Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 3
1.1 Hans Rosenplüt: Leben und Werk 3
1.2 Der Begriff der Komik : Utilitas und Delectatio 4
1.2.1 Elemente der Komik 9
1.2.2 Die antike Bejahung des Lachens 10
1.2.3 Das christliche Misstrauen gegenüber dem Lachen 11
2. Komik am Beispiel „Der fahrende Schüler“ von Hans Rosenplüt 12
2.1 Der Begriff der komischen Person/Figur 12
2.1.1 Analyse der handelnden Charaktere und ihrer Interaktion
an ausgewählten Textbeispielen 13
2.2 Analyse der Komik am Text „Der fahrende Schüler“ von Hans Rosenplüt 20
2.2.1 Vorbemerkung zur Analyse 20
2.2.2 Dispositionen in der Einleitung 21
2.2.3 Konfliktdarstellung 23
2.2.4 Konfliktzuspitzung 25
2.2.5 Konfliktauflösung 30
3. Quellenverzeichnis 32
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Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik
1. Einführung
Die uns überkommene spätmittelalterliche Literatur überliefert eine Vielzahl komischer Texte, deren Kennzeichen nicht nur durch die gewählten Personen, bestehend aus dem Schüler, einem
Pfarren und einem Bauern als eine Art standeskollektiver Einheit 1 , auffallen, sondern auch thematisch korrespondieren. Die Funktion und Bedeutung dieser Texte innerhalb der Literaturwissenschaft kann unterschiedlich bewertet werden, wenn auch ihre Bedeutung als Unterhaltungsliteratur und standeskritisch-satirische Reflektion seiner Zeit außer Frage steht. Die vorliegende Analyse des ausgewählten Textes von Rosenplüt beschränkt sich daher auf die Techniken der Unterhaltung innerhalb dieses literaturhistorischen Milieus. Dabei soll nicht nur die soziokulturelle Relativität der Komik, sondern auch ihre Analysierbarkeit in bezug auf heutige Maßstäbe und Normen berücksichtigt werden.
1.1 Hans Rosenplüt: Leben und Werk
Hans Rosenplüt ist der erste klar fassbare Repräsentant eines neuen spätmittelalterlichen
Dichtertypus 2 , dem des Handwerkerdichtes, der neben seiner literarischen Tätigkeit auch ein Handwerk innerhalb der städtischen Gesellschaft ausübte und somit keinesfalls als freier und unabhängiger Autor im Sinne der Neuzeit und Gegenwart gesehen werden darf. Rosenplüt wurde um 1400 in Nürnberg geboren, erhielt 1426 das Bürgerrecht der Reichsstadt Nürnberg, und zwar ,,zunächst nur als sleht burger, als Bürger minderen Ranges, der sich nur in der
Vorstadt niederlassen durfte" 3 . Zu dieser Zeit übte er das Handwerk des sarwührt, das des Ketten- und Panzerhemdenmachers aus, zu diesem er 1427 das Meisterrecht erwarb. Seit 1429 erscheint er in den Nürnberger Ratsdokumenten auch unter dem Namen Hans
Schnepper bzw. Hans Schnepperer 4 , was in der Forschung lange Zeit für Verwirrung sorgte 5 . Anfang der dreißiger Jahre wechselte Rosenplüt ins zukunftsträchtigere Handwerk der
Rotschmiede (Messinggießer) über, das in Nürnberg hochentwickelt war 6 . Von 1444 an stand
1 Standeskollektive Einheit in dem Sinne, wie sich in ihr Gelehrtentum, Klerus- und Bauernstand zu einem
Kollektiv aus Gegensätzen und gegenseitig von einander abhängiger Bedeutung zusammenfinden
2 Thomke, Hellmut: Deutsche Spiele und Dramen des 15. und 16. Jahrhunderts, Frankfurt 1996, S. 916.
3 Reichel, Jörn: Der Spruchdichter Hans Rosenplüt, S. 127f.
4 dt: Der Schwätzer;
5 Vereinzelt wurde an der Identität von Rosenplüt und Schnepperer als die der ein und dieselben Person
gezweifelt. Die Identität ist zwar nicht eindeutig zu beweisen, jedoch spricht bislang mehr dafür als dagegen, dass
sich beide Namen auf dieselbe Person beziehen. (Reichel, Jörn: Der Spruchdichter Hans Rosenplüt, S. 59-72.)
6 Glier, Ingeborg: Art. ,,Rosenplüt, Hans", S. 196.
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Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik Rosenplüt bis zu seinem Lebensende als Büchsenmeister (Artillerist) im Dienst der Stadt. Er
starb wahrscheinlich im Sommer 1460 7 .
Der Umfang seines Gesamtwerkes besteht im Wesentlichen aus drei großen Teilkomplexen:
kleinen Reimpaargedichten und Liedern, Priameln 8 und Fastnachtspielen. Im Gegensatz zu den späteren Nürnberger Autoren Hans Folz und Hans Sachs war Rosenplüt engagiert für politische
und soziale Ziele 9 , was sich neben Fastnachtspiel auch in den Reimpaargedichten und Liedern zeigte.
1.2 Der Begriff der Komik : Utilitas und Delectatio
Die Theorien über das Wesen der Komik reichen von der Antike bei Aristoteles 10 über die Theorien von der Überlegenheit des Lachens bei Thomas Hobbes 11 oder der Inkongruenztheorie Immanuel Kants 12 bis in die Gegenwart und sind nicht nur wegen des langen Zeitraumes von immenser Vielfalt. Um jedoch für die nachfolgenden Betrachtungen an dem vorliegenden Text Rosenplüts, abgesehen von rein textanalytischen Anhaltspunkten, auch eine Reihe theoretischer Grundprinzipien des Phänomens Komik zur Verfügung zu haben, soll nun der Begriff der Komik zusammenfassend betrachtet werden.
Komik ist ein Instrument der Rhetorik. Während „komisch“ die Eigenschaft einer Sache, bzw. einer Person oder eines Sachverhaltes bezeichnet, die Lachen verursacht, meint „Komik“ das Phänomen, das diese Reaktion hervorruft.
7 Reichel, Jörn: Der Spruchdichter Hans Rosenplüt, S. 151.
8 Das Kennzeichnende dieser Kleindichtung, die besonders auch im Mittelhochdeutschen verbreitet war, besteht
darin, dass eine Reihe von Gedanken, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, durch ein
Bindeglied zusammengefasst werden. Der Name kommt von dem lateinischen Wort Praeambulum her.
9 Reichel, Jörn: Der Spruchdichter Hans Rosenplüt, S. 193.
10 Aristoteles erfasst das Lachen unter dem Aspekt des Gesellschaftlichen und beschäftigt sich vordergründig mit
der Wirkung, die es hervorruft, und mit der Funktion, die ihm zugeteilt werden kann.
11 “The Superiority Theory”, Thomas Hobbes, „De Cive“ (1642) und „On Human nature“ (1650) Hobbes vertritt
eine mehr psychologische Herangehensweise an das Thema Komik bzw. Warum lacht der Mensch?
12 Kant steht für den interlektuellen Ansatz, der erstmals das Lachen in einen definierten Zusammenhang mit der
Wahrnehmung eines Kontrastes, eines Gegensatzes bringt.
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Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik Die Beschäftigung mit diesem Phänomen hat es von Anfang an mit zwei Widersprüchen zu tun:
1. Der Widerspruch zwischen einer tradierten Vorstellung und Erwartung und ihrer tatsächlichen Darstellung in der Komik
2. Der Widerspruch des Lachens über die Katastrophe oder den Konflikt Ersterer Widerspruch ist von signifikanter Bedeutung für das vorliegende Problem, weil er sich mit der Zeitbezogenheit von Komik auseinandersetzt. Es geht hierbei um die Überlegung, dass Komik immer zugleich eine gesellschaftsbezogene Dimension haben muss, da sie die tradierten Vorstellungen und psychosozialen Verhaltens- und Charakternormen als Bezugspunkt für das Lächerliche benötigt.
Danach definiert sich all das als komisch, was eine individuelle oder kollektive Unvollkommenheit beschreibt, die eine unmittelbare Korrektur nach den Gesetzen und Normen der Gemeinschaft verlangt, ohne jedoch von vornherein als schädlich oder gefährdend gelten zu müssen. Das Mittel der Korrektur ist hier das Lachen bzw. Auslachen, als eine Art Züchtigung, weil das Lachen für den Betroffenen oft mehr oder weniger demütigend ist. Hierüber schreibt Henri Bergson um 1900 in seinem Essay „Le Rire. Essai sur la signification
du comique“ von einer ergänzenden Kraft beziehungsweise Spannkraft (élasticite) 13 als Kennzeichen des Lebendigen, womit er das Lachen meint.
„Fehlt sie dem Körper in hohem Maß, so entstehen Unglücksfälle jeder Art, Gebrechen, Krankheit. Fehlen sie dem Geist, dann haben wir es mit jedem Grad von seelischer Armut, mit allen Arten von Verrücktheit zu tun. Und fehlen sie dem Charakter, dann ergeben sich die schweren Fälle von mangelnder Anpassungsfähigkeit an das soziale Leben [...] (Bergson 1988, 22)
Das auslösende Element der Komik lässt sich somit in Form fehlender Anpassungsfähigkeit oder mangelnde Flexibilität im Umgang mit gesellschaftlichen Normen beschreiben. Eine buchstäbliche Versteifung einer handelnden Person oder eines Sachverhaltes also, die vom
13 Danach ist das Lachen in seiner Elastizität gewissermaßen ein korrigierendes Strukturelement des Lebens, wie
es die Auslenkung von der Norm, die bei Bergson als tension (Spannung) bezeichnet wird, „elastisch“
zurückschwingen lässt.
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Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik Publikum verlacht wird 14 . Bezogen auf ihren Wirkungsbereicht wäre eine sinnvolle Gliederung in Sprach-, Situations-, und Handlungskomik denkbar. Besonders die Sprachkomik liefert für jene Versteifung, als Ausdruck mangelnder Flexibilität, ein besonderes Beispiel: Ein Wort kann mit unter verschiedene Bedeutungen haben, die einen direkten Widerspruch zum Ausdruck bringen können. Die Diskrepanz oder der hieraus resultierende Irrtum zwischen Gemeintem und Verstandenem ist Mittel der Sprachkomik So wird eine Absurdität durch ein gebräuchliches Sprachmuster zum Ausdruck gebracht, worin sich das Mechanistische des
Musters, das Steife der Sprache zeigt 15 .
Dies ist ein wesentliches Merkmal der Pointe, die eben immer da zustande kommt, wo die Bedeutung eines Wortes möglich aber nicht zwingend naheliegender sein muss, als eine mögliche semantische Alternative. Das Mittel der sprachlichen Täuschung hilft dem Dichten falsche Fährten zu legen, die für seinen Leser, erst mal begangen, zwangsläufig komisch, weil gezwungener Maßen unbeholfen wirken müssen.
Diese Mechanisierung als komischer Aspekt lässt sich auch auf Personen oder Situationen anwenden. So wirkt es komisch, wenn Personen wie Marionetten handeln bzw. wenn unbelebte Gegenstände personifiziert werden. Lachen ergibt sich also hierbei aus einer starken Distanz zum zu verlachenden Objekt, da sich der Lachende nicht mit der mechanischen Art des Verlachten identifizieren kann. Das Lachen führt zur Entladung von zeitweise aggressiven Gefühlen dem Lachobjekt gegenüber. Dabei ist es unbedeutend, ob der Lachende dem Lachobjekt Sympathie oder Antipathie entgegenbringt, denn für den Augenblick des Lachens werden Mitleid und Sympathie außer Acht gelassen. Bergson spricht hierbei von der ,,Betäubung des Herzens", die aufgrund des mechanisierten Verhaltens des Lachobjekts
ausgelöst wird, die aber jederzeit auch unterbrochen werden kann 16 . Die ganz allgemeine
14 Dieses beschreibt zusammenfassend die soziokulturelle Relativität des Lustigen, was insbesondere die Analyse
alter Texte auf eben dieses Phänomen der Komik hin besonders schwierig macht, da die Reflektion des Textes
gezwungener Maßen das soziokulturelle „Jetzt“ beschreibt und man sich somit einer gegebenenfalls nötigen
Relativierung auf das „Damals“ bewusst werden muss.
15 Das Überschneiden von Wortbedeutungen, oder auch von allgemeiner, von Sinn- und Vorstellungsebenen,
bezeichnet man als Interferenz des Sachverhaltes. Weitere Schlagwörter Bergsons sind in diesem Zusammenhang,
die Inversion , als das Bild der verdrehten Welt („betrogener Betrüger“, „verfolgter Verfolger“ u.ä.) und der
Begriff der Repitition, der das mechanistische Wiederkehren des gleichen Fehlers oder der gleichen Disposition,
Situation oder Figur als Element des Komischen beschreibt.
16 Lachen als Gruppenphänomen kann bei jener Betäubung der Sensibilität für die Katastrophe einerseits zur
Stärkung der Gruppenkohäsion führen, andererseits zu einer Ausgrenzung des Verlachten. Das Lachen
verdeutlicht die Gemeinsamkeiten der Mitglieder sowie die Verschiedenheit der Nichtmitglieder, es ist
wohlwollend gegenüber den einen, aggressiv gegenüber den anderen.
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Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik Fehlleistung, sei es in einer Handlung, Situation oder im gesprochenen Wort ist also elementarer Baustein des Komischen.
Die offensichtliche Lust des Menschen am Lachen, nicht nur als einen Ausdruck der eigenen Freude oder Ausgelassenheit, sondern auch als einen Ausdruck der Freude über etwas: der Schadenfreude, dem Galgenhumor, Aberwitz, dem bodenlosen Spaß, der boshaften Lustimmer sucht die Kritik nach einem kräftigen Ausdruck, um die Dignität des Komischen zu erweisen. Hierbei geht es jedoch nicht um das erziehende oder auch strafende Element der Komik im Sinne eines Auslachens, sondern vielmehr um das Phänomen, dass bereits das als komisch gelten kann, was einen Anderen mit unter sogar ernsthaft bedroht oder verletzt. Sigmund Freud ist, abgesehen von seinen Auseinandersetzungen mit der Thematik allgemein, besonders intensiv auf diesen Aspekt in seiner Schrift „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“ (1905) eingegangen.
Freud bringt den Witz oder das Lachen über etwas mit dem Triebleben des Menschen in
Verbindung 17 . In der Komik komme es zu einer Revolte der Triebe gegen alle durch die Gesellschaft, Kultur und Erziehung auferlegten Einschränkungen bzw. Tabus. Die Kultur der
Erziehung ist für Freud eine „Ausbildung der Verdrängung“ 18 , die das, was ohne Reglement als angenehm empfunden werden würde, unannehmbar erscheinen lässt und somit mit allen psychischen Kräften abgelehnt wird. Demnach ist das Lachen über etwas, gerade auch über den Schaden eines Anderen eine Art Entlastung oder Befreiung von den Ansprüchen der kulturellen Normwelt und dem Druck tugendlichen Handels. Die überflüssig gewordene Hemmung durch die Norm ermöglicht das bewusste Ausleben der Triebe in der Komik und dem Lachen. Komik ist daher auch ein Kanal zur eigenen Befreiung von gesellschaftlicher Disziplin und Zwang. Prominente Bespiele für diese These sind der politische Witz, das Kabarett aber auch die Dionysios-Feste in der frühen griechischen Geschichte, die eine Möglichkeit zur Auslebung
freier und öffentlicher Sexualität bzw. dem Ausleben von Rauschzuständen waren 19 . Beschäftigt man sich im Kontext der Ansichten Freuds mit der Frage nach der Popularität der Texte Rosenplüts und seiner Kollegen, damals wie heute, ergeben sich daraus sicherlich
17 Freud, Sigmund (1986) „Der Witz und seine Beziehungen zum Unbewussten“ Frankfurt am Main, S.96
18 Freud, 1986, S.82
19 Den Fastnachtsbräuchen im Mittelalter möglicherweise vergleichbar.
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Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik verschiedene Lösungsansätze, auf die in der Komikanalyse (2.2) und im folgenden noch gesondert eingegangen wird.
Für die genannt und behandelten Widersprüche lassen sich zwei begriffliche Definitionen finden, die das Wesen der Komik als Gedankengebäude zweier Grundbausteine begreifen: der
Utilitas und der Delectatio 20 . Utilitas: Das Nützliche der Komik.
Für die Komik ist stets die Differenz zum tugendhaften Ideal des Menschen und seinem tatsächlichen menschlichen Fehlverhalten im Sinne des Ideals bestimmend. Durch den erzieherischen Moment des Lachens bzw. Auslachens gewinnt die Komik an gesellschaftsreglementierender und korrigierender Bedeutung. Sie kann durch das Erzeugen von Scham-und Schuldgefühlen zu besseren bzw. regelgerechteren Verhalten im Sinne des bereits Angesprochenen beitragen. Delectatio: Das Erfreuende Moment der Komik.
Das Publikum lacht über eine geschilderte Katastrophe, weil sie für sie selbst konsequenzlos bleibt. Daraus folgen unterschiedliche Einstellungen des Zuschauers zur komischen Figur und zur bestehenden Ordnung. Sie schwanken zwischen dem überlegenen Verlachen von Normabweichungen auf der Basis des Einverständnisses mit der bestehenden Ordnung und dem befreienden Mitlachen mit der komischen Figur, wo diese eine auch vom Publikum als bedrückend empfundene Ordnung in Frage stellt. Beobachtet man diese Spannbreite der Gründe für das Lachen, so findet man heraus, dass das Lachen einerseits die bestehende oder gezeigte Gesellschaftsform kritisiert oder aber eine neue Ordnung herstellen will. Das Lachen hat somit eine anarchische, als auch eine ordnende Seite. Die Ordnung, die dadurch hergestellt wird, wird zweitrangig, sobald die Lachenden ihre eigene Ordnung gefunden haben. Das Paradoxon von Ordnung und Freiheit ist somit auch eine der bedeutendsten Komponenten des Lachens als subversiver Akt. Wer beispielsweise über eine politische Rede lacht, verneint die darin dargestellten Gesellschaftsideale und handelt subversiv. Lachen ist daher auch als das befreiende Lachen einer Gruppe im Sinne Freuds definierbar. Weil das Lachen unweigerlich
20 Suchomski, Joachim, „Delectatio et Utilitas“ Ein Beitrag zum Verständnis mittelalterlicher komischer Literatur;
Bern 1975
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Hans Rosenplüt „Der fahrende Schüler“ Analyse unter dem Aspekt der Komik ein Affekt der Freude und der Bejahung bedeutet, positiviert es jene Phänomene, welche die offizielle Norm ausgrenzt.
1.2.1 Elemente der Komik
Im Folgenden sollen einige rhetorische Elemente der Komik vorgestellt werden, wie sie ganz allgemein, wie auch insbesondere für den vorliegenden Text, von vielgebrauchter literarischer Bedeutung sind.
Der Witz ist ein Mittel der Wortkomik. Er basiert zu meist auf der Doppelbedeutung eines Wortes oder eines erzählten Sachverhaltes. Die bereits zuvor beschriebene Pointe ist sein wesentlichster Bestandteil. Freud beschreibt das libidinöse Verhältnis von Witz und Lachen, dass das Lachen in eine Entladung obszöner oder aggressiver Gefühle, die durch den Witz ausgedrückt werden, verwandelt. Es lassen sich aber hiervon auch das rein lustvolle, also mit Spaß und kindlicher Freude verbundene Lachen abgrenzen, das das Spielerische am Witz betont. Der Humor
Das Wort Humor kommt aus dem Lateinischen „(h)umor“ und bedeutet soviel wie Feuchtigkeit, Flüssigkeit, Saft. Damit sind wohl die Hormone als «Körpersäfte» gemeint. Humor löst Freude, Erheiterung, Belustigung, Lächeln und Lachen aus. Im Wesen ist er jedoch leiser bzw. zurückhaltender als der Witz. Humor beschreibt eine gewisse Heiterkeit als Grundstimmung des Menschen, die den Verfehlungen, den Irrtümern insbesondere aber auch der Beharrlichkeit oder der Steifheit einer Person, Sache oder Sachverhaltes mit Gelassenheit, einem eigenen Unbeteiligtsein gegenübertritt. Das scharfe des Witzes oder das aggressive Element des Lachens oder Auslachens nähert sich einem Sachverhalt im Gegensatz zum Humor mit einer Art Beteiligung, wie sie das eigene Erleichtern von gesellschaftlichem Zwang auch explizit erforderlich macht. Mit den Mitteln des Humors eröffnet sich dem Dichter die Möglichkeit, eine Brücke zwischen seiner idealen Traumwelt und der ernüchternden Realwelt zu schaffen, jedoch ohne gezwungener Maßen aktiv gegen das Objekt werden zu müssen. Der Humor stellt im Gegensatz zu anderen Elementen der Komik, wie dem Witz oder der Ironie, als eine der Möglichkeiten gesellschaftskritischer Auseinandersetzung diejenige dar, die zwischen der völligen Ablehnung dem nihilistischen Annähern an einen Sachverhalt und dem
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Gottfried Drywa, 2008, Hans Rosenplüt 'Der fahrende Schüler', München, GRIN Verlag GmbH
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