4.3.1 Mehr Lebensqualität durch neue Technologien (S.15)
4.3.2 Hoffnung für den Arbeitsmarkt (S.17)
4.3.2.1. Arbeitslosigkeit- Ein Problem der heutigen Zeit S.17)
4.3.2.2. Potenzial des Dienstleistungssektors (S.19)
5. Dienstleistungssektor- Eine falsche Hoffnung? (S.20-23)
5.1 Vergebliche Hoffnungen (S.20)
5.2 Differenzen zwischen Tertiarisierung und Industrialisierung (S.22)
6. Resümee (S.23)
Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
An der Anzahl der Erwerbstätigen oder am Anteil des Dienstleistungssektors am Bruttosozialprodukt kann man feststellen, dass die meisten westlichen Industrieländer Dienstleistungsgesellschaften sind oder sich auf dem Weg dahin befinden. Entscheidend dabei ist, dass weit über 50% der Erwerbstätigen im so genannten Dienstleistungssektor arbeiten. Für Deutschland liegt die Erwerbstätigkeit im Dienstleistungssektor bei ca. 71% (laut statistischem Bundesamt 2004).
Jean Fourastié war einer der berühmtesten Dienstleistungstheoretiker, der sich schon in den 40er Jahren mit diesem Strukturwandel beschäftigte und prognostizierte, wie sich dieser vollziehen könnte. Er nannte sein Buch „Die große Hoffnung des zwanzigsten Jahrhunderts“, wobei die Hoffnung in einer Verbesserung der Lebensumstände sowie der Bewältigung von Krisen, zum Beispiel großer Arbeitslosigkeit, lag. Ziel dieser Hausarbeit ist es die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft darzustellen und zu zeigen, dass der Dienstleistungssektor eine immer größer werdende Bedeutung in unserer Gesellschaft annimmt.
Nachfolgend wird zunächst geklärt, was man überhaupt unter einer Dienstleistung und einer Dienstleistungsgesellschaft versteht. Anschließend wird die Theorie der Dienstleistungsgesellschaft kurz nach Fisher sowie Clark und vertiefter nach Fourastié dargestellt. Im darauf folgenden Gliederungspunkt wird die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft explizit am Beispiel von Deutschland und den USA näher erläutert, wobei hier auch Bezug auf die Hoffnungen genommen werden soll. 14
2. Begriffserläuterung
2.1. Der Begriff der Dienstleistung:
1. Dienstleistungen sind immaterielle, durch eine natürliche oder juristische Person erbrachte Wirtschaftsgüter zur Befriedigung eines menschlichen Bedürfnisses, z. B. Bankdienste, Krankenpflege. 22
2. Dienstleistungen können als ökonomische Güter zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse angesehen werden. Sie zeichnen sich als an Personen gebundene, Nutzen
3
stiftende Leistungen durch mangelnde Dauerhaftigkeit und Lagerfähigkeit, durch Standortgebundenheit, durch Gleichzeitigkeit von Produktion und Konsum sowie durch vergleichsweise arbeitsintensive Produktion aus; sie werden oft auch als immaterielle Güter bezeichnet. Diese allgemeine Definition ist nicht unumstritten, da z.B. die Nutzungsleistungen von Diensten mithilfe von Sachgütern dauerhaft, lagerfähig und fast unbegrenzt nutzbar gemacht werden können und die Definitionsmerkmale der Vielschichtigkeit von Dienstleistungen nicht immer gerecht werden. 23
2.2. Der Begriff Dienstleistungsgesellschaft:
Definition nach Hartmut Häußermann und Walter Siebel:
“Mit dem Begriff “Dienstleistungsgesellschaft” werden solche Gesellschaften belegt, deren Beschäftigungsstruktur durch ein Übergewicht von Dienstleistungen gekennzeichnet ist. […] Für die Klassifikation als Dienstleistungsgesellschaft ist also nur die Verteilung der formellen bzw. kontraktuellen Erwerbstätigkeit auf verschiedene Tätigkeitsbereiche ausschlaggebend, wobei zumindest zwischen Fertigungs- und Dienstleistungsbereich unterschieden wird. Mit dem Wandel der Beschäftigung wird häufig die Annahme verknüpft, dass sich auch die Konsumstrukturen zugunsten des Verbrauchst von Dienstleistungen und zu Lasten des Güterverbrauchs verschieben. Der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft beinhaltet dann eine parallele Veränderung der Arbeitsmärkte und der Verbrauchsgewohnheiten. […] Die verschiedenen Tätigkeitsbereiche können dabei sektoral oder funktional abgegrenzt werden.“ 24
3. Theorie der Dienstleistungsgesellschaft
3.1 Die Drei-Sektoren-Hypothese
3.1.1 Vorreiter der Drei-Sektoren-Hypothese
Die Drei-Sektoren-Hypothese ist eine Theorie, die auf die sektorale Einteilung der Beschäftigung von Allan Fisher (1939) zurückgeht und von Colin Clark (1940) sowie Jean
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Fourastié (1949) weiterentwickelt wurde. Nachfolgend wird die sektorale Einteilung nach Fisher und die Drei-Sektoren-Hypothese nach Clark sowie Fourastié näher dargestellt.
Allan Fisher geht in seiner Theorie von einem dreistufigen Modell aus. Dabei grenzt er die Sektoren nach der Notwendigkeit von Produkten ab. Demnach zählt er zum primären Sektor alle Produkte die lebensnotwendig hergestellt werden müssen. Zum sekundären Sektor zählt er die nachrangig notwendigen Produkte und zum tertiären Sektor Produkte, welche den Luxus oder die Bequemlichkeit betreffen und nicht unbedingt notwendig sind. Colin Clark griff auf die sektorale Einteilung Fishers von 1940 zurück. Dabei bezeichnete er den primären Sektor auch als landwirtschaftlichen Sektor, in dem agrarische Erzeugnisse entstehen. Den sekundären Sektor bezeichnete er auch als industriellen Sektor und den tertiären Sektor als Sektor in dem Luxusbedürfnisse und Bequemlichkeiten befriedigt wurden.
Clark entwickelte daraus jetzt seine Hypothese, dass sich in Perioden ökonomischen Wachstums die Beschäftigung vom ersten zum zweiten und vom zweiten zum dritten Sektor verschiebe, also die Nachfrage nach weniger notwendigen Gütern zunimmt.
3.1.2 Die Drei-Sektoren-Hypothese nach Jean Fourastié
3.1.2.1 Sektorale Abgrenzung
Jean Fourastié unterteilte in seiner Theorie die Drei Sektoren nach der unterschiedlichen Produktivität bezüglich der Herstellung der Produkte. Als primären Sektor bezeichnete er Produkte mit mittleren Produktivitätssteigerungen (Landwirtschaft), als sekundären Sektor Produkte mit hoher Produktivitätssteigerung (Industrie) und als tertiären Sektor Produkte mit geringer oder keiner Produktivitätssteigerung (Dienstleistungen). Als Ursache für die Produktivitätssteigerung sieht Fourastié vor allem den technischen Fortschritt, der nach seiner Auffassung vor etwa 200 Jahren begonnen hat. Durch diesen technischen Fortschritt, der durch neue betriebswirtschaftliche Erkenntnisse ermöglicht wurde, ist es möglich das Produktionsvolumen zu steigern, indem man Ressourcen einspart und die Güterproduktion pro Zeiteinheit steigert. Fourastiés erste These war also, dass sich der technische Fortschritt also nicht auf alle Bereiche der menschlichen Arbeit konstant auswirkt. Die Landwirtschaft wird zum Beispiel irgendwann an ihre Grenzen stoßen, denn die Fläche zum Anbau ist
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begrenzt. Die industrielle Produktion kann nach Fourastiés Auffassung hingegen unbegrenzt gesteigert werden. Bei den Dienstleistungen ist die Produktionssteigerung durch den technischen Fortschritt kaum möglich. Dennoch steigt die Nachfrage kontinuierlich an, was zum so genannten „Hunger nach tertiären“ 2 führt. Als Begründung führt Fourastié an, dass es kaum möglich sei den technischen Fortschritt auf Dienstleistungen anzuwenden. Die Produktivität eines Friseurs oder eines Professors blieb in den letzten 100 Jahren zum Beispiel konstant. Durch diese unterschiedliche Anwendungsmöglichkeit des technischen Fortschrittes teilt Fourastié die Volkswirtschaft in die oben genannten Drei Sektoren ein. 1
3.1.2.2 Das Drei-Phasen-Modell
3.1.2.2.1 Fourastiés These über die „natürliche Struktur“
Durch Fourastiés zweite These entstand das so genannte Phasenmodell. „Die physische Struktur des menschlichen Körpers, seine Ortsgebundenheit, die Dauer seines Lebens und sein Ruhebedürfnis begrenzen seinen Verbrauch. Wer kauft Fleisch, das er nicht mehr essen, Bücher, die er nicht mehr lesen, Pferde, die er nicht mehr reiten, Autos, die er nicht mehr fahren kann?“ 3 . Damit bringt Fourastié zum Ausdruck, dass die Sättigung der eigenen Bedürfnisse zu einer Verschiebung der Nachfrage auf die noch nicht befriedigten Wünsche führt. Steigt der eigene Lebensstandard, so dass primäre Bedürfnisse, wie Ernährung erfüllt sind, so entstehen neue Bedürfnisse, die nicht unbedingt lebensnotwendig sind. Der Lebensstandard steigt durch ein erhöhtes Lohneinkommen oder dem technischen Fortschritt, der es z.B. möglich macht die Nahrungsmittelproduktion zu steigern. Je größer das Einkommen des Menschen ist, desto höher wird auch sein Bedarf an Dienstleistungen, so Fourastié. Der Mensch versucht seinen Geschmack zu verfeinern und die Differenz zu anderen zu zeigen. Eine Zunahme des Einkommens führt also zu Verschiebungen der Nachfrage zuerst zum sekundären und dann immer mehr zum tertiären Sektor (Strukturwandel) 4
3.1.2.2.2 Phasen des Modells
In der ersten Phase sind etwa 80% aller Beschäftigen im primären Sektor beschäftigt und jeweils 10% im sekundären und tertiären Sektor. In dieser Phase ist die
6
Gesellschaft noch kaum entwickelt. Der technische Fortschritt ist nicht vorhanden. Der Entwicklungsstand ist durch Unterproduktion und Nahrungsmittelmangel gekennzeichnet. Er entspricht dem europäischer Staaten im Mittelalter oder eines Entwicklungslandes. 5 Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt in dieser Phase beim Existenzminimum. Die Nachfrage nach lebensnotwendigen Gütern ist sehr stark ausgeprägt. 8
In der Phase der Übergangsperiode sind etwa 20% im primären, 50% im sekundären und 30% im tertiären Sektor beschäftigt. Diese Phase ist gekennzeichnet durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen (technischer Fortschritt), welche den Bedarf an Arbeitsplätzen im primären Sektor reduzieren. Die Nachfrage nach Maschinen steigt jedoch dafür im sekundären Sektor, was zu einer erhöhten Beschäftigungszahl im sekundären Sektor führt. Fourastié siedelt diese Phase etwa um 1800 beginnend an. In dieser Phase expandiert der sekundäre Sektor zunächst und geht schließlich in die Endperiode über, wobei die Beschäftigungszahl im sekundären Sektor dann wieder sinkt. Der tertiäre Sektor beginnt sich zu bilden. 6 Das Pro-Kopf-Einkommen liegt hier im Durchschnitt höher als in der traditionellen Zivilisation. Die Nachfrage beginnt sich zu differenzieren. Durch das steigende Einkommen erhöht sich auch die Nachfrage nach Gütern des sekundären Sektors. 8
In der letzten Phase des Drei-Phasen-Modells sind ca. 10% im primären, ca. 10% im sekundären und etwa 80% im tertiären Sektor beschäftigt. Die Nachfrage nach primären und sekundären Gütern ist größtenteils gesättigt, während im tertiären Sektor der „Hunger nach tertiärem“ immer größer wird, wodurch die Nachfrage nach Arbeitskräften in diesem Sektor steigt. Der primäre und sekundäre Sektor sind zunehmend der Automatisierung und Mechanisierung unterworfen, was den Bedarf an Arbeitskräften in diesen Sektoren schrumpfen lässt und somit Arbeitskräfte freisetzt. 7 In der Phase der tertiären Zivilisation steigt das Bedürfnis nach Bildung, Kultur und Freizeit. Das Einkommensniveau in dieser Phase ist nun sehr hoch. Die Nachfrage differenziert sich stark, wobei die Nachfrage nach sekundären und primären Produkten stark sinkt. 8
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Arbeit zitieren:
Marcus Forschepoth, 2006, Die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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