Kurzfassung
Operationelle Risiken sind die ältesten Risiken der Welt. Aber wie erkennen wir sie und wie lassen sich die Verluste ins Risikomanagement einer Bank einbeziehen? Aufsichtsrechtliche Anforderungen und spektakuläre Schadensfälle, wie z.B. aktuell der Ausfall des T-Mobile Netzes durch einen Softwarefehler, der zu Millionenschäden führte, lassen operationelle Risiken in den Fokus der Unternehmen und Banken rücken. Daher ist auch der Einbezug in das Risikomanagement der Banken unerlässlich geworden. Eine Antwort auf die oben gestellte Frage gibt die nachfolgende Seminararbeit. Der Verlustverteilungsansatz zur Quantifizierung operationeller Risiken stellt eine Möglichkeit zur Verlustbestimmung dar. Um den Verlustverteilungsansatz einordnen zu können, beschreibt die Arbeit grundlegende Eigenschaften operationeller Risiken und Abgrenzungsschwierigkeiten zu anderen Risikoarten, sowie die notwendigen Voraussetzungen zur Anwendung und Umsetzung des Verlustverteilungsansatzes. Die Identifizierung operationeller Risiken und die mit ihr verbundenen Probleme ergänzen die Ausführungen. Die Anwendung des
Verlustverteilungsansatzes in der Praxis des täglichen Bankgeschäftes befindet sich noch in den Anfängen, gewinnt aber immer mehr an Bedeutung. Der Blick in die Zukunft rundet die Seminararbeit ab.
II
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung II
Inhaltsverzeichnis. III
1 Einleitung 7
2 Charakterisierung operationeller Risiken 7
2.1 Definition und Abgrenzung operationeller Risiken 7
2.2 Prozessschritte des Managements operationeller Risiken. 9
2.3 Notwendigkeit der Quantifizierung operationeller Risiken 10
3 Verlustverteilungsansatz 11
3.1 Voraussetzungen zur Ableitung eines Verlustverteilungsansatzes 11
3.2 Systematisierung des Verlustverteilungsansatzes 12
3.3 Modellierung der Schadenshäufigkeitsverteilung 13
3.4 Modellierung der Schadenshöhenverteilung. 14
3.5 Parameterbestimmung und Anpassungstests 14
3.6 Gesamtverlustverteilung. 15
3.7 Würdigung des Verlustverteilungsansatzes 16
4 Schlussbetrachtung 17
Anhang 18
Literaturverzeichnis. 27
Monographien. 27
III
Abkürzungsverzeichnis
AMA Ambitionierter Ansatz BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Basel II Basler Eigenkapitalakkord BIA Basisindikatoransatz EW Erwartungswert f. folgende ff. fortfolgende gem. gemäß HFLIR High-Frequency-Low-Impact-Risiken KWG Kreditwesengesetz LFHIR Low-Frequence-High-Impact-Risiken OR Operationelle Risiken OpVaR Operaltional Value at Risk POT- Methode Peaks-over-Threshold-Methode SolvV Solvabilitätsverordnung STA Standardansatz u.a. unter anderem VaR Value at Risk z.B. zum Beispiel
IV
Symbolverzeichnis
Bin(k;m,p) Binomialverteilung exp Eulersche Exponentialfunktion e Eulersche Zahl f(x) Dichtefunktion einer Zufallsvariablen GI Bruttoertrag i Business Line (Geschäftsfeld)
LogNV(x;,) Lonormalverteilung m maximale Anzahl möglicher Erfolgsereignisse n Anzahl der Verlusthäufigkeiten NBin(n;r,) Negative Binomialverteilung Pareto(x;u,c) Paretoverteilung Pois(n;) Poissonverteilung S Gesamtschaden t Zeitraum Weibullverteilung Wie(x;α,)
Lambda Standardabweichung
Kalibrierungsfaktor für STA (Beta-Faktor) β
Kalibrierungsfaktor für BIA (Alpha-Faktor) α µ Mittelwert
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1a: Kategorisierung OR nach Ursachen 11
(In Anlehnung an Kamin (2007), S. 52 und Steinhoff (2008), S. 11)
Abbildung 1b: Kategorisierung OR nach Ereignissen 11
(In Anlehnung an Basel II (2004), SolvV (Anhang A, S. 16 ))
Abbildung 2: Abgrenzungsschwierigkeiten OR mit andern Risikoarten 12 (Eigene Darstellung)
Abbildung 3: Phasen des Managementprozesses OR 13 (Eigene Darstellung)
Abbildung 4: Überblick aufsichtsrechtliche Ansätze gem. SolvV 14
(Eigene Darstellung, teilweise in Anlehnung an Auer (2008), S. 43ff.)
Abbildung 5: Instrumente zur Identifikation OR 15 (Eigene Darstellung)
Abbildung 6: Ausgewählte Schadenshäufigkeitsverteilungen 16 (Eigene Darstellung)
Abbildung 7: Ausgewählte Schadenshöhenverteilungen 17 (Eigene Darstellung)
Abbildung 8: Darstellung des VaR (unerwarteter/erwarteter Verlust) 18
(In Anlehnung an Lenzmann (2008), S. 292; Steinhoff (2008),S. 69f.)
Abbildung 9: Darstellung der Gesamtverlustverteilung 19
(Eigene Darstellung, teilweise in Anlehnung an Lenzmann (2008), S. 293)
VI
1 Einleitung
Die Seminararbeit hat zum Ziel, den Verlustverteilungsansatz zur Quantifizierung OR zu erläutern. Zu Beginn der Arbeit (Kapitel 2) werden die charakteristischen Merkmale OR und die Abgrenzung zu anderen Risikoarten herausgearbeitet. Ergänzt wird das Kapitel 2 durch die Prozessschritte der Steuerung OR und die Begründung der Notwendigkeit zur Quantifizierung OR. Darüber hinaus werden aufsichtsrechtliche Verfahren zur Quantifizierung einbezogen. Nachdem ein erster Überblick zur Systematisierung OR gegeben wird, folgen auf Basis dieser Informationen und Erkenntnisse dann in Kapitel 3 die Ausführungen zum Verlustverteilungsansatz. An die Darstellung der Wesensmerkmale schließt sich die Modellierung der Schadenshäufigkeitsverteilung, der
Schadenshöhenverteilung sowie die Parametrisierung und Anpassungstests, die die gewählten Verteilungen hinsichtlich ihrer Güte prüfen, an. Sie bilden die nächsten Abschnitte. Die Zusammenführung der beiden Verteilungen erfolgt im Rahmen der Gesamtverlustverteilung, die ein weiterer Bestandteil der Modellierung eines Verlustverteilungsansatzes ist. Die im Laufe dieser Arbeit gewonnen Erkenntnisse sind in der Würdigung des Verlustverteilungsansatzes zusammengefasst und werden kritisch hinterfragt. In der Schlussbetrachtung (Kapitel 4) wird ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen gegeben.
2 Charakterisierung operationeller Risiken
2.1 Definition und Abgrenzung operationeller Risiken
Zur Quantifizierung und Steuerung OR ist eine eindeutige Definition und Abgrenzung eine notwendige Voraussetzung. Die derzeit noch fehlende Eindeutigkeit in Bezug auf die Bestimmung OR wird durch die zahlreichen verschiedenen Definitionen in der Literatur ersichtlich. Anfänglich wurden OR indirekt als Residualgröße, ermittelt als Differenz aus dem
Gesamtrisiko 1 und den weiteren Risikoarten, abgeleitet. 2 Auf Grund der direkten Abhängigkeit zur Definition der übrigen Risikoarten, sowie der undifferenzierten Darstellung der heterogenen und komplexen operationellen Risiken an sich, zeigt sich diese Definition als
keine angemessene Abbildung der OR. 3 Eine vollständige Erfassung sowie die Vermeidung
1 Auf unterschiedliche Definitionen des Risikobegriffs selbst soll hier nicht eingegangen werden.
2 Vgl. Eckmann (2007), S. 5, Peter/Vogt/Kraß (2000), S. 657.
3 Vgl. Steinhoff (2008), S. 9.
7
von Fehl- und Doppelerfassungen stellen eine wesentliche Anforderung an eine
aussagekräftige Definition der OR dar. 4
Eine weitere Definition ergibt sich aus Basell II (bzw. der SolvV 5 ):
„Operationelles Risiko ist die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren und Systemen, Menschen oder infolge externer
Ereignisse eintreten. Die Definition schließt Rechtsrisiken ein.“ 6
Die Anlehnung an die begriffliche Abgrenzung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht findet, neben eigenen Definitionen der Kreditinstitute, immer häufiger Anwendung. Ein weiterer wichtiger Bestandteil im Zuge der Systematisierung von OR ist die Kategorisierung. In Bezug auf die Kategorisierung von OR fehlt eine einheitliche Darstellung in der
betriebswirtschaftlichen Praxis. 7 Ein grobes Kategorisierungsschema lässt sich aus der Definition der SolvV ableiten und führt zu folgenden Risikokategorien: Prozessrisiko, Personenrisiko, Systemrisiko, Externe Risiken 8
Die Einteilung in sinnvolle Risikokategorien ermöglicht eine Zuordnung der eingetretenen Schadensfälle und unterstützt die Ursachenfindung. Die Einteilung kann sowohl nach
Ereignissen, als auch nach Ursachen erfolgen. 9
Die Abbildungen 1a und 1b zeigen mögliche Ursachen für OR und eine entsprechende Unterteilung in die hier genannten Risikokategorien sowie die Ereignisklassen nach SolvV. Um aus der sehr weitgefassten Beschreibung OR ein sinnvolles Resultat in Bezug auf die Quantifizierung und Steuerung dieser zu erzielen, ist eine sachgerechte Abgrenzung der OR
zu Marktrisiken, Kreditrisiken und Liquiditätsrisiken 10 unerlässlich. 11 Dies gestaltet sich auf Grund zahlreicher Besonderheiten OR als schwierig. Im Gegensatz zu anderen Risikoarten, liegen die Ursachen für OR nicht im finanzwirtschaftlichen Bereich, führen aber zu einem
finanziell quantifizierbaren Schaden. 12 Dieser lässt sich aber nicht immer auf eine Risikoart zurückführen, denn OR können für fast alle Verlustereignisse die Ursache bilden. Die bestehenden Korrelationen zwischen den einzelnen Risikoarten erschweren die
4 Vgl. Peter/Vogt/Kraß (2000), S. 657, Steinhoff (2008), S. 14, Eckmann (2007), S. 7.
5 Vgl. Solvabilitätsverordnung (2007), §269 Abs. 1.
6 Das strategische Risiko und das Reputationsrisiko sind nicht Teil der OR. Dies geht nicht aus der Definition
gem. SolvV hervor, wird aber durch das Fachgremium OR der Bafin empfohlen.
Vgl. BaFin (2008), Wiedemann (2008), S. 233.
7 Vgl. Wiedemann (2008), S. 233.
8 Vgl. Eckmann (2007), S. 10.
9 Vgl. Beeck/ Kaiser (2000), S. 646, Auer (2008), S. 25.
10 Neben den hier genannten, gibt es weitere Risikoarten (siehe Abbildung 2).
11 Vgl. Wiedemann (2008), S. 231, Kaiser/Köhne (2007), S. 39.
12 Vgl. Steinhoff (2008), S. 9.
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Arbeit zitieren:
Yvonne van den Hövel, 2009, Verlustverteilungsansätze zur Quantifizierung operationeller Risiken, München, GRIN Verlag GmbH
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