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6 Handungsempfehlungen 19
6.1 Ansatzpunkte 19
6.2 Projektmanagementansätze - Improvisation inklusive 21
6.2.1 Scrum 21
6.2.2 Kritische Kette 23
7 Fazit 25
Quellenverzeichnis 27
4 / 32 Prolog
Zugegeben, dieser Einstieg ist provokativ, aber „in China, Brasilien, in den Vereinigten Staaten und auch bei den europäischen Nachbarn gilt der Deutsche als höchste Entwicklungsstufe bei den ordnungsliebenden Lebewesen. Ein Mensch, der gern genau weiß, wie es kommt, wann und zu welchen Kosten. Einer, der ganz genau sagen kann, wann wo an welcher Schraube gedreht wird und zu welchem Zweck. Jahre vorher. Darauf ist Verlass. Es ist ein Mythos, an dem niemand ernsthaft zweifelt. Die Deutschen sind Meister im Planen“ (LOTTER 2008, 54). Dieses Bild hat sich fest verankert und die Improvisation verbannt - zumindest offiziell.
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Abbildungsverzeichnis
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1 Begriffsabgrenzung
1.1 Projektmanagement
Das Projektmanagement ist eine Organisationsform, die für die Projektabwicklung geeignet ist. Projekte sind naturbedingt „komplexe, innovative und einmalige Aufgabenstellungen“ (vgl. LITKE 2008, 8). Dabei müssen die drei zentralen Ziele stets vom Team im Blick behalten werden (siehe Abbildung 1). Da sich die Ziele Qualität, Projektendtermin und Projektkosten gegenseitig beeinflussen, hat man es mit einer komplexen Situation zu tun.
Das magische Dreieck des Projektmanagements
Quelle: vgl. LITKE 2008, 16
Aufgrund der Komplexität ist man selten mit Fragen konfrontiert, die sich schlicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen und deren Auswirkungen berechenbar sind. Es ist daher vollkommen natürlich, dass unvorhergesehene Ereignisse eintreffen, die einer improvisierten Handlung bedürfen. Diese Projekteigenschaft bestätigte sich auch im Rahmen eines fiktiven Softwareprojekts. „Alex sagte - wie die meisten Teilnehmer -, dass negative Überraschungen bei den meisten seiner Projekte mittlerweile leider der Normalfall seien“ (vgl. SENGUPTA 2008, 91).
1.2 Improvisation - Der Versuch einer Definition
Laut Duden bedeutet „improvisieren, etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif tun; mit einfachen Mitteln herstellen, verfertigen“ (vgl. Duden 2001, 428) - klingt eher negativ.
„Das englische „to improve“ wird mit verbessern übersetzt“ (vgl. PONS 2001, 631) - also doch positiv?
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„Das italienische „improvviso“ steht für unerwartet, unverhofft oder überraschend, plötzlich, spontan“ (vgl. Pons 1999, 393) - kann für beides stehen.
„Für die Römer bedeutete im proviso so viel wie vorhersehen. Das heißt auch, dass der Improvisator schlau ist, schnell erkennt, wie die Dinge neuerdings laufen“ (vgl. LOTTER 2008, 57) - gefällt mir. Diese Definition beinhaltet nämlich auch, was beständig ist und heutzutage besonders schnell vor sich geht - der Wandel. Und der Improvisator erhält eine aktive Rolle, er beobachtet aufmerksam.
LOTTER beschreibt die Improvisation auch als “das wirkliche Leben“ (LOTTER 2008, 57), als „Feintuning“ (LOTTER 2008, 58), als „einfach, praktisch, klar“ (LOTTER 2008, 59).
2 Improvisation - Und es gibt sie doch
Man neigt dazu, sich innerhalb von vorgegebenen oder eigenen Rahmen zu bewegen. Um die Berechtigung bzw. Natürlichkeit der Improvisation zu zeigen, wird es nicht ausreichen, im Rahmen „Projektmanagement“ nach Belegen zu suchen. Wir blicken also über den Rahmen hinaus und finden die Lösung einer bekannten Denksportaufgabe (siehe Abbildung 2) bzw. zahlreiche Beispiele für etablierte Improvisationen.
Denksportaufgabe: Die im Quadrat geordneten neun
Punkte sind durch vier gerade, in einem Zug zu
zeichnenden Linien zu verbinden
Quelle: vgl. MEHRMANN 1994, 25f
Abbildung 2
2.1 Improvisation im Alltag
Sie stehen in der Bäckerei, sollen für eine Kollegin eine Kürbisbrezel mitbringen. Kürbisbrezeln sind aus. Die Kollegin ist weder telefonisch erreichbar noch würden die Leute in der Schlange ein Telefonat und die damit verbundene Wartezeit begrüßen. Sie rufen sich die
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Essgewohnheiten Ihrer Kollegin in Erinnerung und entscheiden sich für eine vermutlich passende Alternative. Sie haben improvisiert. Voraussetzung für eine erfolgreiche Improvisation: Achtsamkeit, Entscheidung, Handlung.
2.2 Improvisation in der Natur
„Bienenschwärme verständigen sich überaus effektiv und haben es auf diese Weise zu einer nahezu perfekten Kommunikation gebracht. Die ganze Organisation im Bienenvolk gründet auf einem ausgewogenen Zusammenwirken von Spezialisten (eigene Anmerkung: interdisziplinär = Projektteam). Jede der etwa 5.000 Bienen eines Volkes (eigene Anmerkung: = 5.000 Mitarbeiter eines mittelständischen Unternehmens) reagiert etwas anders auf bestimmte Umwelteinflüsse oder Handlungen der Genossinnen. Diese Individualität wird durch die besonderen Beziehungen untereinander so kanalisiert, dass sie zu Mehrwert führt. Auch bei der Bewältigung von Krisen leisten Bienen Eindruckvolles. Man improvisiert, verändert in Windeseile bestehende Strukturen, um Neues und zunächst Unverständliches in das Bestehende einzugliedern. Es sind die Klein- und Kleinstentscheidungen im Bienenvolk, die das System am Laufen halten (eigene Anmerkung: Improvisation als Feintung, siehe Kapitel 1.2)“ (vgl. RISSBACHER 2008, 148ff). Voraussetzung für eine erfolgreiche Improvisation: Kommunikation, Teamwork, Schnelligkeit, Flexibilität, Akzeptanz, Entscheidung, Handlung.
2.3 Improvisation in Gefahrensituationen
„Chesley Sullenberger erlebte ein aufregendes Gefühl, das ihn zur Hochleistung trieb, als am 15. Januar 2009 Wildgänse die beiden Triebwerke seines Airbus A 320 verstopften. Während er über New York wendete, um zuletzt weich auf dem Wasser des Hudson zu landen, fühlte er sich nicht gerade frei von Angst, wie er später erzählte - das Schicksal von 155 Passagiern lag in seinen Händen, wie auch sein eigenes. Doch er war umfassend ausgebildet und erfahren. Mit seinem Manöver hat er
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Menschenleben gerettet - und einen lange währenden Streit befeuert: Wie weit sollte der Luftverkehr automatisiert werden?“ (vgl. JASNER 2009, 55f) Voraussetzung für eine erfolgreiche Improvisation: Achtsamkeit, Ausbildung, Erfahrung, Handlungsspielraum, Entscheidung, Handlung.
2.4 Improvisation in der Musik
„In der alten Musik gehörte das Improvisieren zum selbstverständlichen Handwerk. Ein Jazzer greift einen altbekannten Standard auf, um ihn stets neu zu erfinden. Ein indischer Musiker wiederholt Jahrtausende alte Strukturen und lässt sie dennoch neu und zeitgenössisch werden“ (vgl. PANDOLFO 2009, Kunst der Improvisation). Voraussetzung für eine erfolgreiche Improvisation: Ausgangsbasis, Entscheidung, Handlung.
2.5 Improvisation im Sport
„Die Prüfungsabsagen in Wales haben gezeigt, dass perfekt ausgefeilte Regeln auch Nachteile haben: Was den Rallyesport ausmacht, geht verloren. Da es mit dem erlaubten Material zu gefährlich geworden wäre, wurden zwei Prüfungen ganz gestrichen, vier weitere massiv gekürzt. Der Sport mache sich lächerlich, hieß es, die Teamchefs forderten lautstark, dass bei extremen Verhältnissen vom starren Reglement abgewichen werden darf. Rallye hat sehr, sehr lange davon profitiert, dass sie immer mit 50-Prozent-Lösungen leben konnte. Der Rest wurde improvisiert, beim Fahren, beim Reifen, beim Fahrwerk, beim Zuschauen und so weiter. Jetzt aber versucht man, das Ganze so perfekt zu machen wie auf der Rennstrecke - und das funktioniert nicht“ (vgl. WEDDIGE 2009, Reifenreglement: Mehr Mut zur Improvisation). Voraussetzung für eine erfolgreiche Improvisation: Achtsamkeit, Handlungsspielraum, Entscheidung, Handlung.
2.6 Improvisation auf der Bühne
„Die Regeln sind beim Spielen kein einengendes Hindernis, sondern gerade die Leitplanke … Vorausgesetzt, die Theaterteams sind der
Arbeit zitieren:
Michaela Werther, 2009, Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt - Improvisation im Projektmanagement, München, GRIN Verlag GmbH
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