Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Victor Hugo: Les Misérables. 4
2.1 Les Misérables. 4
2.2 Jean Valjean - der Erzengel’ 5
2.3 Inspektor Javert - der Erzteufel’ 8
2.4 Resümee 11
3. „Les Misérables“ - „Les Mis“ 13
3.1 Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg: „Les Misérables“ 13
3.2 Jean Valjean. 14
3.3 Inspektor Javert 15
3.4 „Les Mis“ am Broadway 16
3.5 Jean Valjean. 17
3.6 Javert. 18
3.7 Resümee 20
4. Fazit 21
5. Literaturverzeichnis. 24
5.1 Primärliteratur. 24
5.2 Sekundärliteratur 24
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1. Einleitung
Mit Les Misérables veröffentlichte Victor Hugo 1862 seinen sechsten und zugleich erfolgreichsten Roman. Bereits 1829 hatte er begonnen, über einen Roman nachzudenken, der auf das zunehmende Elend der proletarisierten Arbeitermassen in Paris aufmerksam machen sollte. 1 Anlass war eine Szene, die er in Paris beobachtete: Ein armer Mann wurde auf der Straße festgenommen, weil er ein Stück Brot gestohlen hatte. Hugo sah in diesem Mann: „das Gespenst des Elends, es war - am helllichten Tag - die unförmige, düstere Erscheinung einer Revolution, die noch in die Finsternis eingetaucht ist, aber kommen wird.“ 2 Das existierende Elend war für Hugo der sichere Hinweis auf eine bevorstehende Revolution. In den Jahren bis zu der Veröffentlichung von Les Misérables entwickelte sich die ursprüngliche Idee unter dem Eindruck von Hugos Erfahrungen, die seine Lebensphilosophie formten. Einen großen Einfluss hatte hierbei der politische Wandel, der die Ideologie des Autors stetig neu prägte. Seit frühester Kindheit spielten politische Spannungen eine große Rolle in Hugos Leben. Sein Vater war napoleonischer Offizier und somit ein Verfechter der französischen Revolution. Die Mutter war nach den Idealen der französischen Aufklärung erzogen worden, nach denen sie später auch ihre Söhne erzog. Sie war eine Gegnerin Napoleons. 3 Auf der unsicheren Basis dieser politischen Gegensätze entwickelte sich Hugo als politischer Mensch und er wechselte im Laufe seines Lebens mehr als einmal die politische ‚Seite’. Hugo, der früh begonnen hatte literarische Texte zu veröffentlichen, sah sich als 19jähriger noch als „Sänger der Restauration“ 4 - knapp vier Jahre später (ab 1825) vollzog er seine erste Wende und näherte sich ideologisch an die Anhänger Napoleons an. 5 Er bezeichnete nun seinen eigenen literarischen Standpunkt, die Epoche der Romantik, als „Liberalismus der Literatur“ 6 .
Bereits Hugos erste Publikationen fanden die Anerkennung seiner Zeitgenossen und so wurde er gerade einmal 20-jährig zum „führenden Literaten“ 7 der französischen Romantik. Neben seinem schriftstellerischen Erfolg gewann Hugo schnell an politischem Einfluss. Während seiner langen politischen Karriere wechselte Hugo zwar häufiger die politische Einstellung und musste 1851 sogar ins politische Exil 8 ; spätestens seit der Veröffentlichung von Les
1 Vgl. Karlheinrich Biermann: Victor Hugo. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag 1998, S. 102.
2 Zitiert nach: Biermann (1998): Victor Hugo, S. 69.
3 Vgl. Biermann (1998): Victor Hugo, S. 10-11; 16.
4 Biermann (1998): Victor Hugo, S. 22.
5 Vgl. Biermann (1998): Victor Hugo, S. 29-30.
6 Vgl. Biermann (1998): Victor Hugo, S. 40.
7 Biermann (1998): Victor Hugo, S. 23. Mit 28 Jahren galt Hugo schließlich als unbestrittener Anführer der französischen Romantik. Vgl. Biermann (1998): Victor Hugo, S. 41. Mit Notre-Dame de Paris schrieb er im Alter von 29 Jahren einen der bedeutendsten historischen Romane Frankreichs.
8 Hugo wurde häufig der Vorwurf des Opportunismus gemacht. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass er in einer Zeit des extremen politischen Wandels lebte. Vgl. Wolf Lepenies: „Ein Koloss im 19. Jahrhundert.“ In:
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Misérables galt er aber als Fürsprecher des Volkes und der Benachteiligten. Im Zuge der Industrialisierung der 30er und 40er Jahre hatte sich Hugo von seinem subjektiven romantischen Standpunkt abgewendet - hin zu einer realistisch geprägten Sicht auf die Gegenwart. 9 Dieser deutlich auf eine kritische Beobachtung der Realität gerichtete Blick prägt Les Misérables und auch die nachfolgenden Werke Les travailleurs de la mer (1866) und Quatre-vingt-treize (1874). Bereits im Vorwort von Les Misérables formuliert Hugo die dem Roman zugrundeliegende Ideologie:
Solange es kraft Gesetz und Sitte eine soziale Verdammnis gibt, die inmitten unserer Zivilisation künstlich Höllen schafft und der göttlichen Vorsehung ein menschliches Fatum hinzufügt, solange die drei Probleme des Jahrhunderts, die Entwürdigung des Mannes durch das Proletarierdasein, die Schändung des Weibes durch den Hunger, die Verwahrlosung des Kindes durch die geistige Finsternis, in der es gehalten wird, solange diese drei Probleme nicht gelöst sind, [...] solange auf Erden Unwissenheit und Elend herrschen, dürften Bücher wie dieses nicht überflüssig sein. 10 Hugo benennt die zwei wichtigsten Grundgedanken, auf deren Basis die Aussage des Romans fußt: die Gewissheit um eine göttliche Existenz, die das menschliche Schicksal bestimmt und die Annahme, dass das existierende Elend in Form von künstlich geschaffenen Höllen durch die Hand des Menschen entsteht.
Neben der politischen Ausrichtung von Les Misérables, - Hugo möchte mit dem Roman auf vorherrschende Missstände aufmerksam machen - tritt eine den Roman durchziehende religiöse Ausrichtung. Hugo bezeichnet die Justiz als Gegenspieler der göttlichen Vorsehung; personifiziert werden diese beiden ‚Pole’ in den Protagonisten Jean Valjean und Inspektor Javert. Es ist ein großer Dialog zwischen Mensch und Gott, den Hugo mit seinem Roman aufmacht; eine Thematik, die nicht an Aktualität verliert. Hieraus lässt sich erklären, dass es zu einer Vielzahl von Adaptionen von Les Misérables kam, in Form von Theaterstücken, Verfilmungen und dem weltberühmten Musical „Les Misérables“. Letzteres möchte ich in dieser Hausarbeit näher betrachten. Hierbei nehme ich die Songtexte der französischen und der englischen Musicalversion als literarische Grundlage. 11 Das französische Musical „Les Misérables“ ist die ursprüngliche Musicalfassung des Romans. Es wurde 1980 in Paris uraufgeführt und lieferte die Grundlage für alle folgenden Musicaladaptionen. Die Fragestellung meiner Arbeit wird sein, inwiefern der dichotome Entwurf Hugos, der sich in
Ernst-Gerhard Güse (Hg.): Victor Hugo. Visionen eines Schriftstellers. Weimar: Klassik-Stiftung Weimar 2008, S. 21-27, S. 21.
9 Vgl. Biermann (1998): Victor Hugo, S. 44.
10 Victor Hugo: Les Misérables. Die Elenden. Berlin: Aufbau Verlagsgruppe 2007 [1862], S. 5. Ich werde in dieser Arbeit aus der deutschen Übersetzung des Romans zitieren. Im Folgenden wird nach dieser Ausgabe im laufenden Text mit der Sigle H und der entsprechenden Seitenzahl zitiert. Die jeweilige Seitenzahl aus der französischen Originalausgabe: Victor Hugo: Romans: Les Misérables. Paris: Éditions du Seuil 1963, S. 7. werde ich im Folgenden im laufenden Text, allerdings nur bei Zitaten, mit der Sigle O und der entsprechenden Seitenzahl beifügen.
11 Da es keine ‚Eins-zu-eins-Übersetzung’ der französischen Songtexte gibt, werde ich sie in dieser Arbeit im Original zitieren. Ich entnehme sie dem Booklet des „Original French Concept Album“, einer extra eingesungenen Fassung des Musicals.
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seinen Protagonisten Valjean und Javert personifiziert, in den Musicalfassungen umgesetzt ist bzw. ob in „Les Misérables“ eine Veränderung der Charaktere vorgenommen wurde. Hierzu werde ich zuerst mit einer Charakterisierung der Romanfiguren beginnen, um ihnen dann eine Charakterisierung der Musicalfiguren vergleichend gegenüberzustellen. In dem abschließenden Fazit werde ich die Ergebnisse zusammenbringen. Es wird des Weiteren zu untersuchen sein, welchem Zweck die möglichen Veränderungen der Charaktere in den Musicalfassungen folgen.
2. Victor Hugo: Les Misérables
2.1 Les Misérables
Hugo veröffentlichte 1862 den in literarischer Prosa verfassten Roman. Die Veröffentlichung erregte großes Aufsehen in Paris, nicht zuletzt wegen der umfassenden Bewerbung des Romans durch weiträumig angebrachte großflächige Porträts der Hauptfiguren, gemalt von Emile Bayard. 12 Der Roman wurde schnell ein unglaublicher Publikumserfolg, weniger Lob erntete er bei den Kritikern und zeitgenössischen Schriftstellern. 13 Viele der Rezensionen hatten einen eher reaktionären Ton und kritisierten das angeblich subversive Wesen des Romans. 14 Trotz des offensichtlichen religiösen Gehalts wurde Les Misérables vom Vatikan für einige Jahre gebannt. 15 Probleme mit der Zensur bekam Hugo hingegen nicht, im Gegensatz zu Flaubert, dem nur fünf Jahre zuvor wegen Madame Bovary der Immoralismusprozess gemacht wurde. Wahrscheinlich kam ihm hierbei der religiöse Tenor zugute. 16
Die komplexe Handlung des Romans ist eingefasst in einen Rahmen aus historischer, philosophischer und politischer Theorie. Winfried Engler sieht in diesen stetig den Erzählfluss durchbrechenden Exkursen eine „fast schon chaotische Verkettung von Erzähleinheiten.“ 17 Eine Mischung aus unterschiedlichen Formen bzw. Diskursen prägt den Stil des Romans und
12 Vgl. Jörg W. Rademacher: Victor Hugo. München: dtv 2002, S. 138.
13 Vgl. Biermann (1998): Victor Hugo, S. 106.
14 Vgl. Edward Behr: The Complete Book of Les Misérables. New York, NY: Arcade Publishing 1989, S. 39.
15 Vgl. Tanja Ogryssek: Les Misérables: Buch - Film - Musical. Eine sozialtheologische Interpretation. Berlin: LIT Verlag 2008, S.31.
16 Vgl. Winfried Engler: Geschichte des französischen Romans. Von den Anfängen bis Marcel Proust. Stuttgart: Kröner 1982, S. 330.
17 Engler (1982): Geschichte des französischen Romans, S. 330.
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führt in einigen Ausprägungen zu einer Fiktionalisierung des realistischen Anspruchs. 18 Der Roman scheint das „Ergebnis eines umfassenden Erinnerungsprozesses“ 19 zu sein. In der zumeist chronologisch erzählten Handlung entspinnt Hugo ein dicht gewobenes Netz von Verbindungen zwischen den einzelnen Figuren. Vereinfacht wird die Lektüre des umfangreichen Textes durch die Einteilung in fünf Teile, die ihrerseits wieder in Bücher und Kapitel unterteilt sind. Das Klientel des Romans entstammt zum größten Teil dem ‚Prekariat’; durch das Aufeinandertreffen dieser „Elenden“ mit den Angehörigen höherer Stände wird deutlich, wie marginal der Unterschied ist und dass die Stände vielmehr ein künstliches menschliches Produkt sind, als eine gottgemachte Hierarchie. Hugo möchte mit dem Roman durch seine Darstellung der einzelnen gesellschaftlichen Schichten die ‚Menschheit’ als standesüberschreitende Klassifikation etablieren.
2.2 Jean Valjean - der ‚Erzengel’
Jean Valjean gehört zu den wichtigsten Figuren des Romans. Sein Erleben leitet zu einem große Teil die Handlung des Romans. Valjeans Charakter durchläuft im Laufe des Romans die größte Entwicklung. Es findet sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht eine charakterliche Inversion statt. 20 Die erste Inversion geschieht durch die Erlebnisse Valjeans im Straflager. Nachdem er im Bagno eine 19jährige Haftstrafe verbüßt hat, kommt er als moralisch geschädigter und gebrochener Mann in die ‚Freiheit’, die „scharfe Schrift des Elends“ hat sich in sein Gesicht eingeschrieben (H 45/O 35). Dass seine Verurteilung in keinem Verhältnis zu dem von ihm begangenen Delikt steht (er hatte aus der Not heraus ein Stück Brot gestohlen, um die Kinder seiner Schwester ernähren zu können (H 58/O 43)), zeigt, dass die eigentliche ‚Schuld’ an dieser Haftstrafe nicht Valjean selbst, sondern die Justiz trägt. Der Erzähler beurteilt dies wie folgt: „Es gibt in unserer Zivilisation furchtbare Augenblicke - jene Momente, da der Schiffbruch des Menschen durch die Justiz feierlich verkündet wird.“ (H 59/O 43). Seine Freilassung ist für Valjean nicht gleichbedeutend mit einer ‚Entlassung in die Freiheit’, die Gesellschaft verstößt ihn und seine eigene Selbstdefinition ist untrennbar mit seiner Sträflingsvergangenheit verbunden. „Man verläßt das Strafhaus, aber die Verurteilung kann man nicht loswerden.“ (H 63/O 48). Einige Zeit
18 Vgl. Mario Vargas Llosa: Victor Hugo und die Versuchung des Unmöglichen. Frankfurt/Main: Suhrkamp 2006, S. 29.
19 Biermann (1998): Victor Hugo, S. 103. Eine interessante Frage ist, wer sich hierbei erinnert. Die Erzählerfigur ist, obwohl es ein auktorialer Erzähler ist, erstaunlich deutlich herausgearbeitet. Der Stil erhält durch die „expandierende Erzählerrede“ eine sehr eigene Prägung. (Peter Heidenreich: Textstrategien des französischen Sozialromans im 19. Jahrhundert am Beispiel von Eugene Sues Les Mysteres de Paris und Victor Hugos Les Miserables. München: tuduv Verlagsgesellschaft 1987, S. 105.)Vargas Llosa hat sich in seinem Essay sehr ausführlich mit der Erzählerfigur in Les Misérables auseinandergesetzt: Vgl. Llosa (2006): Victor Hugo und die Versuchung des Unmöglichen, S. 20-43.
20 Vgl. Laurence M. Porter: Victor Hugo. New York, NY: Twayne Publishers 1999, S. 135.
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nach seiner Freilassung stellt er sich immer noch als Sträfling vor: „[...I]ch heiße Jean Valjean. Ich bin Galeerensträfling.“ (H 50/O 39).
Die zweite Inversion findet bereits kurz nach seiner Entlassung statt. Valjean trifft auf Myriel, den Bischof von Digne, welcher ihn - entgegen seiner Erwartung - bei sich aufnimmt. Durch den moralischen Einfluss des Bischofs kommt es zu einer Art Bekehrung Valjeans, welche jedoch erst im Laufe des Romans zur vollen Entfaltung kommt. Myriels vorbildhaftes Verhalten gibt dem ehemaligen Sträfling ein neues, christliches Selbstverständnis. 21 Myriel wird in Les Misérables als ein tugendhafter Mensch beschrieben, der das Leben eines ‚Heiligen’ führt. Die Begegnung mit ihm ist für Valjean der Beginn einer „geistigen Wanderschaft“ 22 ; der Bischof nimmt ihm das Versprechen ab, sein Leben zu ändern: Jean Valjean, mein Bruder, Sie gehören nicht mehr zu dem Bösen, sondern dem Guten. Ich kaufe Ihre Seele. Ich entziehe Sie den schwarzen Gedanken und dem Geist der Verderbnis und überantworte Sie Gott! (H 70/O 51)
Valjean führt sein weiteres Leben wie in einer ‚imitatio’ Myriel 23 ; sein Handeln wird von den christlichen Tugenden geleitet. Er ändert seinen Namen in Pére Madeleine und gibt sich selbstlos und barmherzig; er legt viel Wert auf Sittenreinheit und kümmert sich um die Bedürftigen in der Gesellschaft (H 95-96). Diese zweite Form der Inversion ist so tiefgreifend, dass sie vielmehr als Transfiguration, denn als Transformation zu bezeichnen ist. 24 Sein Dasein ist geprägt von der Gewissheit um die göttliche Existenz, er verzichtet auf jegliche Art von Glück und lebt keusch, in „Enthaltsamkeit und Nüchternheit“ 25 . Sein Leben opfert er den Menschen, die ihm nahe stehen, in erster Linie der jungen Cosette, die er bei sich aufnimmt und erzieht.
Obwohl sein Leben von etlichen Unwägbarkeiten geprägt ist, überlässt Valjean sein Schicksal Gott. Die starke Ausprägung seines Gottvertrauens beweist sich bei der Planung seiner Flucht vor dem Polizeiinspektor Javert, die ein wesentlicher, die Handlung vorantreibender Aspekt des Romans ist. Der Inspektor hat es zu seiner Lebensaufgabe gemacht, Valjean zu finden und ihn wieder festzusetzen. 26 Bei der Flucht vor Javert geht Valjean, für den es um Leben und
21 Vgl. Kathryn M. Grossman: Figuring Transcendens in Les Misérables: Hugo’s Romantic Sublime. Carbondale, Ill.: Southern Illinois Univ. Press 1994, S. 142.
22 Vgl. Engler (1982): Geschichte des französischen Romans, S. 331.
23 Vgl. Heidenreich (1987): Textstrategien des französischen Sozialromans, S. 133.
24 Vgl. Grossman (1994): Figuring Transcendens in Les Misérables, S. 143.
25 Llosa (2006): Victor Hugo und die Versuchung des Unmöglichen, S. 83. Grossman schreibt, Valjean erscheine aufgrund seiner Asexualität beinahe androgyn. Für die junge Cosette, die er aus ihrem Elend befreit und aufzieht, ist er sowohl Vater- als auch Mutterfigur. Vgl. Grossman (1994): Figuring Transcendens in Les Misérables, S. 139. Aus dieser Keuschheit resultiert eine extreme körperliche Stärke, die sich bis ins hohe Alter erhält. So schafft es Valjean, den verletzten Marius auf dem Rücken durch die Kloake von Paris zu tragen (H 526); in dieser Szene scheint seine Kraft nahezu unmenschlich und er ist von „einem himmlischen Licht erleuchtet“ (H 531/O 497).
26 In gewisser Weise ist Jean Valjean ein flüchtiger Sträfling, da er nicht der Auflage nachkommt, sich regelmäßig bei der Justiz zu melden. Statt dessen versucht er, durch die Annahme eines neuen Namens Valjean
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2009, Justiz als menschliche Hybris gegen die göttliche Vorsehung, München, GRIN Verlag GmbH
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