1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
Das Internet, oder auch World Wide Web (WWW) genannt, bietet viele neue Möglichkeiten schnell und einfach an Informationen und Daten heranzukommen. Dies ist ein Grund, weshalb internetbasierte Forschungsmethoden zunehmend in den Mittelpunkt rücken und diskutiert werden.. 1
Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Stärken und Schwächen der Online-Marktforschung darzustellen und diese in einen Vergleich zur klassischen Marktforschung zu setzen. Des Weiteren soll mit dieser Arbeit ein Überblick über die gängigsten reaktiven Verfahren der Datenerhebung im Internet bezüglich der Primärforschung verschafft werden. Zunächst wird als Forschungshypothese und Trendaussage formuliert, dass die Bedeutung der Online-Marktforschung in Deutschland in Zukunft steigen wird. Um dieser Hypothese nachzugehen wird im Gliederungspunkt zwei die Entwicklung der Online-Marktforschung an bestimmten Indikatoren näher beleuchtet. Anschließend werden die reaktiven Methoden der Datenerhebung im Internet beschrieben und mit einigen Beispielen transparenter gemacht. Auch hier wird durch Aufzeigen einiger Vor- und Nachteile auf die Bedeutung der Methoden für die Online-Marktforschung näher eingegangen. Punkt Vier befasst sich schließlich mit den Stärken und Schwächen der Online-Marktforschung. Hier wird auch eine Einsatzempfehlung gegeben, wann man klassische oder Online-Marktforschung betreiben sollte.
1.2 Definition Online-Marktforschung
Zunächst einmal sei festgestellt, dass der Begriff Online-Marktforschung keine einheitliche Definition besitzt. Stattdessen wird der Begriff in mehreren Bereichen der Sozialwissenschaften und der Marktforschung unterschiedlich verwendet. Diese Bereiche sind unter anderem die Forschung von Informatikern über Software, Suchmaschinenoptimierung, Evaluierung von Internetseiten oder das Internet als neue Marktforschungsmethode. 2 Wenn im folgendem von Online-Marktforschung gesprochen wird, so ist damit gemeint, dass das Internet als Erhebungsmethode genutzt wird, um neue Daten über Kunden oder Märkte zu
1 Vgl. Welker, Martin et al. (2005): „Online-Research - Markt- und Sozialforschung mit dem Internet“,
1.Auflage, Heidelberg, dpunkt. Verlag, S.1
2 Vgl. Welker et al., a.a.O., S. 1f.
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gewinnen. Sowohl die Sekundär-, als auch die Primärmarktforschung existieren im Internet. 3 Die Primärmarktforschung existiert in der Form von reaktiven Erhebungsmethoden (z.B. Online-Access Panel) und nicht reaktiven Erhebungsmethoden (z.B. User Tracking oder Logfileanalysen). Die Sekundärforschung bezieht sich auf bereits existierende Daten, die im Internet als Quelle verfügbar sind. Oft werden statt Online-Marktforschung auch die Begriffe Internetforschung, Online-Research oder Internet-Research verwendet. 4 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden die reaktiven Methoden noch näher beschrieben. Die nicht reaktiven-Methoden und Sekundärforschung bleiben auf Grund der Eingrenzung des Hausarbeiten Themas eher unberücksichtigt. Eine kurze Übersicht über die Gliederung der Online-Marktforschung zeigt die unten abgebildete Grafik.
Quelle: http://www.suchmaschinenkompetenz.de/Suchmaschinenkompetenz-Dateien/image023.gif
3 Vgl. Theobald, Axel et al. (Hrsg.) (2003): „ Online-Marktforschung - Theoretische Grundlagen und praktische
Erfahrungen“, 2.Auflage, Wiesbaden, Gabler/GWV Verlage, S.8
4 Vgl. http://www.suchmaschinenkompetenz.de/Suchmaschinenkompetenz-Dateien/image023.gif (aufgerufen
am 21.10.2008, 21.45 Uhr)
2
2. Entwicklung der Online-Marktforschung
In diesem Gliederungspunkt soll die Entwicklung der Online-Marktforschung näher beleuchtet werden. Um die Bedeutung der Online-Marktforschung im Bereich der Marktforschung besser einschätzen zu können, ist es ratsam zunächst die Anzahl der Menschen zu betrachten, die regelmäßig das Internet nutzen, denn Voraussetzung zur Teilnahme an einem Online-Interview ist ein Internetzugang.
Die untere Grafik zeigt wie viel Prozent und Millionen der deutschen Bundesbürger das Internet zwischen 2000 und 2007 regelmäßig genutzt haben.
Abbildung 2 : Übersicht zur Entwicklung der regelmäßigen Internetnutzung in Deutschland Quelle: http://www.v-i-r.de/cms/upload/bilder/Forschungsueberblick/Internetnutzung_ARD-ZDF.jpg, 2007
Man kann erkennen, dass die Zahl der Online-Nutzer kontinuierlich von 29% im Jahre 2000 auf 63% im Jahre 2007 angestiegen ist. Dies entspricht einer Steigerung von 34% innerhalb von nur 7 Jahren. Dieser Aspekt lässt die Schlussfolgerung zu, dass immer mehr Menschen an Online-Interviews teilnehmen könnten, da die Voraussetzung dafür lediglich ein Internetzugang ist. Besonders die Generation der „Silver Ager“ (Konsumenten mit einem Lebensalter ab 50 Jahren) entdeckt immer mehr die Vorteile und Facetten des Internets, wie zum Beispiel das Online-Shopping, Kontaktbörsen, Preisvergleiche oder Auktionen, statt nur reine Informationen im Internet zu erlangen. Dies wird vermutlich dazu führen, dass in der Zukunft die Zahl der Internetbenutzer weiterhin steigen wird. 5
5 ARD/ZDF Medienkommision (Hrsg.) (2007): „Internet zwischen Hype, Ernüchterung und Aufbruch - 10 Jahre
ARD/ZDF-Onlinestudie“, Baden Baden, S.2ff.
3
Als zweiten Indikator zur Beurteilung der Bedeutung der Online-Marktforschung, möchte ich die Häufigkeit der Anwendung der verschiedenen Interviewarten in den letzten Jahren heranziehen.
Die folgende Grafik zeigt den Anteil der Interviews nach Befragungsart in Prozent im Zeitraum 1990 bis 2007 an. Es wird differenziert zwischen persönlichen Interviews, telefonischen, schriftlichen und Online-Interviews.
Abbildung 3 : Entwicklung der Anwendung von unterschiedlichen Befragungsarten in Deutschland Quelle: ADM Arbeitskreis Deutscher- Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V., 2007
Die Grafik lässt deutlich erkennen, dass seit dem Jahre 2000 die Zahl der Online-Interviews drastisch angestiegen ist. Lag der Anteil der Online-Interviews im Jahre 2000 noch bei etwa 3% so lag er im Jahre 2003 schon bei 10% und im Jahre 2007 bei 27%. Diese Ausdehnung der Online-Interviews geht wie man aus der Grafik erkennen kann zu Lasten der persönlichen Interviews, die Im Zeitraum von 1990 und 2007 von 65% auf 26% gesunken sind um insgesamt 39 Prozentpunkte. Als Zwischenergebnis lässt sich hier bereits feststellen, dass der Bereich der Online-Marktforschung stark am wachsen ist. Weshalb die klassischen Befragungsarten im Gegensatz zu Online-Interviews zurückgegangen sind möchte ich anhand der Gegenüberstellung der Stärken und Schwächen
4
der Online-Marktforschung zur klassischen Marktforschung in Punkt Vier herausarbeiten. Dazu möchte ich zunächst im nächten Punkt die in der Online-Marktforschung angewendeten reaktiven Methoden darstellen.
3. Reaktive Methoden der Datenerhebung
Unter reaktiven Methoden versteht man Formen der Datenerhebung, bei denen dem Teilnehmer bewusst ist, dass er an einer Umfrage oder Untersuchung zwecks Marktforschungszwecken teilnimmt. 6 Nachfolgend werden die bedeutendsten Methoden davon näher erläutert.
3.1 Online Panel
3.1.1 Beschreibung
Unter einem Panel versteht man, dass bei einer identischen Stichprobe zu einem oder mehreren Zeitpunkten oft, aber nicht immer, die gleichen Merkmale erhoben werden. 7 Diese Merkmale können z.B. Nutzungsverhalten von Medien oder das Einkaufsverhalten sein. Die Stichprobe wird meist so gewählt, dass sie für eine Grundgesamtheit als repräsentativ gilt (z.B. Einwohner der Bundesrepublik Deutschland oder bestimmte Kundengruppe). 8 Dies hat den Vorteil, dass man Veränderungen im Verhalten der Testpersonen erkennen und analysieren kann (z.B. Änderung des Preisbewusstseins oder einer Markenaffinität). 6 Insgesamt unterscheidet man zwischen Handelspanel (wo welche Waren gekauft werden), Verbraucherpanel (welcher Konsument welche Güter kauft) und Spezialpanels (v.A. Seh-und Hörerforschung).
Bei einem Online Panel findet die oben beschriebene Erhebung über das Internet statt, d.h, die Panelteilnehmer verfügen über das nötige Wissen, um eine Dateneingabe über das Internet durchzuführen. Die Rekrutierung solcher Online-Panels kann offline und online erfolgen. 9
6 Vgl. http://www.bvm-net.de/glossar-r/reaktive-methoden.html (aufgerufen am 29.10.08, 20.17Uhr)
7 Vgl. Kuß, Alfred (2007): „Marktforschung - Grundlagen der Datenerhebung und Datenanalyse“, 2.Auflage,
Wiesbaden, Gabler Verlag, S.48
8 Vgl. http://de.mimi.hu/marketing/panel.html (aufgerufen am 23.10.08, 18.09Uhr)
9 Vgl. Welker et al., a.a.O., S.53
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Arbeit zitieren:
Marcus Forschepoth, 2009, Online-Marktforschung - Stärken und Schwächen im Vergleich zur klassischen Marktforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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