1. Vorwort
Die meisten modernen Industrieländer sind oder befinden sich auf dem Weg dazu. Die Rede ist von der sogenannten Dienstleistungsgesellschaft.
Ausschlaggebend dafür ist, dass mehr als 50% der Erwerbstätigen im tertiären Sektor, dem sogenannten Dienstleistungssektor tätig sind. 1
Laut statistischem Bundesamt waren 2004 etwa 71,3% aller Erwerbstätigen in Deutschland im tertiären Sektor beschäftigt gewesen. In den USA lag die Erwerbsquote im Dienstleistungssektor sogar noch etwas höher mit etwa 78,6% -Tendenz steigend. 2
Ein berühmter Dienstleistungstheoretiker namens Jean Fourastié prognostizierte diesen Strukturwandel schon Anfang der 40er Jahre und schilderte seine Theorie in seinem Buch „Die große Hoffnung des 20. Jahrhunderts“. 3
Ziel dieser Hausarbeit ist es nun zu zeigen, dass der tertiäre Sektor eine immer größere werdende Bedeutung in unserer Gesellschaft annimmt und zu untersuchen ob diese Entwicklung eine Hoffnung für das 21.Jahrhundert bezüglich der Beseitigung von Arbeitslosigkeit und Schaffung von mehr Lebensqualität darstellt.
Dazu werden nachfolgend zunächst einige Begriffe definiert unter anderem der Dienstleistungsbegriff. Anschließend wird Jean Fourastiés Drei-Sektoren-Hypothese näher beleuchtet. Der darauf folgende Teil dieser Hausarbeit bezieht sich auf die Dienstleistungsexpansion am Beispiel von Deutschland und den USA. Punkt fünf setzt sich dann schließlich kritisch damit auseinander, in wie fern die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft Hoffnungen für den Arbeitsmarkt und die Verbesserung der Lebensqualität darstellt.
Dem entsprechend sollen nachfolgend auch Fragen geklärt werden, wie was bringt uns die Dienstleistungsgesellschaft? Gibt es auch Risiken, die diese in sich birgt? Und weshalb vollzieht sich dieser Strukturwandel?
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2. Definitionen
2.1. Begriff der Tertiarisierung
Der Begriff Tertiarisierung beschreibt die Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunktes von der Industrie hin zum Dienstleistungssektor gemessen an der Zahl der Beschäftigten, sowie an der Wertschöpfung. Verbunden mit diesem Prozess ist eine Zunahme der Erwerbstätigen im tertiären Sektor, was einen Strukturwandel bezüglich der Beschäftigungsverteilung in den einzelnen Sektoren zur Folge hat. Begonnen hat dieser Prozess Anfang des 20.Jahrhunderts, wobei Jean Fourastié die theoretischen Grundlagen für diesen Prozess lieferte, welche im nachfolgenden Verlauf noch ausführlich erläutert werden. 4
2.2. Definition einer Dienstleistung
Eine Dienstleistung ist im Allgemeinen ein immaterielles Wirtschaftsgut, das von einer natürlichen oder juristischen Person erbracht wird. Folgende Merkmale gelten bei Dienstleistungen als typisch: Gleichzeitigkeit und räumliche Nähe von Produzent und Konsument (uno-actu-Prinzip), Nutzen stiftend, standortgebunden, mangelnde Dauerhaftigkeit und Lagerfähigkeit. Oft werden nur geringe Möglichkeiten der Produktionssteigerung gesehen, weil viele Dienstleistungen gebunden durch die intensive Arbeitsleistung des Produzenten erbracht werden. Daraus wurde auch die Hypothese aufgestellt, dass Dienstleistungen von einer geringen Produktivitätssteigerung gekennzeichnet seien. Diese Hypothese gilt aber größtenteils nicht für ungebundene Dienstleistungen, wobei hierbei die Trennung von gleichzeitiger Produktion und Konsum Kennzeichen ist. Bei solchen ungebundenen Dienstleistungen ist es möglich die Produktivität zu steigern, indem man technische Hilfsmittel einsetzt. Die Frage ist jedoch, ob diese Definition einer Dienstleistung immer zutreffend ist. Leider ist eine säuberliche Trennung, was genau zu einer Dienstleistung zählt nicht immer möglich, da sich eine Leistung oder ein erbrachtes Wirtschaftsgut in der Erstellung oft aus vielen verschiedenen Einzelteilen zusammensetzt.
2.3. Dienstleistungsgesellschaft und deren Zusammensetzung
Unter einer Dienstleistungsgesellschaft versteht man eine postindustrielle Gesellschaft, in der das Wirtschaftswachstum größtenteils auf den Konsum und die
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Produktion von Dienstleistungen zurück zu führen ist.
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Nach dem statistischen Bundesamt setzt sich der Dienstleistungssekor aus folgenden Bereichen zusammen: Handel und Gastgewerbe, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, Kredit- und Versicherungsgewerbe, Grundstücks-und
Wohnungswesen/Unternehmensdienstleister, Sozialversicherung, Erziehung und Unterricht, Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen sowie den sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen.
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3. Theorie der Tertiarisierung
3.1. Jean Fourastiés Drei-Sektoren-Hypothese
Vorreiter der Drei-Sektoren-Hypothese waren Allan Fisher und Colin Clark. Fisher entwickelte 1939 ein dreistufiges Modell, in dem er die Sektoren nach Notwendigkeit von Produkten abgrenzte. Dem nach wurden nach seiner Abgrenzung im primären Sektor lebensnotwendige Produkte hergestellt, im sekundären nachrangig notwendige und im tertiären Sektor Luxusgüter oder sogenannte Bequemlichkeitsgüter, die nicht unbedingt lebensnotwendig sind. Colin Clark entwickelte dann 1940 diese Theorie weiter, indem er den primären Sektor als landwirtschaftlichen, den sekundären als industriellen und den tertiären Sektor als Bereich in dem Luxusbedürfnisse befriedigt werden bezeichnete. Seiner Auffassung nach käme es zu einer Verschiebung der Beschäftigungsstruktur vom primären zum tertiären Sektor in Zeiten des ökonomischen Wachstums. Dadurch steige auch die Nachfrage nach immer weniger notwendigen Gütern. Anfang der 40er Jahre vollzog Jean Fourastié dann eine sektorale Abgrenzung, in der er die Sektoren nach der unterschiedlichen Produktivität bezüglich der Herstellung der Produkte abgrenzte. Im primären Sektor seien mittlere, im sekundären Sektor hohe und im tertiären Sektor geringe bis keine Produktivitätssteigerungen zu verzeichnen. Produktivität definierte er als Output (produzierte Menge) geteilt durch Input (eingesetzte Arbeitsfaktoren).
Als Ursache für die Produktivitätssteigerungen sah er den technischen Fortschritt an, der vor etwa 200 Jahren einsetzte. Durch neue betriebswirtschaftliche Erkenntnisse und Fortschritte in den Wissenschaften war es nun möglich das Produktionsvolumen zu steigern, indem man Ressourcen einsparte und die Güterproduktion pro Zeiteinheit steigerte. Jedoch betont Fourastié ebenfalls, dass dies nicht die einzigen Gründe für die Erhöhung der Produktivität waren, denn die Wissenschaft steht allen
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zur Verfügung und dennoch entfaltete sich der Fortschritt nicht gleichermaßen in der Welt. Deshalb nahm Fourastié an, dass den Ländern zwar die Kenntnisse für die Modernisierung zur Verfügung stünden, aber die wirtschaftlichen, politischen, sozialen und geistigen Vorrausetzungen unterschiedlich seien. 7 Die mittlere Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft begründete Fourastié damit, dass es kaum möglich sei die Fläche zum Anbau unbegrenzt auszudehnen, da diese begrenzt sei. Bei den Dienstleistungen sei kaum ein Produktivitätswachstum möglich, aber dennoch steige die Nachfrage nach diesen Gütern („Hunger nach tertiärem“). Er begründete dies damit, dass es zum Beispiel einem Friseur oder Professor in den letzten 100 Jahren nicht möglich gewesen sei die Produktivität zu steigern. 6 Aus diesen Annahmen entwickelte Jean Fourastié dann schließlich sein Phasenmodell, in dem er die Veränderung der Beschäftigungsstruktur darstellte. Dieses Modell ist unterteilt in drei Phasen: Der präindustriellen Phase oder auch primären Zivilisation, der industriellen Phase oder auch Übergangsperiode und der postindustriellen Phase bzw. tertiären Zivilisation.
In der präindustriellen Phase, die etwa vor 1800 anzusiedeln ist sind etwa 80% im primären Sektor und jeweils 10% im sekundären und tertiären Sektor beschäftigt. Die Gesellschaft ist kaum entwickelt und der technische Fortschritt so gut wie kaum ausgeprägt. Es herrscht größtenteils Nahrungsmittelmangel und eine Unterproduktion an lebensnotwendigen Gütern.
In der industriellen Phase steigt zunächst die Beschäftigungszahl im sekundären Sektor von ca. 10% auf 50% an, nimmt dann jedoch aber ab Ende der industriellen Phase wieder ab. Im tertiären Sektor steigt die Beschäftigung kontinuierlich an von Beginn der industriellen Phase mit etwa 20% auf knapp 60% am Ende der industriellen Phase. Der landwirtschaftliche Sektor nimmt kontinuierlich ab. Die Beschäftigung liegt bei unter 10% am Ende der industriellen Phase. Ursache hierfür ist auch der technische Fortschritt, der den Bedarf an Arbeitskräften in diesem Sektor immer mehr reduziert. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen ist höher als in der präindustriellen Phase und die Nachfrage beginnt sich immer mehr zu differenzieren. Viele Arbeitsplätze, die im primären Sektor verloren gehen, werden nun durch die Neuentstehung von Arbeitsplätzen im tertiären Sektor absorbiert.
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Arbeit zitieren:
Marcus Forschepoth, 2007, Tertiarisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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