schulische Bildungs- und Erziehungsprozesse sinnvoll unterstützen, etwa durch den Erwerb von Basiskompetenzen, oder durch die Förderung kooperativer und kommunikativer Prozesse in Gruppen (vgl. Vernooij/Schneider 2008, S. 109ff).
Grundvoraussetzung für das Lernen mit Tieren ist der Aufbau einer dauerhaften, positiven Mensch-Tier-Beziehung. Dies bedingt, dass Kinder und Jugendliche Vorbilder erleben, die sie zu einem achtsamen Umgang mit Tieren anleiten, sodass die Entwicklung von Einfühlungsvermögen, von Respekt und Ehrfurcht vor Mitgeschöpfen, vor allem aber die Bereitschaft dauerhaft Verantwortung für andere Lebewesen zu tragen, unterstützt wird (vgl. Meves/Illies 1981, S. 72).
Die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein für ein Tier, setzt eine emotionale Bindung des Kindes zu diesem Lebewesen voraus, weshalb auch im Schulalltag die Möglichkeit gegeben sein muss, auf freiwilliger Basis, einen persönlichen Bezug zum Tier aufbauen zu können. Es sollten daher bestimmte Zeiten (z.B. die Mittagsfreizeit) festgelegt werden, zu denen sich Schülerinnen und Schüler in Ruhe mit ‚ihrem Tier‘ befassen können. Zu den beliebtesten Schüleraktivitäten zählen dabei, so das Ergebnis einer Befragung von 90 Viertklässlern 4 , das ‚Spielen mit den Tieren‘, das ‚Streicheln/Bürsten’ sowie das ‚Füttern/Tränken‘ der Tiere. Das Säubern der Käfige sowie die Futterbeschaffung (Grünabfälle aus der Schulküche holen; Löwenzahn pflücken) stellten sich hingegen als weitaus weniger beliebt heraus. Lediglich ein Fünftel der befragten Kinder wäre hierzu bereit gewesen.
Unausweichlich geht mit der Haltung der Tiere jedoch die Übernahme von Pflichten (z. B. Fellpflege; Käfige reinigen; Futterbeschaffung; Auslaufgehege bauen etc.) einher, denn Tiere sind, gemäß ihren Haltungsansprüchen, stets zuverlässig und nicht nach Belieben zu versorgen. Es bietet sich daher die Übernahme einer längerfristigen Tierpatenschaft an, die an die Teilnahme an einer entsprechenden Arbeitsgemeinschaft gebunden sein muss. In diesem Rahmen können Fragen der artgerechten Haltung geklärt, die Entwicklung der Tiere sowie anfallende Arbeiten regelmäßig dokumentiert und To-do-Listen für die tägliche Betreuung und Versorgung der Tiere erstellt werden. Dass ‚Verantwortung für ein Tier tragen‘ allerdings nicht gleichzusetzen ist mit der Vermenschlichung des Tieres, sollte dabei, mit Blick auf die bunte Produktpalette des Heimtiermarktes, der immerhin ein Milliardengeschäft ist und „optimal auf Kinderhirne abgestimmt“ (Tügel 1996, S. 13) wird, ebenfalls zur Sprache kommen. Alle Tierpaten erhalten nach ihrer ‚Ausbildung‘ eine Patenurkunde zur Bestätigung. Ihr Wissen über die Tiere und deren Bedürfnisse können die
4 Hänsel, J. (2009): Tierhäuser an Ganztagsschulen. Befragung von Grundschulklassen.
Seminararbeit, PH Weingarten.
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‚Tier-Experten‘ schließlich nicht nur bei der eigenen Heimtierhaltung anwenden, sondern es an interessierte Mitschülerinnen und Mitschüler weitergeben.
Es gehört mit zu den Aufgaben der Schülerteams, festzulegen, wer an schulfreien Tagen für die Fütterungs- und Pflegezeiten der Tiere verantwortlich ist. Zweifelsohne wird dabei, vor allem bei jüngeren Tierfreunden, die Unterstützung Erwachsener notwendig sein. „Tierliebe ist in erster Linie Verzicht“ (Pollack 2009, S. 36) und verlässlich Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu übernehmen, das heißt oftmals, dass andere attraktive Freizeitangebote keinen Vorrang haben, da grundsätzlich die Schutzpflicht für den abhängigen Tiergefährten im Vordergrund steht.
Werden schuleigene Tiere, als ein profilbildendes Gestaltungselement der Institution Schule, angeschafft, so sind diese grundsätzlich im Schulprogramm, das den schulischen Bildungs-und Erziehungsauftrag spiegelt, zu verankern. Schließlich geht es auch um das Wohlbefinden der Tiere! Und dafür haben alle Sorge zu tragen!
Literatur
Meves, Christa/Illies, Joachim (1981): Geliebte Gefährten. Tiere als Hausgenossen u. Miterzieher. Freiburg/Br.: Herder.
Olbrich, Erhard: Die archaischen Wurzeln der Mensch-Tier-Beziehung. In: Olbrich, Erhard/Otterstedt, Carola (2003): Menschen brauchen Tiere. Grundlagen und Praxis der tiergestützten Pädagogik und Therapie. Stuttgart: Kosmos (S. 68 - 76).
Pollack, Ulrike (2009): Tiere in der Stadt. Die städtische Mensch-Tier-Beziehung. Ambivalenzen, Chancen und Risiken. Univ. Diss., Universitätsverlag der TU Berlin (Soziale Regeln, Bd. 6). 2 ): Tiergestütze Kinderpsychotherapie. Theorie und Praxis der tiergestützten Prothmann, Anke (2008
Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen. Frankfurt a, M.: Lang.
Schwarzkopf, Andreas/Olbrich, Erhard: Lernen mit Tieren. In: Olbrich, Erhard/Otterstedt, Carola (2003): Menschen brauchen Tiere. Grundlagen und Praxis der tiergestützten Pädagogik und Therapie. Stuttgart: Kosmos (S.253 - 267).
Tügel, Hanne (1996): Kult ums Kind. Groß werden in der Kaufrauschglitzercybergesellschaft. München: Beck. Vernooij, Monika A./Schneider, Silke (2008): Handbuch der tiergestützten Intervention. Grundlage, Konzepte, Praxisfelder. Wiebelsheim: Quelle & Meyer.
Online-Quellen
Deutscher Tierschutzbund e. V.: http://www.tierschutzbund.de/
Petrich-Hornetz, Angelika (2009): Heimtiere in Deutschland sind ein Milliardengeschäft. Das Haustier als Wirtschaftsmacht. In: Wirtschaftswetter.de © 2003-2009 Online-Zeitschrift verfügbar unter http://www. Wirtschaftswetter.de/ausgabe91/ wirtschaftsmachthaustier.html (Zugriff: 09/2009)
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Kleintiere an der Schule halten
10-Punkte-Checkliste
1. Beteiligte informieren
Der für die Institution maßgebende Personenkreis (z. B. Schulaufsicht; Schulträger; Schulleitung(en); Hausmeister), das Kollegium, die Eltern- und Schülerschaft, sollte frühzeitig über die Absicht, in Zukunft Tiere an der Schule halten zu wollen, informiert werden. 2. Experten einbinden
Kooperationspartner, die über ein adäquates Fachwissen in Fragen der Tierhaltung und des Tierschutzes verfügen, sind beratend in das Projekt einzubinden. 3. Zuständigkeiten klären
Festzulegen ist, wer für die Anschaffung der Tiere sowie für deren einwandfreie,auch tiermedizinische Versorgung -, die Verantwortung trägt. Für den Fall der Verhinderung oder der Erkrankung der Hauptverantwortlichen, müssen Personen benannt sein, die die Versorgung der Tiere sowie die Beaufsichtigung der Schülerinnen und Schüler, die sich bei den Tieren aufhalten, übernehmen.
Eine Regelung, wie die Tiere an schulfreien Tagen, angemessen versorgen werden können, ist zwingend notwendig! 4. Tiere auswählen
Die Wahl der Tierart(en) sollte gemeinschaftlich erfolgen. Sollen es vorrangig ‚Pflegetiere‘, wie etwa Fische oder Reptilien 5 , oder eher ‚Streicheltiere‘, wie Meerschweinchen und Kaninchen 6 , Mäuse, Hamster 7 etc. sein? Damit einher geht die Frage, woher man die Tiere beziehen möchte, etwa aus dem Tierheim, dem Zoofachgeschäft, oder von einem Züchter?
5 Bei der Einrichtung eines Vivarium sollte unbedingt der Rat eines Experten eingeholt, da diese Tiere hohe Anforderungen an die Haltung stellen.
6 Beide Tierarten haben einen großen Platzbedarf, der meist unterschätzt wird. Eine Einzelhaltung ist nicht zu empfehlen.
7 Hamster, die dämmerungs- und nachtaktiv sind, eignen sich kaum als Kuscheltiere.
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Arbeit zitieren:
Dr.phil. Dipl.-Päd. Inge Angelika Strunz, 2009, Kleintierhaltung an der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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