4. Kasuistische Sichtweise nach WOLTERS .................................................. - 31 -
4.1 Begriffserläuterung von Kasuistik - 31 -
4.2 Die Fallidentifikation - 32 -
4.3 Die Falldarstellung - 32 -
4.4 Die Fallinterpretation - 32 -
4.5 Die Systematisierung - 33 -
5. Fazit - 34 -
6. Literaturverzeichnis - 35 -
7. Anhang - 35 -
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1. Einleitung
Deutschland lebt in einer Leistungsgesellschaft. Fehler gelten als etwas Negatives und werden möglichst vermieden. Wer in der Schule etwas falsch macht, der bekommt die Folgen häufig in Form von schlechten Noten zu spüren.
Das Seminar „Theorie der Bewegung und Bewegungslehre“ befasst sich unter anderem mit dem Thema „Fehleranalyse und Fehlerkorrektur“ im Sportunterricht. Interessante Frage sind, wo fangen Fehler an und was sind Fehler überhaupt? Wer über Fehler spricht, der muss sich auch mit den Begriffen Abweichung und Mangel beschäftigen.
Diese Hausarbeit ist in vier Teile aufgeteilt. Im ersten Teil geht es um den Begriff des Fehlers. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Fehleranalyse und Fehlerkorrektur. Im dritten Teil geht es um die Bewegungskorrektur. Der letzte Teil beschreibt die kasuistische Sichtweise nach Wolters.
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2. Fehler
2.1 Fehlerdefinition
Allgemein gesprochen sind Fehler die Abweichung eines Messergebnisses von dem „wahren“ Wert der gemessenen Größe. Es wird zwischen systematischen und zufälligen Fehlern unterschieden. Erstere entstehen durch fehlerhafte Messgeräte, bei falscher Anwendung von Messinstrumenten oder bei ungenügender Berücksichtigung von Nebenumständen (bei einer Längenmessung z.B. falsche Skaleneinteilung des Maßstabs). Die zufälligen Fehler sind durch die Unvollkommenheit der Messgeräte und der menschlichen Sinne bestimmt. 1
Eine Präzisierung des Fehlerbegriffes im Sportunterricht kann lauten, ein Fehler ist eine Differenz zwischen dem Ist- und dem Sollwert. Unter dem Istwert ist die tatsächliche Bewegungsausführung und mit dem Sollwert die Idealtechnik gemeint. 2
Jeder Fehler beinhaltet somit eine Ist-Sollwert-Abweichung. Ein angestrebtes Ziel wurde nicht erreicht und damit die Sollvorgabe nicht erfüllt. 3 NITSCH fasst den Fehlerbegriff noch genauer und differenziert die Ist-Sollwert-Abweichung in eine objektive und subjektive Fehlerdefinition. Objektive Fehler werden als „Abweichung vom Richtigen“ und subjektive Fehler als „Abweichung vom Beabsichtigten“ definiert. Daraus lässt sich schließen, dass nicht jede festgestellte Ist-Sollwert-Abweichung sofort ein Fehler ist. 4
Des Weiteren kann ein Fehler mit dem „Nichterreichen eines Handlungsziels“ beschreiben werden. 5 GÖHNER hingegen beschreibt Fehler als Verfehlen des Bewegungsziels. Um Bewegung sinnvoll beurteilen zu können, muss man ihre Funktion analysieren. Die wichtigste Bezugsgrundlage ist somit nicht der einzelne Sporttreibende, sondern die Bewegung selbst. GÖHNER sagt weiter,
1 vgl. www.wissen.de; Definition Fehler; Zugriff am 16.08.06
2 vgl. Bremer, Dieter und Sperle, Nico (1984): Fehler Mängel Abweichungen im Sport S.10f
3 vgl. Nitsch, Jürgen (1998): Handlungsfehler im Sport - theoretische Ausgangspunkte einer Forschungskonzeption. In: Handlungspsychologische Forschung für die Theorie und Praxis der Sportpsychologie S. 78
4 vgl. Nitsch, Jürgen, a.a.O., S. 79
5 vgl. Bremer, Dieter und Sperle, Nico, a.a.O., S. 10
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dass sportliches Bewegen immer zielgerichtetes Bewegen ist, denn die zu beobachtenden motorischen Aktivitäten sind von dem jeweiligen Bewegungsziel geprägt. 6
2.1.1 Charakteristika von Fehlern
- Fehler sind ubiquitär 7 : Das bedeutet, dass sie in allen Tätigkeitsbereichen, Handlungsformen und bei allen Personen auftreten können. Fehler treten bei Anfängern wie auch Experten auf. Alles, was Menschen tun oder unterlassen (wollen), kann auch misslingen.
- Fehler sind unvermeidbar: Jede Handlung birgt ein gewisses Fehlerrisiko. „Irren“ ist bekanntlich menschlich.
- Fehler sind Ereignisse mit Symbolcharakter: Fehler sind zugleich Wirkungen und Zeichen von etwas. Dieser „Doppelcharakter“ von Fehlern kann sehr unterschiedliche Folgen haben. Wird beispielsweise im Straßenverkehr ein Stoppschild übersehen, so kann es einerseits zu einem Verkehrsunfall führen, andererseits aber auch nichts passieren.
- Fehler entstehen gesetzmäßig: Fehler sind keine Zufallsprodukte, sondern das Resultat einer misslungenen Handlung.
- Fehler erscheinen während der Ausführung logisch stringent 8 : Das kann dazu führen, dass Fehler erst im Nachhinein bemerkt werden. Dennoch gibt es im Sport auch das Phänomen, dass eine „Fehlerahnung“ sich im Kopf ausweitet, bevor überhaupt etwas getan wurde. „Das geht bestimmt schief’“ oder „Irgendetwas stimmt nicht“ sind typische Gedanken. Am Beispiel eines geübten Basketballspielers während des Feiwurfes, kann dieser bereits vorausahnen, ob der Ball den Korb treffen wird oder nicht.
- Fehler sind hinsichtlich ihrer Folgen polyvalent 9 : Fehler wirken sich häufig negativ aus, können aber durchaus auch positive Effekte haben. So kann ein verzogener Pass im Fußball dazu führen, dass plötzlich aus dem Ab- 6 vgl.Wolters, Petra (1999): Bewegungskorrektur im Sportunterricht S. 22f
7 ubiquitär = allgegenwärtig, überall verbreitet
8 stringent = zwingend, bündig
9 polyvalent = in mehrfacher Beziehung wirksam
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spielgedanke ein Tor entsteht. Fehler sind weder „gut“ noch „schlecht“, sie sollten in diesem Sinne wertneutral betrachtet werden. 10
2.2 Unterschied zwischen Mängel und Abweichung
Wer über Fehler spricht, der muss sich auch mit Begriffen wie Mängel und Abweichung beschäftigen.
Mängel sind qualitative Unterschiede zwischen Handlungsziel und Handlungsresultat. 11 Mangel meint weiter die negative Abweichung von einem vereinbarten Sollwert. Fehlen beispielsweise in Sporttechnik einzelne Teile, dann spricht man von einem Mangel. Diese Mängel können in struktureller und adaptiver Weise auftreten. Ein Mangel im Basketball wäre, wenn im Sprungwurf beide Hände zum Werfen benutzt werden würden. Der Ball kann keine optimale Flugkurve erreichen.
Bei Abweichungen geht es darum, dass eine Technik geringfügig von der Standarttechnik abweicht. Des Weiteren ist eine Abweichung im Allgemeinen, ein Nicht-Erfüllen einer Erwartung oder einer Vorgabe. Bei zyklischen Bewegungen eines Sportlers lassen sich Unterschiede zu anderen Sportlern feststellen. Dieser „individuelle Stil“ trifft nur auf diese Person zu.
Hat man damals die Beinstellung von Boris Becker beobachtet, dann konnte man sagen, dass seine Technik nicht der Normaltechnik glich. Seine Beinstellung war nach vielen Expertenmeinungen falsch. Dennoch gab ihm der Erfolg in zahlreichen Tennisturnieren recht. Becker spielte viele Jahre in der Weltspitze mit. Heute würde keiner die Spieltechnik dieses Athleten in Frage stellen.
10 vgl. Nitsch, Jürgen, a.a.O., S. 74ff
11 vgl. Bremer, Dieter (1990): Wem nützen Fehler - dem Lehrer oder dem Schüler? In: Sportunterricht 39 S. 26
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2.3 Fehlerarten
Derzeit gibt es zahlreiche und sehr unterschiedliche Versuche, Fehler zu klassifizieren. NITSCH unterscheidet an dieser Stelle zwischen Erscheinungsformen (symptomatologische 12 Fehlerklassifikation) und Ursachen (ätiologische 13 Fehlerklassifikation) von Fehlern. Wichtig zu erwähnen ist, dass NITSCH zwischen Erscheinungsformen und Ursachen keinen eindeutigen Zusammenhang sieht. Beide Formen müssen getrennt voneinander betrachten werden.
2.3.1 Symptomatologische Fehlerklassifikation
Es wird von der Grundfrage ausgegangen: Worin zeigen sich Fehler und wie kommen sie beobachtbar zum Ausdruck. Folgende beispielhafte Leitfragen helfen bei Fehlerklassifikation:
- Wer macht einen Fehler?
- In welcher Verhaltensklasse wird ein Fehler gemacht?
- In welchen Funktionsbezügen treten Fehler auf?
12 Symptomatologie = die Lehre von den Krankheitszeichen. Symptomatische Behandlung ist die Bekämpfung einer Krankheit
nach den einzelnen Erscheinungen, den Symptomen. (Gegenbegriff: Ätiologie.)
13 Ätiologie = die Lehre von der Erforschung der Krankheitsursachen. Eine Krankheit ätiologisch behandeln heißt: ihre Ursachen angreifen (Gegenbegriff: Symptomatologie).
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Arbeit zitieren:
Master of Education David Holleschovsky, 2006, Fehleranalyse und Fehlerkorrektur im Sportunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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