Inhaltsverzeichnis
1. Einführung. 3
2. Das Frauenbild im Mittelalter 5
3. Die Bedeutung der Frau in den Epen Hartmanns 6
4. Lunetes Beitrag zur strukturellen Gliederung des Iwein 8
5. Darstellung der Lunete durch den Erzähler. 10
6. Lunetes Bedeutung für den Helden 12
7. Lunete als die Vertreterin weiblicher Werte 15
8. Fazit 17
9. Literaturverzeichnis. 18
Prim ärliteratur: 18
Sekund ärliteratur. 18
2
1. Einführung
Die weibliche Hauptfigur in Hartman von Aues Iwein ist nicht Lunete, denn die von Hartmann für seine Helden vorgesehene minne entwickelt sich zwischen Iwein und Laudine und wird am Ende des Artusromans durch die suone (V. 8138) der beiden endgültig besiegelt. 1 Trotz dieser Tatsache möchte ich in dieser Hausarbeit herausarbeiten, dass die Figur der Lunete ganz wesentliche Merkmale einer weiblichen Hauptfigur in sich vereint. Zwar wird Laudine das Attribut der Schönheit zugeschrieben, das jede Heldin des Mittelalters auszeichnet. Sie ist für Iwein sowohl Ansporn zu ritterlicher Tüchtigkeit, als auch Ziel seiner Taten. Die Vertreterin der so genannten „weiblichen Werte“ wie die Bereitschaft zur Selbsthingabe, Güte oder Frömmigkeit ist jedoch Lunete. 2 Dass die Rolle, die sonst für den Helden nur die weibliche Hauptfigur spielt, auf Lunete und Laudine verteilt ist, 3 möchte ich deutlich machen, indem ich Lunetes Wichtigkeit auf verschiedenen Ebenen hervorhebe.
Beginnen möchte ich mit einer kurzen Darstellung des Frauenbildes im Mittelalter (zweites Kapitel). Anschließend stelle ich im dritten Kapitel die Bedeutung der Frau in den Epen Hartmanns dar. Dabei orientiere ich mich an den Ausführungen Eva-Maria Carnes. 4 Es gilt zu überprüfen, inwiefern die Figur Lunete im Hartmanns Iwein Rollen und Funktionen übernimmt, die Carne der Frau in Hartmanns Epen zuschreibt.
Um die Funktion und Bedeutung der Figur Lunete differenziert zu betrachten, beschäftige ich mich im vierten Kapitel zunächst mit ihrem Beitrag zur strukturellen Gliederung des Iwein. Um ihre Darstellung durch den Erzähler soll es im fünften Kapitel gehen. Hier möchte ich sowohl auf Lunetes Personenbezeichnungen eingehen, aus denen sich ihr Stand ableiten lässt, als auch auf die Beschreibung ihres Aussehens und die ihr durch den Erzähler zugewiesenen charakterlichen und geistigen Eigenschaften. Im sechsten Kapitel setze ich mich mit Lunetes Bedeutung für den Helden auseinander. Die Bedeutung, die Lunete im Iwein für sein Reifen zukommt, behandle ich im vierten Kapitel, so dass hier vor allem ihre Beziehung zum Helden
1 Hartmann von Aue: Iwein. Aus dem Mittelhochdeutschen übertragen, mit Anmerkungen und einem Nachwort
versehen von Max Wehrli. Zweisprachige Ausgabe. Zürich: Manesse Verlag, 1988. (Im Folgenden zitiert als
„Iwein“ mit Angabe der Seitenzahl.)
2 Vgl. Carne. S. 146.
3 Vgl. ebd. S. 134.
4 .Vgl. Eva-Maria Carne: Die Frauengestalten bei Hartmann von Aue. Ihre Bedeutung im Aufbau und Gehalt der
Epen. Band 31 der „Marburger Beiträge zur Germanistik“. Hrsg. zusammen mit Josef Kunz und Erich Ruprecht
von Ludwig Erich Schmitt. Marburg: N. G. Elwert Verlag, 1970. (Im Folgenden zitiert als „Carne“ mit Angabe
der Seitenzahl.)
3
im Vordergrund steht. Eng damit zusammen hängt der Aspekt, dass Lunete viele positive Wesenszüge in sich vereint, die eigentlich der Heldin eines Romans vorbehalten sind. Daher möchte ich im siebten Kapitel Lunete als die Vertreterin weiblicher Werte herausstellen, um
anschließend in meinem Fazit deutlich zu machen, dass sie neben Laudine Anwärterin auf die Rolle der weiblichen Hauptfigur ist.
Ich beziehe mich bei meinen Untersuchungen ausschließlich auf die Figur der Lunete, wie sie von Hartmann geschildert wird. Ein Vergleich dieser Figur mit ihrer Vorlage bei Chrestien, bzw. eine Erörterung weiterer Quellen, wie sie beispielsweise von Renate Schusky aufgezeigt werden, 5 ist im Rahmen dieser Hausarbeit nicht möglich. Auch auf Lunetes Funktion als Ratgeberin und Vertraute Laudines kann leider nicht eingegangen werden.
5 Vgl. hierzu: Renate Schusky: Die „kupplerische Dienerin“: Eine Studie zu Hartmanns Iwein.
Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie des Fachbereichs Sprach- und
Literaturwissenschaften der Gesamthochschule Wuppertal. Düsseldorf: Rudolf Stehle GmbH & Co KG, 1976.
(Im Folgenden zitiert als „Schusky“ mit Angabe der Seitenzahl.)
4
2. Das Frauenbild im Mittelalter
Die Frau im Mittelalter ist dem Mann sowohl rechtlich als auch sozial untergeordnet. Ihre Geringschätzung als menschliches Wesen bis zur zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ist zurückzuführen auf das Frauenbild, das wir in den Männerkulturen der Juden und Römer und im antiken Griechenland finden. Die Frau erfüllt hier ihren Zweck „als Auflöserin sexueller Spannung, als Pflegerin, als Hausverwalterin, als Mutter“ 6 . Sie wird als „bloßes Objekt“ 7 erlebt und man ist sich nicht immer sicher, ob Frauen tatsächlich auch Menschen sind. So ist beispielsweise die Eheschließung nicht ein Akt der Liebe, sondern wirtschaftliche Motive stehen für die Familien des Paares im Vordergrund. 8
Bis ins 12. Jahrhundert drückt sich diese gesellschaftliche Realität auch in der deutschen Dichtung aus. Die Frau wird gar nicht oder nur am Rande erwähnt, denn nur der Held und seine Taten interessieren den Rezipienten. 9
Seit der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts verändert sich dieses Frauenbild jedoch merklich. Die Unabhängigkeit einiger Frauen, wie sie zum Beispiel zum Ausdruck kommt in der so genannten „Friedelehe“, einer Ehe, die im Gegensatz zur „Muntehe“ auf gegenseitiger Zuneigung und Gleichberechtigung beruht, wird bis dahin oft übersehen. 10 Auch diverse Positionen in Kirche und Staat verhelfen mancher Frau zu einer hohen sozialen Stellung. Für kurze Zeit jetzt die vorhandenen aber bisher verborgenen „geistigen weiblichen Kräfte dramatisch hervorbrechen und in der Literatur zur Wirkung gelangen“ 11 . In diese Zeit fällt auch die Entstehung des Iwein. Man nimmt an, dass die ersten 1000 Verse aufgrund ihrer geringeren dichterischen Vollkommenheit einer früheren Schaffensperiode angehören als die folgenden Verse. 12 Sie sind um 1190 entstanden, während die Entstehung des weitaus größeren Teils des Iwein zwischen 1199 und 1205 datiert wird. 13 Eva-Maria Carne sieht die Gründe für die Entwicklung eines anderen Frauenbildes in dem wachsenden Selbst-Bewusstsein des Menschen dieser Zeit, durch das er fähig wird, seinen eigenen individuellen Wert und den anderer Menschen anzuerkennen. Er nimmt sich zum
6 Vgl. Carne. S. 2.
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. ebd. S. 3.
9 Vgl. ebd.
10 ebd. S. 4.
11 ebd.
12 Vgl. Peter Wapnewski: Hartmann von Aue. 7. Auflage. Band 17 der Sammlung Metzler. Stuttgart: Metzler,
1979. (Im Folgenden zitiert als „Wapnewski“ mit Angabe der Seitenzahl.)
13 Vgl. ebd. S. 29.
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Arbeit zitieren:
Adelheid Seim, 2003, Lunete - die zweite weibliche Hauptfigur, München, GRIN Verlag GmbH
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