Inhaltsverzeichnis
Vorwort....................................................................................................... 1
I. Grundlagen 3
II. Wortbildung unter „kognitiven“ Aspekten 6
1. Entlehnungen. 6
2. Wortschöpfung. 7
3. Wortbildung. 8
3.1.1. Metonymische Verschiebung 9
3.1.2. Foregrounding und Backgrounding 10
3.1.3. Metaphorische Verschiebung 11
3.2. Komposition. 15
3.2.1. Beispiel: Götterspeise. 16
3.2.2. Beispiel: Ellenbogengesellschaft 17
3.2.3. Ad-hoc-Komposita 18
Fazit 20
Literaturverzeichnis 21
Vorwort
Die vorliegende Hausarbeit versteht sich als Abschluss des Hauptseminars „Deutsche Wortbildung und Förderung der Wortbildungskompetenz“ aus dem Wintersemester 2005/2006. Sie dokumentiert die semesterbegleitende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ansätzen einer „kog- nitiven Wortbildung“.
Kognitive Forschungsansätze gehen zurück auf einen relativ jungen, interdisziplinären Wissenschaftszweig- die Kognitionswissenschaft- welcher sich mit den kognitiven Fähigkeiten des Menschen befasst. In der Linguistik hat die Beschäftigung mit kognitiven Fragestellungen in den letzten Jahren stetig zugenommen. Das wachsende Interesse liefert Anreiz, anstelle der „klassischen“ Auseinandersetzung mit der deutschen Wortbildung, im Rahmen dieser Arbeit, den Vorgang der Wortbildung aus „kognitiver“ Perspektive zu betrachten. Eine Auswahl bislang erschienener kognitiv orientierter Forschungsliteratur gilt es dazu hinsichtlich des Themas „Wortbildung“ auszuwerten.
Ziel dieser Arbeit ist es, eine Einführung in mögliche Ansätze einer „kognitiven Wortbildung“ zu geben und darüber hinaus kritisch zu hinterfragen, inwiefern kognitive Forschung im Bereich der deutschen Wortbildung zu neuen Erkenntnissen führt und bisherige Ergebnisse ergänzt. Es wird hierzu zunächst in die Grundlagen kognitiver Forschung eingeführt. Im Anschluss daran werden ausgewählte Forschungsergebnisse systematisch vorgestellt und anhand von Beispielen erläutert. Die Arbeit untergliedert sich entsprechend in zwei Teilbereiche: Im ersten dieser Bereiche wird sowohl der Entstehung als auch den Grundsätzen dieser Forschungsrichtung nachgegangen. Des Weiteren werden die wichtigsten Fachtermini erläutert und abschließend ihre Bedeutung für die Linguistik herausgestellt.
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Der nachfolgende Teilbereich befasst sich dann mit dem Prozess der Wortbildung aus „kognitiver“ Perspektive. Im Vordergrund stehen zunächst Vorgänge, bei der semantische Merkmale verschoben werden. Hier werden insbesondere die metonymische und die metaphorische Bedeutungsverschiebung vorgestellt.
In einem weiteren Schritt erfolgt eine ausführliche Auseinandersetzung mit einem zentralen Vorgang der Wortbildung- der Komposition. Sie zählt neben der Derivation zu den wichtigsten Wortbildungsarten der deutschen Sprache. Neben ihrer Funktion geht es hierbei in erster Linie um Konzepte, welche hinter der Entstehung von Komposita stehen. Die Arbeit basiert auf einer Auswahl bislang veröffentlichter kognitiver Forschungsliteratur. Da es sich beim kognitiven Ansatz um einen relativ jungen Forschungsbereich der Linguistik handelt, existiert bislang noch eine vergleichsweise geringe Anzahl an wissenschaftlichen Veröffentlichungen, in denen die kognitive Betrachtung von Wortbildungsprozessen Erwähnung findet. Zurückgegriffen wird daher vor allem auf eine Auswahl von Einführungswerken in die Bereiche der Semantik und kognitiven Linguistik. Im Wesentlichen bezieht sich die Verfasserin der Hausarbeit auf die Ausführungen von Sebastian Löbner in seinem Werk: „Semantik. Eine Einführung“ und Monika Schwarz in ihren Büchern: „Einführung in die Kognitive Linguistik“ und „Semantik. Ein Arbeitsbuch“. Auch Jean Aitchison’s Arbeit mit dem Titel „Wörter im Kopf. Eine Einführung in das mentale Lexikon“, die Veröffentlichung von David Lee „Cognitive Linguistics. An introduction“ und die von Ralf Pörings und Ulrich Schmitz herausgegebene kognitiv orientierte Einführung „Sprache und Sprachwissenschaft“ liefern wichtige Ansatzpunkte.
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I. Grundlagen
Die „Kognitionswissenschaft“ hat sich in den letzten 30 Jahren zu einem anerkannten wissenschaftlichen Gebiet entwickelt. Seinen Ursprung hat der kognitive Ansatz in der Psychologie. Im Mittelpunkt stehen der menschliche Geist und seine Funktionsweise. Ziel ist es zu erforschen, wie der Mensch aufgenommene Sinneseindrücke innerhalb seines Denkzentrums verarbeitet. Von zentralem Interesse ist dabei vor allem die Frage, wie es dem menschlichen Geist gelingt, große Informationsmengen zu strukturieren, zu speichern und bei Bedarf erneut abzurufen. Sie ist heute interdisziplinär von Interesse. Neben der Psychologie betreiben auch die Neurowissenschaften, die Informatik, die Philosophie und die Linguistik „kognitive“ Forschung. 1
Die Sprache spielt bei der Erforschung des menschlichen Geistes eine wesentliche Rolle. Über sie bringt der Mensch seine Gedanken zum Ausdruck. Zwischen Sprache und Denken muss folglich eine Verbindung bestehen. Die kognitive Linguistik geht davon aus, dass die Sprachfähigkeit sehr eng mit anderen kognitiven Prozessen verbunden ist. Man erhofft sich durch die Erforschung von Sprache Rückschlüsse auf grundlegende kognitive Strukturen ziehen zu können.
Die Aufnahme kognitiver Forschung hat in der Linguistik eine neue Art der Sprachbetrachtung eingeleitet. Häufig wird in diesem Zusammenhang daher auch von einer „kognitiven Wende“ gesprochen. Vor dieser Wende dominiert eine „strukturelle“ Betrachtung von Sprache die Sprachwissenschaft. 2 Der „Strukturalismus“ interessiert sich in erster Linie für die Bauweise von Sprache. Diese wird hier als ein geschlossenes System von Zeichen verstanden, dessen Struktur es zu analysieren gilt. 3 Zu seinen zentralen Fragestellungen zählt folglich der Aufbau von Sprache. Die kog- 1 Vgl.Schwarz, Monika: Einführung in die Kognitive Linguistik, Tübingen, 2. Auflage,
Francke Verlag 1996, S. 9 ff.
2 Vgl. Schwarz / Chur: Semantik. Ein Arbeitsbuch, Tübingen, 4. Auflage, Gunter Narr Ver-
lag 2004, S. 20 ff.
3 Vgl. Ulrich, Winfried: Wörterbuch. Linguistische Grundbegriffe, Berlin/Stuttgart, 5. Aufla-
ge, Gebrüder Borntraeger 2002, S. 284.
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nitive Linguistik hingegen interessiert sich vielmehr für das der sprachlichen Äußerungen zugrunde liegende innere „Wissen und Kenntnissystem“, welches wesentlich von den Strukturen und Funktionsweisen des menschlichen Denkapparates abhängt. 4 Sie fasst Sprache als einen „komplex vernetzten Bestandteil“ menschlicher Kognition auf. 5 Sprache ist in erster Linie ein Mittel zur Kommunikation. Damit sie diesen Zweck erfüllt, müssen sprachliche Äußerungen eine Bedeutung besitzen bzw. der Sprecher und der Empfänger einer lautlichen Äußerung müssen dieser eine gleiche oder zumindest ähnliche Bedeutung zuweisen, damit die Kommunikation gelingt. Formen ohne jede Bedeutung haben keinerlei kommunikativen Wert. Sprachlichen Ausdrücken weisen wir in der Regel ganz automatisch also unbewusst Bedeutung zu. Bedeutungen lassen sich definieren als „mentale Einheiten“, die Informationen über die Welt abspeichern oder anders, die Zuordnung von einzelnen sprachlichen Ausdrücken zu „Konzepten“. 6
Jeder Mensch macht sich ganz individuell ein Bild von der Welt. Er entwickelt eine Art Vorstellung von ihr. Anstelle der Bezeichnung „Vorstellung“ verwendet man in der kognitiven Linguistik den Begriff „Repräsentation“, gemeint ist damit „jede Darstellung der Außenwelt, die das Geistorgan sich bildet“ 7 . Man bezeichnet diesen Vorgang der Verarbeitung von Wahrgenommenem auch als „Konzeptualisierung“, einzelne Repräsentationen als „Konzepte“. Konzepte repräsentieren somit die Wahrnehmung der Außenwelt. Sie sind in unserem Langzeitgedächtnis gespeichert. Sie sind die „Bausteine unseres Wissens“. 8 Konzepte wiederum lassen sich zu Klassen zusammenfassen. Diese Einheiten, die Informationen über Konzeptklassen repräsentieren, nennt man „Kategorien“. 9 In der Kategorie „Vogel“, haben wir beispielsweise das Wissen gespeichert, dass ein Vogel
4 Vgl. Ulrich, Winfried: Wörterbuch. Linguistische Grundbegriffe, S. 144.
5 Vgl. Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft, Stuttgart, Kröner Verlag
2002, S. 350.
6 Vgl. Zimmer, Dieter E.: So kommt der Mensch zur Sprache. Über Spracherwerb,
Sprachentstehung und Sprache & Denken, München, 6. Auflage, Wilhelm Heyne Verlag
2001, S. 126 ff.
7 Ebd., S. 129.
8 Schwarz / Chur: Semantik. Ein Arbeitsbuch, S. 24.
9 Vgl. Schwarz / Chur: Semantik. Ein Arbeitsbuch, S. 24.
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Arbeit zitieren:
Andrea Kröhnke, 2006, Ansätze einer "kognitiven Wortbildung": Konzeptualisierung und Bedeutung komplexer Wörter, München, GRIN Verlag GmbH
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