Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Inhalt, Form und Metrik
2.1 Inhalt, Form und Metrik in „Winterfreuden“ 2-4
2.2 Parallelen und Differenzen in Inhalt, Form und Metrik in
„Der Eislauf“ 4-6
3. Perspektiven, Anredestrukturen und Zeiten
3.1 Perspektiven, Anredestrukturen und Zeiten in „Winterfreuden“ 6-9
3.2 Parallelen und Differenzen in Perspektive, Anredestruktur und Zeit in
„Der Eislauf“ 9-11
4. Bildlichkeit und Stilmittel
4.1 Bildlichkeit und Stilmittel in „Winterfreuden“ 11-13
4.2 Parallelen und Differenzen in Bildlichkeit und Stilmittel in „Der Eislauf“
S. 13-15
5. Resümee 15-16
6. Literaturverzeichnis S 17
1. Einleitung
Das Schlittschuhfahren als gesellschaftliches sowie als kreativ motivierendes Phänomen spielt in der Lyrik des mittleren bis späten 18. Jahrhunderts eine besondere Rolle. Speziell die Oden „Winterfreuden“ von 1797 und „Der Eislauf“ von 1764 von Friedrich Gottlieb Klopstock dokumentieren eindrucksvoll den in allen Belangen höchst anregenden Effekt des Schlittschuhlaufens auf Körper und Geist sowie die Erfahrung grenzenloser Freiheit zu einer Zeit, die in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen von starken Restriktionen geprägt war. 1 Im ersten Kapitel dieser Arbeit werden beide Oden auf formaler, inhaltlicher und metrischer Ebene untersucht, unter der Frage, ob und in welcher Weise die Form bereits in einem Zusammenhang mit dem Inhalt steht. Dazu werden Parallelen und Differenzen zwischen den Oden aufgezeigt. Im zweiten Kapitel stehen die Perspektiven, die Anredestrukturen und die Zeiten im Mittelpunkt des Interesses. Es werden Parallelen und Differenzen im Wechsel der Anredestrukturen und der Perspektiven dargelegt und Verbindungen zwischen inhaltlichen Aspekten und dem Wechsel von Anredestrukturen aufgezeigt. Im letzten Kapitel werden sprachliche Bilder und Stilmittel aufgezeigt, welche in beiden Oden nahezu identisch eingesetzt werden.
Es soll gezeigt werden, daß auf allen Ebenen eine Vielzahl von Parallelen zwischen beiden Oden existieren. Das lyrische Ich drückt jeweils seine Freude am Schlittschuhlaufen und die damit verbundene Erfahrung von Freiheit und Gesundheit aus. Die Tatsache, daß das Schlittschuhlaufen in beiden Oden demnach eine besonders intensive Bedeutung für das lyrische Ich besitzt, soll ebenso innerhalb der folgenden Kapitel deutlich gemacht werden, wie die enge Verbindung zwischen dem Inhalt und der Intention und fast allen Bausteinen der Oden.
1 vgl. Albert, Claudia: Dichten und Schlittschuhlaufen: eine poetologische Betrachtung von Klopstocks Eislaufoden. In: LessingYb. 26. 1994. 1995. S. 89.
1
2. Inhalt, Form und Metrik
2.1 Inhalt, Form und Metrik in „Winterfreuden“
Die Untersuchung der Oden auf Parallelen und Differenzen beginnt mit der Analyse von Inhalt, Form und Metrik in „Winterfreuden“.
Die Ode „Winterfreuden“, welche aus nur einer Strophe und insgesamt 32 Versen besteht, läßt sich inhaltlich in drei Teile einteilen. Sie beginnt mit zwei Fragen, die ein lyrisches Ich stellt. In den Versen eins bis zwei fragt es, ob es wohl nie wieder der Beschäftigung des Schlittschuhlaufens nachgehen können wird. Im Anschluß an diese Fragen beginnt der zweite Teil der Ode. Das lyrische Ich beginnt damit, einzelne Erinnerungen und Begebenheiten aufzuzählen, die es mit dem Vergnügen des Schlittschuhlaufens in Verbindung bringt, beschreibt aber zuvor noch, daß seine Schlittschuhe nun verrostet und unbrauchbar herumliegen würden. Es werden die Vielzahl schöner Tage und Nächte sowie beeindruckende Naturerfahrungen beschrieben, die während des Schlittschuhlaufens erlebt wurden. Im Anschluß daran richtet sich der Blick Ereignissen zu, die in Verbindung mit Freunden und Gleichgesinnten erlebt wurden. Und das lyrische Ich beschreibt, welch ungeheure Wirkung das Schlittschuhfahren auf ihn hatte. Er beschreibt es als Quell längeren Lebens und als Grund für körperliche Gesundheit. 2 Im Anschluß daran beschreibt das lyrische Ich einige spezielle Momente, in denen dieses Gefühl körperlicher Gesundheit besonders deutlich zu spüren war.
Der zweite inhaltliche Einschnitt erfolgt ab dem Vers 24, denn nun richtet sich der Blick des lyrischen Ichs von den bislang beschriebenen allgemeinen Momenten während des Schlittschuhfahrens auf ein bestimmtes einmaliges Erlebnis. Es erinnert einen tragischen Moment, in dem sich das lyrische Ich unwissend auf zu dünnes Eis wagte und infolgedessen einbrach. Es beschreibt weiter seine Rettung durch eine gewisse Person namens Beindorf, bei der es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Freund des lyrischen Ichs handelt. In den letzten drei Versen, welche eine weitere inhaltliche Zäsur darstellen, wendet sich das lyrische Ich noch einmal seinem mittlerweile verstorbenen Retter Beindorf direkt zu und dankt ihm für die Rettung. Neben einer eindeutigen oder regelmäßigen Verseinteilung verzichtet Klopstock auch auf jegliche Form eines Reimschemas. Klopstock selbst bezeichnete den Reim
2 vgl. Hilliard, Kevin: Klopstock in den Jahren 1764-1770: metrische Erfindung und die Wiedergeburt der Dichtung aus dem Geiste des Eislaufs. In: SchillerJb. 33. 1989. S. 178.
2
als „plumpes Wörtergepolter“ 3 , was das Fehlen eines Reimschemas logisch erscheinen läßt. Der Unterschied zur Prosa ist daher noch am deutlichsten erkennbar durch das formale Layout, das heißt durch frei gewählte Zeilenumbrüche inmitten der Seite. Klopstock verzichtet des weiteren auf ein festes Metrum, was zur Folge hat, daß es sich um eine freirhythmische Ode handelt. 4 Dies bedeutet, es folgt keiner festen Regel für die Verteilung von Hebungen und Senkungen. Durch den Verzicht auf ein festes Metrum wirken die Ode und deren Sprache sehr ungebunden und frei, denn die Länge der einzelnen Verse und die Wortwahl sind in diesem Fall keinerlei Regel oder Vorgabe untergeordnet. Diese Beobachtung läßt sich eindrucksvoll mit dem Inhalt der Ode in Zusammenhang bringen und dem ungezwungenen Gefühl beim Schlittschuhlaufen, welches das lyrische Ich beschreibt. Ähnlich argumentiert auch Katrin Kohl auf textanalytischer Ebene, wenn sie die Metrik als Mitausdruck des Inhalts darstellt: „Bestimmend ist [...] das Ziel, die deutsche Metrik [...] zu einem differenzierten Instrument des ´Mitausdrucks´ zu machen und die Kraft des Rhythmus expressiv zu nutzen“. 5 Die Form und die Metrik sind demnach nicht losgelöst vom Inhalt, sondern unterstützen diesen wirksam. Trotz all der formalen Freiheiten lassen sich auch Auffälligkeiten und Regelmäßigkeiten in der Form der Ode finden. Die linksbündig gehaltenen Verse stehen nicht strikt untereinander, sondern sind durch regelmäßige Vor- und Nachrückungen strukturiert. Dieses Hin und Her der Verse läßt sich übertragen auf die Gleitbewegungen beim Schlittschuhlaufen. Somit ist jeder Vers übertragbar auf jeweils eine Gleitbewegung beim Schlittschuhlaufen. Aufgrund der fehlenden Stropheneinteilung und damit einer schon formalen Gliederung der Ode kommt es zu einer Spannung zwischen inhaltlicher und formaler Struktur. Besonders kennzeichnend für die Form der Ode sind die sehr häufig vorzufindenden Enjambements, die einen scheinbar unstrukturierten Aufbau der Ode noch verstärken. Diese haben unter anderem auch den Effekt, daß sie bestimmten Wörtern, die im eigentlichen Satzgefüge untergehen würden, zu besonderen Eckstellungen verhelfen und sie somit aufgewertet werden. 6
3 vgl. Kohl, Katrin: Friedrich Gottlieb Klopstock - Stuttgart; Weimar: Metzler 2000, S. 60.
4 vgl. Albertsen, Leif-Ludwig: Poetische Form bei Klopstock. In: Klopstock an der Grenze der Epochen. Hrsg. von Kevin Hilliard und Katrin Kohl. Mit Klopstock - Bibliographie. 1972-1992 von Helmut Riege. - Berlin [u.a.] de Gruyter. 1995. X, 424 S.; S. 72.
5 Kohl, Katrin: Friedrich Gottlieb Klopstock, S. 61.
6 vgl. Albertsen, Leif-Ludwig: Poetische Form bei Klopstock, S. 72.
3
In diesem Abschnitt wurde die enge Verbindung zwischen Inhalt und Aussage der Ode und der von Klopstock gewählten metrischen und formalen Form aufgezeigt. Dabei war vor allem die Freiheit der Rhythmen und der Form in Analogie zum Geiste des Eislaufs, so wie Klopstock ihn empfindet, zu sehen. Im nächsten Abschnitt wird nun untersucht, inwiefern sich diese Beobachtungen auch in „Der Eislauf“ machen lassen.
2.2 Parallelen und Differenzen in Inhalt, Form und Metrik in
„Der Eislauf“
Nachdem eine erste Analyse eine enge Verbindung zwischen Form und Inhalt ergeben hat, werden nun ähnliche Elmente auch in der „Der Eislauf“ aufgezeigt. Betrachtet man allein die Form der Ode, so fallen zunächst eher die Unterschiede ins Auge, denn in „Der Eislauf“ verzichtet Klopstock, im Gegensatz zu „Winterfreuden“, nicht auf eine eindeutige Strophengliederung. Die Ode besteht aus 15 Strophen zu jeweils vier Versen. Diese bestehen durchgehend aus jeweils acht bis zehn Silben und lassen, in Klopstockscher Art, jegliche Form eines Reims vermissen. 7
Auf inhaltlicher Ebene begegnet einem sogleich eine Vielzahl von Parallelen. Auch in „Der Eislauf“ bildet der Schlittschuhlauf den Mittelpunkt der Ode. Jedoch gibt es auch eine Reihe von Unterschieden. Die Ode beginnt beispielsweise aus einem völlig anderen Blickwinkel. In den ersten vier Strophen wird von einer Person, von der wir davon ausgehen können, daß es sich um eine männliche handelt, über die Leistungen und Wertschätzungen von Erfindern diskutiert. In der vierten Strophe bezeichnet sich das lyrische Ich selbst als großen Erfinder, welcher dem Schlittschuhlauf dem Tanz erfunden habe. 8
Ab Strophe fünf ist dieser inhaltliche Abschnitt zu Ende, und die Ode weist von nun an deutliche thematische Übereinstimmungen mit der Ode „Winterfreuden“ auf. In diesem zweiten und gleichsam mittleren Abschnitt geht es um das lyrische Ich, welches seinem jungen männlichen Begleiter die Regeln des Schlittschuhlaufens und die Schönheiten der Natur näher bringt. Gerade in den Naturdarstellungen des lyrischen Ichs lassen sich eindeutige Parallelen zu der Ode „Winterfreuden“
7 vgl. Kohl, Katrin: Friedrich Gottlieb Klopstock, S. 60.
8 vgl. Hilliard, Kevin: Klopstock in den Jahren 1764-1770, S. 149.
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Timon-Karl Kaleyta, 2004, Analyse und Vergleich der Eislaufoden "Winterfreuden" und "Der Eislauf" von Friedrich Gottlieb Klopstock, München, GRIN Verlag GmbH
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