Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis. VI
Abkürzungsverzeichnis VII
1 Vorbemerkungen. 1
1.1 Fragestellung, Ziel und Aufbau der Arbeit. 2
1.2 Methodisches Vorgehen. 3
2 Tourismus als Entwicklungsstrategie 4
2.1 Die Entwicklung des Welttourismus und aktuelle Trends 4
2.2 Tourismus in Entwicklungsländern. 7
2.3 Tourismus in der Entwicklungszusammenarbeit. 9
2.4 Die GTZ und das Programm PDRS in Peru 13
3 Ökotourismus versus konventioneller Tourismus. 15
3.1 Der Nischenmarkt Ökotourismus. 16
3.2 Mögliche Arten von Ökotourismus 20
3.3 Das Profil des Natur- und Ökotouristen. 22
3.3.1 Der Naturtourist. 22
3.3.2 Der Ökotourist 24
3.4 Die Bedeutung von Ökotourismus für Schutzgebiete. 25
3.5 Bewertung von Ökotourismusprojekten anhand von Praxisbeispielen 26
3.5.1 Erstes Fallbeispiel: Posada Amazonas 28
3.5.2 Zweites Fallbeispiel: Tingana. 31
3.5.3 Schlussfolgerungen aus den Praxisbeispielen. 33
4 Peru im Überblick 37
4.1 Allgemeine Strukturdaten 37
4.2 Sozialstruktur. 39
4.3 Wirtschaftsstruktur 40
4.4 Geschichte und Politik 42
4.5 Der Stellenwert des Umweltschutzes in Peru 43
4.6 Die Bedeutung des Tourismus für Peru 44
4.7 Die Situation des Ökotourismus in Peru. 50
5 Touristische Situationsanalyse der Regionen San Martin und Amazonas 53
5.1 Geographische Merkmale der Region San Martin 53
5.2 Geographische Merkmale der Region Amazonas 56
5.3 Tourismuspolitik und Fremdenverkehrsplanung in den Regionen. 58
5.3.1 Staatlicher Sektor 58
5.3.2 Privatwirtschaft 60
5.4 Ursprüngliches und abgeleitetes touristisches Angebot in San Martin und Amazonas 63
5.4.1 Das ursprüngliche Angebot in den Regionen San Martin und Amazonas 63
5.4.2 Das abgeleitete Angebot in den Regionen San Martin und Amazonas. 69
5.5 Nachfrageanalyse 75
5.5.1 Aktuelle Nachfrage. 76
5.5.2 Potentielle Nachfrage. 81
5.6 Kommunikationspolitik 86
5.7 SWOT-Analyse. 88
5.7.1 San Martin 88
5.7.2 Amazonas 91
5.8 Zwischenfazit. 93
III
6 Empfehlungen für die Entwicklung konkreter Ökotourismusprojekte im
Untersuchungsgebiet 97
6.1 Projektvorschläge für die Region San Martin 98
6.1.1 Der Schutzwald Alto Mayo 98
6.1.2 Verbesserung- und Erweiterung des Projektes Tingana im AHARAM. 102
6.2 Projektvorschlag für die Region Amazonas 105
6.2.1 Der Wasserfall Gocta und die umliegenden Gemeinden 105
7 Fazit 108
Literaturverzeichnis 111
Anhang 119
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Internationale Touristenankünfte 1950 bis 2005
Abbildung 2: Anteil des Tourismus in Entwicklungsländern am Welttourismus.
Abbildung 3: Eindrücke von der Posada Amazonas
Abbildung 4 : Eindrücke von Tingana
Abbildung 5: Geographischen Großräume Perus
Abbildung 6: Entwicklung der internationalen Touristenankünfte in Peru in Millionen.
Abbildung 7: Internationale Touristenankünfte in Südamerika 2004
Abbildung 8: Deviseneinnahmen Perus 2005 nach Wirtschaftssektoren.
Abbildung 9: Herkunft der internationalen Touristen in Peru 2006.
Abbildung 10: Touristische Großräume Perus.
Abbildung 11: Die Region San Martin mit ihren zehn Provinzen
Abbildung 12: Die Region Amazonas mit ihren sieben Provinzen.
Abbildung 13: Die wichtigsten natürlichen Attraktionen San Martins nach Anteilen
Abbildung 14: Die Festung der Chachapoya-Kultur namens Kuelap in der Region Amazonas
Abbildung 15: Entwicklung der Touristenankünfte in den Beherbergungsbetrieben von San Martin und
Amazonas 2002-2006
Abbildung 16: Herkunft der internationalen Touristen 2002 in San Martin
Abbildung 17: Herkunft der internationalen Touristen 2006 in der Region Amazonas
Abbildung 18: Birdwatcher im Schutzwald Alto Mayo
Abbildung 19: Das kommunale Schutzgebiet AHARAM
Abbildung 20: Eindrücke aus Cocachimba und Gocta.
Abbildung 21: Das nationale System staatlicher Schutzgebiete (SINANPE)
Abbildung 22: Fotos natürlicher Attraktionen San Martins
Abbildung 23: Touristische Karte des Gebietes ’Alto Mayo’ in den Provinzen.
Rioja und Moyobamba.
Abbildung 24: Fotos von Amazonas
Abbildung 25: Touristische Karte der Region Amazonas
Abbildung 26: Die Birdwatching Route in Nordperu.
Abbildung 27 : Der Schutzwald Alto Mayo und seine Pufferzone
V
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Umsetzung wichtiger sozialer und ökologischer Ziele von Ökotourismus im
Gemeinschaftsunternehmen Posada Amazonas 30
Tabelle 2: Umsetzung wichtiger sozialer und ökologischer Ziele von Ökotourismus in Tingana. 32
Tabelle 3: Chancen und Risiken für ländliche Regionen durch die Entwicklung von (Öko)-tourismus 34
Tabelle 4: Zahlen zur aktuellen Nachfragesituation in San Martin und Amazonas. 76
Tabelle 5: Herkunft der nationalen Touristen 2002 und 2006 in der Region Amazonas. 79
Tabelle 6: Segmentierung potentieller Nachfragemärkte für San Martin und Amazonas 84
Tabelle 7: SWOT-Analyse für den Tourismus in der Region San Martin. 88
Tabelle 8: SWOT-Analyse für den Tourismus in der Region Amazonas. 91
Tabelle 9: Überblick über Ökotourismusangebote in Peru 119
Tabelle 10: Aufgaben, Interessen und mögliche Defizite der wichtigsten Akteure im Rahmen der
Tourismusplanung der Regionen San Martin und Amazonas 129
Tabelle 11: Die wichtigsten touristischen Attraktionen in den Provinzen der Region San Martin 132
Tabelle 12: Die wichtigsten touristischen Attraktionen in den Provinzen der Region Amazonas 135
VI
Abkürzungsverzeichnis
ACM Àrea der Conservación Municipal (kommunales Schutzgebiet)
ACP Àrea de Conservación Privada (privates Schutzgebiet)
ACR Àrea de Conservación Regional (regionales Schutzgebiet)
APECO Asociación Peruana Para La Conservación de la Naturaleza (NGO aus Peru)
BIP Bruttoinlandsprodukt
BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
CANATURA Club Amigos de la Naturaleza (NGO aus Peru)
CARETUR Camara Regional de Turismo (Tourismuskammer der Privatwirtschaft in Peru)
CBT Community Based Tourism
CIM Centrum für internationale Migration und Entwicklung
CRT Consejo Regional de Turismo (Regionaler Tourismusrat)
CTN Circuito Turístico Noramazónico (Tourismusprojekt zur Förderung Nordperus)
DED Deutscher Entwicklungsdienst
VII
d. h. Das heißt
ECOAN Asociación Ecosistemas Andinos (NGO aus Peru)
EZ Entwicklungszusammenarbeit
F.U.R Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen
GTZ Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH
HDI Human Development Index
INC Instituto Nacional de la Cultura (Nationales Kulturinstitut)
INEI Instituto Nacional de Estadística e Informática (Nationales Statistikinstitut)
InWEnt Internationale Weiterbildung und Entwicklung GmbH
ITB Internationale Tourismus-Börse
KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau
LRE Ländliche Regionalentwicklung
MDG Millennium Development Goals
NGO Non-Governmental-Organization
OECD Organization for Economic Cooperation and Development
PENTUR Plan Estratégico Nacional de Turismo (Rationaler Tourismusplan)
PERTUR Plan Estratégico Regional de Turismo (Regionaler Tourismusplan)
PKE Pro-Kopf-Einkommen
PNUD Programa de las Naciones Unidas para el Desarrollo (gleichzusetzen mit UNDP)
VIII
PPP Public Private Partnership
SECO Staatssekretariat für Wirtschaft der Schweiz
SNV Niederländische Organisation der internationalen Entwicklungszusammenarbeit
TIES The International Ecotourism Society
UN United Nations
UNCED United Nations Conference on Environment and Development
UNDP United Nations Development Program
UNEP United Nations Environmental Program
UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization
UNWTO United Nations World Tourism Organisation
USAID United States Agency for International Development
USD US-Dollar
WTTC The World Travel & Tourism Council
z. B. Zum Beispiel
IX
1 Vorbemerkungen
Der Tourismussektor stellt einen der bedeutendsten, ständig wachsenden Wirtschaftszweige der Welt 2 spielt der Fremdenverkehr eine große Rolle, zumal er für einige von dar. Auch für Entwicklungsländer 3 die Wirtschaft in peripheren sowie strukturihnen Hauptdevisenquelle ist und durch den Tourismus
schwachen Räumen diversifiziert werden kann. Somit steigt in einigen Ländern der Dritten Welt berechtigterweise das Interesse an der Förderung des Fremdenverkehrs, da steigende Touristenzahlen in der Regel auch Schaffung von Arbeitsplätzen, Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur und gesteu- 4 erte Inwertsetzung von Schutzgebieten bewirken können.
In Peru, einem - touristisch gesehen - sehr vielfältigem Entwicklungsland, gewinnt der Tourismus ebenfalls an Bedeutung, was sich unter anderem daran ablesen lässt, dass die Anzahl an Touristen von Jahr zu Jahr steigt. Im Rahmen der Aktivitäten des peruanischen Ministeriums für Außenwirtschaft und Tourismus nimmt die Förderung von Natur- und Kulturtourismus einen hohen Stellenwert ein. Dabei sollen vorrangig periphere Gebiete touristisch erschlossen werden, unter anderem auch Regionen im Norden des Landes.
Verschiedene Organisationen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) unterstützen die peruanische Regierung bei Tourismusplanung, Management von Schutzgebieten und ländlicher Regionalentwicklung. Da konventioneller Tourismus viele negative Effekte mit sich bringen kann, versuchen Entwicklungsorganisationen nachhaltigen Tourismus zu fördern, der soziokulturelle, ökonomische und 5 ökologische Verträglichkeitskriterien miteinander verbindet.
Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. (2008): Einleitung der Webseite, in: 1
www.studienkreis.org/index_de.html (Stand 16.04.2008).
Die Begriffe Entwicklungsländer und Dritte Welt werden in dieser Arbeit synonym verwendet. Da es keine 2
allgemein gültige Definition des Begriffs Entwicklungsländer gibt, sei darauf hingewiesen, dass in dieser Arbeit damit arme, politisch schwache und wirtschaftlich unterentwickelte Länder gemeint sind. 3 Die Begriffe Tourismus und Fremdenverkehr werden in dieser Arbeit synonym verwendet. Der Begriff Tourismus beinhaltet hier nach der Definition der Welttourismusorganisation (UNWTO) „alle Aktivitäten von Personen, die in Orte außerhalb ihrer gewöhnlichen Umgebung reisen und sich dort nicht länger als ein Jahr auf Grund von Freizeit, Arbeit und anderen Gründen aufhalten“ (UNWTO (2008a): Methodological Notes. Concepts and definitions, in: www.unwto.org/facts/menu.html (Stand 24.03.2008)). 4 Vgl.: Beyer, M., Häusler, N., Strasdas, W. (2007): Tourismus als Handlungsfeld der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Grundlagen. Handlungsbedarf und Strategieempfehlungen, Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH (Hg.), Berlin, S. 6-7 und Petri, Otto (1986): Der internationale Tourismus als Entwicklungsfaktor in Ländern der Dritten Welt. Eine wirtschafts- und sozialgeographische Untersuchung am Beispiel Peru, Frankfurt am Main, S. 1.
5 Eine genaue Definition des Begriffs nachhaltiger Tourismus findet sich in Kapitel zwei.
1
1.1 Fragestellung, Ziel und Aufbau der Arbeit
Die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, ein Unternehmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, engagiert sich in Peru im Rahmen des Programms Nachhaltige Ländliche Entwicklung, genannt Programa de Desarrollo Rural Sostenible (PDRS), das in Kapitel 2.4 näher 6 in den Regionen San Martin und Amazonas. Daerläutert wird, für die Förderung von Ökotourismus
bei sollen unter Berücksichtigung politischer Rahmenbedingungen in der Region San Martin zwei und in der Region Amazonas ein Ökotourismusprodukt unterstützt werden, um in diesen Departements mit Hilfe des Fremdenverkehrs die Armut zu mindern und gleichzeitig den Naturschutz zu fördern. 7 sollen Möglichkeiten und Grenzen des Ökotourismus am Beispiel der Regi-Im Rahmen dieser Arbeit
onen San Martin und Amazonas dargestellt werden. Die beiden zuvor genannten Regionen werden hinsichtlich ihrer aktuellen touristischen Situation und ihres Potentials für die Entwicklung von Ökotourismus analysiert und bewertet. Dabei werden Problemfelder aufgedeckt und Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung von Ökotourismus in den Regionen gegeben. In der Arbeit wird folgenden Fragen nachgegangen: 1. Kann Ökotourismus für die Armutsbekämpfung, Regionalentwicklung und Inwertsetzung von Schutzgebieten in San Martin und Amazonas von Nutzen sein? 2. Welche Planungsschritte müssen primär bei der Entwicklung des Tourismus in den beiden Regionen verfolgt werden? Zunächst wird in Kapitel zwei auf die Entwicklung des Welttourismus und seine Bedeutung für Länder der Dritten Welt eingegangen. Anschließend wird die phasenweise Entwicklung der Tourismusförderung im Rahmen der EZ vorgestellt und somit ihr steigender Stellenwert verdeutlicht. Ferner wird Auskunft über die GTZ im Allgemeinen und im Speziellen über deren Programm für Nachhaltige Ländliche Entwicklung in Peru gegeben.
In einem weiteren Schritt soll in Kapitel drei der Ökotourismus als Nische innerhalb des nachhaltigen Tourismus im Hinblick auf seine Charakteristika und seine Bedeutung für Schutzgebiete etwas genauer betrachtet werden. Sehr praxisorientiert werden in diesem Kapitel zur näheren Erläuterung ein aktuelles positives sowie ein eher problembehaftetes Beispiel für Ökotourismus vorgestellt, aus denen Handlungsmaximen für zukünftige Projekte abgleitet werden können.
Im vierten Kapitel wird ein Blick auf die geographischen, wirtschaftlichen, sozialen und geschichtlichen Fakten geworfen, die für Peru maßgeblich sind und aus denen ein begründetes Verständnis für das Land, seine Besonderheiten und auch seine Probleme gewonnen werden kann. Es bietet sich an, danach sowohl auf die Entwicklung und die Struktur des Tourismus in Peru mit seinen Schwerpunkten als auch auf die Bedeutung des Umweltschutzes für das Land einzugehen.
6 Der Begriff Ökotourismus entspricht in den folgenden Ausführungen dem englischen Begriff ecotourism. Eine genaue Definition des Begriffs findet sich im Kapitel drei. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Arbeit aufgrund des räumlichen Umfangs des 7
Untersuchungsgegenstandes nicht als vollständige Marktanalyse, sondern als eine deskriptive Situationsanalyse zu verstehen ist.
2
Das fünfte Kapitel dient der Untersuchung des touristischen Potentials der Regionen San Martin und Amazonas. Die Ergebnisse dieses Abschnittes führen in Kapitel sechs zu konkreten Empfehlungen für die Entwicklung und Förderung von Ökotourismus in diesen beiden Regionen, die der GTZ bei ihrer Arbeit vor Ort als Handreichung dienen können.
1.2 Methodisches Vorgehen
Die Ergebnisse der vorliegenden Magisterarbeit, die im praktischen Teil der Arbeit in Kapitel fünf und sechs vorgestellt werden, basieren zum einen auf den Erkenntnissen, die während eines sechsmonati- 8 imRahmen des oben erwähnten Programms für Nachhaltige Ländliche Entwicklung gen Praktikums
(PDRS) der GTZ in Peru gewonnen wurden. Zum anderen wurde für diese Arbeit Literatur zum Thema Tourismus in Entwicklungsländern und Ökotourismus ausgewertet und tourismusspezifisches Datenmaterial (Statistiken über Touristenankünfte, Broschüren, Touristenprofile, regionale und nationale touristische Entwicklungspläne etc.) der unterschiedlichen peruanischen Behörden, Ministerien und statistischen Ämter analysiert. Des Weiteren wurden vor Ort persönliche Gespräche mit verschiedenen Vertretern der nationalen und regionalen Tourismuswirtschaft und der lokalen Bevölkerung geführt sowie Beobachtungen im Feld vorgenommen. Zur Unterstützung einiger Aussagen wurde punktuell auf Ergebnisse aus meiner Online-Umfrage zum Thema ’Reiseanalyse - speziell in Bezug auf Reisen in Entwicklungsländer wie Peru’ zurückgegriffen, die seit Februar 2007 auf der Internet-Seite www.befrager.de/befragung.aspx?projekt=2242 veröffentlicht wird und an der 160 Personen verschie- 9 denen Alters teilgenommen haben.
Eine Schwierigkeit, die sich bei der Erarbeitung der Analyse in Peru ergeben hat, ist die Tatsache, dass nicht immer alle benötigten Informationen zur Verfügung standen beziehungsweise, dass die Rücklaufquote von E-Mail Anfragen zum Teil unbefriedigend war. Ein weiteres Hindernis vor Ort stellte bei der Feldarbeit die Abhängigkeit von dem Fahrer der GTZ dar, der mich bei der Erkundung möglicher touristischer Destinationen begleiten musste und zeitlich oft bei anderen Mitarbeitern eingebunden war. Somit konnten nicht alle Orte besucht werden, die möglicherweise touristisches Potential für die Entwicklung neuer Produkte haben.
Im folgenden Kapitel soll es darum gehen, die Bedeutung des Tourismus als Entwicklungsstrategie in Ländern der Dritten Welt zu erläutern.
Von März bis August 2007. 8
Teilnehmer: 66,4 % Frauen, 33,5 % Männer, überwiegend Deutsche. 79,4 % sind ledig, 94,8 % haben Abitur 9
oder einen Hochschulabschluss, 34,1 % sind in der Ausbildung oder im Studium, 61,2 % sind zwischen 15 und 30 Jahre alt.
3
2 Tourismus als Entwicklungsstrategie
Immer mehr Länder und internationale Hilfsorganisationen sehen in der Förderung des Tourismus in der Dritten Welt ein mögliches Instrument, um die Entwicklung eines Landes voranzutreiben, die Armut zu reduzieren und räumlichen Disparitäten entgegen zu wirken. Tourismusförderung ist daher zu einer nationalen und globalen Entwicklungsstrategie geworden. In den Ausführungen dieses Kapitels werden die Entwicklung des Welttourismus und die dort aufkommenden neuen Tendenzen sowie die Bedeutung des Tourismus in Entwicklungsländern und in der EZ dargelegt.
2.1 Die Entwicklung des Welttourismus und aktuelle Trends
Der Tourismussektor ist, wie eingangs gesagt, einer der am stärksten wachsenden Wirtschaftszweige der Welt. Die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen (UNWTO) geht von einer jährlichen 10 Das Tourismusforum Wachstumsrate der internationalen Touristenankünfte seit 1950 von 6,5 % aus. World Travel and Tourism Council (WTTC) prognostiziert wiederum für die kommenden zehn Jahre (2008- 11 Während1950 erst 25 2017) eine jährliche Wachstumsrate der Tourismuswirtschaft von 4,0 %.
Millionen internationale Touristenankünfte verzeichnet wurden, waren es 1980 schon 278 Millionen 12 Die Zahl der Touristen hat sich in den letzten 25 Jahren somit fast und 2005 etwa 806 Millionen.
verdreifacht. Die UNWTO sagt bis zum Jahre 2020 etwa 1,6 Milliarden Touristenankünfte voraus, wie 13 in Abbildung eins ersichtlich wird.
Den größten Anteil am Welttourismus haben Europa und Amerika (überwiegend Nordamerika), wobei in den letzten zwanzig Jahren Asien und der Pazifik mit 13 %, sowie der Mittlere Osten mit 10 % die 14 größten jährlichen Zuwächse im Bereich Tourismus zu verzeichnen hatten. Amerika hatte 2002 insgesamt einen Anteil von 16,7 % an den internationalen Touristenankünften, wobei davon wiederum 71 % auf Nordamerika fielen und nur 10,8 % auf Südamerika (ohne 15 Zentralamerika).
10 Vgl. UNWTO (2008b): Historical Perspective of World Tourism, in: www.unwto.org/facts/menu.html (Stand 24.03.2008).
11 Vgl. WTTC (2008): Tourism Satellite Accounting. World -Key facts at a glance, in: www.wttc.travel/eng/Research/Tourism_Satellite_Accounting/ (Stand 07.02.2008). 12 Vgl. UNWTO (2006a): Tourism Market Trends 2006. International Tourist Arrivals 1950-2005 (download unter www.unwto.org/facts/eng/pdf/historical/ITA_1950_2005.pdf, Stand 24.03.2008). 13 Vgl. UNWTO (2008c): Tourism 2020 Vision, in www.unwto.org/facts/menu.html (Stand 24.03.2008). 14 Vgl. UNWTO (2008b).
15 Vgl Dávila García, B., Sánchez-Concha López, G., Zlatar Lomellini, D. (2005): Ecoturismo competitivo: propuesta para su implantación en Madre de Dios, Centro de Negocios de la Pontificia Universidad Católica del Perú (Hg.), Lima, S. 29.
4
Der weltweit größte Quellmarkt für Touristen ist Europa, aus dem etwa 61 % der internationalen 16 Touristen stammen.
Abbildung 1: Internationale Touristenankünfte 1950 bis 2005
Quelle: UNWTO (2008b).
Die Einnahmen aus dem internationalen Tourismus lagen auf globaler Ebene 1950 erst bei 2,1 Milliarden US-Dollar, stiegen 1980 schon auf 104,4 Milliarden US-Dollar und erreichten 2005 etwa 17 Somit haben sich die internationalen Einnahmen aus dem Tourismus in 682,7 Milliarden US-Dollar.
den letzten 25 Jahren mehr als versechsfacht. Der Tourismussektor erwirtschaftete 1990 alleine 5,9 % 18 des globalen Bruttosozialproduktes.
Neben den Deviseneinnahmen spielt die Anzahl der Beschäftigten im Tourismussektor eine große Rolle für die Weltwirtschaft. Schätzungen zufolge hängen weltweit 2,8 % (ca. 74 Millionen Beschäftigte) 19 aller Arbeitsplätze direkt und 8,3 % (ca. 221 Millionen Beschäftigte) indirekt vom Tourismus ab.
Die Tourismuswirtschaft befindet sich in ständigem Wandel, so dass stets neue Richtungsänderungen Berücksichtigung finden müssen. Derzeit sind einige Tourismustrends erkennbar, die einer Erwähnung bedürfen, da sie für touristische Entwicklungspläne, speziell auch in Peru, wichtig sein können:
16 Vgl. Dávila García (2005), S. 28.
17 Vgl.UNWTO (2006b): Tourism Market Trends 2006. International Tourism Receipts 1950-2005 (download unter http://www.unwto.org/facts/eng/pdf/historical/ITR_1950_2005.pdf, Stand 24.03.2008). 18 Vgl. Vorlaufer, K. (1996): Tourismus in Entwicklungsländern. Möglichkeiten und Grenzen einer nachhaltigen Entwicklung durch Fremdenverkehr, Darmstadt, S. 8. 19 Vgl.: WTTC (2008) und Beyer (2007), S. 8.
5
1. Eine neue Zielgruppe, nämlich die ’Jungen Alten 60 Plus’, d. h. die Gruppe der aktiven, unternehmungslustigen Rentner in den Industrieländern, die über viel Zeit und Geldreserven 20 , gewinnt mehr und verfügen und Interesse an fremden Kulturen und Urlaubsreisen zeigen mehr an Bedeutung. In Deutschland wird diese Gruppe bis zum Jahre 2020 enorm wachsen. Die Zielgruppe ’Junge Alte 60 Plus’, die einen eher hohen Qualitäts- und Sicherheitsanspruch hat, ist auch für Peru als Rundreiseland von Bedeutung, da das touristische Angebot Perus zu dem Reiseschema dieser Zielgruppe passt und von ihnen schon angenommen wird.
2. Erlebnisorientierte Angebote werden stärker nachgefragt. Viele Reisende sind auf der Suche 21 Ein Grund können gesteigerte nach einmaligen, sinnvollen, exklusiven Erlebnissen.
Reiseerfahrungen und ein höheres Bildungsniveau sein. Eine Vielzahl spezieller Interessen und Nischenmärkte entsteht, so dass Begriffe wie Birdwatching, Frauen-Reisen, Fahrradreisen 22 aus dem Vokabular eines Tourismusmanagers nicht mehr wegzudenken Freiwilligenarbeit etc.
sind. Im Zusammenhang damit steht das kontinuierlich wachsende Interesse für kleinere, komfortable, landestypische Hotels. Große Hotelburgen, die den Massentourismus bis dato .23 Diese These konnte durch meine Befragung bestimmten, verlieren dagegen an Bedeutung.
bestätigt werden: 80,2 % der Teilnehmer der Umfrage würden ein kleines, einfaches Hotel mit landestypischer Atmosphäre einem internationalen Komforthotel vorziehen.
3. Das Interesse an Individualreisen und Baustein-Programmen steigt. Eine zunehmende Zahl an Touristen möchte sich ihren Reiseverlauf nach persönlichen Vorstellungen zusammenstellen 24 Meine Umfrage hat ergeben, dass 72,5 % anstatt eine vorgefertigte Pauschalreise zu buchen.
der Befragten in den nächsten drei Jahren eine Individualreise und nur 26,8 % eine Pauschalreise buchen möchten.
4. Die klassische Reisebuchung über das Reisebüro ist rückläufig. Direkte Buchungen bei 25 Auch Leistungsträgern (Fluggesellschaft, Hotel etc.) über das Internet nehmen dagegen zu.
20 Vgl. Kreilkamp, E. (2004): Foliensammlung Universität Lüneburg. Freizeit und Tourismus, Lüneburg, S. 391. 21 Vgl. Kreilkamp (2004), S. 395.
22 Vgl. Zander, B. (2007): Urlaubsziel Arbeitseinsatz, in: www.stern.de/lifestyle/reise/sonstige/:Tourismus-Urlaubsziel-Arbeitseinsatz/602688.html (Stand 24.03.2008) und Beyer (2007), S. 15.
23 Vgl. Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. (Hg.) (2006): Tourismus in Entwicklungsländern. Eine Untersuchung über Dimensionen, Strukturen, Wirkungen und Qualifizierungsansätze im Entwicklungsländer-Tourismus- unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Urlaubsreisemarktes, Ammerland, S. XV.
24 Vgl. Ascención Ugarte, F. (2005): Turismo sostenible en el Perú. Planificación, Gestión y Desarrollo, Universidad Ricardo Palma (Hg.), Lima, S. 144. 25 Vgl. Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. (2006), S. XV.
6
26 Diese Tatsache sollte bei der spontane und flexible Reisebuchungen liegen im Trend. Vermarktung neuer Ökotourismusangebote in Peru Beachtung finden.
5. Das Umweltbewusstsein der Touristen nimmt tendenziell zu, und demnach verzeichnen 27 Immer Ökotourismus und nachhaltiger Tourismus überdurchschnittliche Wachstumszahlen. mehr Reisende achten darauf, dass die Reiseveranstalter soziale und ökologische Verantwortung 28 Laut einer Umfrage der übernehmen und ihre Angebote dementsprechend gestalten.
INTERNATIONALEN GESELLSCHAFT FÜR ÖKOTOURISMUS (The International Ecotourism Society, TIES), sind 38 % der Touristen aus den USA bereit, höhere Reiseausgaben in Kauf zu nehmen, 29 Die Reiseanalyse der wenn die Reiseveranstalter sich dafür dem Umweltschutz verpflichten. Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (F.U.R) aus dem Jahr 2007 hat wiederum ergeben, 30 Meine dass 37 % der Fernreisenden eine faire Urlaubsreise buchen würden, wenn es sie gäbe. Online-Umfrage ergab, dass sogar 97,5 % der Befragten bis zu zehn Euro mehr zahlen würden, wenn das Geld in soziale Projekte oder den Umweltschutz investiert werden würde. Die genannten Fakten lassen die Entwicklung von Ökotourismus auch in Peru als ratsam erscheinen.
Im Folgenden wird die Bedeutung des Tourismus für Entwicklungsländer beleuchtet.
2.2 Tourismus in Entwicklungsländern
Es ist unumstritten, dass Tourismus das Potential hat, zur Reduktion der Armut in Entwicklungsländern beizutragen. Der Tourismus in Entwicklungsländern verzeichnet kontinuierlich Zuwächse von etwa 6 bis 9,5 % im Jahr und übertrifft somit die jährliche Wachstumsrate der gesamten 31 Der Marktanteil der Entwicklungsländer am Welttourismus ist laut internationalen Touristenankünfte.
UNWTO von 11 % im Jahre 1978 auf bereits 36 % im Jahre 2004 gestiegen, wie Abbildung zwei
26 Vgl. Kreilkamp (2004), S. 397. 27 Darauf wird in Kapitel drei genauer eingegangen.
28 Vgl. Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. (2006), S. XVIII und Beyer (2007), S. 15. 29 Vgl. TIES (2006a): Fact Sheet: Ecotourism in the U.S., in:
www.ecotourism.org/webmodules/webarticlesnet/templates/eco_template.aspx?articleid=15&zoneid=2 (Stand 24.03.2008).
30 Vgl. Gasser, H. (2007): Gibt es bald fair gehandelte Reisen?, in: Süddeutsche Zeitung, 8. November 2007, Seite V2/2.
Zu den Kriterien für fairen Handel im Tourismus zählen gerechte Löhne, faire Arbeitsbedingungen, Investitionen in den Umweltschutz und die soziale Absicherung der Mitarbeiter. 31 Vgl. TIES (2006b): Fact Sheet: Global Ecotourism, in:
www.ecotourism.org/webmodules/webarticlesnet/templates/eco_template.aspx?articleid=15&zoneid=2 (Stand 24.03.2008) und Honey, M. (1999): Ecotourism and Sustainable Development. Who Owns Paradise?, Washington D. C., S. 8.
7
32 Zu den zwanzig Entwicklungsländern mit dem schnellsten Zuwachs an internationalen zeigt.
Touristenankünften gehören unter anderem neben fünf asiatischen und sieben afrikanischen Ländern 33 auch Peru und Brasilien.
Abbildung 2: Anteil des Tourismus in Entwicklungsländern am Welttourismus
Quelle: Eigenentwurf in Anlehnung an Beyer (2007), S. 11.
Die F.U.R-Reiseanalyse 2005 hat ergeben, dass 7,7 Millionen Deutsche (ab 14 Jahre) bei ihrer 34 Davon reisten 2/3 in den nahen Mittelmeerraum Haupturlaubsreise ein Entwicklungsland besuchten.
und knapp 1/3 (2,4 Millionen) in fern gelegene Entwicklungsländer in Asien, Afrika, Lateinamerika oder der Karibik. Der Tourismus in Entwicklungsländer erreichte 2005 in Deutschland laut der Reiseanalyse einen Marktanteil von 16 %. 1991 lag der Marktanteil erst bei 6 %.
Die INTERNATIONALE GESELLSCHAFT FÜR ÖKOTOURISMUS (TIES) schätzt, dass für 83 % der 35 Des Weiteren ist der Entwicklungsländer der Tourismus eines der wichtigsten Exportgüter ist.
Tourismus laut TIES für 40 der ärmsten Länder der Erde die zweit wichtigste Devisenquelle nach der 36 Für viele Entwicklungsländer machen laut KARL VORLAUFER die Einnahmen aus dem Erdölindustrie. 37 Tourismus einen höheren Anteil an den gesamten Deviseneinnahmen aus als in den Industrieländern.
32 Vgl. Beyer (2007), S. 11 und Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. (2006), S. XIII. 33 Vgl. Beyer (2007), S. 11.
34 Vgl. Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. (2006), S. XIII. 35 Vgl. TIES (2006b). 36 Ebenda.
37 Vgl. Vorlaufer, K. (1984): Ferntourismus und Dritte Welt, 1. Auflage, Frankfurt am Main, S. 84.
8
Viele Entwicklungsländer haben den Vorteil, dass sie, was Natur, Kultur und Klima betrifft, für den Tourismus sehr attraktiv sind. Sie müssen im Vergleich zu anderen Wirtschaftssektoren wie dem Sekundärsektor weniger Kapital in die Entwicklung touristischer Produkte investieren, da das natürliche Angebot, speziell in der Peripherie, schon vorhanden ist. Des Weiteren ist die Tourismuswirtschaft ein arbeitsintensiver Bereich, der auf den Einsatz von Humankapital angewiesen ist. Da viele Entwicklungsländer von einem Überangebot an (unqualifizierten) Arbeitskräften gekennzeichnet sind, können sie mit vergleichsweise geringen Investitionen im Tourismus viele Arbeitsplätze schaffen, 38 Die Beschäftigten im informellen Sektor 39 (Verkauf von Souvenirs, speziell auch für Frauen.
Getränken etc.) profitieren ebenfalls von der Entwicklung des Tourismus. Ein weiterer wichtiger Punkt für Entwicklungsländer ist, dass die Tourismuswirtschaft nicht, wie andere Wirtschaftsbereiche, von 40 abhängt. internationalen Handelshemmnissen und den Terms of Trade (ToT)
Die Förderung des Fremdenverkehrs ist für viele Entwicklungsländer somit eine Priorität an die große Hoffnungen geknüpft sind. Natürlich kann Tourismus in Entwicklungsländern auch negative Auswirkungen mit sich bringen, die in der Entwicklungspolitik kontrovers diskutiert werden. In Kapitel 3.5.3 werden in einer Tabelle die positiven und negativen ökonomischen, sozialen und ökologischen Effekte aufgelistet, die Tourismus bewirken kann.
Für die Tourismusförderung in Entwicklungsländern ist es wichtig, die Chancen, die aus der Tourismuswirtschaft resultieren, optimal zu nutzen und negativen Folgen für Umwelt und Gesellschaft zu minimieren.
Diesen Spagat zwischen der Förderung wirtschaftlichen Wachstums durch Tourismus bei gleichzeitiger Beachtung der Sozial- und Umweltverträglichkeit versuchen verschiedene Institutionen der EZ mittels Tourismuskomponenten zu meistern. Darauf wird im kommenden Abschnitt genauer eingegangen.
2.3 Tourismus in der Entwicklungszusammenarbeit
Die Förderung und Umsetzung nachhaltiger Tourismuskonzepte wird von vielen Geldgebern, speziell von Organisationen der EZ und von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), als Investitionsquelle 41 wieder entdeckt.
Wenn im Zusammenhang mit Entwicklungszusammenarbeit von Tourismus gesprochen wird, ist in Anlehnung an die Orientierung der gesamten EZ an dem übergeordneten Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, immer nachhaltiger Tourismus gemeint. Nachhaltige Entwicklung bedeutet laut der
38 Vgl. Vorlaufer, K. (2003): Tourismus in Entwicklungsländern, in: Geographische Rundschau 55, Heft 3, S. 8. 39 Als informeller Sektor werden Wirtschaftsbereiche bezeichnet, die sich dem offiziellen Markt entziehen. 40 Die Terms of Trade bezeichnen die Tauschbeziehungen, die zwischen Industrieländern und Ländern der Dritten Welt bezüglich verschiedener Waren bestehen.
41 Vgl. Palm, P. (2000): Community Based Tourism als eine Form des nachhaltigen Tourismus in kommunalen Gebieten Namibias, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH (Hg.), Eschborn, S. 6.
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42 von 1987 „eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Definition der BRUNDTLAND-KOMMISSION
heutigen Generationen befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen 43 Bedürfnisse nicht befriedigen können“.
Nachhaltiger Tourismus wird dementsprechend in Anlehnung an die UNCED Konferenz von Rio de Janeiro (1992) wie folgt definiert:
"Nachhaltiger Tourismus muss soziale, kulturelle, ökologische und wirtschaftliche Verträglichkeitskriterien erfüllen. Nachhaltiger Tourismus ist langfristig, d. h. in Bezug auf heutige wie auf zukünftige Generationen, ethisch und sozial gerecht und kulturell angepasst, 44 ökologisch tragfähig sowie wirtschaftlich sinnvoll und ergiebig."
45 Laut UNWTO sollte nachhaltiger Tourismus folgende Kriterien erfüllen:
Die Umweltressourcen optimal nutzen. x
Die soziokulturelle Authentizität der Gast-Gemeinde respektieren und zur inter-kulturellen x Verständigung beitragen.
Langfristige, rentable wirtschaftliche Aktivitäten garantieren, die alle Beteiligten mit sozi- x
ökonomischen Vorteilen versehen (unter anderem sichere Arbeitsverhältnisse und Einkommensmöglichkeiten).
Der Anspruch eines nachhaltigen Tourismus bezieht sich generell auf alle Tourismusformen. Für den nachhaltigen Tourismus prädestinierte Reisearten werden in Kapitel 3.2 kurz vorgestellt. Das Konzept des nachhaltigen Tourismus hat innerhalb der internationalen Nachhaltigkeits- und 46 Die Entwicklung von nachhaltigem Tourismus ist Umweltschutzdiskussion an Bedeutung gewonnen. 47 : seit der UNCED Konferenz Gegenstand folgender offizieller, internationaler Erklärungen geworden Agenda 21 for the Travel &Tourism Industry (1995) der UNWTO und WTTC, Charter for Sustainable Tourism (Lanzarote 1995) der UNESCO, Berliner Erklärung - Biologische Vielfalt und nachhaltiger Tourismus (1997), Quebec Declaration on Ecotourism (2002) von UNEP und UNWTO, Global Code of Ethics for Tourism (2002) der UNWTO von 2002, CBD Guidelines on Biodiversity and Tourism Development (2004) des UNEP und Oslo Statement on Ecotourism (2007) von TIES. Diese Erklärungen haben keinen verpflichtenden Charakter,
42 Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung als Sonderkommission der Vereinten Nationen. 43 Michelsen, G. (2006): Grundlagen einer nachhaltigen Entwicklung, Institut für Umweltkommunikation der Universität Lüneburg (Hg.), Lüneburg, S. 26. 44 Steck (1999), S. 11 und Strasdas (2001), S. 7.
45 Vgl. UNWTO (2004): Sustainable Development of Tourism. Concepts and Definitions, in: www.unwto.org/frameset/frame_sustainable.html (Stand 24.03.2008). 46 Vgl. Steck (1999), S. 9. und Strasdas (2001), S. 2. 47 Vgl. Steck (1999), S. 9-10.
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sondern sind richtungsweisend zu verstehen.
Innerhalb der deutschen EZ, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und 48 Entwicklung (BMZ) gesteuert wird, spielt der Tourismus bisher noch eine eher untergeordnete Rolle. 49 der Vereinten Er gewinnt aber innerhalb der Maßnahmen, die der Erreichung der Millenniumsziele 50 Nationen, vorrangig der Armutsbekämpfung und dem Erhalt der Biodiversität dienen, an Bedeutung. Das Engagement der deutschen Entwicklungsorganisationen, zu denen heute unter anderem GTZ, 51 , lässt sich im Bereich Tourismus in folgende vier Phasen DED, KfW, InWEnt und CIM zählen 52 unterteilen.
53 In dieser Phase Phase 1: Die klassische Tourismusförderung der 1960er und 1970er Jahre. x
54 als Motor für Entwicklung wurde Tourismus entsprechend der Modernisierungstheorie 55 gesehen, der zu Wirtschaftswachstum und höheren Deviseneinnahmen beiträgt.
Phase 2: Ernüchterung und weitgehender Rückzug aus der Tourismusförderung in den 1980er x
Jahren auf Grund der heftigen Kritik am Engagement der EZ im Tourismussektor, nachdem die negativen Effekte, die der Tourismus generiert, debattiert worden waren und die erhofften wirtschaftlichen Effekte nicht eintraten. Auch in den bereisten Ländern entwickelte sich in 56 eine zunehmend skeptische Haltung dieser Zeit in Anlehnung an die Dependenztheorie 57 gegenüber dem Tourismus.
Phase 3: Die Wiederannäherung an den Tourismus nach der UN-Konferenz über Umwelt und x
Entwicklung (UNCED) von Rio de Janeiro 1992. Nachhaltiger Tourismus wurde in dieser
48 Vgl. Beyer (2007), S. 7 und Strasdas, W. (2001): Ökotourismus in der Praxis Zur Umsetzung der sozioökonomischen und naturpolitischen Ziele eines anspruchsvollen Tourismuskonzeptes in Entwicklungsländern, Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. (Hg.), Ammerland, S. 112. 49 Mit den Millenniums Ziele versucht die Weltgemeinschaft bis 2015 den Anteil extremer Armut zu halbieren, die Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen, allen Kindern eine Grundschulausbildung zu gewähren, die Kindersterblichkeit zu verringern, die Gesundheit der Mütter zu verbessern, HIV/Malaria und andere Krankheiten zu bekämpfen, den Schutz der Umwelt und den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verbessern und eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufzubauen. 50 Vgl. Beyer (2007), S. 7 und S. 25. 51 Siehe Abkürzungsverzeichnis.
52 Vgl. Beyer (2007), S. 18-19 und Vorlaufer (1996), S. 5-7.
53 Vgl. Lübben, Christel (1995): Internationaler Faktor als Faktor der Regionalentwicklung in Indonesien. Untersucht am Beispiel der Insel Lombok, Institut für Geographische Wissenschaften, Freie Universität Berlin (Hg.), Berlin, S. 16.
54 Die Anhänger der Modernisierungstheorie verstehen Entwicklung als nachholendes Wirtschaftswachstum und sehen die Gründe für Unterentwicklung in den Strukturen und Traditionen der Entwicklungsländer. 55 Vgl. Palm (2000), S. 4-5.
56 Die Anhänger der Dependenztheorie sehen im Imperialismus und Kolonialismus den Grund für die Unterentwicklung der Dritten Welt und für ihre bestehende Abhängigkeit von den Industrieländern. 57 Vgl. Palm (2000), S. 4-5.
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Phase Stück für Stück zum angestrebten Leitbild, wobei sich die Aktivitäten der Hilfsorganisationen dabei vermehrt auf den Natur- und Ressourcenschutz konzentrierten. Das Pro und Contra des Tourismus in Entwicklungsländern wird seitdem in ausgewogenerer Weise bewertet.
Phase 4: Die verstärkte Förderung eines nachhaltigen Tourismus seit dem Jahr 2000 bis heute. x
Das Spektrum der Förderung reicht dabei von der Förderung kleinerer Nischenprodukte wie gemeindebasierter Projekte über Ökotourismus bis hin zu Public Private Partnerships (PPP) mit privaten Wirtschaftsunternehmen. Es geht nicht mehr um die Frage, ob Tourismus in Entwicklungsländern gut oder schlecht ist, sondern darum, wie der Tourismus in Entwicklungsländern am sinnvollsten gestaltet werden kann. Dominierendes Prinzip ist dabei die so genannte Hilfe zur Selbsthilfe unter Ausnutzung vorhandener Kenntnisse und 58 Fähigkeiten.
In der deutschen EZ wird die Tourismusförderung als sektorübergreifende Aktivität bei der Umsetzung von Entwicklungszielen innerhalb des Natur- und Ressourcenschutzes sowie der ländlichen 59 Die GTZ definiert ländliche Regionalentwicklung (LRE) als „eine Regionalentwicklung eingesetzt. 60 Ziel ist es, Auswege aus der breit angelegte und multidisziplinäre Förderung von Regionen“.
ländlichen Armut zu finden, ohne die wirtschaftlichen, sozialen, politischen und ökologischen Strukturen auf regionaler aber auch nationaler Ebene aus dem Blick zu verlieren. Bei der LRE steht die Erschließung alternativer, möglichst angepasster Existenzgrundlagen für die Bevölkerung im Vordergrund. Die Bedeutung der Zielgruppenorientierung, des partizipativen Ansatzes, der Selbsthilfeförderung und der Ausrichtung auf Breitenwirksamkeit sowie Erlangung ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit verbinden die LRE mit dem Ökotourismus als eine Sonderform des 61 nachhaltigen Tourismus, der einen ähnlichen multisektoralen Ansatz verfolgt.
Bisher haben sich die deutschen Entwicklungsorganisationen im Rahmen der Tourismusförderung 62 : überwiegend folgende fünf Aspekte unterstützt
58 Vgl. Strasdas (2001), S. 95.
59 Vgl. Palm (2000), S. 7 und Steck, B., Strasdas, W., Gustedt, E. (1999): Tourismus in der Technischen Zusammenarbeit. Ein Leitfaden zur Konzeption, Planung und Durchführung von projektbegleitenden Maßnahmen in der ländlichen Entwicklung und im Naturschutz, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH (Hg.), 2. Auflage, Eschborn, S. 1, S. 7. 60 GTZ (2008a): Ländliche Regionalentwicklung, in: www.gtz.de/de/themen/laendlicheentwicklung/14866.htm (Stand 07.04.2008). 61 Vgl. Steck (1999). S. 93. 62 Vgl. Beyer (2007), S. 27-31.
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Natur- und Ressourcenschutz im Zusammenhang mit ländlicher Entwicklung. x
Tourismusmanagement und Marketing (Vermarktung, Strategieberatung etc.). x
Aus- und Weiterbildung sowie Wissenstransfer. x
Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit (Publikationen, Informationskampagnen etc.). x
Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung / Kooperationen mit der Privatwirtschaft (PPP). x
Um den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und die Kooperation innerhalb der Tourismusförderung zwischen den verschiedenen Entwicklungsorganisationen zu stärken, wurde im Jahre 2005 ein Thementeam Tourismus und Entwicklungszusammenarbeit ins Leben gerufen, dem BMZ, GTZ, CIM, 63 Zusätzlich DED, InWEnt, KfW und der Studienkreis für Tourismus und Entwicklung e.V. angehören. hat die GTZ Ende 2005 mit der UNWTO und den internationalen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit SNV (Niederlande) und DGCID (Frankreich) einen
Kooperationsvertrag bezüglich einer Zusammenarbeit im Bereich nachhaltiger Tourismus 64 Dabei steht die gemeinsame Armutsbekämpfung mittels Tourismus bei gleichzeitiger abgeschlossen.
Sicherung natürlicher Ressourcen im Vordergrund dieser Kooperation.
Im Folgenden werden die GTZ und das Programm PDRS in Peru vorgestellt.
2.4 Die GTZ und das Programm PDRS in Peru
Die GTZ, die ihren Hauptsitz in Eschborn hat, wurde 1975 als privatwirtschaftliches Unternehmen gegründet und ist im Bereich der deutschen Entwicklungszusammenarbeit als Bundesunternehmen 65 Der Hauptauftraggeber der GTZ ist das BMZ, das 1961 gegründet wurde. Darüber hinaus tätig.
erhält die GTZ Aufträge von anderen nationalen und internationalen Organisationen, von Regierungen anderer Länder und von Unternehmen der Privatwirtschaft. Die GTZ arbeitet gemeinnützig, d. h., dass 66 Im Jahre 2006 sämtliche Überschüsse wieder in eigene Projekte für nachhaltige Entwicklung fließen. 67 und beschäftigte knapp 10.000 Mitarbeiter/innen. arbeitete das Unternehmen in 122 Partnerländern
Die Arbeit der GTZ konzentriert sich auf die fünf Themenschwerpunkte Ländliche Entwicklung, Wirtschaft und Beschäftigung, Umwelt und Infrastruktur, Good Governance und Soziale 68 Entwicklung.
63 Vgl. Beyer (2007), S. 24.
Bisher ist die Kooperation zwischen den Entwicklungsorganisationen unzureichend. 64 Vgl. Beyer (2007), S. 32.
65 Vgl. GTZ (2008b): Profil, in: www.gtz.de/de/unternehmen/1698.htm (Stand 24.03.08). 66 Ebenda.
67 Vgl. GTZ (2008c): Zahlen und Fakten, in: http://www.gtz.de/de/unternehmen/1722.htm (Stand 24.03. 08). 68 Vgl. GTZ (2008d): GTZ-Themen, in: http://www.gtz.de/de/themen/857.htm (Stand 25.11.07).
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Das Handlungsfeld nachhaltiger Tourismus ist innerhalb des so genannten Sektorvorhabens Tourismus 69 Tourismus wird und nachhaltige Entwicklung in der Abteilung Umwelt und Infrastruktur verankert. als übergreifendes Thema in ca. 50 Projekten direkt oder indirekt behandelt z. B. innerhalb von Natur-und Ressourcenschutzprojekten. Ein Beispiel dafür ist die Förderung des Foto- und Jagdtourismus im 70 Im Jemen wird innerhalb eines GTZ Projektes der Biosphärenreservat Pendjari in Benin.
Bergtourismus gefördert, und in Laos versucht man in Form eines PPP (Public Private Partnership) mit einem Reiseveranstalter Ökotourismus zu entwickeln. Die GTZ konzentriert sich bei der Tourismusentwicklung nicht nur auf touristische Nischenprodukte sondern engagiert sich auch für die nachhaltige Gestaltung des Massentourismus.
In Peru, wo ca. 20 % der Bevölkerung in absoluter Armut lebt, ist die GTZ bereits seit ihrer Gründung 71 Heute arbeitet sie dort nach Abstimmung zwischen der deutschen und peruanischen Regie-1975 tätig.
rung schwerpunktmäßig in den Bereichen Demokratie, nachhaltige ländliche Entwicklung sowie Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung.
Das Programm PDRS wurde 2003 initiiert und hat das Ziel, die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung in Nordperu zu verbessern und den Schutz natürlicher Ressourcen sowie deren nachhaltige 72 Um dieses Ziel erreichen zu können, werden die folgenden drei Bewirtschaftung zu unterstützen. 73 Komponenten bei der Arbeit berücksichtigt:
Risikomanagement im ländlichen Raum: Die Verwundbarkeit der lokalen Bevölkerung durch x
Naturkatastrophen (z. B. Überschwemmungen, Dürren, Erdbeben, Bodenerosion) soll bei gleichzeitiger Stärkung der regionalen Wirtschaftskreisläufe reduziert werden. Nachhaltige Wertschöpfungsketten im Agrarsektor: Kleinproduzenten soll der Zugang zu nati- x
onalen und internationalen Märkten erleichtert werden. Die GTZ fördert die Produktion, Vermarktung und den Export lokaler Produkte und Dienstleistungen, zu denen auch der Tourismus zählt.
Ressourcenschutz: Die GTZ unterstützt das Management von Schutzgebieten, Pufferzonen x
und Wassereinzugsgebieten, um natürliche Ressourcen zu sichern und eine nachhaltige Nutzung zu stärken.
69 Vgl. Beyer (2007), S. 24.
70 Vgl. GTZ (2008e): Projekte mit tourismusrelevantem Bezug (download unter www.gtz.de/de/dokumente/de-tourismus-projekte.pdf, Stand 06.04.2008).
71 Vgl. GTZ (2008f): Die GTZ in Peru, in: www.gtz.de/de/weltweit/lateinamerika-karibik/643.htm (Stand 06.04.08).
72 Vgl. GTZ (2008g): Schwerpunkte in Peru, in: www.gtz.de/de/weltweit/lateinamerika-karibik/peru/1275.htm (Stand 06.04.08).
73 Vgl. GTZ (2008h): Nachhaltige Ländliche Entwicklung (PDRS), in: www.gtz.de/de/weltweit/lateinamerikakaribik/peru/16670.htm (Stand 06.04.08).
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Im Rahmen der Komponente ’nachhaltige Wertschöpfungsketten’ des PDRS wird seit 2007 in Kofinanzierung mit der Schweizer EZ-Organisation SECO die Förderung von drei neuen Ökotourismusdestinationen in den Regionen San Martin und Amazonas in Nordperu angestrebt. Seitens des PDRS wird die Förderung von Ökotourismus als eine von mehren Maßnahmen angesehen, die die Vermarktung alternativer Produkte und die bessere Nutzung von Dienstleistungen aus dem Umweltbereich ermöglichen soll. Neben der Entwicklung von Ökotourismus wird auch daran gedacht, nationale Produk- 74 Die te wie die Waldfrucht Camu Camu und die ölhaltige Nuss Sacha Inchi auf den Markt zu bringen. Regierung Perus hat ein nationales Programm zur Vermarktung von Produkten des Biohandels (Progra- maNacional de Promoción de Biocomercio en el Peru) ins Leben gerufen, an dem die GTZ ebenfalls beteiligt ist. Das Thema Ökotourismus befindet sich im PDRS insgesamt noch im Anfangsstadium.
Im folgenden Kapitel geht es darum, den Nischenmarkt Ökotourismus intensiver zu durchleuchten und zum konventionellen Tourismus in Beziehung zu setzen.
3 Ökotourismus versus konventioneller Tourismus
Innerhalb der Tourismuswirtschaft kann man zwischen verschiedenen Reisearten unterscheiden, die sich je nach inhaltlicher Ausrichtung dem konventionellen oder nachhaltigen Tourismus zuordnen lassen. Bei konventionellem Tourismus handelt es sich vorwiegend um ’Sonne- und Strandtourismus’, bei dem soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische Verträglichkeitskriterien, im Gegensatz zum nachhaltigen Tourismuskonzept, kaum eine Rolle spielen. Zwar kann konventioneller Tourismus im bereisten Land positive Effekte wie z. B. gesteigerte Deviseneinnahmen, Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur erzielen, aber dennoch überwiegen in vielen Destinationen, speziell in Zielen des Massentourismus, die negativen Effekte des Fremdenverkehrs wie z. B. Umweltzerstörung, Kulturverlust, hoher Devisenabfluss ins Ausland, Verbreitung von Prostitution 75 Um gerade diese negativen Folgen im Tourismus zu vermindern oder zund Kriminalität etc.
vermeiden, wurde das Dachkonzept des nachhaltigen Tourismus entwickelt, zu dem als Unterkategorie der Ökotourismus zu zählen ist, der im Folgenden genauer definiert wird.
74 Vgl. PROMPERU (2008a): Programa de Biocomercio. Productos, in: www.biocomercioperu.org/productos.htm (Stand 06.04.2008).
75 Klaus Lengefeld von der GTZ vertritt allerdings die These, dass All-Inclusive Ressorts wie die der Dominikanischen Republik in größerem Umfang armutsmindernd wirken können als kleine CBT-Projekte. Vgl. Lengefeld, K. (2007): Masse und Klasse. Welchen Tourismus brauchen Entwicklungsländer?, in: eins/Entwicklungspolitik Nord-Süd, Februar 2007, S. 26-30.
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3.1 Der Nischenmarkt Ökotourismus
Der Begriff Ökotourismus lässt sich aus dem englischen Begriff ecotourism ableiten, wobei sich die 76 Laut WOLFGANG STRASDAS liegt deutsche Bezeichnung erst in den 1990er Jahren bei uns etabliert hat. 77 Im Ökotourismus wirder Ursprung des Ökotourismus-Konzeptes im Bereich des Naturschutzes. 78 Seit Anfang ihm zufolge Naturtourismus mit den Prinzipien des nachhaltigen Tourismus verknüpft. 79 Die der 1990er Jahren hat der Ökotourismus als Nischenmarkt eine ständige Verbreitung erfahren. Vereinten Nationen erklärten das Jahr 2002 sogar zum Internationalen Jahr des Ökotourismus. Aus ihm 80 resultierte die Québec Declaration on ecotourism.
Bisher gibt es trotz dieser Entwicklungen keine allgemein gültige Definition für den Begriff Ökotourismus. Diese Definitionsunschärfe hat zum einen weltweit dazu geführt, dass ein Ausflug ins 81 Zum Grüne vielerorts bereits als Ökotourismus vermarktet und der Begriff damit verwässert wird. anderen kann die deutsche Bezeichnung Ökotourismus insofern bei Touristen auch negative Assoziationen hervorrufen, als dass sie damit möglicherweise eine ’von der Gruppe der aktiven Umweltschützer bevorzugte Reise in die Natur der näheren Umgebung ohne viel Komfort und mit wenig erlebnisreichen Aktivitäten’ verbinden könnten. Um derart missverständliche Deutungen zu vermeiden ist es wichtig, den Begriff Ökotourismus eindeutig zu definieren und von anderen Tourismusformen abzugrenzen. TIES definiert den Begriff 1990 als „eine verantwortungsvolle Form des Reisens in naturnahe Gebiete, die zum Schutz der Umwelt und zum Wohlergehen der lokalen 82 Das BMZ erklärt Ökotourismus 1993 wie folgt: Bevölkerung beiträgt.“
„Unter Ökotourismus werden Formen von Naturtourismus verstanden, die in verantwortungsvoller Weise negative Umweltauswirkungen und sozio-kulturelle Veränderungen zu minimieren versuchen, zur Finanzierung von Schutzgebieten beitragen und 83 Einkommensmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung schaffen.“
Als dritte Definition von Ökotourismus soll die von MARTHA HONEY herangezogen werden, die Ökotourismus beschreibt als „travel to fragile, pristine, and usually protected areas that strives to be low impact and (usually) small scale. It helps educate the traveler; provides funds for conservation; directly
76 Zu den Vorgängern des Ökotourismus zählt das Konzept des ’Sanften Tourismus’ aus den 1980er Jahren. 77 Vgl. Strasdas (2001), S. 4. 78 Ebenda. 79 Vgl. Honey (1999), S. 11, S. 52.
80 Vgl. UNWTO (2002): Québec Declaration on Ecotourism (download unter www.worldtourism.org/sustainable/IYE/quebec/anglais/quebec-eng.pdf, Stand 07.04.08). 81 Ebenda.
82 TIES (1990): Defintions and Principles. Definition Ecotourism, in: www.ecotourism.org/webmodules/webarticlesnet/templates/eco_template.aspx?articleid=95&zoneid=2 (Stand 24.03.2008), zitiert nach Ellenberg, L., Scholz, M., Beier, B. (1997): Ökotourismus. Reisen zwischen Ökonomie und Ökologie, Heidelberg, S. 56. 83 Ebenda.
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benefits economic development and political empowerment of local communities; and fosters respect 84 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Konzept des for different cultures and human rights.“
Ökotourismus als Nischemarkt des nachhaltigen Tourismus folgende Kriterien zu Grunde liegen:
Bei Ökotourismus handelt es sich um Reisen in naturnahe, oftmals geschützte Gebiete, die x
ökologische und soziokulturelle Verträglichkeitskriterien erfüllen und negative Auswirkungen zu minimieren versuchen.
Ökotourismus ist als Grundvoraussetzung betriebs- oder volkswirtschaftlich rentabel, um x
daraus weitergehende ökonomische Nutzen ziehen zu können. Ökotourismus trägt zur Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen (Management von x
Schutzgebieten, Umweltbildungsmaßnahmen, Naturschutz- und Forschungsprojekten) bei. Ökotourismus bezieht die lokale Bevölkerung in die Planung und Durchführung der x
touristischen Angebote mit ein und bringt ihr einen finanziellen, sozialen oder kulturellen Nutzen.
Ökotourismus schafft mittels Umweltbildungsmaßnahmen bei Touristen, lokaler Bevölkerung, x
touristischen Anbietern sowie politischen- und wirtschaftlichen Akteuren Umweltbewusstsein z. 85 B. in Form von Naturschutzakzeptanz.
Ökotourismus trägt zur Völkerverständigung, zum respektvollen Umgang und zum kulturellen x
Austausch zwischen Touristen und besuchter Gemeinde bei.
Ökotourismus ist vor und während der Reise sehr informativ angelegt und findet überwiegend x in kleinen Gruppen statt.
Ökotourismus sollte laut MARTHA HONEY auch demokratische Bewegungen und die x 86 internationalen Menschenrechte in dem bereisten Land unterstützen.
Die Entwicklung von Ökotourismus scheint ein geeignetes Instrument zu sein, um wirtschaftliche Anreize zum Erhalt der Natur zu schaffen. Auf Seiten der Reisenden ist zudem die Zahlungsbereitschaft scheinbar groß genug, um mit privatem Kapital zur Finanzierung von 87 Schutzgebieten und zu Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung beizutragen. Dennoch weist das Ökotourismus-Konzept insgesamt einen sehr idealistischen Charakter auf und 88 In der Praxis treten bei der Umsetzung der entspricht oft eher einem Wunschdenken als der Realität.
84 Honey (1999), S. 25.
85 Vgl. Steck (1999), S.12 und Honey (1999), S. 22-24. 86 Vgl. Honey (1999), S. 24.
87 Vgl. GTZ (Hg.), BfN (Hg.) (2000): Naturschutz in Entwicklungsländern. Neue Ansätze für den Erhalt der biologischen Vielfalt, Heidelberg, S. 166.
88 Vgl. Honey (1999), S. 4 und Hall, C. M., Boyd, S. (2005): Nature-Based Tourism in Peripheral Areas, Development or Disaster?, Clevedon, S. 9-10, S. 269.
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Kriterien dieses Konzeptes teilweise Schwierigkeiten auf, und somit gibt es nur wenige Ökotourismus-Beispiele aus der Praxis, die alle geforderten Prinzipien erfüllen. Die durchgehend positiven Beispiele 89 BRIAN WHEELER ist sogar der Meinung, dass Ökotourismus in der für Ökotourismus sind dünn gesät.
Praxis unnütz sei, da er mit dem menschlichen Realverhalten nicht vereinbar sei und der Lebensstil der 90 heutigen Weltbevölkerung nicht zu den Forderungen einer nachhaltigen Entwicklung passe. Diese pauschalisierende Ablehnung des Ökotourismus-Konzeptes scheint jedoch zu wenig durchdacht zu sein, da es auch überzeugende Entwicklungen im Bereich Ökotourismus gibt. Darauf wird in Kapitel 3.5 noch genauer eingegangen. Wheeler kann entgegengesetzt werden, dass das Konzept einer nachhaltigen touristischen Entwicklung keinen Absolutheitsanspruch verfolgt und die Minimierung negativer Effekte in kleinen Schritten immer noch besser ist, als gar nicht auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu achten. Der Geschäftsführer des ’Forum Anders Reisen’ ROLF PFEIFER sagte in einem Interview: „Wir fingen idealistisch an und wären bankrott, wenn wir nicht auch Dinge gemacht 91 Wahrscheinlich wird Ökotourismus auf hätten, die weniger nachhaltig und sozialverträglich sind.“
dem Weltmarkt ein Nischenprodukt bleiben, dessen Entwicklung nicht immer leicht ist, den man deshalb aber nicht völlig außer Acht lassen sollte.
Die jährliche Wachstumsrate von Ökotourismus spricht für sich und schwankt nach Schätzungen von HECTOR CEBALLOS-LASCURAIN (1991), WTTC (1995) und TIES (1997) zwischen 10 % und 30 %, wobei immer die Gefahr besteht, dass das Wachstum von Naturtourismus, Abenteuertourismus und 92 Es existieren bisher nur wenige quantitative Statistiken zu Ökotourismus miteinander vermischt wird. 93 Unbestritten ist jedoch, dass Ökotourismus und Naturtourismus dem Reisemarkt Naturtourismus.
jährlich größere Wachstumsraten aufweisen als der Welttourismus allgemein. Man vermutet, dass es weltweit 100 Millionen Naturliebhaber gibt, von denen die Mehrzahl aus Europa, Nordamerika und Australien stammt. Des Weiteren wird geschätzt, dass 5-7 % des weltweiten Tourismus auf den 94 Naturtourismus zurückgeht.
Auch in Peru macht sich der Trend zu wachsendem Interesse an Natur- und Ökotourismus bemerkbar. Laut FELIX ASCENCIÓN UGARTE bereisen 47 % der internationalen Touristen bereits jetzt eines der 95 Außerdem habe der Schutzgebiete Perus in Kombination mit anderen kulturellen Attraktionen.
89 Vgl. GTZ (Hg.), BfN (Hg.) (2000), S. 165 und Strasdas (2001), S. 229. 90 Vgl. Hall (2005), S. 263-264.
91 Högen, M., Prange, A. (2006): Erfolgreich in der Nische: Soziale Safaris, in: Rheinischer Merkur, Ausgabe Nr. 14, Rubrik LebensART/Reise, S. 28. 92 Vgl. Honey (1999), S. 6, S. 64. 93 Vgl. Strasdas (2001), S. 114.
94 Vgl. Ascención Ugarte (2005), S. 124 und Strasdas (2001), S. 115.
95 Vgl. Ascención Ugarte (2005), S. 124 und PROMPERU (2005c): Perfil del turista extranjero 2005, in: www.peru.info/s_ftopublicaciones.asp?page=3&HidId=2&HidWord=&HidAccion=Grupo (Stand 25.03.2008).
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96 Besucherstrom in peruanische Schutzgebiete von 1990 bis 1999 um 250 % zugenommen.
Ein Blick auf die Angebote internationaler Reiseveranstalter zeigt zudem, dass Umweltschutzmaßnahmen innerhalb der Unternehmensphilosophien an Bedeutung gewinnen, sei es aus Image-Gründen, auf Grund der steigenden Nachfrage seitens der Touristen oder auf Grund wachsender Unternehmensverantwortung. Reiseveranstalter tendieren dazu, mindestens auf Minimalniveau vorgeschriebene Umweltstandards wie Mülltrennung und die Produktion umweltfreundlicher Kataloge zu erfüllen. Einige Reiseveranstalter bezeichnen sich selbst als Reiseveranstalter für nachhaltige Reisen und versuchen bei ihren Angeboten langfristige Verträglichkeit 97 In den USA nimmt die Zahl der Reiseveranstalter für zu garantieren (z. B. Hauser Exkursionen). 98 Spezialisierte Natur- und Abenteuerreisen laut HONEY jährlich um 10 % bis 20 % zu.
Reiseveranstalter für Ökotourismus zeichnen sich durch zusätzliches Engagement aus, das z. B. die Förderung und den Besuch lokaler Umweltschutzprojekte im Rahmen ihrer Reisen, das Spenden von Teilen der Reisekosten für Projekte und Umweltschutzorganisationen und den bevorzugte Rückgriff auf lokale Produkte und Dienstleistungen umfassen kann
Zu den wichtigsten Ökotourismusdestinationen weltweit zählen bisher Costa Rica, Ecuador (Galapagos Inseln), Mexiko, Nepal, Tansania und Kenia. Als die Ökotourismusdestination in Amerika schlechthin 99 . Inzwischen gibt es aber viele kritische wird seit Mitte der 1980er Jahren Costa Rica bezeichnet 100 1997 Stimmen die sagen, es handele sich in Costa Rica eher um ’weichen’ Öko- oder Naturtourismus. gab es in Costa Rica zwar 79 Ökolodges und 12-18 auf Ökotourismus spezialisierte Reiseveranstalter, 101 Positiv zu vermerken aber dennoch werden die Prinzipien des Ökotourismus nur teilweise umgesetzt. ist dagegen, dass über 25 % der Landesfläche unter einen bestimmten Schutzstatus fällt und der Staat 102 Auch der Privatinitiative von Biologen und aktiv die touristische Entwicklung des Landes fördert.
Umweltschützern (oftmals aus den USA) ist es zu verdanken, dass viele private Schutzgebiete 103 Da Costa Rica ein kleines Land ist, haben die Touristen im Vergleich zu Peru den entstanden sind.
Vorteil, in kurzer Zeit viele verschiedene Naturparks besuchen zu können.
Im folgenden Abschnitt werden unterschiedliche Reisearten vorgestellt, die gegebenenfalls als
96 Vgl. Ascensión Ugarte (2005), S. 124. 97 Vgl. Ellenberg (1997), S. 60-63. 98 Vgl. Honey (1999), S. 67-68. 99 Vgl. Honey (1999), S. 5, S. 131-175.
100 Vgl. Honey (1999), S. 131-175 und Vorlaufer, K. (1996), S. 225-226. 101 Vgl. Honey (1999), S. 132, S. 74.
102 Vgl. Boo, E. (1990b): Ecotourism: The Potentials and Pitfalls, Volume 2 - Country Case Studies, World Wildlife Fund (Hg.), Washington D. C., S. 27, S. 28. und Honey (1999), S. 139-140. 103 Vgl. Boo (1990b), S. 34, S. 43-46.
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Ökotourismus bezeichnet werden können.
3.2 Mögliche Arten von Ökotourismus
Ökotourismus weist starke Parallelen zum Naturtourismus auf und kann nicht immer eindeutig von 104 Doch während Naturtourismus als „eine Form des Reisens in naturnahe ihm getrennt werden. 105 definiert wird, geht der Ökotourismus Gebiete, bei dem das Erleben von Natur im Mittelpunkt steht“
noch einen Schritt weiter indem er versucht zudem sozial, wirtschaftlich und ökologisch verträglich zu sein sowie dem Umweltschutz und der Armutsminderung zu dienen. Naturtourismus kann dagegen je nach Umsetzungsart äußerst negative Effekte wie z. B. den Verlust von Biodiversität und Umweltverschmutzung nach sich ziehen.
Neben dem Naturtourismus sind die folgenden Reisearten aufgrund ihrer Naturbezogenheit prädestiniert dazu, zum Ökotourismus gezählt zu werden, vorausgesetzt, dass sie die Prinzipien dieses Nischenproduktes erfüllen und die Motivation der Reisenden dem Konzept des Ökotourismus entspricht.
Agrotourismus / Ländlicher Tourismus: x
Bei dem Agrotourismus handelt es sich um touristische Angebote im ländlichen Raum, die meistens eine Unterkunft bei lokalen Gastfamilien und die Teilnahme an dem Alltag der lokalen Bevölkerung einschließen, wie z. B. die Bestellung und das Ernten der Felder, sowie die Teilnahme an der Produktion von traditionellem Kunsthandwerk. Der Hintergedanke bei dieser Reiseform ist, Einblicke in das Leben auf dem Land zu gewähren und den interkulturellen Austausch zwischen Tourist und Gastgeber zu fördern. Wenn es sich um Ökotourismus handeln soll, müssen die Bereisten laut ELLENBERG bei der Planung und Durchführung des Besuches mit einbezogen werden und finanziellen Nutzen daraus 106 ziehen.
107 : Gemeindebasierter Tourismus (CBT) x
Für den Begriff Community Based Tourism gibt es ebenso wenig eine klare Definition wie für Ökotourismus. Die wichtigste Komponente dieser Tourismusart ist die Beteiligung der lokalen Bevölkerung. CBT ist eng mit dem Agrotourismus verknüpft. Innerhalb des CBT kann man zwischen verschiedenen Stufen der Beteiligung und des Einflusses der Gemeinden unterscheiden.
104 Vgl. Strasdas (2001), S. 113. 105 Strasdas (2001), S. 6. 106 Vgl. Ellenberg (1997), S. 77. 107 Im Englischen bekannt als Community Based Tourism.
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Jagd- und Fototourismus: x
Kontrollierter Jagdtourismus findet zum Großteil in kleinen Gruppen in afrikanischen Schutzgebieten wie beispielsweise dem kenianischen Amboseli Nationalpark statt. Er trägt durch Abschussgebühren und täglichen Jagdkosten zu hohen Deviseneinnahmen bei, benötigt relativ wenig Infrastruktur und 108 Jagdtourismus kann die Kriterien des Ökotourismus nutzt gleichzeitig der Wildtierbewirtschaftung.
erfüllen, wenn er umsichtig geplant und kontrolliert wird. Fotosafaris in Schutzgebieten wie dem Krüger-Nationalpark zählen eher zum Naturtourismus und schaden als Massentourismus ausgeübt der Umwelt und der Fauna mehr als der Jagdtourismus. Die Rendite ist insgesamt weniger groß. Laut ELLENBERG kann Fototourismus nur dann zum Ökotourismus zählen, wenn er der Finanzierung von 109 Schutzgebieten und den Einheimischen als Einkommensquelle dient.
Abenteuertourismus: x
Abenteuertourismus ist eine Art von Naturtourismus. Die Hauptmotivation sind sportliche Aktivitäten im Freien wie z. B. Trekking, Bergsteigen, Wandern, Rafting, Flusstourismus, Paragliding und Rad 110 fahren. Hier ist laut ELLENBERG der praktizierte Stil der Reise wichtiger als die Reisekategorie an sich. Zum Abenteuertourismus können auch Expeditionsreisen in exotische Destinationen gezählt werden.
111 Wissenschaftstourismus: x
Diese Reiseart ist in Schutzgebieten üblich und trägt mit ihren Studien zur Wissenserweiterung über Flora und Fauna und vielfach auch zu deren Erhalt bei. Auch die ehrenamtliche Teilnahme an ökologischen- und sozialen Projekten sowie ausbildungsbedingte Reisen können dem Wissenschaftstourismus zugerechnet werden.
Birdwatching: x
Bei dem Birdwatching steht die Beobachtung seltener oder besonderer Vogelarten im Vordergrund des Interesses. Neben den wissenschaftlich orientierten Ornithologen beschäftigen sich Hobby-Ornithologen mit der Vogelbeobachtung. Auf diese Reiseart wird in Kapitel fünf und sechs im Rahmen der Analyse der Regionen San Martin und Amazonas noch genauer eingegangen.
108 Vgl. Ellenberg (1997), S. 69. 109 Vgl. Ellenberg (1997), S. 73. 110 Vgl. Ellenberg (1997), S. 76. 111 Vgl. Steck (1999), S. 31.
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Die Eigenschaften und Interessen der Natur- und Ökotouristen sollen im folgenden Kapitel genauer beleuchtet werden.
3.3 Das Profil des Natur- und Ökotouristen
Bisher gibt es kaum aussagekräftige Studien über Natur- und Ökotouristen, die eine klare Differenzierung zwischen beiden Zielgruppen ermöglichen. Zudem gibt es fast keine Untersuchungen zu dem Marktpotential von Europa, Asien und den Schwellenländern als Nachfrager von 112 Viele Autoren, wie z. B. auch Strasdas, nehmen keine eindeutige Trennung zwischen Naturtourismus.
Öko- und Naturtouristen vor. In Zukunft wäre es sinnvoll, intensive Studien bezüglich dieser zwar zusammenhängenden, aber doch in ihrer Auswirkung zu differenzierenden Marktsegmente durchzuführen. In Anlehnung an die Angaben in der ausgewerteten Fachliteratur kann es in der folgenden Beschreibung des Natur- und Ökotouristen zum Teil zu Überschneidungen kommen.
3.3.1 Der Naturtourist
Die staatliche Marketingorganisation PROMPERU hat 2006 das Profil des ausländischen Naturtouristen veröffentlicht, der eines der vier Schutzgebiete Paracas, Manu, Tambopata oder 113 Huascarán in Peru besucht hat. Folgende Merkmale erscheinen dabei besonders interessant:
Der Naturtourist, der Peru besucht, ist überwiegend zwischen 25 und 44 Jahre alt. Der Anteil x
männlicher und weiblicher Touristen ist insgesamt ausgeglichen. Es handelt sich um reiseerfahrene, aktive Touristen. x
90 % haben einen hohen Bildungsstand und in vielen Fällen einen Universitätsabschluss. x
Der Naturtourist verfügt über ein hohes Einkommen und ist bereit, höhere Reiseausgaben in x
Kauf zu nehmen als der konventionelle Tourist.
Er erwartet einen hohen Informationsgrad über das Reiseziel und guten Service vor Ort. x
Hauptmotive für den Besuch der Schutzgebiete sind der Kontakt mit der Natur und die x
Beobachtung von Flora und Fauna.
Eine der Hauptaktivitäten in den Schutzgebieten Manu, Paracas und Tambopata ist die x
Vogelbeobachtung (über 82 %).
70 % bis 79 % informieren sich im Internet über Destinationen für Naturtourismus, die nächst x
frequentierte Informationsquelle stellen Reiseführer dar, und als dritte Quelle kommen
112 Vgl. Strasdas (2001), S. 114.
113 Vgl. PROMPERU (2006b): Perfil del Turista de Naturaleza (download unter
www.peru.info/catalogo/Attach/publicaci_n_perfil_del_turista_de_naturaleza_9155.pdf, Stand 25.03.2008).
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Arbeit zitieren:
Angelina Arlinghaus, 2008, Möglichkeiten und Grenzen des Ökotourismus am Beispiel der Regionen San Martin und Amazonas in Peru, München, GRIN Verlag GmbH
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