonventionen zum Schutz von Tier- und Pflanzenwelt in Afrika („Convention for the Preservation of Animals, Birds and Fish in Africa“) statt. Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und belgisches Kongo einigten sich auf standardisierte Bestimmungen bezüglich der Jagdregulierung. Sie stimmten der Erstellung einer Liste vom Aussterben bedrohter Arten zu, die mit einem Jagdverbot versehen wurden. Der Handel mit Elfenbein sollte auf weniger als 11 Pfund eingeschränkt
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werden und Reservate bzw. Schutzgebiete geschaffen werden. Die europäischen Kolonialmächte waren bereit die Verantwortung für den Arten- und Naturschutz zu übernehmen und die Ausbeutung der Kolonien zu unterbinden.
Die erste Organisation, die als Zielsetzung die Bewahrung der Jagdbestände und Artenschutz in Afrika hatte, wurde 1903 von einem Jäger aus London gegründet. Edward North Buxton und seine Organisation Society for the Preservation of the Wild Fauna of the Empire (SPWFE) leisteten Aufklärungsarbeit zur Bedeutung des Naturschutzes. Die SPWFE setzte sich für die Sicherung von Lebensräumen der Säugetiere ein und arbeitete zusammen mit der Regierung an der Gesetzgebung zur Jagdregulierung.
Aus den oben dargestellten Ausführungen geht hervor, dass die ersten Maßnahmen des Naturschutzes zum Erhalt der Jagdbestände eingeleitet wurden.
2.2 Der Weg zur Gründung des ersten Nationalparks
Die USA im 19. Jahrhundert waren genauso wie Afrika von dem Artenrückgang betroffen. Die weißen Siedler verdrängten Tiere und Pflanzen aus ihren natürlichen Lebensräumen. Amerikas Tatenlosigkeit in Bezug auf diese Entwicklungen kritisierte Europa bereits im 18. Jahrhundert. Thomas Jefferson, der dritte Präsident die Vereinigten Staaten von Amerika, bestreitet in seinem Werk „Notes on the State of Virginia“ (1785), dass Tier- und Pflanzenarten verdrängt werden (Kovarik 2001). Das erste Gesetz mit dem Ziel des Naturschutzes folgt 1791, als der Bundesstaat New York Regelungen zum Schutz von Moor- Huhn erlässt (Kovarik 2001). Im Jahre 1818 wird ein Jagdverbot auf Rotkehlchen und gehörnte Lerchen in Massachusetts verabschiedet (ebd.). Das Bewusstsein für die Bedeutung des Naturschutzes und für die Folgen der unkontrollierten Jagd, sowie der Zerstörung von Lebensräumen nimmt erst im 19. Jahrhundert zu. Maler und Autor George Catlin äußerte als erster die Idee zum Schutz von bestimmten Arealen, 1832 fordert er die Gründung eines Nationalparks, um die Naturbestände vor Ausbeutung zu schützen. Seinen Forderungen wird keine öffentliche Aufmerksamkeit zuteil. Erst als 1852 ein Riesenmammutbaum, der als „Mother of the Forest“ bezeichnet wurde, in Calaveras Grove gefällt wird, sorgt die Ausbeutung der Natur für mediale (Printmedien) und öffentliche Aufruhr. Die Höhe des Baumes betrug 300 Fuß (91,44 m), der Umfang berechnete sich auf 92 Fuß (28,042 m) und das Alter wurde auf über 2500 Jahre geschätzt (Neuzil und Kovarik 1996:54-59). George Gale hat das Absägen des Mammutbaumes angeordnet mit dem Ziel ihn als Ausstellungsstück auf Volksfesten gegen Bezahlung zu präsentieren. Sein Vorgehen stieß auf heftige Kritik, so
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Anna Eckhardt, 2009, Once upon a time: Ein historischer Abriss des Naturschutzes weltweit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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