Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung Seite 3
2 Theorien und Definitionen
2.1 Der Neorealismus Seite 4
2.2 Definitionen Abgrenzung Seite 5
3 Handlungsmotivationen der Akteure
3.1 Handlungsmotivationen von Staaten Seite 7
3.2 Handlungsmotivationen von Terroristen Seite 7
4 Kooperation und Bekämpfung
4.1 Bekämpfung Seite 10
4.2 Kooperation Seite 14
4.3 Kooperation vs Bekämpfung Seite 16
5 Fazit Seite 18
6 Literaturverzeichnis Seite 19
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1 Einleitung
Terrorismus ist nicht erst seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ein Thema, das die Menschen weltweit bewegt. Schon lange sehen sich Staaten damit konfrontiert, ihre Be- völkerung nicht nur vor Übergriffen anderer Staaten, sondern auch vor Gewaltakten einzelner Gruppen im Inneren zu schützen.
Nach dem 11. September 2001 rückte das Problem des international operierenden Terroris- mus in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, viele Politiker, Wissenschaftler und Jour- nalisten haben sich seitdem immer wieder damit beschäftigt, wie man mit Terrorismus umge- hen sollte. Heutzutage existiert eine Fülle von Literatur zu diesem Thema, die sich besonders auf die Analyse der Gruppe Al-Qaida, welche für die oben genannten Terroranschläge ver- antwortlich ist, und auf die Bekämpfung des Terrorismus konzentriert. Dabei werden nicht nur Expost-Maßnahmen aufgezählt, es wird auch auf die Entstehung von terroristischen Gruppen eingegangen und wie diese im Keim erstickt werden kann.
Hier stellt sich jedoch die Frage, ob man Terrorismus nur bekämpfen kann, oder ob es nicht für den Staat auch eine Möglichkeit zur Kooperation mit Terroristen gibt. Mit dieser Frage beschäftige ich mich in der vorliegenden Arbeit.
Zunächst werde ich eine Theorie vorstellen, anhand der sich in meinen Augen das Verhalten der Akteure (in diesem Fall Staat und Terroristen) am besten erklären lässt, um dann zu defi- nieren, was ich in dieser Arbeit unter dem Begriff Terrorismus verstehe und wie sich diese von anderen nicht-staatlichen Gewaltakteuren, wie zum Beispiel Guerilla-Gruppen, abgrenzen. Als nächstes werde ich auf die Handlungsmotivationen von Staaten und Terroristen eingehen, um eine mögliche Grundlage für Kooperation oder Bekämpfung zu finden. Ausgehend davon werde ich aufzeigen, wie Kooperation einerseits und Bekämpfung andererseits funktionieren könnte und welche Schwierigkeiten dabei auftreten können. Abschließend komme ich dann zu einer Entscheidung für Kooperation beziehungsweise für Bekämpfung.
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2 Theorien und Definitionen
2.1 Der Neorealismus
Der Neorealismus ist eine Weiterentwicklung des Klassischen Realismus von Edward Hallett Carr und Hans Morgenthau. Ich beziehe mich in dieser Arbeit auf den Neorealismus von Kenneth N. Waltz, welchen er 1979 in seiner Arbeit „Theory of International Politics“ vorge- stellt hat.
Waltz konstruiert die internationale Politik als ein System, welches aus „structure“ und aus „interacting units“ besteht. 1 Die Struktur des System beeinflusst die einzelnen „Units“ ebenso wie es umgekehrt der Fall ist. Die wichtigsten, aber nicht einzigen Einheiten, welche das in- ternationale System strukturieren, sind für Waltz die Staaten, sie sind die Hauptakteure. 2 Er konstruiert das internationale System als anarchisch, das heißt, es gibt keine übergeordnete Instanz, die kontrolliert oder regelt, da auch internationale Organisationen nicht über allen stehen. Aufgrund dieser Anarchie gibt es zwischen den Einheiten, das heißt besonders den Staaten, keine Arbeitsteilung, jeder Staat übernimmt in etwa dieselben Aufgaben wie die an- deren Staaten. 3 Um die Staaten innerhalb des internationalen Systems unterscheiden bezie- hungsweise hierarchische einordnen zu können, nutzt Waltz das Machtpotential eines jeden Staates. Große Macht hat ein Staat dann, wenn er das Verhalten anderer Staaten in größerem Maße beeinflussen kann als diese sein Verhalten.
Die Staaten im internationalen System, welche Waltz als einheitliche und rational handelnde Akteure konstruiert, verfolgen in etwa die gleichen Interessen, wobei das Minimalziel jedes Staates das Überleben, das Maximalziel hingegen die „universelle Dominanz“ ist. 4 Beide Zie- le sind nach Waltz vor allem militärisch zu erreichen, weswegen das Streben nach Sicherheit für die Staaten das wichtigste Anliegen ist. Innerhalb des internationalen Systems interagieren die einzelnen Einheiten, das heißt die Staaten, wie oben beschrieben miteinander, was zur Folge hat, dass die Staaten immer in einem Kontext mit anderen Staaten agieren und reagieren und somit immer gleiche Handlungsmuster auftauchen. 5 1 K. N. Waltz.: Theory of International Politics, McGraw-Hill, Boston [u.a.] 1979, S. 79 2 Ebd., S. 93.
3 Ebd., S. 93.
4 C. Masala: Kenneth N. Waltz – Einführung in seine Theorie und Auseinandersetzung mit seinen Kritikern, Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2005, S. 56.
5 Ebd., S. 73.
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Auf einige hier genannte Aspekte wird im Verlaufe der Arbeit noch einmal genauer einge- gangen.
2.2 Definitionen / Abgrenzung
Wie bereits in der Einleitung angedeutet, gibt es gerade heutzutage viele Wissenschaftler, die sich mit Terrorismus beschäftigen. Das hat zur Folge, dass zu diesem Thema eine Reihe von verschiedenen Definitionen vorliegt. Gerade weil das Thema Terrorismus oft emotional bela- den und sehr subjektiv betrachtet wird, suchen die Wissenschaftler immer wieder nach neuen Möglichkeiten, Terrorismus von anderen Gewaltakten und Terroristen von anderen Gewaltak- teuren abzugrenzen, denn je nach dem, aus welcher Sicht man einen Terroristen betrachtet, kann er auch als Freiheitskämpfer erscheinen.
Deutlich wird dies an folgender Aussage von Jassir Arafat, dem früheren Präsidenten des pa- lästinensischen Autonomiegebietes:
„Der Unterschied zwischen dem Revolutionär und dem Terroristen liegt in dem Grund, warum er kämpft. Denn wer immer sich für eine gerechte Sache und für die Freiheit und Befreiung seines Landes von Eindringlingen, von Siedlern und Kolonisten einsetzt, kann unmöglich als Terrorist bezeichnet werden.“ 6
Diese Definition von Terrorismus stützt sich auf die Handlungsmotivation der Akteure und bewertet sie zugleich. Durch die Bewertung wird sie als Grundlage für wissenschaftliche Ar- beiten nutzlos, denn sie schafft keine eindeutige Kategorie, die einen Terroristen von anderen Gewaltakteuren, wie zum Beispiel Revolutionäre oder Guerilla-Kämpfern, abzugrenzen hilft. Der Ansatz über die Handlungsmotivation bringt also keine geeignete Definition von Terro- rismus. Um den Terroristen von anderen nichtstaatlichen Gewaltakteuren abgrenzen zu kön- nen, ist es wichtig, in der Definition auch festzuhalten, wie und zu welchem Zweck die Ge- walt eingesetzt wird.
Sehr präzise ist dies Ulrich Schneckener gelungen: Er definiert Terrorismus als „eine Gewaltstrategie nichtstaatlicher Akteure, die aus dem Untergrund agieren und systematisch versuchen, eine Gesellschaft oder bestimmte Gruppen in Panik und Schrecken zu versetzen, um nach eigenen Angaben politische Ziele durchzusetzen“. 7 6 B. Hoffman: Terrorismus – der unerklärte Krieg, Fischer-Verlag, Frankfurt a.M. 2006, S. 30f. 7 U. Schneckener: Transnationaler Terrorismus: Charakter und Hintergründe des „neuen“ Terrorismus, Suhr- kamp, Frankfurt a.M. 2006, S. 21.
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Für Terroristen ist also nicht die physische Gewalt, das heißt Zerstörung von Militäreinrich- tungen oder eine möglichst hohe Zahl an Menschenopfern, sondern die psychische Gewalt, die Wirkung ihrer Taten, das wichtigste. Sie haben meist nicht die Mittel, um einen offenen Krieg gegen staatliche Truppen zu führen oder ihnen ernsthaften Schaden zuzufügen. Diese Definition liegt auch meiner Arbeit zugrunde, da sie in meinen Augen umfassend ist und hilft, Terroristen genauer von anderen nicht-staatlichen Gewaltakteuren abzugrenzen. Gerade die von Arafat angeführten Freiheitskämpfer, auch Guerilla-Kämpfer genannt, können leicht mit Terroristen verwechselt werden. Beiden Gruppen geht es darum, eine bestehende Ordnung umzustürzen und für die Gesellschaft ein neues, in ihren Augen besseres System zu etablieren. Beide Gruppen bedienen sich dazu der Gewalt, sie führen eine Art Krieg gegen das herrschende Regime. Die Definition von Schneckener hilft hier, eine Linie zwischen Gueril- lakämpfern und Terroristen zu ziehen.
Die Guerillakämpfer stützen sich auf die einfache Bevölkerung, sie verstehen sich als Befreier des einfachen Volkes und werden auch als solche angesehen und daher unterstützt. Sie verbreiten ihr Gedankengut in der Bevölkerung und rekrutieren aus ihr gleichzeitig weitere Kämpfer. Die Gewalt richtet sich gegen das Militär der Regierung und gegen die Soldaten beziehungsweise andere Menschen, die im Dienst der Regierung stehen, es geht um den mate- riellen Schaden und am Ende um den Sieg über das Militär. 8 Der Terrorist hingegen, wie Schneckener in seiner Definition sagt, setzt die Gewalt nicht zum Zweck des Sieges über das Militär ein, sondern um Angst und Schrecken zu verbreiten, das heißt, um einen psychischen Effekt zu erzielen. Wie die Guerilla-Kämpfer verstehen auch die Terroristen sich als Befreier des einfachen Volkes, doch da sich ihre Angriffe oftmals auch gegen Zivilisten richten und sie zudem aus dem Verborgenen agieren, können sich Terroristen nur in den seltensten Fällen auf Unterstützung aus der Bevölkerung verlassen. Sie haben da- her auch nicht die Möglichkeit, den Feind, also das herrschende Regime, militärisch zu besie- gen oder bestimmte Gebiete zu erobern.
Terroristen und Guerilla-Kämpfer unterscheiden sich folglich vor allem hinsichtlich der Stra- tegie und der Ziele ihrer Gewaltakte.
Ausgehend von dieser Abgrenzung des Terrorismus-Begriffes gehe ich nun auf die Hand- lungsmotivationen von Staaten und Terroristen ein.
8 T. Hilker: Terrorismus: Grundwissen, Organisation, Angriffsmittel, religiöser Fanatismus, Suizidbomber, Verl.-Haus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2006, S. 86 f.
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Arbeit zitieren:
Julia Bohlken, 2009, Bekämpfung oder Kooperation, München, GRIN Verlag GmbH
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