Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung S.2
2. Die Kaiserkrönung Ottos I. S.3
3. Widukinds Res gestae Saxonicae S.5
4. Die Glaubwürdigkeit der Res gestae Saxonicae S.7
5. Fazit S.11
6. Literaturverzeichnis S.12
7. Quellenverzeichnis S.13
1
1. Einleitung:
„Durch den herrlichen Sieg mit Ruhm beladen, wurde der König von seinem Heer als Vater des Vaterlandes und Kaiser begrüßt.“ 1 Dies ist der einzige Satz, den Widukind von Corvey in seiner Sachsengeschichte über die Kaiserkrönung Ottos I. verliert. Nach diesem Bericht zur Folge wurde Otto I. nach der Lechfeldschlacht im Jahre 955 zum Heerkaiser nach römischem Vorbild von seinen Soldaten erhoben. Die Tatsache aber, dass Otto I. im Jahre 962 von Papst Johannes XII. zum Kaiser gekrönt wurde, wird in der Sachsengeschichte nicht mit einem Wort erwähnt.
Es gilt also zu fragen, ob Widukinds Sachsengeschichte als glaubwürdiger, historisch korrekter Bericht angesehen werden kann. Das Nichterwähnen der Kaiserkrönung ist kein Einzelfall, sondern steht in einer Reihe mit bewussten und unbewussten Fehldarstellungen von historischen Ereignissen in allen drei Büchern der Sachsengeschichte. Diese Thematik, die Untersuchung des historischen korrekten Gehaltes der Sachsengeschichte, wird in mehreren wissenschaftlichen Darstellungen behandelt. Die wichtigsten Forschungen, auf denen dieser Aufsatz beruht, sollen hier kurz genannt sein: zu einem das Standardwerk „Widukind von Korvei“ von Helmut Beumann 2 . Des Weiteren stehen mehrere Aufsätze der Mediävisten Johannes Fried 3 , Gerd Althoff 4 und Hagen Keller 5 zum Diskurs. Die Quellenlage im Bezug auf Widukinds Sachsengeschichte ermöglicht eine Synopse zwischen seinem Werk und den Schriften des Liutprand von Cremona 6 , Adalberts von Magdeburg 7 und Hrotswith von Gandersheim 8 , was Aufschluss über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der jeweiligen geschichtlichen Darstellung gibt.
1 Widukind von Corvey: Res gestae Saxonicae, Edd. Lohmann, Hans-Eberhard / Hirsch, Paul (MGH SS Rer.
Germ. 60), Hannover, 1935. Übersetzung aus dem Lat. übersetzt in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit, Hrsg. Buchner, Rudolf: (Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe VIII), Darmstadt 1971, S.12 - 183. Hier S .159 im lat. Original: „Triumpho celebri rex factus gloriosus ab exercitu pater patriae imperatorque appelatus est.“
2 Beumann, Helmut: Widukind von Korvei, Weimar 1950.
3 Fried, Johannes: Die Königserhebung Heinrich I., in: Michael Borgolte (Hrsg.): Mittelalterforschung nach der Wende, Historische Zeitschrift, Bd.20, München 1995, S. 267 - 318.
4 Althoff, Gerd: Widukind von Corvey. Kronzeuge und Herausforderung, in: Frühmittelalterliche Studien 27, (1993), S.78 - 104. und Althoff, Gerd: Inszenierte Herrschaft. Geschichtsschreibung und politisches Handeln im Mittelalter, Darmstadt 2003, S. 105 - 125.
5 Hagen Keller: Widukinds Bericht über die Aachener Wahl und Krönung Ottos I., in: Frühmittelalterliche Studien 29, (1995), S.91 - 130.
6 Liudprands Werke, in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit, Hrsg. Buchner, Rudolf: (Freiherrvom-Stein-Gedächtnisausgabe VIII), Darmstadt, 1971, S.315; 496 - 523.
7 Adalberts von Magdeburg Fortsetzung der Chronik Reginos, in: Quellen zur Geschichte der sächsischen Kaiserzeit, Hrsg. Buchner, Rudolf: (Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe VIII), Darmstadt, 1971, S.193 - 213.
8 Hrotsvitha Gandeshemensis. Hrotsvithae Opera, (MGH SS Rer. Germ. 34), Berlin, 1955 (Nachdruck).
2
Im Hauptteil dieser Untersuchung soll zuerst der historische Hintergrund der Kaiserkrönung Ottos I. erläutert werden. Sowohl der Grund und die Vorbereitung des zweiten Italienzuges als auch der Ablauf der Krönung werden genauer analysiert. Des Weiteren wird speziell die Sachsengeschichte des Widukind betrachtet und anhand der oben genannten Darstellungen auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft. Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse soll abschließend geklärt werden, warum Widukind die historische Tatsache der Kaiserkrönung von 962 nicht berücksichtigte.
2. Die Kaiserkrönung Ottos I.:
Otto dem Großen gelang, durch die Niederschlagung des Aufstandes seines Sohnes 9 und den Sieg auf dem Lechfeld gegen die Ungarn 10 , eine Stabilisierung des Reiches nach innen und außen. Das Reich war durch diese Stabilität in eine hegemoniale Stellung gerückt und somit verwundert es nicht, dass Papst Johannes XII. 960 eine Gesandtschaft zu Otto I. schickte, um Beistand zu erbitten. Der Papst wurde nämlich von Berengar und seinem Sohn Adalbert, die eine Schreckensherrschaft über Norditalien ausübten, bedrängt. Ebenfalls übten auch die Fürsten von Benevet und Capua Druck auf die päpstlichen Einflussgebiete aus. Des Weiteren bildete sich eine Opposition in Rom gegen den jungen Papst, aufgrund seines sittenlosen Lebens 11 . In dieser Situation sah sich der Papst gezwungen einen Protektor nach Rom zu holen, der seine Position sicherte. Die besagte Gesandtschaft, bestehend aus dem Kardinallegaten Johannes und dem Notar Azzo, überbrachte Otto zum Weihnachtsfest 960 den Hilferuf. Der Papst stellte ihm im Falle seiner Unterstützung gegen Berengar die Kaiserkrone in Aussicht. Aber nicht nur der Papst, sondern auch „vertriebene italienische Bischöfe und Große“ 12 klagten über Berengar und seinen Sohn. Otto brach aber nicht sofort auf, sondern bereitete seinen zweiten Italienzug penibel vor. Als wichtigster Punkt der Vorbereitung ist die Königswahl seines noch minderen Sohnes Otto II. zu nennen. 961 berief Otto der Große einen Hoftag in Worms ein, auf dem die Fürsten seinen Sohn zum Mitregenten wählten.
9 Gemeint ist hiermit die Rebellion von Ottos Sohn Liudolf zusammen mit Konrad dem Roten, Herzog von Lothringen, und dem Bischof Friedrich von Mainz. Der Aufstand begann 953 und endete erst, nachdem Liudolf am Pfingstfest 954 mit den einfallenden Ungarn paktiert hatte und somit den größten Teil seiner Anhängerschaft verlor.
10 Die Schlacht auf dem Lechfeld fand 955 statt. Der Sieg Ottos des Großen war eine Zäsur auf dem Weg zum imperialen Königtum, da damit die Ungarneinfälle dauerhaft beendet wurden. In Widukinds Sachsengeschichte wird berichtet, dass der Sieg aufgrund von Göttlichem Beistand errungen wurde „“, was das Gottesgnadentum Ottos I. unterstreicht. Vgl. hierzu: Althoff, Gerd: Die Ottonen: Königsherrschaft ohne Staat, Berlin 2000, S.109.
11 Das sittenlose Leben wird von Liutprand von Cremona ausführlich beschrieben, es existiert aber kein Beweis, dass diese Anschuldigungen zutreffen. Dennoch spiegeln die Anschuldigungen den moralischen Verfall des Papstes dar, was die innerrömische Opposition erklärt.
12 Althoff, Gerd: Die Ottonen, S.112.
3
Darauf zogen die Teilnehmer des Hoftages nach Aachen, wo Otto II. von den Erzbischöfen Wilhelm von Mainz, Brun von Köln und Heinrich von Trier gesalbt und gekrönt wurde. Nachdem Ottos Nachfolge, im Falle eines Todes auf dem Italienzug, geklärt wurde, regelte er noch seine Stellvertretung im Reich. Diese wurde von seinem Bruder Brun von Köln und Wilhelm dem Erzbischof von Mainz übernommen. Wilhelm übernahm auch die Obhut Ottos II. Als Stellvertreter in Sachsen wurde Herzog Hermann Billung benannt. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, begab sich Otto 961 nach Augsburg, sammelte dort das Heer und überquerte den Brenner in Richtung Italien. Das Heer erreichte Pavia, wo Otto verweilte und das Weihnachtsfest feierte. Von dort aus schickte er Gesandte, unter ihnen Abt Hatto, nach Rom, um über den Einzug in die Ewige Stadt zu verhandeln. Am 31. Januar 962 zog Otto dann mitsamt seinen Soldaten in Richtung Rom. Das Heer verweilte am Monte Mario, der nordwestlich von Rom gelegen ist.
Die Festlichkeiten begannen am 2. Februar, dem Feste Mariä Lichtmess. Eine genaue Beschreibung des Krönungsaktes ist nicht vorhanden, deswegen sind Einzelheiten zur Krönung nur aus Mainzer Ordo 13 , einem vor dem Romzug zusammengestellten Programm zur Krönung, zu entnehmen. Allerdings ist dieser Ordo später in Rom ins Pontificale Romanum saec. XII aufgenommen worden, was dafür spricht, dass der beschriebene Krönungsablauf mit der Kaiserkrönung von 962 größtenteils übereinstimmt. Über den genauen Krönungsakt kann aus diesem Grund nur spekuliert werden.
Eine Anekdote des Thietmar von Merseburg hingegen beschreibt ein wenig die Stimmung in Rom. Während Otto der Große zur Krönung zog, befahl er dem Grafen Ansfried im Verlauf der gesamten Krönungszeremonie das Schwert gezückt über seinem Haupt zu halten, denn er kannte die Treue der Römer 14 . Diese Begebenheit zeigt, dass Otto sehr skeptisch und vorsichtig der Kaiserkrönung beziehungsweise dem italienischen Adel gegenüberstand. Im Anbetracht, dass Berengar bereits 941 Otto seine Treue hielt und seine später gewonnene Position nicht im Sinne des ostfränkischen Königs ausfüllte, ist Ottos Anweisung an Ansfried nachvollziehbar 15 . Skeptisch zeigte Otto sich auch gegenüber dem jungen Papst. Auf einer Synode am 12. Februar erhielt er eine Papsturkunde, die das Moritzkloster in Magdeburg zum Erzbistum erhob. Am darauffolgenden Tag stellte Otto der Große das sogenannte Ottonia- 13 Vgl.:Percy, Ernst Schramm: Die Krönung in Deutschland bis zum Beginn des Salischen Hauses (1028), in: Zeitschrift der Savigny - Stiftung für Rechtsgeschichte (Kanonistische Abteilung), Bd. 24, 1935, S. 184-332.
14 Vgl.: Laudage, Johannes: Otto der Große. (912-973). Eine Biographie, Regensburg, 2001, S.189.
15 Berengar (* ca. 900 - † 6. August 966) floh 941 vor König Hugo von Italien nach Schwaben. Er erhielt Asyl von Otto und huldigte ihm. 945 kehrte Berengar nach Italien zurück und vertrieb dort König Hugo und seinen Sohn Lothar. Die Gefangennahme Adelheids 951 und die Eroberungen Berengars in Oberitalien ab 953 zeigten Otto allerdings, dass er sich nicht auf seinen Markgrafen verlassen konnte. Vgl. Laudage, Johannes: Otto der Große, S.158 f.
4
Arbeit zitieren:
Ludger Steinbeck, 2009, Die Kaiserkrönung Ottos I., München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Techniklernen - Entwicklung spieltechnisch-taktischer Grundfertigkeite...
Ballannahme/-abgabe und Ballha...
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Seminararbeit, 21 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 31 Seiten
Neue Erkenntnisse in der Forschung zur Frage: Was ist eigentlich ein K...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 19 Seiten
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 30 Seiten
Blockpraktikumsbericht in Geschichte - Thema: Sklavinnen und Sklaven
Lehramt Geschichte
Praktikumsbericht / -arbeit, 41 Seiten
"Die Ritterburg - Wir lernen die Teile der Burg kennen" als...
Unterrichtsentwurf, 23 Seiten
Leistungsbestimmende Faktoren im Badminton
Sport - Sportarten: Theorie und Praxis
Seminararbeit, 17 Seiten
Die Krönungen Philipps und Ottos 1198
Am rechten Ort, von der rechte...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 16 Seiten
Der gesellschaftliche Doping-Diskurs - Analysen zum Dopingproblem un...
Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung
Examensarbeit, 90 Seiten
Die Kreuzzüge - ein historischer Abriss
Eine Darstellung von Gründen, ...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Darstellung der Lechfeldschlacht 955 bei Widukind von Corvey
Eine Analyse der Kapitel 30 un...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Seminararbeit, 20 Seiten
Didaktisch-methodische Vermittlung von Beinschwungbewegungen am Beispi...
Sport - Sportarten: Theorie und Praxis
Hausarbeit, 24 Seiten
Geschichtsdidaktischer Unterrichtsentwurf - Exkursion zu Burg Greifens...
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Hausarbeit, 18 Seiten
Troia bei Homer und in der historischen Realität
Gab es das Troia der Ilias wir...
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Forschungsarbeit, 22 Seiten
Doping im Freizeit- und Breitensport
Eine empirische Studie unter b...
Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung
Bachelorarbeit, 51 Seiten
Doping - zum Zusammenhang von Kommerzialisierung und Leistungsmaximier...
Examensarbeit, 173 Seiten
Unterrichtsstunde: Das Leben auf der Burg (mit Einsatz der CD Rom &quo...
Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Ludger Steinbeck's Text Die Kaiserkrönung Ottos I. ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Ludger Steinbeck hat den Text Die Kaiserkrönung Ottos I. veröffentlicht
Ludger Steinbeck hat einen neuen Text hochgeladen
Tigers in the Mud: The Combat Career of German Panzer Commander Otto C...
Otto Carius, Robert J. Edwards
The English Emblem Tradition: Volume 4: William Camden, H.G., and Otto...
William Camden, Otto Van Veen, Mary V. Silcox
Otto Peters on Distance Education: The Industrialization of Teaching a...
Otto Peters, Desmond Keegan
Olaf Otto Becker - Broken Line
Greenland 2003-2006
Christoph Schaden, Gerry Badger, Olaf Otto Becker, Wolfgang Himmelberg, Bronwen Saunders
The Life and Letters of Lord Macaulay, by His Nephew G. Otto Trevelyan...
George Otto Sir Trevelyan
The Life and Letters of Lord Macaulay, by His Nephew George Otto Treve...
George Otto Sir Trevelyan
0 Kommentare