Der Naturbegriff von Jean-Jacques Rousseau
Der Naturbegriff ist ein zentraler Begriff in Rousseaus Emil. Erstmals wird Natur als Begriff im 2. Buch deutlich. Homme Naturel
Der Homme Naturel wird zum Grundbegriff und als Messlatte verwendet. Dabei bekommt die Natur zwei Funktionen, einerseits als Ausgangpunkt einer Entwicklung, als Urzustand und Anfangspunkt, anderseits ist Natur auch ein Prinzip, so dass in der Gesellschaft Natürliches on Unnatürlichem unterschieden werden kann. Der Homme Naturel beschreibt Rousseau sehr detailliert und ausdrucksstark und wirkt sehr realistisch. Der Naturmensch lebt sehr isoliert, ist zeitlos, weil er nur in der Gegenwart lebt und auch nur die Gegenwart kennt. Rousseau verwendet die Natur als Gegenbegriff zum Begriff Gesellschaft. Es geht ihm beim Naturmensch um ein natürliches Menschsein. Rousseaus Emil wird als Versuch einer natürlichen Erziehung verwendet. Rousseau möchte damit aufzeigen wie man in mitten der Gesellschaft natürlich aufwachsen kann ohne auf den Naturzustand zurück zu gehen. Es handelt sich hierbei um ein Gedankenexperiment. Im 2. Buch weisst Rousseau auf Emil hin: „Wenn Emil so weit ist zu sagen: Mir tut etwas weh! Dann könnten ich nur heftige Schmerzen zum Weinen bringen.“ (Rousseau, 1762, 13. Auflage, S.53). Dass es bei Emil um den Naturmenschen geht, sagt Rousseau in der folgenden Textstelle: „ Man müsste seine Neigungen beobachtet, man müsste den natürlichen Menschen kennen. Ich glaube, dass man nach der Lektüre dieses Buches, in diesen Untersuchungen einige Schritte weitergekommen sein wird.“(Rousseau, 1762, 13. Auflage, S.14). Natur als Erzieher und Ziel
Die Natur ist der Grundpfeiler der Erziehung und der eigentliche Erzieher des Kindes. „Beobachtet die Natur und folgt dem Weg, den sie euch zeigt!“ (Rousseau, 1762, 13. Auflage, S. 20). Die Natur ist aber nicht nur der Erzieher sondern auch das Ziel der Erziehung. Als Beweis nimmt Rousseau die Tatsache, dass der Mensch drei Lehrer
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hat: Natur - Mensch - Dinge. Die Erziehung von der Natur ist die einzige die nicht von dem Menschen selber abhängt. Da Rousseau der Meinung ist, dass einzig derjenige gut erzogen ist bei dem alle Instanzen übereinstimmen, wird die Erziehung von der Natur selbst als natürliche Erziehung gerechtfertigt. Bei der natürlichen Erziehung geht es Rousseau vor allem darum sich von allem Künstlichen und Willkürlichen zu befreien, um die reine Natürlichkeit zu erhalten. So spricht sich Rousseau auch gegen die Gewohnheiten als Erziehungsprinzip aus „Die einzige Gewohnheit, die ein Kind annehmen darf, ist die, keine anzunehmen“ (Rousseau, 1762, 13. Auflage, S. 39). Die Definition vom Begriff „Natur“ scheint jedoch auch Rousseau nicht ganz klar formulieren zu können und so scheint dieser Begriff sehr verwirrend „Um Verwirrungen zu vermeiden, muss man also den Begriff der Natur auf die Gewohnheiten einschränken, die der Natur gemäss sind“ (Rousseau, 1762, 13. Auflage, S. 11). Ein Kind sollte keine Gewohnheiten annehmen, damit es selbst der Natur keine weiteren Gewohnheiten anfügt. Es handelt sich eigentlich nicht um eine wirkliche Begriffsdefinition, Rousseau verwendet den Begriff sehr breit gefächert in verschiedenen Bedeutungsbereichen. Trotzdem verwendet Rousseau den Begriff Natur sehr oft. Die Natur ist immer Überlegen, hat nach Rousseau eine Autorität und wird als Ideal gesehen. Die physische Natur
Eines der Bedeutungsfelder der Natur ist der physische Begriff. Dieser kommt aber bei Emile nur am Rande vor. Er kommt einmal im Zusammenhang mit der Beobachtung des Sonnenauf- und -untergang und einmal bei der Landschaftsbeschreibung vor. Einige wenige Textstellen sprechen die Schönheit der Natur an, jedoch keines Falls ausführlich und schon gar nicht als zentrales Thema. Weshalb dies so ist, gibt Rousseau in seinem Werk an. Er sagt, dass die Kinder erst sehr spät eine Sensibilisation für die Schönheit der Natur entwickeln. Auch im theologischen Kontext kommt der Begriff „Natur“ zum Ausdruck. „Nichts will er [der entartete Mensch] haben, wie es die Natur gemacht hat, selbst den Menschen nicht“ (Rousseau, 1762, S.9). Hier kommt die „Natur“ der Rolle des „Gottes“ sehr nahe, man könnte in die Versuchung geraten „Gott“ und „Natur“ als Synonyme zu sehen als Ausdruck des Verständnisses der Natur als etwas von Gott geschaffenes, ein
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Arbeit zitieren:
Damaris Sanchez da Silva, 2008, Der Naturbegriff von Jean-Jaques Rousseau, München, GRIN Verlag GmbH
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