1. Einführung
Erst die CD, dann der Computer im Laufe der letzten Jahrzehnte wurden analoge Medien wie Langspielplatte und Schreibmaschine nach und nach digitalisiert. Bessere Qualität und mehr Nutzungsmöglichkei-ten haben zum Erfolg der neuen, jetzt digitalen Medien geführt. Ein Medium ist zum Großteil aber noch immer analog: das Radio. Zwar wurde in den letzten Jahren versucht, die Technik zu digitalisieren, wirklich angenommen wurde das digitale Radio von der Masse bisher aber nicht. Gesendet wird weiter über die klassischen UKW-Antennen. Im ersten Teil der Seminararbeit geht Benjamin Gust auf die bisherige Entwicklung und die möglichen Gründe des ‚digitalen Scheiterns‘ ein. Danach erläutert er, welche Rolle das Internet spielt und wohin der Trend bei der Radionutzung geht.
Das Radio an sich, aber auch die komplette Medienlandschaft der Zukunft wird sich ändern. Internet und Digitalität schaffen neue Möglichkeiten und Herausforderungen. Auch wenn es ein Blick in die Kristallkugel ist, Zeichnen sich gewisse Trends ab. Welche Chancen und Probleme das Radio in der Zukunft haben kann, beschreibt Simon Schlenke zweiten Teil der Seminararbeit.
2. Vom UKW- zum Digital-Radio: der bisherige Stand
Die Digitalisierung der Medien ist in vollem Gange. DVBT setzt sich seit ein paar Jahren als TV-Standard durch, DSL hat längst die alten Kupferleitungen der Telekom ersetzt und sich als Internet-Standard etab-liert. Was aber ist mit dem Radio? Hier ist noch immer unklar, wie in Zukunft gesendet und vor allem empfangen wird.
„Bereits 1998 beschloss die Bundesregierung, im Jahre 2010, 85 Jahre nach der ersten UKW-Übertragung durch den Physiker Abraham Esau, die analoge Rundfunk-Ausstrahlung in Deutschland durch die digitale Verbreitung von Hörfunk ... abzulösen.“ 1 Mehr als 10 Jahre später ist davon aber nur wenig zu spüren. UKW - und damit das analog Radio -
1 Zöllner,Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft
des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 36
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ist weiter der etablierte Standard in 98 Prozent der deutschen Haushalte. Mindestens ein UKW-Empfänger steht in jeder Wohnung - und die Zahl steigt. Jährlich kommen ca. neun Millionen UWK-Geräte hinzu. Insgesamt 250 bis 350 Millionen UKW-Endgeräte sollen sich zurzeit schätzungsweise im gesamten Land befinden und den Radio-Empfang ermöglichen. 2 Damit soll in ein paar Jahren aber Schluss sein. Hieß es erst, dass 2010 alle FM-Frequenzen abgeschaltet bzw. die jeweiligen Lizenzen von den Landesmedienanstalten nicht verlängert werden sollen, ist dieses jetzt für 2015 geplant. 3 Geht es nach den Rundfunkanstalten, wird ab dann vor allem drahtloses, digitales Radio gehört. „Digital Radio ist der neue Hörfunkstandard und führt das analoge Radio in das digitale Zeitalter: mehr Programmauswahl – exzellenter Sound ––einfache Bedienung – neue Serviceangebote.“ 4 Empfangbar ist dieser neue Hörfunkstandard bereits seit 1999. In Form des Digital Audio Broadcasts (kurz: DAB) senden die meisten der öffentlichrechtlichen sowie einige Privatsender ihr Programm digital. „Aktuell verfügt DAB, laut Aussage der Technischen Kommission der Landesmedienanstalten, über eine technische Reichweite von 80 Pro-zent der Bevölkerung.“ 5 Digital empfangen wird dieser neue Hörfunk aber bisher kaum. Trotz vieler Versuche der öffentlich-rechtlichen Sender ist DAB - und damit das digitale Radio - weit hinter den Erwartungen der Anbieter zurück geblieben. 2007 waren deutschlandweit optimistischen Schätzungen zufolge gerade einmal 546.000 DAB-Empfänger im Einsatz. 6 Knapp zwanzig Jahre nach der Einführung ist das digitale Radio somit weiter eine Randerscheinung in Deutschland geblieben.
2 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Research, S. 3 3 vgl. Medienforum NRW: RRC06 und die Folgen, URL: www.medienforum.nrw.de/ medientrends/konvergenz/rrc06-und-die-folgen.html (Besuch: 31.01.2009) 4 IMDR GmbH: Was ist Digital Radio?, URL:
http://www.digitalradio.de/digital-radio/was-ist-digital-radio/ (Besuch 31.01.2009) 5 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 37 6 vgl. Scheidt, Walter (2008): Signale gesucht. Journalist, 10/2008, S. 19
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Noch dieses Jahr soll sich das aber ändern. Mit einem ‚Big Bang‘ soll der Durchbruch für das Digital Radio kommen. 7 „Die Branche ist dabei, einen Zeitpunkt zu verabreden, zu dem aus Sicht des Konsumenten das Gesamtangebot mit neuen Programmen in der Luft ist, zudem Endgeräte im Handel verfügbar sind und von geschultem Personal erklärt werden.“ 8 Ein bundesweiter und zwei landesweite Funk-Netze sollen dafür neu geschaffen werden. Eines der landesweiten Netze soll, wenn gewünscht, sogar regionalisiert werden. Ob der Plan aber aufgeht und ob der ‚Big Bang 2009‘ wirklich klappt, ist noch immer nicht klar. 9
3. Die Hürden der Digitalisierung
Warum aber gestaltet sich der Digitalisierungsprozess des Hörfunks so problematisch? Um digitales Radio in Deutschland erfolgreich einzuführen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen: Programmanbieter, Gerätehersteller und nicht zuletzt die Konsumenten des Radios von morgen.
3.1 Die Frage nach dem Standard
Eines der Hauptprobleme der Digitalisierung ist die Uneinigkeit über einen Sendestandard. Wurde bei der Einführung der ersten digitalen Sender 1999 noch DAB präferiert, gibt es heute eine Vielzahl an moderneren Funkstandards, die die DAB-Technik veraltet wirken lassen. 10 Als Weiterentwicklung von DAB gilt beispielsweise DAB+. Durch moderne Komprimierungverfahren können hier im Vergleich zu DAB doppelt so viele Radioprogramme gesendet werden. DAB+ gilt somit als verbesserter und effektiverer Audioübertragungstandard. Allerdings sind
7 Ory, Stephan (2008): Rundfunk-Perspektiven. Baden-Baden: Nomos, S. 229 8 Ory, Stephan (2008): Rundfunk-Perspektiven. Baden-Baden: Nomos, S. 229 9 Ory, Stephan (2008): Rundfunk-Perspektiven. Baden-Baden: Nomos, S. 229 10 vgl. Scheidt, Walter (2008): Signale gesucht. Journalist, 10/2008, S. 22
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dafür neue Geräte nötig, da bereits vorhandenen DABRadios die ver-besserte DAB+-Frequenz nicht empfangen können. 11 Ebenfalls eine Weiterentwicklung von DAB ist Digital Multimedia Broadcasting (kurz: DMB). Wurde DMB bisher vor allem als Mobil-TV-Standard genutzt, kann es in der Zukunft auch für Hörfunkprogramme in den ohnehin reservierten DAB-Frequenzbereichen genutzt werden. „Die Empfangseigenschaften sind mit DAB vergleichbar, d. h. ebenfalls optimiert für hohe Geschwindigkeiten und (momentan) schwacher Inhouse-Versorgung.“ 12 Neben diesen drei Standards (DAB, DAB+ und DMB) existieren sogar noch ein paar weitere, die zurzeit aber nicht für DigitalRadio in Deutschland in Frage kommen. Beim amerikanischen HD-Radio ist zum Beispiel die technische Verträglichkeit unklar, Digital Radio Mond-iale+ (kurz: DRM+) ist noch nicht weit genug entwickelt und Satellite Digital Audio Radio Services (kurz: SDARS), ein satellitengestütztes Di-gitalformat aus den USA, ist nicht für den lokalen Rundfunk geeignet. 13
3.2 Die Frage nach dem Gerät
Das technische Chaos führt zu einem weiteren Problem im Digitalisierungsprozess. Um zukünftig digitales Radio zu empfangen, sind neue Geräte notwendig. Eine Schlüsselrolle spielen somit auch die Gerätehersteller. „Ihre Aufgabe ist es, eine breite Auswahl von Empfangsgeräten zu akzeptablen Preisen zu entwickeln. Während sich im europäischen Ausland diverse technische Standards mehr oder weniger erfolgreich etabliert haben, werden in Deutschland immer neue Übertra-gungsstandards ins Spiel gebracht.“ 14 Die Gerätehersteller sind irritiert und wissen nicht, für welchen digitalen Standard sie zukünftige Geräte entwickeln sollen. „Grundsätzlich versuchen wir unseren Kunden alle
11 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Research, S. 3 12 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Research, S. 3 13 vgl. Goldhammer, Klaus; Schmidt, Michael & Martick, Anja (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Consulting & Research, S. 4 14 Scheidt, Walter (2008): Signale gesucht. Journalist, 10/2008, S. 19
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Empfangsmöglichkeiten anzubieten [...| Das Angebot im Auto hängt dabei natürlich von den Entscheidungen der Sender zu den jeweiligen Übertragungswegen ab.“ 15 Zwar haben sowohl Autohersteller wie
BMW als auch andere Radio-Produzenten Digital-Radios im Programm,
aber mit Preisen ab 100 Euro liegen die „DAB-fähigen Radios wie Blei in den Verkaufsregalen“. 16 Die Unsicherheit bezüglich des Standards führt auch bei den Kunden zu Verwirrung. Warum sollen sie sich jetzt ein teures Gerät kaufen, das in ein paar Jahren schon wieder veraltet sein könnte? Generell sind die Kunden nicht bereit, sich neue Radios anzuschaffen. Alle eigentlich funktionsfähigen 250 bis 350 Millionen UKWEndgeräte im Markt müssten bei einer Digitalisierung von jetzt auf gleich ersetzt werden, da sie durch das Abschalten der UKW-Frequenzen auf einen Schlag nutz-los werden würden. 17
3.3 Die Frage nach dem Mehrwert
Neben der Frequenz-Frage ist für den Kunden bisher aber auch der Mehrwert eines neuen Digital-Radios unklar. 54 Programme sind Ende 2007 über DAB zu empfangen. 18 Nur wenige davon sind neue, eigens für das digitale Radio entwickelte Programme, andere sind das genaue Abbild der analogen. Zwar sollen diese Digital-Programme alle in einer Qualität senden, die mit der einer Audio-CD zu vergleichen ist, 19 aber mögliche neue Features wie Nachrichten auf Abruf, schriftliche Zusatz-informationen zum Programm, Grafiken oder Fotos bietet bisher keiner der Sender. 20
15 Boelsterl, Katharina (2009): DAB. München: BMW-Group. eMail vom 26.01.2009 16 Seibel-Müller, Inge (2008): Liegt die Zukunft des Radios doch im Internet? URL: http://www.bpb.de/themen/RGQ6M5.html (Besucht am 23.01.2009) 17 vgl. Medienforum NRW: RRC06 und die Folgen. URL:
www.medienforum.nrw.de/medientrends/konvergenz/rrc06und-die-folgen.html (Be-such: 31.01.2009) 18 vgl. Scheidt, Walter (2008): Digitales Desaster. Journalist, 10/2008, S. 22 19 IMDR GmbH: Technik - Der Weg zur Digitalisierung. URL:
http://www.digitalradio.de/background/technik/ (Besuch 31.01.2009) 20 vgl. Scheidt, Walter (2008): Digitales Desaster. Journalist, 10/2008, S. 18
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Bis auf die versprochene bessere Qualität gibt es also bisher keinen großen Unterschied zum UKW-Radio. Und selbst diese Qualität ist bei den existierenden Digital-Radios nicht zufriedenstellend. Für den Hörer wird also kein echter Anreiz geboten, der ihn dazu veranlasst, alle seine UKW-Radios gegen neue, teurere Geräte auszutauschen. 21
3.4 Die Frage nach den NRW-Lokalradios
Mit besonderen Problemen haben die Lokalsender in NordrheinWestfalen zu kämpfen. In 45 Verbreitungsgebieten senden sie ihr Lokalpro-gramm auf jeweils eigenen UKW-Frequenzen.
2006 wurden in Genf bei der Regional Radiocommunication Conference (RCC06) für ganz Europa die Frequenzen für das digitale Radio festgelegt und die jeweiligen Sendegebiete abgesteckt. 22 Diese Sendegebiete auch Cluster genannt sind allerdings größer als die bisherigen, analogen Gebiete. Das führt dazu, dass in einem der digitalen Sendecluster Nordrhein-Westfalens teilweise mehrere Lokalstationen liegen. Auch Sascha Fobbe, Mitglied im NRW-Landesvorstand des DJV und dort besonders befasst mit den NRW-Lokalradios, sieht dort ein Problem: „Zwar könnten z.B. die fünf Sender in einem Cluster natürlich alle das ganze Gebiet bestrahlen, aber dann hätten die Hörer fünf Sen-der mit der gleichen Musik. Und wen in Köln interessiert, was im Rhei-nisch-Bergischen Kreis passiert? Lokale Inhalte machen regional keinen Sinn.“ 23 Auch hier muss eine Lösung gefunden werden, die die Zukunft der deutschlandweit einzigartigen Radiolandschaft in NRW sichert.
3.5 Die Frage nach dem Frequenz-Verhältnis
Um in Deutschland ein digitales RadioNetz aufbauen zu können, müssen die einzelnen Sender zusammen arbeiten - egal ob öffentlich-recht-lich oder privat. Nur wenn sie sich auf ein technisches Sendeverfahren
Fobbe, Sascha (2008): [Fwd: Re: FW: Radio NRW goes digital]. eMail vom 30.10.2008
einigen, können die Geräteindustrie und die Kunden reagieren und die Geräte austauschen. Auch hier gibt aber es noch Probleme: Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) will mehr digitale Sendekapazitäten, als ihm bisher bei der RRC06 in Genf zugesprochen wurden. Dadurch soll das Ungleichgewicht aus der analogen Welt kompensiert werden. „Die ARD verfüge für ihre 56 Programme über eine Sendeleistung von insgesamt 21 Millionen Watt, während die 211 privatwirtschaftlichen Kanäle mit insgesamt 6,7 Millionen Watt aus-kommen müssten.“ 24 Insgesamt haben allein die öffentlichrechtlichen Sender der ARD 179,5 Millionen Euro in den Aufbau des Digitalradios in Deutschland inves-tiert. Trotzdem konnte sich DAB wegen der genannten Probleme bisher nicht durchsetzen und gilt schon jetzt als Auslaufmodell. 25 Um den Einstieg trotzdem noch zu schaffen und alle Probleme so gut wie möglich aus dem Weg zu räumen, engagiert sich die ARD zusammen mit dem
SWR und einigen privaten Sendern jetzt beim Pilotprojekt „Radio Plus“.
Ziel ist es heraus zu finden, wie digitale Programme künftig aussehen müssen, um gehört zu werden. Erstmals werden so die Nutzer in den Mittelpunkt gestellt. 26
4. Internetradio als Lösung
Parallel zum versuchten Digitalisierungsprozess des analogen Radios hat in den letzten 10 Jahren das Internet immer mehr an Akzeptanz gewonnen. 27 Moderne Breitbandanschlüsse wie zum Beispiel DSL haben dafür gesorgt, dass es heute kein Problem mehr ist, über das Internet auch qualitativ hochwertiges Radio zu hören. „11 Prozent der Radiohörer geben an, über das Internet Radio gehört zu haben - das ist
24 vgl. Medienforum NRW: RRC06 und die Folgen. URL:
www.medienforum.nrw.de/medientrends/konvergenz/rrc06und-die-folgen.html (Be-such: 31.01.2009) 25 vgl. Scheidt, Walter (2008): Digitales Desaster. Journalist, 10/2008, S. 22 26 vgl. Scheidt, Walter (2008): Digitales Desaster. Journalist, 10/2008, S. 18 27 vgl. Fraktionen von CDU und FDP (2008): Antrag: Voraussetzungen für ein erfolgreiches Digitalradio. URL: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/ Dokument/MMD14-7786.pdf (Besucht am 01.02.2009)
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eine steil steigende Tendenz.“ 28 Insgesamt hörten laut einer ARD-ZDF-Onlinestudie 2008 rund 10 Millionen Menschen in ganz Deutschland ihr Hörfunkprogramm online. 29 Die Gründe dafür sind sowohl vielfältig als auch naheliegend.
4.1 Die Antwort auf die Standard- und Gerätefrage
Einer der Hauptvorteile des Internetradios ist, dass kaum jemand ein neues Gerät kaufen muss, um die OnlineStreams zu empfangen. Jeder handelsübliche Computer mit einem Internetanschluss ist geeignet, um online Radio zu hören. Auch der Sendestandard spielt dabei keine Rol-le. Empfangen wird der Online-Stream zurzeit als komprimierte MPEG-
2- oder MPEG-4-Datei. 30 Selbst wenn sich in ein paar Jahren ein besserer Komprimierungsstandard durchsetzten sollte, hilft ein einfaches Softwareupdate, um den Computer wieder fit für das Internetradio zu machen.
Aber auch ganz ohne PC oder Mac ist der Empfang möglich. „WebRa-dio hören ist schick. Die dazugehörigen WLAN-Radios sind offenbar attraktive Produkte, die sich quasi von selbst verkaufen, dazu auch zu vergleichsweise günstigen Preisen.“ Allein Tchibo verkaufte im letzten Jahr rund 70.000 dieser Geräte. 31
4.2 Die Antwort auf den Mehrwert
Im Vergleich zu den auf dem Markt befindlichen DAB-Empfängern können Internetradios - egal ob als eigenständiges Gerät oder per PC-Software - schon jetzt viel mehr. Laut GEMA senden in Deutschland rund 1.200 Webradio-Pogramme. „Zurzeit entsteht eine Vielzahl von ‚Internet-Only-Angeboten‘. Auf der anderen Seite gibt es wohl keinen
28 Hug, Gerold in Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 Wie Experten und Nut-zer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 39 29 vgl. Fraktionen von CDU und FDP (2008): Antrag: Voraussetzungen für ein erfolgreiches Digitalradio. URL: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/ Dokument/MMD14-7786.pdf (Besucht am 01.02.2009) 30 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 39 31 Seibel-Müller, Inge (2008): Liegt die Zukunft des Radios doch im Internet? URL: http://www.bpb.de/themen/RGQ6M5.html (Besucht am 23.01.2009)
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landesweit verbreiteten UKW-Sender mehr, der sein Programm nicht auch im Internet anbietet.“ 32 Dabei sind sehr individuelle Programmezum Beispiel nur für Fußball- oder Punk-Fans - empfangbar, die im klassischen Rundfunk nicht denkbar wären. Die Anzahl der Sender ist insgesamt um den Faktor 1000 umfangreicher als bei UKW. 33 Neben dieser Sendevielfalt bekommen die Hörer außerdem oft Zusatzinformationen wie Cover, Songtexte und aktuelle Wetterinfos geliefert.
4.3 Die Antwort auf die Frequenz: Internet wird mobil
Frequenzknappheit, wie es sie bisher bei den analogen Sendern gibt und zukünftig auch bei digitalem Hörfunk geben könnte, ist für den Radioempfang im Internet ein Fremdwort 34 und das nicht nur am hei-mischen Computer oder im WLAN-Netz.
Auch unterwegs wird über das Internet Radio gehört. Neue Techniken wie zum Beispiel UMTS, sowie fallende Preise bei mobilen Datenflatrates, machen es möglich, dass immer mehr Menschen über ihr Mobiltelefon oder PDA die verschiedensten Programme empfangen. 35 Vorreiter sind da unter anderem TMobile und Apple, die in Deutschland gemeinsam das iPhone vertreiben. Über den im iPhone installierten SoftwareShop ‚App Store‘ ist bereits jetzt eine Vielzahl an kostenlosen Ra-dio-Programmen empfangbar. Der WDR bietet beispielsweise eine Software an, mit der auf dem iPhone alle eigenen UKW- sowie zusätz-lich spezielle Digital-Programme empfangen werden können. Auf dem Display erscheinen parallel Cover, Interpret, Name und Liedtext des
vgl. Fraktionen von CDU und FDP (2008): Antrag: Voraussetzungen für ein erfolgreiches Digitalradio. URL:
vgl. Fraktionen von CDU und FDP (2008): Antrag: Voraussetzungen für ein erfolgreiches Digitalradio. URL: http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/ Dokument/MMD14-7786.pdf (Besucht am 01.02.2009)
Songs sowie das Thema der Sendung. Außerdem werden aktuelle Verkehrs- und Wetterinfos aus NRW angezeigt. 36 Auch der Einzug ins Auto scheint greifbar nahe: Noch in diesem Jahr will der in Deutschland führende Autoradio-Hersteller Blaupunkt unter dem Namen „Hamburg 600i“ das Internetradio ins Auto bringen. 37
5. Trends für die Zukunft des Radios
Die technische Umsetzung ist zweifelsfrei schwierig. Sollte sie in naher Zukunft passieren, wird dieser Weg wohl über das Medium Internet geschehen. Dass das Internet das Medium der Zukunft ist, ist kein Geheimnis mehr und dennoch werden sich in Zukunft für Medien-Macher und Konsumenten einige Fragen stellen:
Wird sich das „RadioMachen“ an sich ändern? Was ändert sich für den Sender? Was für Redakteure? Und was für den Hörer? Gibt es neue Er-lösmöglichkeiten durch eine Erweiterung des Medienangebots auf das Internet?
Die im Folgenden aufgelisteten Thesen versuchen Antworten auf die zentrale Frage zu geben die sich aus den obigen Fragen kristallisiert: Wie wird das Radio der Zukunft aussehen? Die drei vorgestellten Thesen haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wohlmöglich bewegt sich das Radio doch in eine andere Richtung.
5.1. Crossmedia
5.1.1. Definition von Crossmedia
Crossmedialität beschreibt grob gesagt zwei Dinge, die auch Christian Jakubetz als Definition von Crossmedia darlegt:
36 Vogel, Matthes (2008): Vorgestellt: Apps zum Radio hören via iPhone/iPod Touch.
http://astounded.de/tag/wdr-radio/ (Besucht: 01.02.2009) 37 Goreßen, Ulrike (2008): Erstes Internetradio von Blaupunkt. URL:
http://www.channel-partner.de/consumerelectronics/ces-2009/271045/index.html (Be-
sucht: 01.02.2009)
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1. Crossmedia ist dialogische Kommunikation - und die funktioniert
nicht ohne Rückkanal, auf dem die Rezipienten teilhaben können. 38 Beispiele dafür sind Kommentarmöglichkeiten unter Online-Artikeln, oder User-Generated-Content in Form von Foto- oder Videoupload.
2. Crossmedia ist Kommunikation über mehrere, redaktionell miteinan-
der verknüpfte Kanäle. 39 Diese Beschreibung deckt sich größtenteils mit denen von MedienExperte Niklas Mahrdt, auch wenn dieser sich eher auf den Aspekt „Werbung und Marketing mit Crossmedia“ konzentriert. Mahrdt sieht acht wichtige Punkte, damit Crossmedialität gegeben ist. Das Konzept braucht eine durchgehende Leitidee (1) in verschiedenen, zielgruppen-gerechten Medien (2). Das heißt konkret für Radiosender, dass nicht nur Ton, sondern auch Bild übermittelt werden können muss. 40 In Punkto Zeit, Inhalt und Form muss das Konzept integriert und stimmig sein (3). Interaktivität (4), Vernetzung im Sinne von Verlinkung (5), die Ansprache mehrere Sinne (6) und das Hinweisen auf die begleitenden Medien (7) sollte in der Ansprache des Rezipienten enthalten sein. Schließlich soll der Rezipient bzw. Kunde einen Mehrwert (8) aus dem Angebot schlagen können. (1-8) 41 Ein Beispiel dafür können Produkttests, Anzeigenbörsen oder Gewinnspiele sein.
Weil Crossmedia mittlerweile so stark an Bedeutung gewonnen hat, wird es auch bei den folgenden Trends schwierig sein, von Radio, Print oder Online als einzelne Medien zu sprechen. Hält der Crossmedia-Gedanke Einzug in die Redaktionen, wird man nicht mehr zwischen einzelnen Medien unterscheiden können. Daher wird ist es manchmal nicht möglich die Rolle des Hörfunks zu isolieren.
5.1.2. Crossmedia am Beispiel EinsLive
Ein Beispiel für durchaus gelungene crossmediale Aufbereitung ist der Gesamtauftritt des WDR Jugendradios „EinsLive“. Der Sender verknüpft
38 vgl. Jakubetz, Christian (2008) Crossmedia, Konstanz, UVK, S. 31
39 vgl. Jakubetz, Christian (2008) Crossmedia, Konstanz, UVK, S. 31 40 vgl. Goldhammer, Klaus und Zerdick, Axel (1999): Entwicklung und Perspektiven des
Internets für Hörfunk- und Fernsehanbieter, 2. Auflage, Berlin: VISTAS Verlag, S. 12 41 vgl. Mahrdt, Niklas (2008) Crossmedia: Kampagnen erfolgreich planen und umset-
zen, Gabler GWV Fachverlage, Wiesbaden
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seine Hörfunkberichterstattung zeitnah mit ergänzenden Artikeln, Hörfunkbeiträgen oder Videos auf der Sender-Hompage 42 . Die Ansprache orientiert sich immer an der Zielgruppe (14-49 Jahre) 43 Dazu können die Rezipienten fast immer Kontakt zu den Redakteuren/Moderatoren per Mail oder Telefon in das Studio aufnehmen. Mehrwert entsteht durch kombinierte Online/OfflineGewinnspiele oder ein Dating-Portal. Genau da liegt allerdings schon das Problem, auf das ich zu einem spä-teren Zeitpunkt noch einmal zusprechen komme.
Das Konzept von EinsLive erfüllt fast alle der oben genannten Kriterien eines crossmedialen Mediums. EinsLive geht sogar noch einen Schritt weiter und verbindet die Ansprache der Konsumenten durch Massenmedien auch noch mit Events, die wiederum von dem medialen Angebot begleitet werden. Der Sender bringt damit noch eine weitere Stufe des persönlichen Kontakts in das Gebilde „Crossmedia“ ein. Laut Mahrdt ist die Kombination von Medienkonsum und Events vor allen Dingen in Fragen des Marketings ein Schritt der Sinn macht. 44 So bindet man User an ein Medium und gibt dem Medium gleichzeitig ein Image.
5.2. Individualisierung
5.2.1 Warum wird das Radio individuell?
Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass das Radio keine Veränderung nötig hat. Die Radionutzung war von 1980 bis 2005 stetig steigend. 45
42 Siehe www.einslive.de (Besucht am 05.02.2009)
43 Interview mit Christiane Podang auf www.einslive.de (2007) ;
URL: http://www.einslive.de/presse/2007/november/interview_christiane_podang.jsp (Besucht am 05.02.2009) 44 Mahrdt, Niklas: Vernetzungspotenzial des EventMarketing in crossmedialen Kam-pagnen; URL: http://www.crossmedia-zentrum.de/cms/crossmedia-instrumente/event/ (Besucht am 05.02.2009) 45 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 8
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Auch 2006 46 , 2007 47 und 2008 48 kann von einer konstanten Tagesreichweite gesprochen werden. Ein guter Wert, so könnte man denken. Ein genauerer Blick auf die Zahlen verrät aber, dass es in der Generation der 1429 Jährigen 2008 mehr als 10 Prozent weniger Radiohörer gab als noch im Jahr 2001. Die Radiohörer brechen am Ende der unteren Demographieskala weg. Diese Konsumenten sind mit dem Internet sozialisiert worden, und haben den Siegeszug der MP3-Technologie miterlebt oder bewirkt. Diese Generation legt Wert auf Individualität und ist nicht mehr begeistert von der Vorhersehbarkeit und Erwartbar-keit des Formatradios althergebrachter Art. 49 Die Bedürfnisse des Einzelnen rücken verstärkt ins Zentrum. Übrigens eine These, die Goldhammer und Zerdick schon 1999 in den Raum gestellt haben 50 und die sich anscheinend bewahrheitet. Wenn die Zahlen bei jungen Hörern weiter sinken, muss man - so scheint es - individuell auf die Wünsche der Hörer eingehen und dabei über Marktforschung hinausgehen. Rückkanäle wie sie die Crossmedialität beinhaltet sind dabei meines Erachtens notwendig.
Allerdings gibt es auch Stimmen die gegen den Trend der Individualisierung sprechen. So sagt zum Beispiel der Geschäftsführer von Hit Radio Antenne1, Achim Voeske, dass Individualität auch immer Aufwand bedeutet und genau dort die Chance des Radios liegt, dem Konsumenten die Entscheidung abzunehmen. 51
46 MA Radio 2006/II; URL: http://www.agma-mmc.de/files/Eckdaten_ma_2006_Radio _II.pdf (Besucht am 09.02.2009) 47 MA Radio 2007/I; URL:
http://www.agma-mmc.de/files/PM_Eckdaten_Radio_07_I.pdf (Besucht am 09.02.2009) 48 MA Radio 2008/I; URL: http://www.agma-mmc.de/files/ma2008RadioI_PM_ Eckdaten.pdf (Besucht am 09.02.2009) 49 vgl. Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 Wie Experten und Nutzer die Zu-kunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 9 50 vgl. Goldhammer, Klaus und Zerdick, Axel (1999): Entwicklung und Perspektiven des Internets für Hörfunk- und Fernsehanbieter, 2. Auflage, Berlin: VISTAS Verlag, S. 11 51 in Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 31
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5.2.2. Individualität am Beispiel
Einige Webservices haben bereits vorgemacht, wie erfolgreiches narrowcasting 52 und modernes Hören funktioniert. Bei Personal-Radio-DJ-Applikationen wie Last.fm 53 oder Pandora.com, (mittlerweile nur noch für User innerhalb der USA) 54 können die Rezipienten sich ihr Musikprogramm individuell zusammenstellen oder zusammenstellen lassen. 55 Dadurch, dass man seine Radioplaylist auf seinem Profil öffentlich macht, ist das ganze Interaktiv. Der User kann „hören was andere hören“. Hört der Benutzer einen Titel, werden gleichzeitig Produktinformationen und Kaufangebote eingeblendet. Die Musik ist auf jeden zugeschnitten und total individuell.
5.2.3. Das Problem der Isolation
Kritiker des InternetBooms sehen Gefahren für das Radio auch im Internet. Die oben beschriebene Individualisierung hat auch ihre negativen Seiten. Der Pluralismus eines Hörfunksenders mit all seinen Themen wie Sport, Politik, Weltgeschehen, Boulevard, Comedy oder Lo-kalem wird womöglich durch die Einteilung in Einzelinteressen und Zielgruppen gefährdet. 56 Die Vielfalt, die man beim Radio hören erfährt, ist genau das, was Radio vom Musikhören unterscheidet oder wie Oliver Zöllner schreibt: „Dabei ist gerade das Merkmal, als Einzelner auch von Partikularinteressen der anderen zu erfahren, was Gesell-schaft ausmacht.“ 57
52 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 9 53 URL: http://www.last.fm (besucht am 01.02.2009) 54 URL: http://www.pandora.com (Besucht am 01.02.2009) 55 vgl. Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 Wie Experten und Nutzer die Zu-kunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 10 56 vgl. Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 Wie Experten und Nutzer die Zu-kunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 12 57 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 12
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Dieses Problem würde sich auf die Musik, vor allem aber auf die Wortbeiträge im Hörfunk auswirken. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sich auch in Konkurrenz zu den privaten Stationen halten kön-nen, doch was nutz der Bildungsauftrag, wenn vielleicht das Thema Politik gar nicht mehr gehört wird? Die Meinungsbildung kann ohne sinnvolle journalistische Hörfunkbeiträge nicht in ihrer eigentlichen Form fortbestehen. 58 Geht der Hörfunk diesem Trend nach, droht es seine Kernkompetenz, den Bereich der Nachrichtenvermittlung, zu vernachlässigen. 59 Das dennoch Interesse an Wortbeiträgen besteht, zeigt der Erfolg der Nachrichten-Podcasts mit Themenschwerpunkten des SWR. Diese haben monatlich bereits 80.000 Abrufe (Stand 2007) 60 Deren Vorteil ist klar. Man ist zeit und vor allen Dingen ortsunabhän-gig. Nicht nur die Technik wird mobil, sondern auch die Inhalte passen sich in Zukunft den Zielmedien an, um gerade so die junge und mobile Zielgruppe anzusprechen 61
5.3. Der User wird zum Medienmacher
Wie im Kapitel 5.1. beschrieben, geht Crossmedia nicht ohne Inhalte, die vom einzelnen Benutzer selbst kommen. Die Individualität die in der speziellen Anpassung aller Angebote beim Konsum durch Individualität bei der Produktion von Inhalten fortgesetzt. 62 Blogs werden geschrieben, Podcasts produziert und Videos bei YouTube hochgeladen. Medienproduzent kann jeder Mensch mit ein wenig Technikaffinität und Internetanschluss werden.
Das bedeutet eine Änderung für das Selbstverständnis von Redakteuren und Journalisten. Früher gab es ein relativ geringes Angebot und eine hohe Nachfrage an Information. Im Vergleich zu heute aber wenige Publikationen und Stationen; dagegen viele Medieninteressiert.
58 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 13 59 Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 13 60 Gerold Hug in Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 Wie Experten und Nut-zer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 39 61 Gerold Hug in Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2007): Format 2018 Wie Experten und Nut-zer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag, S. 39 62 vgl. Jakubetz, Christian (2008) Crossmedia, Konstanz: UVK, S. 156
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Heute gibt es allein 70 Millionen Blogs weltweit. Jeden Tag kommen 120.000 dazu. 63 Noch nicht eingerechnet alle Podcasts und YouTubeUser. Natürlich veröffentlichen diese nicht alle im strengen Sinne jour-nalistische Inhalte - nicht alle, aber viele. Folge des zunehmenden User-Generated-Content ist ein Verlust der Gatekeeper-Funktion unter Journalisten. 64 Dieser ist nicht mehr der alleinige Herrscher über das Wissen und das Geschehen in der Welt. Der Podcast-Macher in der Nachbarschaft ist nimmt das Ereignis auch wahr und stellt es wenig später der ganzen Welt bereit.
Die Aufgabe des Redakteurs wird sich auf einen anderen Schwerpunkt bekommen. Er muss entscheiden, welche Thema überhaupt, und wenn ja wo und in welcher Darstellungsform, erscheinen soll. 65 Das AgendaSetting nimmt in einer Zeit, in der fast jeder über fast alles berichten kann, eine größere Bedeutung in der Arbeit des Journalisten ein. Das mag für den Print-Journalisten wichtiger sein als für den Hörfunk-Jour-nalisten, aber man sollte sich bewusst sein, dass es sich die meisten Journalisten in Zukunft nicht leisten können, sich nur auf ein Medium zu spezialisieren. 66 Wie wichtig der einzelne User und seine Inhalte sind, kann man an einem Beispiel aus dem Jahr 2006 besonders sehen. Bei der jährlichenvom Times Magazin veranstalteten Kür der Person des Jahres, lagen nicht, wie in den Vorjahren, politische Größen oder geniale Wissenschaftler vorne. Sieger der Wahl war eine Person Namens „Du!“. Eine Würdigung des Individuums, das in den Massenmedien wieder indivi-dueller wird und selbst die digitale Welt mitgestaltet. 67
63 vgl. Sufrid, David über Technorati, State of the Blogosphere
URL: http://www.sifry.com/alerts/archives/000493.html (Besucht am 10.02.2009) 64 Interview mit Klaus-Peter Frahm auf Presseportal.de URL:http://www.presseportal.de/pm/6344/902526/news_aktuell (Besucht am 10.02.2009) 65 Jakubetz, Christian (2008) Crossmedia, Konstanz: UVK, S. 17 66 Jakubetz, Christian (2008) Crossmedia, Konstanz: UVK, S. 25 67 Artikel auf time.com URL: http://www.time.com/time/magazine/article/ 0,9171,1569514,00.html(Besucht am 10.02.2009)
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6. Rechtliche Schranken
Beachtet man die oben genannten Trends, könnte man denken, dem Radio steht die Zukunft in alle Richtungen offen. Dies gilt aber nur für den privaten Rundfunk. Der Rundfunk unterliegt der Regulierung der Länder und somit dem Rundfunkstaatsvertrag (RStV). 68 Besondere Regeln gelten für die öffentlich-rechtlichen Sender von ARD und ZDF. Eine gewichtige Änderung für die Zukunft des Rundfunks hat der zwölfte Rundfunkstaatsvertrag 69 gebracht, der die Verbreitung von öffentlich-rechtlichen Telemediendiensten, so der Oberbegriff, unter den auch die Online-Auftritte der Sender fallen, reguliert. In diesen Telemediendiensten sollen keine Inhalte auftauchen, die keinen Bezug, zu einer auf dem betreffenden Sender ausgestrahlten Sendung haben. Hat der Content einen Bezug, so darf er im Normalfall eine Woche online stehen, es sei denn, er hat kulturhistorische Relevanz. 70 Dies hat den Grund, dass öffentlich-rechtliche Rundfunksender keine „presseähnlichen Medien“ anbieten dürfen. Darüber, was dies aber genau ist, herrscht laut dem ARD-Vorsitzenden Fritz Raff aber noch keine Einigkeit. 71 Eine Zusatzfinanzierung durch Sponsoring und Werbung ist ebenfalls nicht erlaubt. 72 Da Sendungsbezug herzustellen ist, ist jedes Service-Angebot, das sich nicht auf eine ausgestrahlte Sendung bezieht, nicht erlaubt. Die Palette dieser verbotenen Angebote reicht von der Kontaktbörse bis zum Rechtsratgeber oder Software wie Online-Spielen.
68 vgl. 10. Rundfunkstaatsvertrag, §1, Abs. 1. URL:
http://www.lfk.de/gesetzeundrichtlinien/rundfunkstaatsvertrag/main.html (Besucht am 10.02.2009) 69 vgl. Entwurf des 12. Rundfunkstaatsvertrages vom 24. Oktober 2008 URL: http://www.lfk.de/home/download/RStv_Entwurf_20081022.pdf (Besucht am 10.02.2009) 70 vgl. Entwurf des 12. Rundfunkstaatsvertrages vom 24. Oktober 2008, §11d, Abs. 2 + 3 URL: http://www.lfk.de/home/download/RStv_Entwurf_20081022.pdf (Besucht am 10.02.2009)) 71 Meldung auf tagesschau.de. vom 23.10.2008 URL: http://www.tagesschau.de/inland/rundfunkaenderungsstaatsvertrag100.html (Besucht am 10.02.2009) 72 vgl. Entwurf des 12. Rundfunkstaatsvertrages vom 24. Oktober 2008, §11d, Abs. 5 URL: http://www.lfk.de/home/download/RStv_Entwurf_20081022.pdf (Besucht am 10.02.2009)
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Die Verabschiedung dieses Vertrages bedeutet für die Hörfunksender der ARD eine starke Einschränkung der bisherigen Web-Angebote. Die oben genannte Partnerbörse von EinsLive zum Beispiel würde der Vertragsänderung zum Opfer fallen. 73 Hat der Vertrag bestand, bedeutet das für die Öffentlich-Rechtlichen den oben genannten Trends nicht so folgen zu können, wie es die privaten Sender tun. Wem nützen die multimedial aufbereiteten Inhalte, wenn sie nach sieben Tagen verschwinden müssen? Welchen Mehrwert kann man aus einem Web-Angebot ziehen, wenn Service nicht mehr erlaubt ist? Andererseits sind ARD und ZDF durch Gebühren finanziert und sollen damit nur die Grundversorgung decken. Die Verbände der Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, BDZV und VDZ sehen einen unfairen Vorteil, wenn Online-Angebote von Printmedien sich durch Werbung finanzieren müssen, ARD und ZDF aber auf Millionen von Gebühren zurückgreifen kann. Man wird sehen ob die Öffentlich-Rechtlichen Lücken im RStV finden und wie die Auseinandersetzung weitergeht. Am 01. Juni 2009 tritt dieser in Kraft, erst danach wird man näheres Wissen. Die Frage, die sich 1999 schon Goldhammer und Zerdick stellen, ist: Ob das Internet nicht schneller neue rechtliche Probleme aufwirft, bevor eine Lösung für die alten Probleme gefunden ist. 74
7. Fazit
Wie sieht das Radio also in der Zukunft aus? Schon der Sendestandard ist fraglich. Mit den digitalen Funklösungen DAB, DAB+ und DMB versuchen die öffentlich-rechtlichen Sender die Sendemasten auf den neusten Stand zu bringen, viele private Sender sehen die Zukunft aber entweder weiter in der analogen UKW-Technik oder im Internet. Hauptproblem bei den digitalen Funklösung sind der fehlende Standard und somit auch die fehlenden bzw. noch sehr teuren Geräte. Mit dem
73 Meldung auf EinsLive.de vom 26.09.2008
URL:http://www.einslive.de/magazin/aktionen/2008/09/liebesalarm.jsp?buch=594&seit
e=4&status=1 (Besucht am 10.02.2009) 74 vgl. Goldhammer, Klaus und Zerdick, Axel (1999): Entwicklung und Perspektiven des
Internets für Hörfunk- und Fernsehanbieter, 2. Auflage, Berlin: VISTAS Verlag, S. 12
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‚Big Bang 2009‘ will sich die Branche in diesem Jahr aber auf einen Standard einigen und zusammen mit den Herstellern günstige Geräte anbieten. Ob die Hörer sich an diesem ‚Big Bang 2009‘ beteiligen, bleibt abzuwarten. Immerhin finden sie mit dem Internetradio bereits jetzt einen digitalen Empfangsweg, der viele Probleme des digitalen Funkradios beseitigt und gleichzeitig wesentlich mehr Sender bietet. Und das jetzt sogar mobil und somit überall - auch im Auto.
Eine andere Frage ist, wie lange überhaupt noch vom Radio als eigenständigem Medium geredet werden kann. Selbstverständlich gibt es eine Theorie, die besagt, dass noch nie ein Informations- bzw. Unterhaltungsmedium von einem anderen einfach abgelöst wurde. Wir lesen immer noch Bücher und Zeitungen, hören noch Radio, gehen ins Kino. Ob das Internet auch genauso seine Nische zwischen den klassischen Medien finden wird oder ob es durch seine Vielfalt und Funktionalität andere Medien schlucken wird, kann jetzt noch niemand mit Sicherheit sagen. Wer als Medienmacher in Zukunft Erfolg haben will, sollte in nächster Zeit vor allen Dingen eines beherzigen: Offen sein für Neues. Denn Neues gibt es - wie wir beim Schreiben dieser Seminararbeit festgestellt haben - in rauen Mengen. Und wer dann den entscheidenden Trend verpasst, wird daran lange zu beißen haben.
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Quellen- und Literaturverzeichnis
Literatur
Bücher
(1) GOLDHAMMER, KLAUS UND ZERDICK, AXEL (1999): Entwicklung und Perspektiven des Internets für Hörfunk und Fernsehanbieter, 2. Auflage, Berlin: VISTAS Verlag (2) GOLDHAMMER, KLAUS; SCHMIDT, MICHAEL & MARTICK, ANJA (2008): Situation des digitalen Hörfunks in NRW 2008. Berlin: Goldmedia GmbH Media Con-sulting & Research (3) JAKUBETZ, CHRISTIAN (2008) Crossmedia, Konstanz: UVK (4) MAHRDT, NIKLAS (2008) Crossmedia: Kampagnen erfolgreich planen und umsetzen, Wiesbaden: Gabler GWV Fachverlage (5) ORY, STEPHAN (2008): Rundfunk-Perspektiven. Baden-Baden: Nomos
Sammelwerke und Zeitschriften
(1) SCHEIDT, WALTER (2008): Digitales Desaster. Journalist, 10/2008 (2) SCHEIDT, WALTER (2008): Signale gesucht. Journalist, 10/2008 (3) ZÖLLNER, OLIVER (Hrsg.) (2007): Format 2018 - Wie Experten und Nutzer die Zukunft des Mediums Hörfunk einschätzen. Bochum: Paragon-Verlag
Internetliteratur
(1) GOREßEN, ULRIKE (2008): Erstes Internetradio von Blaupunkt. URL:
http://www.channel-partner.de/consumerelectronics/ces-2009/271045/index.ht ml (Besucht: 01.02.2009) (2) IMDR GMBH: Was ist Digital Radio? ;
URL: http://www.digitalradio.de/digitalradio/was-ist-digital-radio/ (Besuch 31.01.2009) (3) IMDR GMBH: Technik - Der Weg zur Digitalisierung ; URL: http://www.digitalradio.de/background/technik/ (Besuch 31.01.2009) (4) MAHRDT, NIKLAS: Vernetzungspotenzial des Event-Marketing in crossmedia-len Kampagnen ;
URL: http://www.crossmedia-zentrum.de/cms/crossmedia-instrumente/event/ (Besucht am 05.02.2009)
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(5) MEDIENFORUM NRW: RRC06 und die Folgen; URL: www.medienforum.nrw.de/ medientrends/konvergenz/rrc06-und-die-folgen.html (Besuch: 31.01.2009) (6) SEIBEL-MÜLLER, INGE (2008): Liegt die Zukunft des Radios doch im Internet? URL: http://www.bpb.de/themen/RGQ6M5.html (Besucht am 23.01.2009) (7) SUFRID, DAVID über Technorati, State of the Blogosphere URL: http://www.sifry.com/alerts/archives/000493.html (Besucht am 10.02.2009) (8) VOGEL, MATTHES (2008): Vorgestellt: Apps zum Radio hören via iPhone/iPod Touch.
URL: http://astounded.de/tag/wdr-radio/ (Besucht: 01.02.2009)
Quellen
Websites
(1) www.einslive.de
(2) www.lastfm.de (3) www.pandora.com
Online-Artikel
(1) Meldung auf EINSLIVE.DE vom 26.09.2008 URL:http://www.einslive.de/magazin/aktionen/2008/09/liebesalarm.jsp?buch= 594&seite=4&status=1 (Besucht am 10.02.2009) (2) Artikel auf TAGESSCHAU.DE vom 23.10.2008 URL:
http://www.tagesschau.de/inland/rundfunkaenderungsstaatsvertrag100.html (Besucht am 10.02.2009) (3) Artikel auf TIME.COM URL:http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,1569514,00.html(Bes ucht am 10.02.2009)
E-Mails
(1) BOELSTERL, KATHARINA, Pressesprecherin BMWGroup (2009): DAB. Mün-chen: BMW-Group. eMail vom 26.01.2009 (2) FOBBE, SASCHA, Mitglied DJV-Landesvorstand NRW - Zuständig für die NRW Lokalradios(2008): [Fwd: Re: FW: Radio NRW goes digital]. eMail vom 30.10.2008
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(3) FRAKTIONEN VON CDU UND FDP (2008): Antrag: Voraussetzungen für ein erfolgreiches Digitalradio. Drucksache 14/7786. Landtag NRW (4) FRAKTIONEN VON CDU UND FDP (2008): Antrag: Voraussetzungen für ein erfolgreiches Digitalradio. URL:
http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/ Dokument/MMD14-7786.pdf (Besucht am 01.02.2009) (5) MA RADIO 2006/II; URL:
http://www.agma-mmc.de/files/Eckdaten_ma_2006_Radio_II.pdf (Besucht am 09.02.2009) (6) MA RADIO 2007/I; URL:
http://www.agma-mmc.de/files/PM_Eckdaten_Radio_07_I.pdf (Besucht am 09.02.2009) (7) MA RADIO 2008/I; URL:
http://www.agma-mmc.de/files/ma2008RadioI_PM_Eckdaten.pdf (Besucht am 09.02.2009) (8) 10. Rundfunkstaatsvertrag, §1, Abs. 1.
URL: http://www.lfk.de/gesetzeundrichtlinien/rundfunkstaatsvertrag/main.html (Besucht am 10.02.2009) (9) Entwurf des 12. Rundfunkstaatsvertrages vom 24. Oktober 2008 URL: http://www.lfk.de/home/download/RStv_Entwurf_20081022.pdf (Besucht am 10.02.2009)
Sonstige
(1) Interview mit CHRISTIANE PODANG auf www.einslive.de (2007) ; URL:http://www.einslive.de/presse/2007/november/interview_christiane_podan g.jsp (Besucht am 05.02.2009) (2) Interview mit KLAUS-PETER FRAHM auf Presseportal.de URL:http://www.presseportal.de/pm/6344/902526/news_aktuell (Besucht am 10.02.2009)
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Arbeit zitieren:
Benjamin Gust, Simon Schlenke, 2009, Radio 2.0, München, GRIN Verlag GmbH
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