1. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit möchte ich untersuchen, welche Rolle der Tempel im Judentum hat. Dafür werde ich jedoch nicht nur auf die Architektur des Tempels eingehen, denn ein Bauwerk allein, ohne eine symbolische Bedeutung, kann schlecht einen so wichtigen Platz in einer der großen Weltreligionen einnehmen. Daher werde ich im Anschluss an die Beschreibung des Tempels und seiner Geschichte dazu übergehen, mich mit dem auseinanderzusetzen, was den Tempel eigentlich ausmacht. Im Vordergrund werden nicht nur die rituellen Vorschriften stehen, die ein jeder Mensch beim Betreten einzuhalten hatte, sondern ich werde auch auf das Priesteramt und seine Bedeutung näher eingehen. Die traditionellen Feste und das Wallfahrtswesen, welches mit denen verbunden war, darf ebenso wenig bei der Darstellung fehlen, wie die Betrachtung der Opferriten und ihrer symbolischen Bedeutung für das frühe Judentum. Abschließend werde ich versuchen, die Bedeutung des Tempels für das heutige Judentum herauszufinden und der Frage nachgehen, ob ein Tempel im modernen Judentum überhaupt wieder einen Platz finden würde.
2. Geschichte und Architektur des Tempels
2.1 Geschichte des Tempels
Der große König David wollte seinerzeit einen Tempel seinem Gott errichten und hatte bis zum Tode alle Bauzeichnungen komplett vorliegen. Wegen einer begangenen Blutschuld seitens David, war es ihm jedoch verboten, dieses Heiligtum zu errichten. Demnach ging diese Ehre auf seinen Sohn Salomo über. König Salomo wollte im Reich Davids diesen repräsentativen Bau für den Staatskult errichten und befahl 957 v. Chr. die Erbauung des Jerusalemer Tempels. Durch diese Intention wurde der Tempel nicht nur durch seine immensen Ausmaße, sondern auch durch seine Bestimmung zum kultischen Zwecke ein städtischen Heiligtum. Somit diente der Tempel einem doppelten Zweck, denn er war nicht nur das Kultzentrum Jerusalems und ein Heiligtum der Hebräer, sondern auch Herberge der heiligen Lade Gottes. Mit Anwesenheit der Lade setzte man auch die Anwesenheit Gottes gleich und glaubte an seine Gegenwart im Tempel.
Als jedoch die Eroberung Jerusalems im Jahre 586 v. Chr. stattfand, wurde der Salomonische Tempel zerstört. Erst nach der Rückkehr der Israeliten aus dem
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babylonischen Exil wurde der Tempel von Herodes dem Großen wieder errichtet und 516 v. Chr. fertig gestellt.
Jedoch wurde auch der zweite Tempel unter römischer Herrschaft im Jahre 70 n. Chr. zerstört. Allein die Westmauer, welche auch als Klagemauer bekannt ist, ist bis heute erhalten geblieben.
Viele Juden hegen seit der Zerstörung des zweiten Tempels die Hoffnung auf den Bau eines dritten Tempels.
2.2 Bau und Lage des Tempels
Der Tempel liegt im heutigen Israel, in der Hauptstadt Jerusalem. Zur Zeit der Bibel gehörte Jerusalem noch zu der Region Judäa und lag - wie auch heute - nicht weit vom Toten Meer entfernt. Um nach Jerusalem zu kommen musste man damals „heraufziehen“, dass heißt vom flachen Festland hinauf auf das Hochplateau auf dem die Stadt liegt. Der heilige Tempel konnte dabei nicht übersehen werden, da er auf dem höchsten Berg der Stadt lag - dem Tempelberg. Nicht nur also durch die Pracht des damaligen Tempels, sondern auch durch seine herausragende Lage war dieses Heiligtum unübertrefflich.
Über den Bau des Tempels lässt sich heutzutage viel sagen, allerdings sind einige Daten und Angaben nur grob zu machen, denn über manche Details sind sich die Forscher immer noch uneinig.
Die Tempelanlage selbst war eine der umfangreichsten in der antiken Welt und bestand im Grundkonzept aus verschiedenen Bereichen. Diese Areale besaßen von innen nach außen eine abnehmende Heiligkeitsqualität. Demnach gab es auch abgestufte Erfordernisse ritueller Reinheit zum Betreten der einzelnen Bereiche. Es gab zunächst einmal das Tempelhaus, welches das Allerheiligste, die Tempelhalle mit dem Räucheraltar und der Vorhalle umfasste. Dies stellte den inneren priesterlichen Bereich dar. Um dieses Tempelhaus herum lag dann der Hof der Priester, welcher den Altarbereich und den eigentlichen Priesterhof umfasste. Danach folgte der Bereich für die normalen Männer - der Vorhof der Israeliten - und erst diesem Gebiet vorgelagert war der Vorhof für die Frauen und der Vorhof der Heiden. 1
1 Maier: Zwischen zweiten und drittem Tempel. Seite 247.
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Um dem Ganzen eine Größenvorstellung zu geben: Das Tempelgebiet umfasste zu Zeiten Herodes eine längliche Fläche von 282 m bis 290 m und eine nahezu gleich lange Breite. 2
Wohingegen der Bereich des Allerheiligsten nur eine Maße von 9 m x 9 m beträgt. Allerdings durfte dieser Bereich nur einmal im Jahr betreten werden - am großen Versöhnungstag - und dann auch nur vom Hohepriester persönlich.
3. Zur Bedeutung des Tempels für das frühe Judentum (bis
zur Zerstörung des zweiten Tempels)
3.1 Vorschriften und rituelle Verhaltensweisen
Zunächst einmal erwartete man von allen Besucher beim Betreten des Tempel Ehrerbietung und in diesem Zusammenhang auch ein dementsprechendes Verhalten. Schließlich handelt es sich bei dieser heiligen Stätte um den Wohnsitz des einzig wahren Gottes der Israeliten. Demnach durfte man den Bereich des Tempels auch nicht entehren, indem man ihn als Abkürzung verwendete. Da diese Bequemlichkeit als Unsitte galt und zudem auch der Würde des Tempels widerspricht. Das Tragen von Lasten konnte auch die Reinheit gefährden, da die Gegenstände unter Umständen unrein sein könnten. Um also die Reinheit des Tempels zu garantieren und den reibungslosen Ablauf des Kultes aufrechtzuerhalten, achtete man unter anderem auf diese Vorschrift. 3 Des weiteren musste man immer den Tempelbereich zur rechten Seite betreten und zur linken Seite hin verlassen, so dass man keinen Weg zweimal passierte. Und sollte man einen Bereich verlassen, in dem gerade Gottesdienst gefeiert wurde, so musste man dies rückwärts tun. Dabei durfte die Ehrerbietung nicht fehlen, genauso wenig wie auf dem Rückweg vom Tempel in die Stadt zurück. Auch durften Reparaturen nur von Priestern durchgeführt werden und nur in Ausnahmefällen von fremden Arbeitern.
Die ganzen Vorschriften lassen sich bündeln, in dem Gebot, dass alles ausgeschlossen werden sollte, was nicht direkt mit dem Gottesdienst in verbinden
2 Edersheim: Der Tempel. Seite 32.
3 Ådna: Jesu Stellung zum Tempel. Seite 258f..
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Arbeit zitieren:
Griseldis Wedel, 2008, Die Rolle des Tempels im Judentum, München, GRIN Verlag GmbH
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