1. Einführung
168 Jahre ist sie alt: Unsere Nationalhymne. Ob bei Staatsbesuchen oder internationalen Fußballspielen, die Hymne repräsentiert uns zusammen mit der Deutschlandflagge im Ausland und wird bei öffentlichen Veranstaltungen der Bundesrepublik gespielt. 87 Jahre nach der ersten offiziellen Ernennung zur deutschen Nationalhymne ist das „Deutschlandlied“ bekannter als je zuvor.
Vor allem die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land hat ihren Teil dazu beigetragen. Plötzlich war die Hymne präsent: In Stadien, auf Straßen, in Kneipen - überall war „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zu hören. Selbst Fan-Schals und T-Shirts wurden mit dem historischen Text bedruckt - und verkauften sich.
Und das trotz der langen und bewegten Geschichte, die unsere Hymne hinter sich hat. Kaum ein Lied hat so lange Zeit überlebt wie das „Lied der Deutschen“, kaum ein anderes hat so viel mitgemacht: Mal war es verboten, mal war es erlaubt und mal hat es aus Verunsicherung nie-mand gesungen.
Was das „Deutschlandlied“ in der 168-jährigen Geschichte mitgemacht hat, wie es entstand und wie es schließlich zur Hymne der Bundesrepublik Deutschland wurde - damit beschäftigt sich diese Seminararbeit.
2. Nationalhymnen als Staatssymbole
Schwarz, Rot, Gold als Nationalfarben, der 3. Oktober als Nationalfeiertag und der Bundesadler als Nationalwappen: All das sind Staatssymbole der Bundesrepublik Deutschland. Sie fördern die Identifizierung der Bürger mit ihrem Staat und dienen der Selbstdarstellung der BRD im In- und Ausland. Gleichzeitig bringen sie „Traditionen, Werte und die politische Zusammengehörigkeit zum Ausdruck und fördern daher das Zugehörigkeitsgefühl der Bürger“. 1 Zwar ist unsere Nationalhymne, wie viele andere Staatssymbole, nicht im Grundgesetz verankert, trotzdem ist sie seit 1991 offizielles
1 siehe http://www.bundestag.de/blickpunkt/103_Parlament/0502/0502014.html (Be-
sucht am 26. Juni 2009)
Seite 2
Staatssymbol der Bundesrepublik Deutschland. 2 Egal ob in Fußballstadien oder bei Staatsfeierlichkeiten - wo immer sie seitdem erklingt, erzeugt sie ein starkes Gemeinschaftsgefühl unter den Bürgern. „Nationalhymnen verwurzeln ein Volk buchstäblich in der Tiefe seiner Kultur. Sie berühren den emotionalen Grundkonsens eines politischen Gemeinwesens.“ 3 Dadurch erreichen die jeweiligen Hymnen in ihrem Land so viele Bürger und sprechen ihnen aus der Seele. Gleichzeitig verraten sie dem Zuhörer aber auch viel über das Volk, das hinter der Hymne steckt. Sie spiegeln seine Charaktere, seine Geschichte oder die „brüchige Gegenwart“ wider. 4
3. Die Entstehung der deutschen Nationalhymne
3.1 Die Musik von Haydn
Ursprünglich war die Melodie unserer Nationalhymne gar nicht als solche vorgesehen. Geschrieben wurde sie nicht für Deutschland, sondern für den österreichischen Kaiser Franz II. 5 Joseph Haydn bekam 1797 in Wien den Auftrag, eine Melodie für den Kaiserhymnen-Text ‚Gott! erhalte Franz den Kaiser‘ zu komponieren. Ein paar Jahre zuvor lebte er für einige Zeit in England, wo er oft die Königshymne ‚God save the king‘ hörte. Inspiriert davon machte er sich an die Arbeit auch Österreich eine solche Hymne zu schenken. 6 Er schuf eine Melodie, die mit ihrem klassischen, choralhaften Tempo unverwechselbar klang - und auch heute noch klingt. Vorbilder dafür waren Haydn das kroatische Liebeslied ‚Vjutro rano‘ und der
2 vgl. Briefwechsel zwischen Bundespräsident von Weizsäcker und Bundeskanzler Dr.
Kohl im August 1991. Siehe:
http://www.bmi.bund.de/cln_144/DE/Ministerium/Protokoll/Archiv/nationalhymne_brief
wechsel_1991.html (besucht am 27. Juni 2009)
3 Häberle, Peter (2007): Nationalhymnen als kulturelle Identitätselemente des Verfas-
sungsstaates. Berlin: Duncker & Humblot. S. 115
4 vgl. Häberle, Peter (2007): Nationalhymnen als kulturelle Identitätselemente des Ver-
fassungsstaates. Berlin: Duncker & Humblot. S. 115
5 vgl. Höfele, Bernhard (2006): Deutsche Nationalhymnen. Norderstedt: Books on De-
mand, S. 9
6 vgl. Höfele, Bernhard (2006): Deutsche Nationalhymnen. Norderstedt: Books on De-
mand, S. 12
Seite 3
Salzburger Kirchenchoral ‚Christen singt mit frohem Herzen‘. „Erst die Haydn‘sche Bearbeitung verwandelte die beiden Lieder zu einer Melodie von künstlerischem Rang.“ 7 Haydn selbst war von seiner Schöpfung so begeistert, dass er sie später jeden Tag einmal spielte. 8 Weltweit ist die Bundesrepublik Deutschland heute der einzige Staat, der mit Joseph Hayden einen wirklich bedeutenden Komponisten seiner Nationalhymne hat. 9
3.2 Der Text von Hoffmann von Fallersleben
Der Text unserer heutigen Nationalhymne wurde erst 1841 - also 44 Jahre nachdem Haydn die Melodie komponiert hatte - von August Heinrich Hoffmann geschrieben, der sich ab seinem 42. Lebensjahr aufgrund seines Geburtsortes den Namenszusatz ‚von Fallersleben‘ gab. 10 Hoffmann von Fallersleben, Professor für Germanistik an der Bresslauer Universität, war begeistert von der Poesie. Wann immer er konnte, schrieb er neue Verse - darunter Stücke wie ‚Kuckuck, Kuckuck ruft‘s aus dem Wald‘, ‚Alle Vögel sind schon da‘ oder ‚Morgen kommt der Weihnachtsmann‘. „Aber Hoffmann von Fallersleben war bei aller Liebe zur Volkspoesie vor allem auch ein politischer Mensch.“ 11 In den 30er Jahren schrieb Hoffmann von Fallersleben vor allem politische Texte, die er 1840 in einem Sammelband veröffentlichte. Seine Texte riefen nach gesellschaftlichen und politischen Veränderungen„sein größter Wunsch jedoch war Deutschlands nationale Einheit.“ 12 Dieser Wunsch wurde im August 1841 größer. Hoffmann von Fallersleben war zur Erholung auf der damals englisch besetzten Insel Helgo- 7 Knopp,Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein Ver-
lag, S. 11
8 vgl. Höfele, Bernhard (2006): Deutsche Nationalhymnen. Norderstedt: Books on De-
mand, S. 12
9 vgl. Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein
Verlag, S. 11
10 (vgl).Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin:
Ullstein Verlag, S. 22
11 vgl. Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein
Verlag, S. 21, 22
12 vgl. Knopp, Guido & Kuhn, Ekkehard (1988): Das Lied der Deutschen. Berin: Ullstein
Verlag, S. 23
Seite 4
Arbeit zitieren:
Benjamin Gust, 2009, Einigkeit und Recht und Freiheit - die komplette Geschichte der deutschen Nationalhymne, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Einigkeit und Recht und Freiheit: zur musikalisch-politischen Geschich...
Hausarbeit, 12 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Benjamin Gust's Text Einigkeit und Recht und Freiheit - die komplette Geschichte der deutschen Nationalhymne ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Benjamin Gust hat den Text Einigkeit und Recht und Freiheit - die komplette Geschichte der deutschen Nationalhymne veröffentlicht
Benjamin Gust hat einen neuen Text hochgeladen
Gott und Gestirn als Präsenzformen des toten Kaisers
Apotheose und Katasterismos in...
Christian Bechtold
Probleme des deutschen, europäischen und japanischen Rechts
Festschrift aus Anlass des 20-...
Bernhard Großfeld, Koresuke Yamauchi, Dirk Ehlers, Toshiyuki Ishikawa
0 Kommentare