„Wir sind zur gemeinschaftlichen Wirksamkeit geschaffen, wie die Füße, die Hände, die Augenlider, wie die obere und untere Kinnlade.
Darum ist die Feindschaft der Menschen wider die Natur“
Marcus Aurelius
(Römischer Kaiser 161-180 n. Chr).
Inhaltsangabe
EIDESSTATLICHE ERKLÄRUNG
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
ANLAGENVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 1
2. METHODIK 2
3. GRUNDLAGEN UND ALLGEMEINE ERKENNTNISSE 2
3.1. Historie und Definition 3
3.2. Handeln Dulden Unterlassen 6
3.3. Personelle Konstellationen 9
3.4. Ursachen und Motive 11
3.4.1. Konfliktbewältigung 11
3.4.2. Täter- und Opferkonstituierung 12
3.4.3. Organisatorische Rahmenbedingungen 14
3.4.4. Interaktion 14
3.4.5. Führungsverhalten 15
3.5. Folgen 16
3.5.1. Medizinische Folgen 16
3.5.2. Soziale Folgen 188
3.5.3. Finanzielle wirtschaftliche Folgen 19
3.6. Bewertendes Fazit zu den Grundlagen 2020
4. RECHT 211
4.1. Rechtliche Einordnung 211
4.1.1. Verfassungsrecht 21
4.1.2. Strafrecht 22
4.1.3. Arbeitsrecht 23
4.1.3.1. Arbeitsschutzgesetz 23
4.1.3.2. Betriebsverfassungsgesetz 25
4.1.3.3. Beschäftigtenschutzgesetz 266
4.1.4. Personalvertretungsrecht 26
4.1.4.1. Mitbestimmungsgesetz 26
4.1.4.2. Gleichstellungsgesetz 26
4.1.5. Bürgerliches Recht 288
4.1.6. Dienst- und Beamtenrecht 28
4.2. Rechtsprechung 29
4.3. Bewertendes Fazit zur Rechtslage 33
5. SCHLUSSBETRACHTUNG 34
ANLAGE 1 36
ANLAGE 2 38
ANLAGE 3 42
ANLAGE 4 45
LITERATURVERZEICHNIS 48
Abkürzungsverzeichnis
a.a.O. an angegebenem Ort LBG Landesbeamtengesetz
Abb. Abbildung
afp agence-france-press
Anl. Anlage
ArbG Arbeitsgericht
ArbSchG Arbeitsschutzgesetz
Art. Artikel
Az. Aktenzeichen
BBG Bundesbeamtengesetz
BetrVG Betriebsverfassungsgesetz
BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BGH Bundesgerichtshof
BPersVG Bundes-Personalvertretungsgesetz
BVerfG Bundesverfassungsgericht
bzw. beziehungsweise
CDU Christlich Demokratische
Union Deutschland
DGB Deutscher Gewerkschaftsbund
DGL Dienstgruppenleiter
d.h. das heißt
Dipl. Diplom
DM Deutsche Mark
Dr. Doktor
EDV Elektronische Datenverarbeitung
ff. fortfolgend
FOW Führungs-, Organisations- und
Wirtschaftswissenschaften
GG Grundgesetz
ggf. gegebenenfalls
ggü. gegenüber
GlStG Gleichstellungsgesetz
i.d.R. in der Regel
IG Interessengemeinschaft
IM Innenministerium
i.V.m. in Verbindung mit
LAG Landesarbeitsgericht
LAGA Landesamt für Gesundheit
und Arbeitssicherheit
1
1. Einleitung
„Brennende Luft und eisige Kälte“ überschrieb der sh.z-Verlag 1 metaphorisch seinen Bericht über einen der „in Mode geratenen Mobbing-Workshops“. Ähnlich lauten auch andere Überschriften zu diesem Thema: „Störfall Arbeitsplatz“, „Psychoterror macht krank“, „Wenn Konflikte Betriebe lähmen“, „Schlechte Noten für deutsche Chefs“ 2 u.a.
Wenn hier von einer „in Mode geratenen“ Thematik die Rede ist, so soll dies keineswegs ausdrücken, dass es sich um ein temporär begrenztes Phänomen handelt, das in unserem medial geprägten Informationszeitalter bald verblassen könnte, um einer neuen Erscheinung Platz zu machen. Von „modern“ kann aber insofern gesprochen werden, als dass der Begriff Mobbing in aller Munde ist. Kaum eine Woche scheint zu vergehen, ohne dass wir in den Medien oder an unseren Arbeitsstellen in irgendeiner Form damit – zumindest begrifflich – konfrontiert werden. Im Zuge eines virulenten Sprachgebrauchs hören wir immer öfter Mitarbeiter 3 und Kollegen sagen, dass sie gemobbt werden oder sich gemobbt fühlen. Auch die Ministerpräsidentin des Landes Schleswig- Holstein äußerte öffentlich ihre Vermutung, dass das Verhalten gegenüber der CDU-Vorsitzenden Merkel bei der Entscheidung um die Kanzlerkandidatur Züge von Mobbing in sich trug 4 .
Was aber verbirgt sich semantisch und inhaltlich hinter diesem Ausdruck? Längst nicht alles, was bislang als Antipathie, Nörgelei oder Streit im Büro bezeichnet wurde, lässt sich heute unter das Schlagwort Mobbing subsumieren, wie die anstehenden Betrachtungen zeigen werden.
Diese Hausarbeit will über das Phänomen Mobbing informieren, die erwähnten Wissenslücken schließen und die Sozialschädlichkeit von Mobbing sowie dessen Unverträglichkeit mit geltendem Recht aufzeigen. Diese Hausarbeit ist
1 sh.z-Verlag/Norddeutsche Rundschau, Ausgabe vom 28.11.2000,Lars Peter Ehrich, Bredstedt 2 sh.z-Verlag (Erscheinungsdatum unbekannt) und sh.z-Verlag, Ausgabe vom 28.1.2000 (afp) 3 Sofern im Text nicht ausdrücklich von „Frauen“ oder „Männern“ die Rede ist, sind jeweils beide Geschlechter gemeint 4 Kieler Nachrichten, Ausgabe vom 12. Januar 2002, S. 3
2
auf den öffentlichen Bereich, speziell aber auf die Organisation Polizei ausgerichtet und enthält fiktive Beispiele.
2. Methodik
Ein Blick in polizeifremde Arbeitsfelder, sei es durch die Medien oder durch persönliche Kontakte, lässt vermuten, dass Mobbing außerhalb der Organisation Polizei bereits eine beachtliche Dynamik angenommen hat. Gleichwohl scheint auch die Institution Polizei aufgrund vielfach vergleichbarer Bürostrukturen und Hierarchien prädestiniert zu sein, hierbei keine Ausnahme zu bilden. Die grundsätzlichen Erkenntnisse, wie Ursachen und Motive, personelle Konstellationen sowie die Folgen dieser Prozesse dürften in der gesamten Arbeitswelt – sei es in der freien Wirtschaft oder im vielschichtigen öffentlichen Dienst – gleichermaßen gelten, mithin auch für die Polizei im weiteren Sinne 5 . Die Betrachtung des Erscheinungsbildes Mobbing soll sich im Folgenden daher auf allgemeingültige Aussagen und Untersuchungen beziehen, die hierzu umfangreich publiziert wurden. Eine jeweilige Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf den polizeilichen Arbeitsbereich kann im Grundsatz vorausgesetzt werden, es sei denn, der Verfasser stellt Einschränkungen oder Ergänzungen explizit heraus. Eine Fokussierung von allgemeingültigen Grundlagen auf die Organisation Polizei wird, um nicht die Intension des Leitthemas aus den Augen zu verlieren, punktuell durch die Darstellung (fiktiver) Beispiele aus dem polizeilichen Alltag sichergestellt. Die Disposition dieser Hausarbeit wird maßgeblich durch die präzise Aufgabenstellung determiniert.
3. Grundlagen und allgemeine Erkenntnisse
Unter Grundlagen sind die einer Sache unveränderbar anhaftenden Fakten zu verstehen, unter allgemeinen Erkenntnissen hingegen dynamische und 5 Beamte, Angestellte, Lohnempfänger, in allen Laufbahngruppen
3
modifizierbare Informationen, die auf dem jeweiligen Stand der Forschung beruhen. Ein Blick in die vielschichtigen Publikationen zum Thema Mobbing zeigt allerdings, dass die aktuellen sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse regelmäßig selbst an den Grundsätzen der Mobbing-Terminologie rühren. So ist z.B. die Definition von Mobbing in den letzten Jahren mehrfach variiert worden. Auch der „Katalog der Mobbing-Taten“ bzw. der Begehungsvarianten wird sukzessive ausgeweitet 6 .
Von daher erschien es geboten, die Punkte Grundlagen und Allgemeine Erkenntnisse inhaltlich nicht zu trennen. Dieser Teil der Hausarbeit versteht sich, unter dem Primat zu beschränkenden Umfangs, als Repetitorium der wesentlichen Mobbing-Aspekte Historie, Begriffe, Formen, Beteiligte, Ursachen und Folgen.
3.1. Historie und Definition
Wie einführend festgestellt wurde, begegnet uns ein diffuses Begriffsverständnis, wenn die Gesellschaft mit dem Wort „Mobbing“ umgeht. Diesen Mangel an sprachlicher und begrifflicher Klarheit gilt es zunächst auszuräumen: Der Begriff „Mobbing“ kommt aus dem englischen Sprachraum und leitet sich aus dem Wort „mob“ (= Pöbel/Gesindel) als Substantiv bzw. „to mob“ (= über jemanden herfallen) als Verb ab. Der deutsche Duden 7 beschreibt das „mobben/Mobbing“ als „Das Schlechtmachen eines Kollegen durch Kollegen mit dem Ziel, ihn zur Kündigung seines Arbeitsplatzes zu bewegen“. Diese Definition beinhaltet zwar die Komponenten „Schlechtmachen“ und „Kollegen“, greift aber viel zu kurz. Würde allein diese Definition gültig sein, wäre aktives Handeln, Dulden oder Unterlassen nur in wenigen Fällen unter das Phänomen Mobbing subsumierbar: Auf der einen Seite deckt ein „Schlechtmachen“ selbst bei weitester Auslegung des Begriffes nicht alle Handlungs- oder Unterlassungsvarianten ab, die uns in der Realität begegnen, auf der anderen Seite ist bei weitem nicht jede Attacke gegen missliebige
6 vgl. Ziffer 3.2., S. 6
7 Hermann, Ursula/Götze, Dr. Lutz (1999) „Die deutsche Rechtschreibung“ S. 605
4
Kollegen, Mitarbeiter oder Vorgesetzte tatsächlich darauf gerichtet, ihn oder sie zur Kündigung zu bewegen. Die Motive sind vielschichtiger, die Aktivitäten subtiler und der Begriff des Kollegen weit auszulegen, wie die nächsten Abschnitte zeigen werden.
Im englischsprachigen Raum selbst wird das Wort Mobbing nicht benutzt – dort kennt man das zu untersuchende Phänomen unter dem Begriff „Bullying“ 8 , einem Synonym für besonders rüdes und gewalttätiges Verhalten gegenüber anderen Personen.
Ursprünglich verwendete der Verhaltensforscher Konrad LORENZ 9 die Bezeichnung Mobbing für bestimmte Verhaltensweisen bei Tieren (Angriffe einer Tiergruppe auf ein einzelnes Tier, um dieses zu verscheuchen ...) Der schwedische Mediziner Peter-Paul HEINEMANN benutzte den Begriff Mobbing später auch für rüdes Verhalten von Kindern auf dem Schulhof (Studien aus den Sechziger und Siebziger Jahren). Der deutsche Arzt und Arbeitspsychologe Heinz LEYMANN verwendete den Ausdruck Mobbing schließlich erstmalig auch für ähnliche Verhaltensmuster bei Erwachsenden in ihrer Arbeitswelt. Seine in Schweden durchgeführten Forschungen begannen Ende der Siebziger Jahre und führten 1984 zu einer ersten Publikation unter der Bezeichnung „Mobbing“. 1993 erschien sein erstes deutschsprachiges Buch 10 , in dem er die Erfahrungen der skandinavischen Forschung auf diesem Gebiet zusammenfasste. Viele Sozialwissenschaftler haben seitdem seine Theorien aufgegriffen, weiterverfolgt und in eigenen Publikationen neue Erkenntnisse veröffentlicht. So finden sich im Schrifttum, wie bereits angedeutet, zahlreiche verschiedene Definitionen, die aus dem jeweiligen Blickwinkel der Verfasser unterschiedlich pointiert sind. Eine verbindliche, national oder international einheitliche Begriffsbeschreibung findet sich hingegen nicht.
8 Neuberger, Oswald (1995) „Mobbing – Übel mitspielen in Organisationen“ S. 3
9 Konrad Lorenz – österreichischer Nobelpreisträger für Psychologie/Medizin von 1973
10 Leymann, Dr. Heinz (1993) „Mobbing – Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich
dagegen wehren kann“
Quote paper:
Benjamin Petersen, 2003, Das Phänomen Mobbing in der Arbeitswelt - Grundlagen, allgemeine Erkenntnisse und Rechtslage einschließlich aktueller Rechtsprechung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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