Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS
SEITE
PROBLEMSTELLUNG DER ARBEIT 1
ÜBERBLICK ÜBER DIE ARBEIT 2
I. KUNDENORIENTIERTE SOZIALKOMPETENZ ALS
ZIELGR ÖSSE
1. Praxisrelevanz der Arbeit 4
2. Grundlagen der Kundenorientierung 5
3. Theoretische Fundierung und begriffliche Orientierung zum
Begriff der kundenorientierten Sozialkompetenz 6
3.1 Sozialkompetenz vor dem Hintergrund von beruflicher
Handlungskompetenz und (Schlüssel-)Qualifikationen 7
3.2 Annäherung an ein Begriffsverständnis von kundenorientierter
Sozialkompetenz 10
3.2.1 Sozialkompetenz im Begriffsverständnis der Verhaltens- Situations-
und Inhaltskomponente 10
3.2.2 Zusammenführung der Ergebnisse 12
3.2.3 Arbeitsdefinition von kundenorientierter Sozialkompetenz 12
3.3 Operationalisierung der einzelnen Konstrukte der Arbeitsdefinition 13
3.4 Bestimmung der Teilkompetenzen in den Handlungsdimensionen
Wissen , Einstellungen und Fertigkeiten 17
II. FÖRDERUNG DER KUNDENORIENTIERTEN
SOZIALKOMPETENZ
4. Zielsetzung der Arbeit 21
5. Grundlagen der Führung 22
6. Theoretische Fundierung didaktischer Maßnahmen von
F ührungskräften zur Förderung der kundenorientierter
Sozialkompetenz im Arbeitsprozess 23
6.1 Zum Lernen der kundenorientierten Sozialkompetenz 24
6.1.1 Lernbarkeit von Sozialkompetenz im Arbeitsprozess 24
6.1.2 Lerntheoretische Fundierung 25
6.1.3 Modell des idealtypischen Lernprozesses 27
6.2 Zum Lehren der kundenorientierten Sozialkompetenz 29
6.2.1 Zusammenhang von Führung und Pädagogik 29
6.2.2 Didaktische Maßnahmen zur Förderung von Sozialkompetenz 30
Inhaltsverzeichnis
6.2.3 Didaktische Maßnahmen zur Förderung kundenorientierter
Sozialkompetenz 31
6.3 Didaktisches Führungshandeln des Ausbilders 32
6.3.1 Schaffen einer Lernkultur mit sozialem Klima 33
6.3.2 Ermittlung des Lernbedarfs mit Unterstützung des Lernhandelns 35
III. DIE BEDEUTUNG VON SELBSTWIRKSAMKEIT
7. Selbstwirksamkeit 38
7.1 Definition von Selbstwirksamkeit 38
7.2 Prädiktor oder Moderator: Empirische Befundlage zur
Selbstwirksamkeitsvariable 39
IV. DIE BEDEUTUNG VON STÖRVARIABLEN
8. Geschlecht, Betriebszugehörigkeitsdauer und Seminarbesuch als
Moderatorvariablen 41
9. Ableitung eines Forschungsmodells 42
V. EMPIRISCHE DURCHFÜHRUNG DER STUDIE
10. Forschungsleitende Fragestellungen und Annahmen 44
11. Methodisches Vorgehen 47
11.1 Allgemeine Überlegungen 47
11.2 Fragebogen-Begleittext 47
11.3 Darstellung der einzelnen Messinstrumente 48
11.3.1 Erfassung der kundenorientierten Sozialkompetenz 49
11.3.2 Erfassung des didaktischen Führungshandelns 53
11.3.3 Erfassung der Selbstwirksamkeit 56
11.3.4 Soziodemographische und unternehmensspezifische Variablen 57
11.3.5 Überprüfung der Itemsammlung im Pretest 59
11.4 Durchführung der Untersuchung 60
11.4.1 Auswahl der Befragungsstichprobe 60
11.4.2 Methoden der Datenerhebung 61
VI. ERGEBNISSE DER EMPIRISCHEN STUDIE
12. Prüfung der Skalen 63
12.1 Beschreibung der Stichprobe 63
12.2 Ergebnisse der Item- und Skalenanalysen 65
12.2.1 Fragebogen zur kundenorientierten Sozialkompetenz 65
12.2.2 Fragebogen zum didaktischen Führungshandeln 67
12.2.3 Skala zur beruflichen Selbstwirksamkeit 72
Inhaltsverzeichnis
12.3 Überprüfung der Bedingungen für Zusammenhangs- und
Regressionsanalysen 73
13. Überprüfung der Hypothesen 75
13.1 Ergebnisse zu den Zusammenhängen zwischen den Variablen 75
13.1.1 Zusammenhang des didaktischen Führungshandelns und der
kundenorientierten Sozialkompetenz 75
13.1.2 Zusammenhang der Selbstwirksamkeit und der kundenorientierten
Sozialkompetenz 77
13.1.3 Zusammenhang des didaktischen Führungshandeln und der
Selbstwirksamkeit 79
13.2 Rolle der Merkmale des didaktischen Führungshandelns bei der
Vorhersage der kundenorientierten Sozialkompetenz 79
13.3 Beitrag des Prädiktors Selbstwirksamkeit 81
13.4 Der Einfluss der Moderatorvariablen auf die Beziehung zwischen
dem didaktischen Führungshandeln und der kundenorientierten
Sozialkompetenz 82
VII. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
14. Interpretation der Ergebnisse 88
14.1 Interpretation der Ergebnisse zu den Prädiktorvariablen 88
14.2 Interpretation der Ergebnisse zu den Moderatorvariablen 94
15. Resümee zum Erkenntnisgewinn der empirischen Studie 97
16. Rückblickende Beurteilung der empirischen Studie 98
17. Fazit: Implikationen für die Praxis 100
VIII. LITERATURVERZEICHNIS 103
ANLAGEN
Abbildungsverzeichnis 119
Tabellenverzeichnis 120
Anhang A: Skalen- und Itemstatistiken 122
Anhang B: Itemsammlung und die Überprüfung im Pretest 139
Anhang C: Verwendete Skalen (endgültig) 144
Anhang :D Fragebogen 148
PROBLEMSTELLUNG DER ARBEIT
„Kommunikation und soziale Kompetenz“ oder „Soziale Kompetenz im
beruflichen Alltag“ - das sind Titel, unter welchen verschiedene Seminare für
meist auf große Summen für wenige Fortbildungstage. Auch zahlreiche Autoren
und Wissenschaftler setzen sich zunehmend mit dem Thema der
Sozialkompetenz auseinander. Das beweist der drastische Anstieg von
Publikationen, Artikeln und Ratgebern in den letzten Jahrzehnten. „Soft Skills
für Young Professionals. Alles, was Sie für Ihre Karriere brauchen“ (Moritz &
Rimbach, 2006) oder „Soziale Kompetenz für Jugendliche. Grundlagen,
Training und Fortbildung“ (Jugert, Rehder & Notz, 2006) sind nur wenige
Beispiele dafür, wie sehr die Forderung nach sozialer Kompetenz unser Leben
beherrscht. Die Buchtitel zeigen, dass das nicht nur in Bezug auf den Beruf,
Nachwuchs soll möglichst früh und möglichst gut auf die Lebens- und
Arbeitswelt vorbereitet werden. Denn der Konkurrenzkampf hat gerade im
positionieren sich nur noch über die Qualität ihrer Dienstleistungen und sichern
auf diese Weise ihr Überleben. Die Unternehmer versuchen, die Zufriedenheit
heißt das Schlagwort und Kundenorientierung und Sozialkompetenz stehen
wiederum in einem engen Zusammenhang (Nerdinger, 1999). Es ist demzufolge
kundenfreundliche Mitarbeiter als Attraktivität des Unternehmens bieten zu
können. Es sind jedoch oftmals die Kleinst- und Kleinunternehmer, die weniger
Potential und finanzielle Mittel aufwenden können, um die sozialen
Kompetenzen ihrer Angestellten durch Seminare, Weiterbildungen oder
Kommunikationstrainings auszubauen. Es ist deswegen vor allem das Handeln
der Führungskraft gefragt. Diese Feststellung bildet den Kern der Arbeit.
Der Blick wird in vorliegender Arbeit auf junge Mitarbeiter gerichtet, die die
Zukunft von Dienstleistungsunternehmen bilden. Im Besonderen wird das
Augenmerk auf auszubildende Pharmaziestudierende im außeruniversitären
Arbeitswelt vorbereitet, erhalten hinsichtlich ihrer Sozialkompetenz jedoch keine
spezifische Schulung. Daraus ergibt sich die Forschungsfrage, die im nächsten
In der gesamten Diplomarbeit wird zugunsten ei ner guten Lesbarkeit i. d. R. nur die männliche
Form verwendet. Inhaltlich ist die weibliche Form jeweils mit eingeschlossen, sofern ein
Ausschluss nicht ausdrücklich erwähnt ist
2 Zur sprachlichen Erleichterung werden im F olgenden die sich im Praxisjahr befindlichen
Studenten als Auszubildende bezeichnet
ÜBERBLICK ÜBER DIE ARBEIT
Die Diplomarbeit beschäftigt sich vorrangig mit der Antwort auf diese
Forschungsfrage. Durch theoretische und empirische Bezüge zu thematisch
verwandten Forschungsfeldern wird zunächst entwickelt, was unter
kundenorientierter Sozialkompetenz verstanden wird (Kapitel I).
Dadurch kann das eigentliche Ziel der Arbeit verfolgt werden: Merkmale des
Führungshandelns zu identifizieren, die förderlich für Lernen und
kundenorientierte Sozialkompetenzentwicklung sind. Diese Merkmale werden
unter dem Ausdruck „didaktisches Führungshandeln“ zusammengefasst. Es
beinhaltet das Schaffen eine Lernkultur mit sozialem Klima und die Ermittlung
des Lernbedarfs mit Unterstützung des Lernhandelns (Kapitel II).
Das didaktische Führungshandeln steht immer auch im Kontext weiterer
Faktoren und darf deswegen nicht als alleinige Variable in die Untersuchung
eingehen. Der Selbstwirksamkeit der Auszubildenden wird deswegen ein eigenes
Kapitel gewidmet. Denn der Stand der Forschung zeigt nachdrücklich, dass
dieser Persönlichkeitsvariable bei der Sozialkompetenzentwicklung Beachtung
geschenkt werden muss (Kapitel III).
Die Variablen Geschlecht, Betriebszugehörigkeitsdauer und Seminarbesuch
scheinen die Beziehung zwischen dem didaktischen Führungshandeln und der
kundenorientierten Sozialkompetenz nach bisherigem Erkenntnisstand zu
moderieren. Aus dem Grund nehmen sie in der Untersuchung die Rolle der
Störvariablen ein. Auf dieser Basis wird in der Arbeit ein Modell entwickelt, in
dem das didaktische Führungshandeln ein Wirkungsgefüge mit den genannten
Forschungsmodell bildet den Abschluss des theoretischen Teils der Arbeit
Die Beschreibung der forschungsleitenden Fragestellungen und Annahmen leitet
den empirischen Teil der Arbeit ein. Es folgt eine Vorstellung der in der Studie
eingesetzten Fragebogenverfahren und das Vorgehen bei der Durchführung der
Das nächste Kapitel beinhaltet die Untersuchungsergebnisse. Es beginnt mit
einer Beschreibung der Stichprobe und einer Untersuchung der Gütekriterien der
eingesetzten Fragebogenverfahren. Ferner werden die Voraussetzungen für die
eingesetzten Analyseverfahren getestet, bevor der zentrale Teil des Kapitels
folgt: die Ergebnisse zur Überprüfung der Zusammenhangshypothesen zwischen
den genannten Variablen. In der ersten Korrelationsstudie wird zur
Beantwortung der Forschungsfrage empirisch untersucht, ob das didaktische
Führungshandeln des Ausbilders in tatsächlichem Zusammenhang mit der
kundenorientierten Sozialkompetenz der Auszubildenden steht. Existieren
positive Zusammenhänge, dann liegt der Gedanke nahe, dass es die ausbildende
Führungskraft ist, welche die kundenorientierte Sozialkompetenz der
Auszubildenden prägt. Diese Behauptung bezüglich der Ursache-Wirkungs-
Richtung müsste aber durch weitere Studien fundiert werden, was nicht mehr im
Rahmen der Arbeit geleistet werden kann.
Es folgen weitere korrelative und regressionsanalytische Berechnungen, in
welche die Selbstwirksamkeitsvariable und die Störvariablen aufgenommen
Abschließend werden die zentralen Ergebnisse diskutiert und in Bezug auf ihre
Zielsetzung bewertet. Des Weiteren wird der Erkenntnisgewinn der empirischen
Studie erörtert, gefolgt von einer kritischen, aber dennoch positiven Rückschau
auf die Untersuchungsmethodik und -durchführung (Kapitel VII).
I. KUNDENORIENTIERTE SOZIALKOMPETENZ ALS ZIELGRÖSSE
1. Praxisrelevanz der Arbeit
„Störenfried Kunde: Vom König zum Bittsteller“ (Der Spiegel, 1994,
Titelseite). Dieser Titel eines bekannten Wochenmagazins spricht nicht gerade
für die in der Wirtschaft zunehmend geforderte maximale Kundenorientierung.
Auch Faix und Laier (1996) haben die wagemutige Behauptung aufgestellt, dass
in sehr vielen Unternehmen das Bewusstsein für den Kunden fehlt. Dabei sind es
doch die Kunden, die die Basis jeder erfolgreichen Unternehmung bilden. Je
mehr treue und zufriedene Kunden das Unternehmen an sich binden kann, desto
größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es erfolgreich ist und dem Wettbewerb
standhalten kann (Brugger 2002a). Es ist das Ziel der Kundenorientierung, den
Nutzen für die Käufer zu erhöhen und langfristig stabile Beziehungen zu den
Kunden aufzubauen, damit so das letztendliche Ziel ökonomischer Erfolg
erreicht wird (Bruhn, 1999). Umfang und Qualität der Kundenbeziehungen
beeinflussen in erheblichem Maß die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen.
Diese positive Wirkung konnte in vielen Untersuchungen nachgewiesen werden
(vgl. Anderson, Fornell & Lehmann, 1994; Matzler & Stahl, 2000).
Der Wettbewerbsdruck nimmt zu, Bruhn (1999) spricht sogar von einem
„Hyperwettbewerb“ (S.5). Sowohl der Markteintritt von jungen und innovativen
Unternehmen als auch von international tätigen und im Ausland profilierten
Unternehmen sind dafür verantwortlich (Bruhn & Meffert, 2002). Neben der
starken Globalisierung ist die Situation der Betriebe aktuell auch durch die
zunehmende Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologien
gekennzeichnet (Hinterhuber & Matzler, 2004). Durch die Kosten- und
Produktleistungstransparenz via Internet werden die Kunden so gut wie nie
zuvor informiert (Hubschneider, 2007). Dass nun Kundenorientierung vor allem
im Dienstleistungsgewerbe aus oben genannten Gründen als oberstes Ziel gelten
muss, ist nicht neu. Die Schwierigkeit waren bisher sicherlich auch nicht die
theoretischen Erkenntnisse, sondern eine geeignete Strategie und Realisierung
dieses Gedankens. Was soll man also tun?
Kauffeld (2005) resümiert, dass der größte Wert eines Unternehmens aus den
menschlichen Ressourcen besteht. Nur so könne eine Verbesserung der
Wettbewerbsfähigkeit gelingen. Da gerade die jungen Menschen die Garanten
der Zukunft für die Unternehmen sind, haben alle ausbildenden Betriebe in
Deutschland sicherlich einen Zweck gemeinsam: sie wollen kundenorientierte
Nachwuchskräfte heranbilden, um ihr Unternehmen wettbewerbsfähig zu
machen und zu halten (Freytag & Grasmeher, 1998).
In Kleinst- und Kleinunternehmen, d. h. Betriebe mit maximal 49 Beschäftigten
(Schäffer, 2007), sind die Möglichkeiten zur Erreichung dieses Ziels beschränkt.
Welche Optionen den Ausbildern hier offen stehen, wird untersucht, nachdem
eine für die vorliegende Arbeit geltende Definition für Kundenorientierung
getroffen und ihr Zusammenhang zur Sozialkompetenz dargestellt wurde.
2. Grundlagen der Kundenorientierung
Die Diskussionen zum Thema Kundenorientierung sind gerade im Bereich der
Wirtschaftswissenschaften sehr vielfältig und kontrovers (Brugger, 2002b).
Zuerst soll auf die soziale Komponente der Kundenorientierung eingegangen
„Kundenorientierung heißt, die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden zu
erkennen und sich zu bemühen, diese zu erfüllen“ (Nerdinger 2003, S. 1).
Nach Dumpert (2003a) gelingt dies, wenn die Mitarbeiter ehrliches und
persönliches Interesse am Kunden mitbringen. Höflichkeit aus rein finanziellem
Interesse werde von den Kaufinteressenten durchschaut und hat nur noch wenig
mit Kundenorientierung zu tun. Die konkreten Handlungen sollen an den
Bedürfnissen der Kundschaft orientiert sein. Auf der anderen Seite sollen die
Balance zwischen Kunde und Wirtschaft wird unter dem Begriff
„Verständigungsorientierung“ (S. 53) zusammengefasst.
den Kunden rundum versorgen zu wollen. Das beinhaltet, sich um den Kunden
zu kümmern, ihn aktiv zu begleiten und möglichst speziell auf seine Situation
Schuler und Barthelme (1995) versuchen den komplexen Begriff der
Kundenorientierung durch eine Aneinanderreihung verschiedener Charakteristika
durch das Erkennen des Kundenbedarfs und -bedürfnisses, geschickte und
zielgerichtete Gesprächsführung und durch sicheres Auftreten aus. Dazu
Beschwerden, angemessene Umgangsformen und selbständiges sowie ein
unkonventionelles Vorgehen.
Es sollen nun nicht alle genannten Bestandteile einzeln operationalisiert werden.
Trotzdem wird deutlich, dass bei allen Autoren die gezielte Ausrichtung des
Unternehmens zur optimalen Erfüllung der Kundenerwartungen als
Hauptkomponente der Kundenorientierung angesehen wird (Nerdinger, 2003).
Dies bezieht sich auf die unmittelbar produktbezogenen Kundenwünsche. In
erster Linie aber zielt der Begriff auf das Verhalten der Mitarbeiter, die mit den
Kunden in unmittelbaren Kontakt treten (Dumpert, 2001). Denn für die Kunden
sind es die Mitarbeiter, mit denen sie in einer Kontaktsituation konfrontiert
werden, die das Unternehmen konstituieren. Die Mitarbeiter, die in direktem
Kontakt mit den Kunden stehen sind es, die deren Wünsche erfüllen und
gleichzeitig das Unternehmen angemessen repräsentieren müssen (Nerdinger,
Zur Umsetzung des Zieles der Kundenorientierung bei den Mitarbeitern ist
neben der sozialen Ebene der fachliche Aspekt bedeutsam (Nerdinger, 2003).
Fachkompetenz ist die Grundlage eines jeden kundenorientierten Verhaltens.
Ohne diese kann das Problem des Kunden im Normalfall nicht gelöst werden. Es
sind aber weniger die fachlichen Aspekte, sondern mehr die fehlenden sozialen
Kompetenzen, die das hochgesteckte Ziel Kundenorientierung im letzten
Jahrzehnt zum Scheitern gebracht haben. Die Mitarbeiter handeln nicht
situationsgerecht und reagieren unangemessen auf die Wünsche der Kunden,
weil sie es viele Jahre lang nicht nötig hatten (Faix & Laier, 1996).
Kundenorientierung, fällt oftmals eine scheinbar beliebige Aneinanderreihung
unterschiedlich gewichteter Kompetenzen auf, die die Kundenorientierung
bestimmen. Bezüglich der zentralen Bedeutung der Sozialkompetenz sind sich
die Autoren jedoch einig (vgl. Brater & Landig, 1995; Bruhn, 1999; Dumpert,
2001; Nerdinger, 2003; Schuler & Barthelme, 1995; Wunderer, 2007). Die
sozialen Kompetenzen des Kundenkontaktpersonals sind es, die bestimmen, ob
die Kunden zufrieden sind und wieder kommen.
Deswegen widmet sich das nächste Kapitel der Klärung des Begriffs
Sozialkompetenz. Dieses Begriffskonstrukt wird ausführlich auf den Stand der
Forschungen hin diskutiert, wobei dies vor allem unter dem Gesichtspunkt der
Kundenorientierung geschieht, d.h. die dyadische Beziehung Kunde -
Mitarbeiter steht im Mittelpunkt. Denn Sozialkompetenzen bestimmen auch die
Zusammenarbeit mit den Kollegen oder das Zusammenleben im privaten
Umfeld. Diese Komponenten werden wegen der Situationsspezifität von
Kompetenzen vernachlässigt (Bruhn, 1999). Nach einer allgemeinen Einführung
wird daher im weiteren Verlauf der Arbeit auch nicht mehr von
Sozialkompetenz, sondern von Sozialkompetenz in Kundensituationen bzw. von
kundenorientierter Sozialkompetenz gesprochen.
3. Theoretische Fundierung und begriffliche Orientierung zum Begriff
der kundenorientierten Sozialkompetenz
„Sozialkompetenzen - häufig zitiert, selten präzisiert“, mit dieser
provozierenden Aussage beginnt Euler (2004; S.5) einen Beitrag zum Thema
Sozialkompetenzen. Seine Beschreibung von Sozialkompetenz als „Wieselwort“
(S.8) macht bereits deutlich, dass sich eine klare Definition von
Sozialkompetenz nicht finden lässt. Gerade weil Sozialkompetenzen aktuell in
aller Munde sind, gestaltet sich eine übersichtliche Darstellung verschiedener
Definitionen als schwierig (Reetz, 1999). Die Definition von Indikatoren zum
Fördern und Erfassen von Sozialkompetenzen muss deshalb am
Kompetenzbegriff ansetzen, damit eine klare sprachliche Basis geschaffen wird,
um die mit der Zielvariable verbundenen Absichten, Interessen und Inhalte
Damit sind vier Leitfragen der Diskussion um den Begriff der Sozialkompetenz
1. Wie wird berufliche (Handlungs-)Kompetenz in der Pädagogik definiert und
wie lässt sie sich zum Begriff der Qualifikation abgrenzen?
2. Wie wird das Konstrukt „Sozialkompetenz“ im Kontext der
Betriebspädagogik aktuell rezipiert und wie kann die Kundenorientierung
begrifflich eingeordnet werden?
Auf Basis der theoretischen Klärung dieser beiden Fragen gelingt es, eine
Arbeitsdefinition der Zielvariable kundenorientierte Sozialkompetenz zu
erstellen. Daraus ergeben sich zwei weitere Fragen.
3. Wie können die einzelnen Konstrukte der Arbeitsdefinition operationalisiert
4. Aus welchen Teilkompetenzen setzt sich kundenorientierte Sozialkompetenz
Nach der theoretischen Klärung der dritten und vierten Frage ist es möglich,
darauf aufbauend die Dimensionen des Fragebogens mit den zugehörigen Items
kompetenz und (Schlüssel-)Qualifikationen
häufig und in verschiedenen Zusammenhängen verwendet. Vor allem beruflich
reißt die Forderung nach kompetenten Arbeitern nicht ab. Kompetenzen sind im
Sprachgebrauch vieler Wissenschaften zu finden und werden dort auch in
unterschiedlichen Verständnissen verwendet (Langmaack, 2004). Die
Definitionen variieren, je nachdem, ob ein soziologischer, wirtschafts-
wissenschaftlicher, oder pädagogischer Bezugszusammenhang diskutiert wird.
Von dieser Vielfalt ausgehend muss es nicht verwundern, wie wenig klar und
strukturiert Kompetenz begrifflich gefasst wird und wahrscheinlich auch nie
gefasst werden kann (Erpenbeck & Rosenstiel, 2003). Bodensohn (2003) spricht
sogar von einer „inflationäre[n] Anwendung des Kompetenzbegriffs“ (S.106;
Einfügung M. H.). Auch Arnold weist vehement auf die Unschärfe hin, mit
welcher der Kompetenzbegriff heute verwendet wird (2002).
Hargie (2006) fasst das sehr treffend zusammen:
„Defining ‚competence’ is like trying to climb a greased pole. Every time you
think you have it, it slips”. (S. 14f.)
Definitionspluralismus gegeben (vgl. dazu Kauffeld, 2006), sondern in erster
Linie das in dieser Arbeit verfolgte Verständnis von beruflicher Kompetenz
Ein einfacher Weg, den Kompetenzbegriff zu definieren, ist ein Blick ins
Fremdwörterlexikon, wo Kompetenz ganz banal mit „Vermögen“ und
„Fähigkeit“ umschrieben wird (Dudenredaktion, 2001, S.522). Diese
Auffassung von Kompetenz bildet auch den Kern pädagogischer Publikationen.
Hier geht der Begriff auf Roth (1971) zurück, auch der Deutsche Bildungsrat
bezieht 1974 deutlich Position und Reetz (1999) rezipiert den Begriff
ausführlich. In der betrieblichen Pädagogik bezeichnet Kompetenz die Fähigkeit
eines Individuums, sich erfolgreich mit den Anforderungen, Aufgaben und
Problemen im beruflichen Leben auseinanderzusetzen (Schlömer-Helmekring,
1995). Weinert (2001) sieht den Kern von Kompetenzen in den bei Individuen
verfügbaren kognitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten, komplexe Anforderungen
mit Erfolg bewältigen zu können.
Kompetenz als Ergebnis der Kompetenzentwicklung, stellt das Subjekt mit
seinen individuellen Fähigkeiten und Dispositionen in den Mittelpunkt
(Dehnbostel, 2001). Dabei spielen zwar konkrete Handlungen die zentrale Rolle,
denn wer eine Kompetenz besitzt, kann etwas und ist handlungsfähig (Frey und
Balzer, 2005). Frey (2002a) versteht unter beruflichen Kompetenzen aber auch
„körperliche und geistige Dispositionen, die eine Person benötigt, um
anstehende Aufgaben oder Probleme zielorientiert zu lösen, die Lösungen zu
bewerten und das eigene Repertoire an Handlungsmustern weiterzuentwickeln“
Nach Euler (2004) sind diese „körperlichen und geistigen Dispositionen“ ein
Zusammenspiel von Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten des Individuums.
Langmaack (2004) bestätigt dies durch ihre Aussage, dass berufliche
Handlungskompetenz mehr ist als ein Sammelbegriff für Fähigkeiten und für
erlernbare Fertigkeiten. Deswegen muss man sich von der von Bacon geprägten
These „Knowledge is power“ (Internetquelle 1) verabschieden, denn fachliche
Kompetenz und gute Allgemeinbildung alleine reichen nicht mehr, um in
beruflichen Handlungssituationen adäquat handeln zu können (Ertl & Sloane,
Berufliche Handlungskompetenz ist immer in der Trias der Fach-, Methoden-
und Sozialkompetenz zu betrachten. Fachkompetenz ist für berufliche
Handlungskompetenz nach wie vor die wesentliche Voraussetzung. In der
Literatur wird diese Dreiteilung von vielen Autoren vertreten (vgl.
Faix & Laier, 1996; Schaper, 2004; Sonntag & Schäfer-Rauser, 1993). Eine
Vierteilung mit dem zusätzlichen Kompetenzbereich der Selbst- bzw.
Personalkompetenz findet sich ebenfalls recht häufig (vgl. Erpenbeck & Heyse,
1997; Sonntag & Schaper, 1992). Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird
dieser vierten Differenzierung aber keine Beachtung geschenkt, da zwischen der
Sozial- und Selbstkompetenz fließende Übergänge bestehen (Kauffeld, 2005).
Sozialkompetenzen sind immer personal verankert und personale Kompetenzen
zeigen sich stets im Sozialen (Erpenbeck & Heyse, 1997).
Es werden für den weiteren Verlauf der Arbeit folgende essentiellen
Erkenntnisse berücksichtigt:
Berufliche Handlungskompetenz wird durch eine mehr oder weniger klar
strukturierte Aufgaben- oder Problemsituation mit ihren spezifischen Inhalten
bestimmt, d. h. durch die Performanzbedingungen einer betrieblichen Situation
(Maag-Merki, 2004). Aber es sind die persönlichen Ressourcen Wissen,
Einstellungen und Fertigkeiten, die die berufliche Handlungskompetenz in
diesen Situationen determinieren. Dazu zählt auch die von Erpenbeck so
hervorgehobene Selbstorganisationsfähigkeit (Erpenbeck & Heyse, 1996).
Intensional wird berufliche Handlungskompetenz demzufolge über eine
Verhaltens-, Situations-, und Inhaltskomponente klassifiziert (Euler &
Reemtsma-Theis, 1999). Die Verhaltenskomponente setzt sich wiederum aus
Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten zusammen.
Extensional ist die oben dargestellte Dreiteilung von beruflicher
Sozialkompetenz von Bedeutung.
Um nochmals zu betonen, dass in vorliegender Arbeit Abstand vom inhalts- und
situationsfreien Erwerb von Kompetenzen genommen wird und Kompetenzen
zugleich stark an die betroffenen Personen gebunden sind, wird auch auf die
Begriffe der Qualifikation und Schlüsselqualifikation verzichtet. Qualifikation
spiegelt als zertifizierbares Ergebnis des Wissens lediglich die gegenwärtig
vorhandenen Fähigkeiten wieder (Erpenbeck & Rosenstiel, 2003). Kompetenz
meint dagegen das, „was ein Mensch wirklich kann und weiß“ (Weinberg 1996,
S.3). Auch wenn einige Autoren beim Operationalisierungsaspekt von
Kompetenzen oft mit dem Schlüsselqualifikationsbegriff arbeiten (vgl.
Begriffsverständnis von Kompetenz. Denn: Schlüsselqualifikation erhebt den
Anspruch, inhaltsfrei, nicht an die Situation gebunden und rein formal zu sein
(Euler, 2004; Maag Merki & Grob, 2005).
3.2 Annäherung an ein Begriffsverständnis von kundenorientierter
Sozialkompetenz
Die wichtigste Voraussetzung, die Förderung von Sozialkompetenz durch den
Ausbilder festzustellen, ist eine Vorstellung vom Bildungsziel. Wie oben bereits
dargestellt, werden Sozialkompetenzen als eine Teilklasse von beruflicher
Handlungskompetenz verstanden. Während sich die Autoren bei der Definition
von Fach- und Methodenkompetenz zumindest weitgehend einig sind, finden
sich in der Literatur zahlreiche Versuche Sozialkompetenz zu definieren. Bis
heute sind die Autoren jedoch auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen (vgl.
Euler & Reemtsma-Theiss, 1999; Faix & Laier, 1996; Schaper, 2004). Da der
Begriff zu den sog. „catch-all-Begriffen“ (Reemtsma-Theis, 2003, S.33) gehört,
kann die Frage, was Sozialkompetenzen sind, letztlich so nicht beantwortet
werden. Es muss deshalb eine ausschließlich für die vorliegende Arbeit geltende
Begriffsdefinition gegeben werden. Um dieses Verständnis zu begründen,
werden Ansätze verschiedener Autoren zusammengeführt. Dabei handelt es sich
Betriebspädagogik.
3.2.1 Sozialkompetenz im Begriffsverständnis der Verhaltens-, Situations- und
Der Teilbegriff „Sozial“ impliziert zuerst einmal ganz allgemein, dass es um
eine Interaktion von Individuen geht, sowie um die Art und Weise, wie sie
interpersonal handeln (Schuler & Barthelme, 1995). Eine Person ist
sozialkompetent, wenn sie zusammen mit anderen Personen so handelt, dass die
Interaktion als gelungen bewertet wird (Euler & Reemtsma-Theis, 1999).
Handlungsdispositionen, die dieses soziale Handeln überhaupt ermöglichen,
umfassen wiederum eine Vielzahl von Teilkompetenzen. Die Bandbreite dieser
Schlüsselfertigkeiten reicht von Empathie und sozialer Sensibilität über
Rollendistanz und Ambiguitätstoleranz bis hin zu Spontaneität oder
Kommunikationsfähigkeit (Seyfried, 1995b). Den Katalog der einzelnen
Dimensionen sozialer Kompetenz erweitern verschiedene Autoren beispielsweise
noch um Aufrichtigkeit, Moral, Toleranz, Einfühlungsvermögen, Teamfähigkeit
und zahlreiche andere Konstrukte (Faix & Laier, 1996).
Der Versuch, unter dem Sozialkompetenzkonstrukt eine Reihe von sozialen
Teilkompetenzen zu subsumieren, findet sich sehr häufig. Eine der wesentlichen
Facetten sozialer Kompetenz ist bei Definitionsversuchen jedoch die
kommunikative Kompetenz, die oft auch als Kommunikationsfähigkeit
bezeichnet wird (Halfpap, 1996; Sandmann, 1999). Kommunikationsfähigkeit
wird dabei nach Sandmann (1999) verstanden als „Fähigkeit, sich
zwischenmenschlich verbal und nonverbal zu verständigen“ (S.120). Diese
Fähigkeit gilt als Voraussetzung für Interaktion und interpersonale Beziehungen
(Euler & Reemtsma-Theis, 1999).
Gerade im Bereich der Kundenorientierung ist Kommunikation unabdingbar,
deswegen wird diese in die Definition zur kundenorientierten Sozialkompetenz
explizit mit aufgenommen. Sozialkompetenz zeigt sich also in der
Verhaltenskomponente „Soziale Kommunikation“, die das Wissen,
Einstellungen und Fertigkeiten zum sozial-kommunikativen Handeln beinhaltet
Oftmals werden soziale Kompetenzen einzig als situationsunabhängige
Persönlichkeitseigenschaften wie Kreativität und Intelligenz beschrieben
(Marlowe, 1986). Dem stimmen Faix und Laier (1996) zu, weil sie sagen, dass
anderen nicht“ (S.71; Einfügung M. H.). Sie begründen das damit, dass man
nur positiv auf andere wirkt, wenn man zu seiner eigenen Persönlichkeit und
Euler widerspricht (2004), weil er Sozialkompetenz zwar als stabiles und
regelmäßiges kommunikatives Handeln ansieht, jedoch nur in bestimmten Typen
die Meinung Eulers (ebd.) vertreten. Ein zentrales Charakteristikum des
Kompetenzkonstrukts ist gerade die Situationsspezifität. Sozialkompetenzen
2004a). Sie werden nur für spezifische soziale Situationen erworben. Wer im
beruflichen Leben erfolgreich mit seinen Kunden kommuniziert, kann diese
Um abschließend die Brücke zur Verhaltenskomponente zu schlagen:
Es geht im Sinne von kundenorientierter Sozialkompetenz nur um
situationsspezifisches Wissen und entsprechende Einstellungen und Fertigkeiten.
Das situationsspezifische bezieht sich auf die kommunikative Interaktion
zwischen Mitarbeiter und Kunde (Euler, 2004).
Sozialkompetenz im Begriffsverständnis der Inhaltskomponente
Neben der Situationskomponente spielt der Inhaltsaspekt für berufliche
Sozialkompetenz eine wichtige Rolle. Notwendigerweise hat jede soziale
Kommunikation einen Inhalt. Inhalt bezeichnet den Themenkreis, auf den sich
die Kommunikation bezieht (Scheitler, 2001). Es macht für die
Verhaltenskomponente einen erheblichen Unterschied, ob über private,
berufliche, subjektive oder objektive Dinge gesprochen wird (Dumpert, 2001).
Die Inhalte wiederum hängen eng mit dem Situationskontext zusammen. Mit
einem Kunden kommuniziert man auf andere Art und Weise und über andere
Inhalte als mit einem Arbeitskollegen (Euler, 2004).
Da im Kontakt mit dem Kunden meist über Fachliches gesprochen wird, kann
der Kundenberater auch seine Sozialkompetenz nicht zeigen, wenn ihm die
Fachkompetenz zur Beratung fehlt (Walkzik, 2004a). Hier äußert sich bereits,
wie eng die Verzahnung zwischen den drei Subkompetenzen beruflicher
Handlungskompetenz ist. Folglich können die drei Kompetenzfacetten niemals
ganz unabhängig voneinander betrachtet werden (Sonntag, 1996).
3.2.2 Zusammenführung der Ergebnisse
Zusammenfassend ergibt sich aus der Anbindung des Sozialkompetenz- an das
übergeordnete Handlungskompetenzkonstrukt im Hinblick auf die Präzisierung
der Sozialkompetenzen die konzeptionelle Integration einer Verhaltens-, Inhalts-
und Situationskomponente (Dumpert, 2001).
Die Verhaltenskomponente integriert das Wissen, die Einstellungen und die
zeichnen sich in erster Linie Euler, Dumpert oder Reemtsma-Theis
verantwortlich, die sich mit Sozialkompetenzen im Rahmen eines BIBB-
Eine abschließende Definition von Hargie (2006) soll aber zeigen, dass diese
Erkenntnisse bezüglich “social skill” auch international von bekannten
Wissenschaftlern vertreten werden:
„Social skill is the ability to interact with others in a given social context in
personally beneficial, mutually beneficial, or beneficial primarily to others”.
„…die Fähigkeit, mit anderen in einem gegebenen sozialen Kontext zu
interagieren“ - dieser Teil der Definition spiegelt wieder, dass Hargie die
Sozialkompetenz auch abhängig von der Verhaltens-, Situations- und
3.2.3 Arbeitsdefinition von kundenorientierter Sozialkompetenz
Resümierend kann für die vorangegangenen Ausführungen festgehalten werden,
dass sich die Definitionen zur Sozialkompetenz zwischen den verschiedenen
Euler & Reemtsma-Theis, 1999; Faix & Laier, 1996; Heyse & Erpenbeck,
1997). Die Meinungsdifferenzen der Autoren hinsichtlich der Sozialkompetenz
im Bereich der Betriebspädagogik sind jedoch überbrückbar.
Aus dem Definitionspluralismus konnten deshalb verschiedene, immer von
mehreren Autoren getragene Elemente zur Sozialkompetenz herausgearbeitet
werden, so dass in Anlehnung an Euler et al. (2004) folgende Arbeitsdefinition
Arbeitsdefinition „Sozialkompetenz“:
„Sozialkompetenz bezieht sich auf spezifische interaktive Situationen. Sie wird
definiert als ein Teilbereich von Handlungskompetenz, die in diesen Situationen
ein sozial-kommunikatives Handeln über unterschiedliche Inhalte ermöglicht“.
Nimmt man nun das Konstrukt der Kundenorientierung hinzu, entsteht aus den
angeführten Überlegungen folgende Definition:
Arbeitsdefinition „kundenorientierte Sozialkompetenz“:
„Kundenorientierte Sozialkompetenz bezieht sich auf interaktive Situationen, in
denen die Mitarbeiter mit den Kunden in Kontakt treten (A). Sie wird definiert
als ein Teilbereich beruflicher Handlungskompetenz (B), die in diesen
Situationen ein sozial-kommunikatives Handeln (C) über unterschiedliche Inhalte
3.3 Operationalisierung der einzelnen Konstrukte der Arbeitsdefinition
zum besseren Überblick in der Abbildung 1 dargestellt werden.
Die definitorischen Bestandteile kundenorientierter Sozialkompetenz werden im Anschluss daran präzisiert:
anderem „Interesse am Umgang mit Kunden“ oder „sich mit der
Verkaufsaufgabe identifizieren“ (S.94).
Bei den Fertigkeiten sind psychomotorische Schwerpunkte von Bedeutung. Im
Zusammenhang mit Sozialkompetenzen sind das Prinzipien und Techniken z.B.
zur Gestaltung und zum Aufbau eines Kundenberatungsgesprächs oder zum
Umgang mit Konfliktsituationen.
Voraussetzungen zur Gestaltung von Kommunikationsprozessen (Bauer-Klebl,
Euler & Hahn, 2001). Diese personalen Voraussetzungen zeigen sich in den drei
Handlungsdimensionen Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten.
(C) …die in diesen Situationen ein sozial-kommunikatives Handeln
Sozialkompetenzen gelten, wie bereits oben dargestellt, als Basis sozialer
Kommunikation. Das bedeutet, dass höhere Sozialkompetenz unabdingbar zu
höherer Kommunikationsfähigkeit führt. Umgekehrt ist aber Kommunikation ein
Muss, um überhaupt in Beziehung treten zu können (Langmaack, 2004).
Deswegen gilt soziale Kommunikation als Bezugspunkt zur Bestimmung von
Sozialkompetenzen (Euler, 2004). Euler und Reemtsma-Theis (1999) gehen von
einer konstruktivistischen Sicht der Kommunikation aus. Dazu haben sie eine
aufschlussreiche Abhandlung zur Konzeptionalisierung von Sozialkompetenzen
vorgelegt und ein Grundmodell sozial-kommunikativen Handelns entwickelt.
Dieses Modell soll kurz vorgestellt werden. Erst über ein gemeinsames
Verständnis ist es möglich, Teilkompetenzen der Sozialkompetenz in den
Dimensionen Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten zu bestimmen.
Das sozial-kommunikative Handeln wird in diesem Modell über einen agentiven
und einen reflexiven Blickwinkel betrachtet (Euler & Reemtsma-Theis, 1999).
Im agentiven Schwerpunkt vollzieht sich die eigentliche Aus- und Durchführung
der Kommunikation. Die Individuen artikulieren und interpretieren verbale und
nonverbale Äußerungen auf der Sach-, Beziehungs-, Selbstkundgabe- und
Absichtsebene (Schulz von Thun, 2006). Auf den nonverbalen Anteil der
Kommunikation sei nochmals explizit hingewiesen, da in einer Interaktion
immer Kommunikation stattfindet, selbst wenn sich Menschen nicht verbal
ausdrücken. Das besagt eines der fünf Axiome von Watzlawick (2000).
Störende Ereignisse und Faktoren der Kommunikation fallen unter den
Kommunikation können nach dem Kommunikationsquadrat von Schulz von
Thun (2006) auf allen vier Ebenen entstehen. Im reflexiven Schwerpunkt wird
über das kommunikative Geschehen nachgedacht. Störfaktoren können in
situativen, z. B. zeitlichen Rahmenbedingungen oder personalen Bedingungen,
ReemtsmaTheis, 1999). Die Skizze verdeutlicht den Sachverhalt.
Die beiden Modi sind nicht klar zu trennen, weil ihre Übergänge fließend sind.
Euler und Reemtsma-Theis (1999) stellen das sehr ausführlich dar. Die
Kernaussage liegt aber dennoch separat in den beiden Schwerpunkten. Für ein
besseres Verständnis wird deswegen im Rahmen dieser Arbeit nicht näher auf
die Übergänge eingegangen.
(D) …über unterschiedliche Inhalte ermöglicht
Jede soziale Kommunikation hat notwendigerweise einen Inhalt. In beruflichen
Situationen sind dies häufig die gleichen Inhalte, die auch im Hinblick auf
entsprechende Fachkompetenzen von Bedeutung sind. So handelt es sich im
pharmazeutischen Bereich um die Beratung des Kunden durch den Mitarbeiter
über bestimmte Medikationen und Behandlungsmöglichkeiten. Das entspricht
der Sachebene der Kommunikation.
Es sind allerdings auch Inhalte auf der Beziehungs-, Selbstkundgabe- und
Absichtsebene vorstellbar (Dumpert, 2001).
In der Konsequenz bedeutet obige Darstellung der vier Operationalisierungs-
bereiche auf der einen Seite, dass Sozialkompetenzen über Teilkompetenzen im
agentiven und reflexiven Schwerpunkt präzisiert werden. Auf der anderen Seite
werden diese nicht situations- und inhaltsunabhängig formuliert, sondern nur
spezifisch bestimmt und erworben (Bauer-Klebl, Euler & Hahn, 2001).
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird die Kundenberatung in
pharmazeutischen Kleinst- und Kleinunternehmen untersucht. Inhaltlich steht in
Beratungsgesprächen der fachliche Kontext im Mittelpunkt, aber auch andere
Anhand dieser Vorgaben wird nun aufgelistet, welche Teilkompetenzen es
Kundenberatungssituation ermöglichen. Durch diese Subkompetenzen kann dann
ein Fragebogen erstellt werden.
3.4 Bestimmung der Teilkompetenzen in den Handlungsdimensionen
Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten
Nerdinger (2003) spricht von einer gewissen Übertragbarkeit von sozialen
Teilkompetenzen in bestimmten Situationstypen, denn „die soziale Seite
gehorcht für alle Begegnungen zwischen Kunde und Mitarbeiter ähnlichen
Deswegen werden in Anlehnung an Dumpert (2003b) die Soll-Kompetenzen von
Mitarbeitern in Dienstleistungsunternehmen übernommen, die dieser für
Kundenberatungssituationen erstellt hat. Er bezieht dabei den agentiven und
reflexiven Schwerpunkt ein. Ausgangspunkt waren 80 Interviews mit
Dienstleistungsbranchen.
Euler und Reemtsma-Theis (1999) legen ebenfalls eine Reihe von
Nerdinger (2003) einige Indikatoren für Sozialkompetenz erarbeitet.
Grundsätzlich gilt, dass in alltäglichen Kundenberatungssituationen lediglich
Dumpert (2003b) bezeichnet reflexive Kompetenzen deswegen als
Aufbaumodule (S.68). Aber da es gerade diese Aufbaumodule sind, die sozial-
ermöglichen, darf ihre Bedeutung keineswegs unterschätzt werden. Für die drei
Handlungsdimensionen sind beide Schwerpunkte mit gleichem Gewicht vertreten.
Sozialkompetenzen in der Handlungsdimension Wissen
In dieser Dimension bedeutet Sozialkompetenz das Wissen über
Kommunikation. Die pharmazeutischen Auszubildenden sollen über
Kommunikationsmodelle Bescheid wissen und theoretisch fundiertes Wissen
darüber besitzen, wie kundenorientierte Gespräche in Apotheken hinsichtlich
zentraler Merkmale aussehen. Zentrale Merkmale sind Kenntnisse über die
eigenen Aufgaben und Rollen und über kritische Ereignisse im
Beratungsgespräch und Wissen über die Bestandteile und den Ablauf eines
Außerdem sollen die Auszubildenden die personalen und situativen
Komponenten, die für eine Kommunikationsstörung verantwortlich sind,
kennen. Ein sozialkompetent Handelnder sollte den Einfluss des personalen und
situativen Bedingungshintergrunds auf die Kommunikation klären können
In dieser Dimension beziehen sich die Teilkompetenzen auf Werte und
Einstellungen, die der Kommunikation zugrunde liegen. Kennzeichnend ist eine
positive Einstellung gegenüber den Kunden, denn diese steuert das Verhalten der
Auszubildenden. Eine positive Einstellung bedeutet, dass die Kunden nicht als
eine Quelle des Ärgers erlebt werden, wenn sie mit einer Forderung herantreten.
Die Auszubildenden müssen die innere Überzeugung haben, dass die Kunden
einen Anspruch auf guten Service haben. Das ist der Fall, wenn die Kunden
nicht nur als Mittel zum Zweck betrachtet werden (Nerdinger, 2003).
Diese Einstellung hängt eng mit der intrinsischen Motivation der
sein und echtes Interesse am Kunden besitzen.
Damit ist aber nicht gemeint, dass die eigenen oder betrieblichen Interessen
ist eine „verständigungsorientierte […] für das Kundenproblem bestmögliche
Lösung“ (Euler, 2004, S.48). Auf der einen Seite dürfen die Kunden nicht zur
Seite kann von Kundenberatern nicht gefordert werden, dass sie sich in zu hoher
Konformität den Kundenwünschen unterwerfen. Man bezeichnet einen Berater
Kundenforderungen über das Normalmaß hinausgehen, kann dies im Extremfall
einen Abbruch des Beratungsgesprächs zur Folge haben (Dumpert, 2003b).
entwickeln, gehört zum reflexiven Schwerpunkt und ist ebenfalls ein Teil der
Sozialkompetenz in der Dimension der Einstellungen. Daraus resultiert die
Bereitschaft, sich mit den wahrgenommenen Kommunikationsstörungen
auseinanderzusetzen (Euler, 2004).
Sozialkompetenzen in der Handlungsdimension Fertigkeiten
In dieser Dimension sind in erster Linie Fertigkeiten des agentiven
kommunikativen Umgangs, d.h. Interpretations- und Artikulationsfähigkeiten
impliziert (Dumpert, 2003b).
Interpretationsfähigkeit auf Seiten des Auszubildenden bedeutet, verbale und
nonverbale Kundenäußerungen interpretieren zu können. Die Auszubildenden
müssen besonders sensibel darauf achten, wie die Kunden verbal und nonverbal
ihr Befinden und ihre Wünsche ausdrücken, um so deren Anliegen besser
Perspektivenübernahme ist dabei unerlässlich. Sie zeichnet sich durch das
Verstehen der Erwartungen der Kunden aus sowie durch das Wahrnehmen der
Situation aus der Sicht der Kunden (ebd.). Empathie ist eine wichtige
Voraussetzung für gelingende Kommunikation (Frindte, 2001).
Verbale Interpretationsfähigkeit heißt, dass der Berater aktiv zuhören kann und
die Wortwahl des Gesprächspartners berücksichtigt. So kann er das
Interpretationsfähigkeit wird verstanden, dass man sich der Körpersprache der
Kunden bewusst wird (Nerdinger, 2003).
Artikulationsfähigkeit meint, situationsangemessene Fragen zu stellen, um das
Problem des Kunden offen zu legen. Dafür sollen das Sprachniveau dem Kunden
angepasst und Fachausdrücke weitgehend vermieden werden (ebd.).
Zur verbalen Artikulationsfähigkeit zählt Nerdinger (ebd.) die Fähigkeit zur
Beziehungsgestaltung. Das schließt die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen mit ein.
Sich deutlich und mit angemessener Stimmlage und Lautstärke auszudrücken,
wird auch als Teilkompetenz in diese Kategorie aufgenommen.
Nonverbale Artikulationsfähigkeiten zeigen sich in der Mimik und Gestik, in
außersprachlichen Signalen, im Blickkontakt oder in der Körperhaltung (Argyle,
2005). Ungespielte Freundlichkeit, Einfühlung und wahres Interesse am Kunden
werden vor allem der Mimik entnommen (Nerdinger, 2003). Auch nonverbales
Feedback (z.B. Kopfnicken, Lächeln) zeichnet die kundenorientierte
Sozialkompetenz eines Beraters aus (Dumpert, 2003b).
Zu den Fertigkeiten des reflexiven kommunikativen Umgangs zählt die Fähigkeit
zur Metakommunikation. Diese gilt als Kommunikation über Kommunikation
und dient dazu, soziale Beziehungen zu klären und Missverständnisse zu
beseitigen, sobald eine Kommunikationsstörung als solche erkannt wird (Frindte,
2001). Sie zeigt sich beispielsweise in Fragen wie „Wie soll ich das
verstehen?“, „Könnten Sie mir das bitte näher erläutern?“ oder „Wenn ich Sie
recht verstehe, wünschen Sie…“. Durch diese Fragen signalisiert der
Kundenberater, dass er eine Kommunikationsstörung als solche erkennt und
bereit ist, angemessene Handlungsmöglichkeiten zum Umgang mit störenden
personalen oder situativen Bedingungen zu entwickeln (Dumpert, 2003b).
Wenn dem Berater klar wird, dass die Kommunikation nicht funktioniert, sollte
er das Problem offen ansprechen und das Gespräch ggf. vertagen oder
Resümierend bezüglich des Kapitels wird festgehalten: Die Definition zur
kundenorientierten Sozialkompetenz war der Ausgangspunkt dafür, dass
konkrete sozial-kommunikative Teilkompetenzen für den ausgewählten
Kleinunternehmen“ bestimmt werden konnten. Der Kern befand sich in der
Trennung in einen agentiven und reflexiven Schwerpunkt nach dem
Grundmodell von Euler und Reemtsma-Theis (1999).
Die erarbeiteten Teilkompetenzen bilden die Basis für den Fragebogen zur
Selbsteinschätzung der Auszubildenden bezüglich ihrer kundenorientierten
II. Förderung der kundenorientierten Sozialkompetenz
4. Zielsetzung der Arbeit
In der empirischen Studie wird herausgearbeitet, ob die kundenorientierte
Sozialkompetenz der Auszubildenden im Zusammenhang mit dem
Führungshandeln des Ausbilders steht. Der Blick soll ausschließlich auf
arbeitsplatzintegrierte Lehr- und Lernformen gerichtet werden. Gerade in den zu
untersuchenden Betriebsgrößenklassen von Kleinst- und Kleinunternehmen ist es
aus finanziellen und zeitlichen Gründen meist nicht möglich, die Auszubildenden
an arbeitsplatzfernen Seminaren oder Fortbildungen teilnehmen zu lassen. Diese
Tatsache konnten viele Führungskräfte im persönlichen Gespräch bestätigen.
Wird das Lernen in den Arbeitsprozess integriert, richtet sich das Augenmerk
zuallererst auf die Person, die sich für die Auszubildenden im Betrieb
verantwortlich zeichnet. In vorliegender Arbeit wird diese Person als
Führungskraft bzw. Ausbilder bezeichnet. Die Führungskräfte müssen dabei
dass sich in Kleinst- und Kleinunternehmen die personellen Bezeichnungen
Ausbilder, Vorgesetzter oder Führungskraft überschneiden und dieselbe Person
2003).
Kundenorientierte Sozialkompetenz erfordert nach obiger Definition die
Verhaltensweisen, welche die Basis für diese Kompetenzen bilden. Gerade bei
Anforderungen an die soziale Kompetenz, wie die Fähigkeit zur
Verhalten gestaltet sich das Lehren ziemlich schwierig. Dem betrieblichen
Ausbilder kommt die Hauptverantwortung zu (Theymann & Hofmann, 2005).
stimmt, damit die Mitarbeiter ihre Arbeit gut und erfolgreich ausführen und ihre
kundenorientierte Sozialkompetenz entwickeln können (Theymann & Hofmann,
Das erfordert eine lernförderliche Gestaltung des alltäglichen sozialen Umfelds.
Führung wird zur Aufgabe, Situationen und Prozesse des Alltags durch
Lehrimpulse so zu gestalten, dass dort neben der eigentlichen operativen Arbeit
auch Lernen und Entwicklung in der gewünschten Richtung stattfinden kann -
Führung wird also zur pädagogischen Aufgabe (ebd.). Theymann und Hofmann
„Führung ist eine pädagogische Aufgabe! Ein pädagogisches Verständnis bzw.
pädagogische Führung wird zum Schlüssel für die Entwicklung vieler heutiger
und zukünftiger Lernerfordernisse - vor allem, wenn es um soziale Kompetenzen
oder auch um die Entwicklung oder Veränderung von beruflich relevanten
Einstellungen und Verhaltensweisen (z.B. Kundenorientierung) geht“. (S.102)
Weitere Ausführungen zum Thema Führung und welche Anforderungen damit
verbunden sind, zeigen die nächsten Kapitel.
5. Grundlagen der Führung
Was heißt Führung? Der Begriff wurde bereits unzählige Male definiert und
aufgrund der Forschungsvielfalt ist eine einheitliche Definition nicht möglich.
Vor dem Hintergrund der eigenen Fragestellung ist festzuhalten, dass Führung
„zielbezogene Einflussnahme“ darstellt (Rosenstiel, 1993, S.4).
Oder um es mit den Worten von Wedmann-Tosuner (2007) etwas weiter zu
fassen: diese versteht unter Führung einen interpersonellen Prozess, durch den
eine Verhaltensbeeinflussung der Gruppenmitglieder dem Zweck der
gemeinsamen Zielerreichung dient. Die Geführten sollen dazu gebracht werden,
umzusetzen. Die Zielsetzungen im Unternehmen können dabei sehr
unterschiedlicher Art sein und reichen von der Verbesserung des Betriebsklimas
Die Einflussnahme kann auf zweierlei Arten geschehen und zwar durch die
Führung durch Strukturen und durch die Führung von Personen (Rosenstiel,
Kontextgestaltung beeinflusst wird. Gute und kreative Arbeit kann nur geleistet
werden, wenn man über das entsprechende Umfeld verfügt (ebd.).
mit Menschen beim zuständigen Führenden im Mittelpunkt. Das Verhalten des
Führenden im Hinblick auf die zielbezogene Beeinflussung von Unterstellten mit
Hilfe verschiedener Kommunikationsmittel wird zum zentralen Bestandteil der
Führung (von Rosenstiel, 1993).
Neuberger (1985) stellt eine Reihe von wesentlichen Kennzeichen von Führung
dar, die von verschiedenen Wissenschaftlern erarbeitet wurden. Wunderer
(2007) und Wunderer und Grunwald (1980a und 1980b) gehören dabei zu den
Zusammenfassend können folgende Erkenntnisse festgehalten werden:
- als Führungskraft bezeichnet man die Person, die Probleme der
organisierende oder planende Tätigkeiten löst;
- Führung ist interpersonell, also immer eine Interaktion zwischen zwei
oder mehreren Personen;
- Führung ist beabsichtigte soziale Einflussnahme zur Erreichung eines
bestimmten Zieles;
- im Zentrum erfolgreicher Führung stehen die Person des Führenden und
damit verbundene Kommunikationsprozesse in einer strukturierten
Arbeitssituation.
In der Konsequenz bedeuten diese Ergebnisse für die vorliegende Arbeit:
„Führung zeigt sich in einer vom Ausbilder strukturierten Arbeitssituation und in
einer kommunikativen Interaktion zwischen Ausbilder und Auszubildendem. Die
soziale Einflussnahme des Ausbilders besteht in dem Ziel, die kundenorientierte
Sozialkompetenz der Auszubildenden zu verbessern“.
Der Teil der Definition ist einleuchtend. Wie haben die geforderten
koordinierenden, organisierenden und planenden Tätigkeiten des Ausbilders aber
auszusehen, damit Sozialkompetenz gelernt werden kann? Diese Frage bildet
den Inhalt des folgenden Kapitels.
6. Theoretische Fundierung didaktischer Maßnahmen von
Sozialkompetenz im Arbeitsprozess
Sozialkompetenz im Allgemeinen gelernt wird und wie dieses Lernen von den
Ausbildern unterstützt werden kann. Ausgangspunkt bildet dabei die
theoretische Erkenntnisse vorliegen. Durch Darstellung der Lerntheorien werden
das didaktische Handeln und die lehrmethodischen Prinzipien und Konzepte des
Damit sind sieben Leitfragen der Diskussion um das Lernen und Lehren von
Sozialkompetenzen grundgelegt:
1. Kann man Sozialkompetenz im Arbeitsprozess überhaupt lernen und somit
auch fördern (6.1.1)?
2. Welche Lerntheorien fundieren das Lernen von Sozialkompetenz (6.1.2)?
3. Wie sieht im Rahmen der Entwicklung von Sozialkompetenz das Modell des
idealtypischen Lernprozesses aus (6.1.3)?
Sind diese lerntheoretischen Fragen geklärt, kann der Blick auf das eigentliche
Forschungsziel gelenkt werden, das sich mit der didaktischen Förderung von
Sozialkompetenzen durch die Führungskräfte beschäftigt. Es soll geklärt
werden, inwieweit die Lerntheorien Hinweise für die lehrmethodische
Förderung von Sozialkompetenzen geben.
4. Sind es die Führungskräfte, die auf ihre Auszubildenden einen erzieherischen
Einfluss ausüben? D. h. in welchem Zusammenhang stehen demnach Führung
5. Welche allgemeinen didaktischen Prinzipien und Techniken zur Förderung
von Sozialkompetenz haben in der empirischen Forschung positive Ergebnisse
6. Welche Folgerungen ergeben sich daraus für die Förderung
kundenorientierter Sozialkompetenz (6.2.3)?
Nach der Beantwortung dieser lehrtheoretischen Fragen kann eine
Arbeitsdefinition von didaktischem Führungshandeln erstellt werden, welche die
Voraussetzung für den empirischen Teil der Arbeit bildet.
7. Was wird unter einem didaktischen Führungshandeln von Ausbildern
verstanden und welche Maßnahmen zur Förderung kundenorientierter
Sozialkompetenz sind konkret damit verbunden (6.3)?
6.1 Zum Lernen der kundenorientierten Sozialkompetenz
Die Beantwortung der Frage, ob Sozialkompetenz prinzipiell überhaupt lernbar
ist, muss am Anfang stehen. Didaktische Ziele sind nur legitimierbar, wenn man
sie auch erreichen kann. Sozialkompetenz ist also durch den Ausbilder erst
förderbar, wenn sie von den Auszubildenden auch erlernbar ist (Euler, 2000).
Trotz der Vielzahl von Veröffentlichungen zur Sozialkompetenz finden sich nur
wenige, die sich differenziert mit Konzepten zum Lernen und zur Förderung
entwicklungspsychologischer Sicht angeführt wird, die Sozialentwicklung des
Menschen werde vor allem in der Kindheit durch die Kommunikation und das
Zusammenleben mit der Familie, Freunden und anderen Bezugspersonen
geprägt (Euler & Hahn, 2004). Da die Auszubildenden beim Einstieg in den
Beruf keine tabula rasa mehr sind, sind didaktische Interventionen in der
Lebensphase der Ausbildung zu spät und bleiben weitgehend erfolglos
Sozialkompetenz mehr lernen, wie auch immer die Förderung aussehen mag.
Auf diesen Standpunkt soll aber nicht näher eingegangen werden, da dieser
Ansicht zahlreiche Argumente entgegenstehen. Singer (2002) beschreibt die
entwicklungspsychologische Beweislage als nicht empirisch abgesichert und
Aus soziologischer Perspektive wird als Argument gegen eine
Förderungsmöglichkeit angeführt, dass es die sozialen Entwicklungsbedingungen
im Umfeld der institutionalisierten Berufsbildung sind, die den größten Einfluss
auf die Auszubildenden haben. Weil der Gegenwind der gesellschaftlichen
Spannungen - es seien an dieser Stelle z.B. der Trend zur Ein-Kind-Familie
oder der erhöhte Medienkonsum erwähnt - zu stark ist, könne diesen
Sozialisationsbedingungen in der Berufsbildung nicht mehr entgegengewirkt
werden (Euler, 2000). Ausbilder hätten keine Chance, die Sozialkompetenz bei
den Auszubildenden zu verbessern, weil das Umfeld der Auszubildenden stärker
wiegt. Dieser Ansicht kann zumindest teilweise zugestimmt werden, wenn man
von Sozialkompetenz im Sinne von komplexen sozialen Einstellungen und
Wertausrichtungen spricht, wie das oft in Definitionen geschieht (ebd.).
Betrachtet man aber die für diese Arbeit entwickelte Definition von
kundenorientierter Sozialkompetenz im Verständnis von sozial-kommunikativen
Handlungskompetenzen, dann unterstellen Euler und Hahn (2004), dass
Sozialkompetenzen lern- und förderbar sind. Die Förderung kann lediglich im
Hinblick auf vorangegangene Sozialisations- und Lernprozesse begrenzt sein.
Dies führt aber nicht dazu, dass in späteren Lebensjahren kein Potenzial und
keine Energie mehr vorhanden sind, um Sozialkompetenzen zu entwickeln.
Letztlich kann der Ausbilder das Lernen aber immer nur ermöglichen und nicht
determinieren. Was der Auszubildende dann daraus macht, liegt nicht im
Einflussbereich des betrieblichen Leiters (Euler, 2000).
Zusammenfassend für dieses Kapitel wird nochmals eindrücklich darauf
hingewiesen, dass Sozialkompetenzen eindeutig lern- und somit förderbar sind.
Die Auseinandersetzung mit der Förderung und den damit verbundenen
Aufgaben für den Ausbilder, denn allein „das schlichte Miteinander-Sprechen
führt nicht zur Verbesserung der kommunikativen Kompetenz“ (Adolph, 1992,
S.167), kann jedoch erst nach der lerntheoretischen Fundierung erfolgen.
6.1.2 Lerntheoretische Fundierung
Bei der Entwicklung kognitiver Handlungskompetenzen (wie z.B.
Fachkompetenz) werden behavioristische, sozial-kognitive, kognitive,
handlungsorientierte oder konstruktivistische Lerntheorien betont (Dumpert,
2003) und zahlreiche empirische Untersuchungsergebnisse bestätigen im Großen
und Ganzen den Erfolg dieser Lerntheorien (vgl. Dochy et al., 2003; Gardner,
Euler (2000) stellt die Lerntheorien in einer ausführlichen Analyse dar. Er
bestätigt, dass daraus, obwohl vorrangig für kognitive Handlungskompetenzen
entwickelt, dennoch auch zahlreiche Ansatzpunkte für die Beantwortung der
Frage nach den wichtigsten Lernschritten für den Aufbau sozial-kommunikativer
Handlungskompetenzen abgeleitet werden können. Trotzdem bleiben viele
Fragen offen. Wenn im Folgenden auf die oben genannten Lerntheorien näher
eingegangen wird, sollen die damit verbundenen Schwierigkeiten deutlich
Behavioristische Lerntheorien weisen verhaltenstheoretische Bezüge auf und die
formende Kraft von Belohnung und Bestrafung wird betont. Bezogen auf die
kundenorientierte Sozialkompetenz würde das bedeuten, ein vom Ausbilder als
geeignet erachtetes Kommunikationsverhalten durch Verstärkung in eine
bestimmte Richtung zu lenken. Diese Theorie sagt weniger über das Lernen aus,
sondern gibt vorrangig eine Orientierung für Lehraktivitäten. Außerdem ist mit
ihr die Gefahr verbunden, Kundenkontaktsituationen „ritualisiert“ und
„marionettenhaft“ zu gestalten (Euler & Hahn, 2004, S. 442).
Im Gegensatz zu den behavioristischen Lerntheorien werden sozial-kognitive
Lerntheorien, z.B. das Lernen am Modell, in der Betriebspädagogik für die
Begründung des Lernens von Sozialkompetenzen immer wieder betont (Bandura,
1986). Auch in der Führungsforschung wird auf die Bedeutung des Lernens an
Vorbildern hingewiesen (Wunderer, 2007). Mangels (1995) betont die
Wichtigkeit der Identifikationsfigur des Ausbilders. „Nur derjenige, der selbst
sozial kompetent ist, kann auch soziale Kompetenz vermitteln“ (S.53). Gerade
für das Lernen von sozial-kommunikativen Kompetenzen im agentiven
Schwerpunkt dürfte die Bedeutung des Lernens an Modellen nicht zu
vernachlässigen sein, was besonders hohe Effektivitätswerte bei Holling und
Liepmann (1995) bestätigen. Für den Erwerb von Sozialkompetenzen im
reflexiven Schwerpunkt scheint die Theorie nicht anwendbar, es sei denn der
Ausbilder stellt seine reflexiven Gedankengänge explizit dar, so dass sie auch
beobachtet werden können (Euler & Hahn, 2004).
Kognitive Lerntheorien - also Lernen durch den Auf- und Ausbau von
kognitiven Strukturen - beschäftigen sich mit der Frage, wie der Mensch die
Erfahrungen mit seiner Umwelt in seinem Wissen verarbeitet. Es geht also um
den Wissenserwerb und um Denk- und Verarbeitungsprozesse der Lernenden
(Euler, 2000; Pradel, 2001). Im Zusammenhang mit dem Lernen von
Sozialkompetenzen geben kognitive Lerntheorien Aufschluss darüber, wie z.B.
Wissen über Kommunikation und über Kommunikationsstörungen entsteht. Dies
betrifft vor allem das Lernen von Kompetenzen im reflexiven Schwerpunkt
Einen wesentlichen Beitrag zum Lernen von Sozialkompetenzen leisten
handlungsorientierte und konstruktivistische Lerntheorien, d. h. Lernen durch
Handeln und Problemlösen (Euler & Hahn, 2004; Spiro et al., 1992). Die
konstruktivistische Lerntheorie gehört in den Bereich des handlungsorientierten
Lernens (Schelten, 2000). Handlungsorientiertes bzw. konstruktivistisches
Lernen stellt einen individuellen Lernprozess dar, der sich im aktiven Erkunden,
Entdecken und Erproben der Lernenden manifestiert (Sloane, 2000). Wissen
wird nicht wie in objektivistischen Lerntheorien passiv aufgenommen, sondern
es ist der Lernende, der sich in die aktive Position begibt. Lernen wird als
aktive Wissenskonstruktion auf Grundlage individueller Werte, Überzeugungen
und Vorerfahrungen gesehen. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Subjektivität.
Das bedeutet, dass Lernen nicht als Folge einer Außensteuerung durch Reize
auftritt, sondern dass von einer Innensteuerung durch das selbstbestimmte
Subjekt ausgegangen wird (Euler, 2000; Mietzel, 2001).
Bekannte Vertreter des konstruktivistischen Ansatzes sind Piaget, Wygotzki oder
Dewey (Gage & Berliner, 1996). Im Zusammenhang mit konstruktivistischen
Theorien beschäftigen sich die Wissenschaftler vornehmlich mit der Förderung
von kognitiven Zielen. Deswegen stellt sich die Frage, wie sich diese
Lerntheorie auf das Lernen von sozial-kommunikativen Handlungskompetenzen
im agentiven und reflexiven Schwerpunkt beziehen lässt.
Pradel (2001) schlägt vor, dass der Auszubildende selbst durch subjektives
Handeln Lösungen für den angemessenen kommunikativen Umgang mit Kunden
in verschiedenen Situationen finden, das neue Wissen mit den bereits gemachten
Erfahrungen vergleichen und so seine bestehenden Konstrukte erweitern muss.
Das Verständnis von Lernhandeln betont „die Einheit von körperlichem und
geistigem Handeln, von motorischer Aktion und mentaler Reflexion, von
Wissenserwerb und Wissensanwendung“ (Euler, 2000, S.21). Beim Lernen
einer angemessenen kundenorientierten Sozialkompetenz kommt es auf die
Verzahnung von Reflexion und Aktion an.
Resümierend heißt das, dass verschiedene Theorien zum Lernen von
Sozialkompetenzen vorgeschlagen und miteinander verbunden werden. Es lässt
sich aber keine finden, die speziell und passgenau das Lernen von
kundenorientierter Sozialkompetenz beschreibt (Euler & Hahn, 2004). Darum
soll ein weiteres Modell erklärt werden. Dieses wurde von Euler (2000) in
konstruktivistischen Lerntheorie entwickelt. Es handelt sich hierbei um ein
Modell mit zehn zentralen Lernschritten, von deren Aktivierung vermutet wird,
dass sie die Entwicklung kundenorientierter Sozialkompetenz positiv
6.1.3 Modell des idealtypischen Lernprozesses
Im Folgenden sind im Modell die Lernschritte zur Entwicklung sozial-
Schrittfolge besteht keine Linearität, sondern Euler (2000) geht von einem
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Maria Hausner, 2008, Förderung der kundenorientierten Sozialkompetenz als Ziel von ausbildenden Führungskräften, München, GRIN Verlag GmbH
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