Inhalt
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1 Vorwort 4
2 Grundlagen 5
2.1 Das Thema Rechnungswesen im Fach BwR 5
2.2 E-Learning 6
2.2.1 Computer-based Trainings (CBT) 8
2.2.2 Web-based Trainings (WBT) 8
2.2.3 Online-Vorlesungen und Hypertextsysteme 8
2.2.4 Virtuelle Seminare 10
2.2.5 Lernplattformen 12
2.2.6 Blended Learning 13
2.2.7 Andere Formen virtuellen Lernens 14
3 Didaktische und methodische Begründung des computergestützten Lernens 15
3.1 Medienkompetenz als Kulturfertigkeit
15
3.2 Lerntheoretische Konzepte und deren Relevanz für das computerunterstützte
Lernen 17
3.2.1 Behaviorismus und programmiertes Lernen 17
3.2.2 Kognitivismus und Instructional Design 20
3.2.3 Konstruktivismus und situiertes Lernen 23
3.2.4 Selbstgesteuertes Lernen 24
3.2.5 Instruktionale Ereignisse 26
3.3 Computer als virtuelle Lernumgebung 27
3.3.1 Förderung der Motivation 27
3.3.1.1 Attraktivität des Lernmediums Computer 29
3.3.1.2 Schüleraktivität 30
3.3.1.3 Unmittelbare Rückmeldung 31
3.3.1.4 Individuelles Lernen 32
3.3.1.5 Realitätsnähe 35
3.3.2 Weitere Aspekte des Lernens in einer virtuellen Lernumgebung 35
3.3.2.1 Emotionen 35
3.3.2.2 Motivation aufrecht erhalten 36
3.3.2.3 Differenzierung 38
3.3.3 Grenzen virtueller Lernumgebungen 39
3.3.3.1 Technische Grenzen 39
3.3.3.2 Rechtliche Grenzen 41
3.3.3.3 Pädagogisch-didaktische Probleme 42
3.3.3.4 Soziales Lernen 44
4 Darstellung der virtuellen Lernumgebung
„TomKlick.de - Buchführung-Online Lernportal“ 45
4.1 Grundgedanke 45
4.2 Inhalt 47
4.3 Aufbau 49
4.3.1 Screendesign 49
4.3.2 Navigation, Benutzerführung und Storytelling 50
4.3.3 Kommunikationstools 53
4.4 Interaktion und Kooperation 54
4.4.1 Schüler - Computer 54
4.4.2 Schüler - Lehrer 56
4.4.3 Schüler - Schüler 57
4.5 Gestaltung der Lern- und Übungseinheiten 58
4.5.1 Darstellungsform Storytelling 58
4.5.2 Text 58
4.5.3 Audio 59
4.5.4 Interaktion und Übungen 60
4.6 Praxis 63
4.6.1 Einsatzmöglichkeit in der Schule 63
4.6.1.1 Lehrplattform 63
4.6.1.2 Lernplattform 64
4.6.2 Einsatzmöglichkeit zu Hause 64
5 Ausblick 65
6 Glossar 68
7 Literaturverzeichnis 71
1. Vorwort 4 1. Vorwort
Es gibt eine große Anzahl an Veröffentlichungen im Bereich des Lernens mit dem Computer. Es werden viele Vorschläge gemacht, worauf bei dem Entwurf einer virtuellen Lernumgebung zu achten ist und welche Vorteile und Gefahren in virtuellen Lernumgebungen liegen. Tatsächlich programmierte virtuelle Lernumgebungen sind selten zu finden und diese werden den Anforderungen der Autoren meist nicht gerecht.
Mein Vorhaben ist daher, nicht nur eine weitere Abhandlung über den Einsatz des Computers im Unterricht zu schreiben, sondern selbst eine virtuelle Lernumgebung für den Rechnungswesenunterricht der siebten Klasse der Realschule zu konzipieren. Hierbei habe ich mich intensiv mit der didaktischen Aufbereitung beschäftigt als auch versucht, den Vorschlägen in der Literatur zur Konzeption einer virtuellen Lernumgebung gerecht zu werden.
Es sollen im zweiten Abschnitt kurz das Fach Rechnungswesen sowie die Lernziele der siebten Klasse vorgestellt werden. Auf eine ausführliche Erläuterung wird verzichtet, da die virtuelle Lernumgebung „TomKlick.de - Buchführung-Online Lernportal“ (www.tomklick.de) eine intensive Beschäftigung mit den Lerninhalten und deren didaktischen Aufbereitung leistet. Der zweite Abschnitt soll ebenso einen Überblick über die Formen virtueller Lernumgebungen geben, um Klarheit in die Begriffsebene zu bringen, denn Begriffe wie E-Learning, virtuelle Lernumgebung und Blended Learning sind Modewörter und werden daher meist unklar verwendet.
Im dritten Abschnitt soll auf die didaktische und methodische Begründung computerunterstützten Lernens eingegangen werden. Ausgehend von den gängigen lerntheoretischen Konzepten und dem Computer als Unterrichtsmedium, werden virtuelle Lernumgebungen mit ihren Chancen und Grenzen genauer dargestellt. Im vierten Abschnitt wird die virtuelle Lernumgebung „TomKlick.de - Buchführung-Online Lernportal“ vorgestellt. Dabei wird auf die zuvor dargestellten Möglichkeiten einer virtuellen Lernumgebung zurückgegriffen und es wird auch noch differenzierter auf Aspekte wie Navigation, Kommunikation und Interaktion eingegangen.
2. Grundlagen 5 2. Grundlagen
2.1 Das Thema Rechnungswesen im Fach BwR
„Die Realschule vermittelt eine breite allgemeine und berufsvorbereitende Bildung. Die Realschule ist gekennzeichnet durch ein in sich geschlossenes Bildungsangebot, das auch berufsorientierte Fächer einschließt. Sie legt damit den Grund für eine Berufsausbildung und eine spätere qualifizierte Tätigkeit in einem weiten Bereich von Berufen mit vielfältigen theoretischen und praktischen Anforderungen“ (Lehrplan für die sechsstufige Realschule in Bayern (2001), 13).
Das Fach BwR nimmt in Abhängigkeit der Wahlpflichtfächergruppe einen unterschiedlichen Stellenwert in der Stundentafel ein. Im Folgenden soll nur noch auf die Wahlpflichtfächergruppe II eingegangen und speziell die Lernziele der siebten Jahrgangsstufe im Bereich Rechnungswesen herausgestellt werden.
Es werden in der siebten Klasse im Rechnungswesenunterricht wichtige Grundlagen für die Buchführung geschaffen. Als erstes wird die Prozentrechnung wiederholt und vertieft, da sie zur Berechnung vieler wirtschaftlicher Vorgänge benötigt wird. Die Schüler lernen das Inventar und die daraus abgeleitete Bilanz kennen, Belege, aktive und passive Bestandskonten, Geschäftsfälle, Buchungssätze, Unterscheidung von Werkstoffen, Erträge und Aufwendungen sowie den Unterschied zwischen Bestands- und Erfolgskonten (Lehrplan für die sechsstufige Realschule in Bayern (2001), 254). Dieses Grundwissen wird bis in die zehnte Klasse vertieft und erweitert, so dass die Schüler beim Verlassen der Realschule die Buchführung bis auf wenige Details vollständig beherrschen und darüber hinaus auch Bilanzen auswerten und interpretieren können.
Das betriebliche Rechnungswesen ist ein wichtiges Kontroll- und Führungsinstrument für jedes Unternehmen. Es ist damit einer der zentralen Bereiche eines Unternehmens und benötigt gut ausgebildete Mitarbeiter. Speziell ausgebildete Bilanzbuchhalter sind in Anbetracht der steigenden internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen stark nachgefragte Fachkräfte. Aber auch in anderen kaufmännischen Berufen ist das Fach Rechnungswesen ein Bestandteil der Ausbildung.
2. Grundlagen 6
Das Fach Rechnungswesen versucht daher den Ansprüchen der Wirtschaft an die Auszubildenden gerecht zu werden. Dies wird auch durch den gezielten Einsatz des Computers im Unterricht erreicht: „Computer als Hilfs- und Arbeitsmittel: Kenntnisse im Einsatz der Tabellenkalkulation erweitern, einfache Rechenblätter erstellen und anwenden; Präsentationsgrafik“ (Lehrplan für die sechsstufige Realschule in Bayern (2001), 254). Weiter heißt es in der ersten Lehrplanebene: „Eine besondere Rolle spielt dabei die Beschäftigung mit den Informations- und Kommunikationstechniken. Konkrete Erfahrungen mit der realen Welt u n d intensive Beschäftigung mit der virtuellen Welt der neuen Medien ermöglichen den Schülern, die beiden ´Welten´ auseinander zu halten und die technischen Möglichkeiten sinn- und verantwortungsvoll zu nutzen“ (Lehrplan für die sechsstufige Realschule in Bayern (2001), 14).
2.2 E-Learning
In der Literatur gibt es zahlreiche Bezeichnungen in Verbindung mit E-Learning. Für den Begriff E-Learning selbst werden ebenso unterschiedliche Definitionen angeboten oder aber gleich ganz auf eine Definition verzichtet. Andere greifen auch auf alternative Begriffe wie bspw. Online-Lernen (Klaner) oder Tele-Lernen (Schertler) zurück. Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Begriff des E-Learnings in zwei Bedeutungen gebraucht wird: „erstens im engeren Sinne als Online-Lernen bzw. WBT mittels Internet, Intranet und Extranet und zweitens im weiteren Sinne unter zusätzlicher Einbeziehung der Offline-Komponente des Combuter Based Trainings (CBT) mit CD-ROM, Simulationen und Lernprogrammen“ (Schlottau, 2004, 97). Als Definition im weiteren Sinne bietet sich daher die folgende von Mandl & Winkler an: „Grundsätzlich ist unter E-Learning das Lernen mit Hilfe elektronischer Medien zu verstehen“ (Mandl, 2004, 17).
Die Entwicklung in der Computertechnologie und die Entwicklung von Netzen (Intranet und Internet) machten den Computer zum Mittelpunkt der Medien und somit zu einem entscheidenden Hilfsmittel für Lernprozesse. „Multimedia und Hypermedia bilden die technische Grundlage für E-Learning, außerdem werden alle netzbasierten Kommunika-tionsformen zur Unterstützung des Lernprozesses eingesetzt“ (Pala-Güngör, 2004, 105).
2. Grundlagen 7
Im Folgenden sollen die Formen des E-Learnings genauer betrachtet und somit mehr Klarheit in die Begriffsebene gebracht werden. Die Kategorisierung orientiert sich hierbei an den Fachbegriffen der virtuellen Lernformen. In der Literatur wird teilweise auch nach Handlungs- und Lernzielen (Baumgartner & Payr) oder dem Grad der Begleitung (Kerres, Kritzenberger) differenziert.
Auf die Kommunikationsformen wird bei der Darstellung der einzelnen Formen virtuellen Lernens nur kurz eingegangen, da sie später explizit betrachtet werden (siehe 4.3.3 Kommunikationstools).
2.2.1 Computer-based Training (CBT)
Computer Based Trainings (CBTs) stellen reine Selbstlernprogramme dar, die sich vor allem in der betrieblichen Weiterbildung in den 80er Jahren durchsetzten (vgl. Pala-Güngör, 2004, 105). Zunächst waren diese Programme nur textbasiert, mittlerweile gibt es aber auch CBTs mit audio- und videounterstützten Animationen (ebd. 105). Das Computerprogramm übernimmt die Rolle des Lehrers, wobei CBTs somit kostengünstiger als die herkömmlichen Weiterbildungsangebote und vor allem ortsunabhängig einsetzbar sind (vgl. Schmidt, 2004, 22). Ein weiterer Vorteil ist die sofortige Auswertung von Fragen als Rückmeldung über den Stand des Lernprozesses. Problematisch ist, dass aufgrund der Programmierung die Übungen hauptsächlich aus Multiple-Choice-Fragen oder aber aus der Antwortmöglichkeit eines Wortes bestehen (bspw. Vokabel-Trainer). Das Programm ist nur in der Lage richtig oder falsch zu unterscheiden und nicht fähig, genauer auf den Lösungsvorschlag des Schülers einzugehen. Pala-Güngör (2004) weist daher zu Recht darauf hin, dass der Einsatz von CBTs nur zum Aneignen von Faktenwissen (Hardskills) geeignet sei (vgl. Pala-Güngör, 2004, 106). Für komplexere Lerngegenstände sowie kommunikative und soziale Lernziele sind CBTs nicht geeignet. Dies liegt einerseits an dem schon erwähnten Problem der Programmierung, aber auch daran, dass weder Kommunikation zwischen den Lernenden noch zwischen dem Ler- nenden und dem Lehrer stattfindet.
2. Grundlagen 8
2.2.2 Web-based Training (WBT)
„Unter den Web-based Trainings (WBTs) versteht man im Allgemeinen die Übertragung von Computer-based Trainings (CBTs) via Internet“ (Schmidt, 2004, 22). Das Internet verspricht das Problem der fehlenden Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten beim CBT zu lösen. In der Praxis zeigt sich allerdings, dass die Lernenden - wie auch schon bei den CBTs - meist lediglich durch virtuelle Tutoren 1 begleitet werden und der Austausch mit anderen Lernenden als Implikation daraus kaum möglich ist. Gründe hierfür liegen vor allem im personellen Aufwand, den die Begleitung der Lernenden in Form eines persönlichen Mail-Kontaktes und die Moderation von Diskussionsgruppen mit sich bringt. Der personelle Aufwand würde somit die ökonomischen Vorteile des computerunterstützten Lernens zunichte machen. Die Produktion von WBTs und CBTs ist ohnehin schon sehr teuer, so dass man auf kommunikative und kooperative Elemente in der Regel verzichtet, um die Kosten zu minimieren (vgl. zu diesem Abschnitt Schmidt, 2004, 22-23).
Der Hauptvorteil des WBT gegenüber dem CBT liegt in der individuellen Verfügbarkeit an jedem beliebigen Ort durch das Internet. Zusätzlich sind WBTs leichter und schneller zu aktualisieren und es kann durch Hypertext auf weiterführende Inhalte verwiesen werden (vgl. Pala-Güngör, 2004, 107).
2.2.3 Online-Vorlesungen und Hypertextsysteme
Online-Vorlesungen. Online-Vorlesungen sind mit den heutigen technischen Möglichkeiten lediglich Vorlesungen, die online übertragen werden (meist in Form einer Videokonferenz). Das Computersystem dient hier also nur als Transportmittel, wobei der technische Aufwand für einen störungsfreien Ablauf sehr hoch ist (Schmidt, 2004; Kritzenberger, 2005).
1 Einige WBTs verwenden auch intelligente tutorielle Systeme (ITS): Diese gewährlei-
sten eine höhere Flexibilität, Adaptivität und höheres Interaktionspotenzial gegenüber
nicht-intelligenten tutoriellen Systemen.
2. Grundlagen 9
Online-Vorlesungen bedienen sich somit lehrerzentrierter Methoden, bei denen die Lernenden die Informationen nur passiv konsumieren. Im Wesentlichen unterscheiden sich Online-Vorlesungen in ihrer didaktischen Konzeption kaum vom Schulfernsehen. Dies wird sicherlich auch der Hauptgrund sein, warum diese Form des virtuellen Lernens nur bei wenigen Autoren genauer betrachtet wird. Parallel zur technischen Entwicklung wird sich aber diese Form mit Gewissheit als eine der wichtigsten Lehr- und Lernform in der Zukunft durchsetzen (Kritzenberger, 2005).
Hypertextsysteme. Unter Hypertextsystemen versteht man eine computerbasierte Organisation von Informationen, bei der die Lerninhalte auf Computerseiten wiedergegeben werden (vgl. Kritzenberger, 2005, 40). Durch Hypertext lässt sich von jeder Seite eine Verbindung zu jeder anderen beliebigen Seite herstellen. Auf diese Weise entsteht eine vernetzte Struktur von Informationen, die einen flexiblen Zugriff ermöglicht. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu einem Lehrbuch, welches die Inhalte linear darbietet. Werden bei Hypertextsystemen multimediale Elemente eingesetzt, so spricht man auch von Hypermediasystemen (vgl. Schmidt, 2004, 24). Im Folgenden wird daher nur noch von Hypermediasystemen gesprochen, da der Einsatz von Multimedia-Elementen mittlerweile Standard ist.
Einige Autoren fassen WBTs, Hypertextsysteme und Online-Vorlesungen unter dem Begriff Tele-Teaching (Kerres, Kritzenberger) zusammen, andere gehen auf Hypertextsysteme und Online-Vorlesungen überhaupt nicht ein (bspw. Pala-Güngör). Gemeinsam haben diese drei Lernformen das zentrale Kriterium der Lehrerzentriertheit, wodurch eine Verallgemeinerung auf den ersten Blick nicht unberechtigt erscheint (vgl. Schmidt, 2004, 24). Die Gestaltung des Lehrenden findet hier allerdings mit unterschiedlicher Intensität statt. Wie oben schon erwähnt handelt es sich bei Online-Vorlesungen lediglich um online übertragene Präsenzveranstaltungen. Daher soll hier nicht weiter auf diese Form des virtuellen Lernens eingegangen, sondern vielmehr Hy- permediasysteme genauer von WBTs abgegrenzt werden.
2. Grundlagen 10
Bei Hypermediasystemen werden dem Lerner die Lernzeit und der Lernweg überlassen, wie dies auch bei den meisten WBTs der Fall ist. Zusätzlich wird bei Hypermediasystemen dem Lerner meist ebenso die Definition des Lernziels überlassen. Einen weiteren Aspekt stellt die Begleitung der Lernenden dar. Bei Hypermediasystemen hat der Lernende wie auch bei WBTs nicht nur die Möglichkeit, Zeit, Ort und Dauer der Lernsequenz zu bestimmen, sondern durchläuft diese in der Regel alleine. Es wird also der Lerner weder persönlich durch einen realen noch durch einen virtuellen Tutor begleitet. Wie oben bereits erwähnt greifen WBTs zumindest auf virtuelle Tutoren zurück. Somit fehlt bei Hypermediasystemen die soziale Komponente beim Lernen. Während bei Hypermediasystemen die Bereitstellung von Wissen im Vordergrund steht, geht es bei WBTs nicht nur um die Erarbeitung des Wissens, sondern vielmehr auch um das Überprüfen und dessen Einübung. Somit liegt der wesentliche Unterschied in der Interaktivität. Bei Hypermediasystemen ist die Interaktivität lediglich auf das Aufrufen einzelner Seiten und der selbst bestimmten Navigation beschränkt. In der Regel sind hier mehr Bezüge als beim WBT zu externen Seiten im WWW. Dies hat nicht nur den Vorteil von ständiger Aktualität, sondern ermöglicht auch eine schnellere Aktualisierung der Lernumgebung. Eine notwendige Aktualisierung bedeutet bei Hypermediasystemen lediglich eine neue Verlinkung zu externen Seiten, während bei WBTs die neuen Inhalte vom Programm-Autor hinzugefügt werden müssen. Andererseits ist bei Hypermediasystemen aber auch das Problem des ständigen Wartens („tote Links“) verbunden (vgl. zu diesem Abschnitt Schmidt, 2004, 24-25).
2.2.4 Virtuelle Seminare
Weitere Bezeichnungen, die synonym für virtuelle Seminare gebraucht werden, sind Online-Lernen (Pala-Güngör), Tele-Seminar oder Online-Seminar (vgl. Kritzenberger, 2005, 138). Eine passende Definition für ein virtuelles Seminar bietet Pala-Güngör an: Beim virtuellen Seminar „werden Lernmaterialien für Lerner im Server bereitgestellt und die Lernenden werden von Tutoren betreut, je nach technischer Infrastruktur synchron oder asynchron“ (Pala-Güngör, 2004, 107). Beim virtuellen Seminar findet virtuelles Lernen nicht ergänzend oder in eine Präsenzveranstaltung integriert statt, son- dern es ersetzt die Präsenzveranstaltung (vgl. Kritzenberger, 2005, 138).
2. Grundlagen 11
Im Gegensatz zu den bisher genannten virtuellen Lehrformen steht der Lernende bei virtuellen Seminaren im Zentrum. Von den Lernenden wird wesentlich mehr Aktivität verlangt, sie sollen Wissen nicht mehr passiv konsumieren, sondern sich untereinander austauschen und an einem gemeinsamen Lerngegenstand arbeiten. Virtuelle Seminare basieren daher in der Regel auf der Konzeption von CSCL 2 . Bei CSCL arbeiten zwei oder mehr Lerner durch kooperative Lernformen an einer bestimmten Lernaufgabe und erarbeiten sich somit das Wissen gemeinsam (vgl. Hinze, 2004). Bei virtuellen Seminaren kommen hauptsächlich asynchrone Kommunikationstools zum Einsatz wie bspw. E-Mail und Diskussionsforen. In der Regel ist die Teilnehmerzahl bei virtuellen Seminaren klar begrenzt. Man bezeichnet die Diskussion im Forum daher auch als geschlossene Diskussion. Hierbei übernimmt ein Tutor die Moderation und kann den Verlauf der Diskussion eines Themas durch Impulse lenken. Neben der Lenkung der fachlichen Diskussion hat der Tutor auch auf das soziale Klima zu achten. Meist beschränken sich virtuelle Seminare nicht auf Diskussionsforen, sondern es werden in Kleingruppen bestimmte Themen bearbeitet. Die Ergebnisse der Gruppenarbeit können dann später in einer größeren Gruppe diskutiert oder mit anderen Gruppenergebnissen verglichen werden. Hier bieten sich neben der asynchronen Kommunikation vor allem synchrone Kommunikationsformen an wie Chats, Screen-Sharing 3 , Application-Sharing 4 , Telefon- und Videokonferenzen.
2 „computer supported collaborative learning“ oder „computer supported cooperative learning“; deutsch:
„Computerunterstütztes kooperatives Lernen“
3 Beim Screen-Sharing entsteht durch eine entsprechende Software auf einem entfernten Bildschirm eine
1:1 Abbildung eines anderen Rechners.
4 gemeinsame Nutzung von Dokumenten über das Internet
2. Grundlagen 12
2.2.5 Lernplattformen
Die Begriffe Lernportal und Lernplattform werden in der Literatur synonym gebraucht. Lernplattformen sind die weiterentwickelte Form von WBT und beinhalten auch virtuelle Seminare und Hypermediasysteme. Sie stellen somit die neueste Entwicklung im E-Learning-Bereich dar, da sie alle Möglichkeiten des Internets vereinen. Lernplattformen stellen Funktionen zur Verwaltung und Betreuung der Lernenden im Rahmen einer virtuellen Lernumgebung, wie bspw. Lernressourcen, Übungsaufgaben und Kommunikationstools (vgl. Kritzenberger, 2005, 131). Zu den Haupteigenschaften einer Lernplattform gehören: • Benutzerverwaltung: verschlüsselte Anmeldung und Zuweisung von Rechten (bspw. Administratorenrechte oder eingeschränkte Benutzerrechte), • Kursverwaltung: Bereitstellung der Kurse, • Online-Coach: Betreuung der Lernenden durch Experten, • Kommunikationsmöglichkeiten: Chat, Foren, Videokonferenz, • Werkzeuge: Screen-Sharing, Application-Sharing, Dokumentenaustausch, Notizbuch • Darstellung der Kursinhalte auf den gängigen Browsern (Internet-Explorer, Safari, Netscape Navigator, Firefox).
Beispiele für Lernportale wären www.klett-training.de oder www.antolin.de (Schroedel) welche sich an Schüler unterschiedlicher Altersklassen wenden. Dabei werden bei Klett unterschiedliche Fächer abgedeckt, wohingegen Antolin speziell zur Leseförderung eingesetzt wird. Das Portal „klett-training.de“ stellt eine Alternative zur Nachhilfe dar und ist, abgesehen von einer kostenlosen Probezeit, kostenpflichtig. „Antolin.de“ ist ebenfalls kostenpflichtig und ist speziell für den Einsatz in der Schule konzipiert. Das eigentliche Problem von Lernplattformen liegt in den Kosten für die Benutzer. Dies liegt nicht nur an der sehr aufwendig und teuren Produktion, sondern vor allem an den laufenden Kosten durch die Betreuung der Lernenden.
Weitere Beispiele für Lernportale sind virtuelle Universitäten. So können an der Fernuniversität Hagen schon bestimmte Studiengänge online studiert werden. Bei Präsenzuniversitäten beschränkt sich die Nutzung des Internets in der Regel noch auf die Bereitstellung von Zusatzinformationen zum Download oder organisatorische Angelegen- heiten wie bspw. die Anmeldung zu Prüfungen oder Semester-Rückmeldung.
2. Grundlagen 13
Anders als die genannten Beispiele stellt die interaktive Arbeitsplattform „lo-net“ (www.lo-net.de) Arbeitsgruppen, Lehrer-Kollegien und Schulklassen alle zur Kommunikation und Koordination nötigen Instrumente kostenlos zum Arbeiten an gemeinsamen Projekten im Netz zur Verfügung. Die Inhalte erarbeiten die in der Regel geschlossenen Benutzergruppen selbst. Lo-net, die schon vor einigen Jahren eingeführte Arbeitsumgebung von „lehrer-online“ erfreut sich wachsendem Interesse, wie die veröffentlichten Nutzerzahlen 5 belegen. Lehrern wird hier erstmals die Möglichkeit geboten, mit der eigenen Klasse im „virtuellen Klassenraum“ effektiv arbeiten zu können. Dieser Online-Dienst ist ein Teilprojekt von „Schulen ans Netz e.V.“ neben Projekten wie LizzyNet (www.lizyynet.de) und Primolo (www.primolo.de).
2.2.6 Blended Learning
„Versuchen wir es mal mit ´Blended Learning´“, heißt es in einer Überschrift der Financial Times Deutschland (Reppert, 2002) als Reaktion auf die enttäuschten Erwartungen, die in die Virtualisierung der Weiterbildung gesetzt wurden. „Zurückrudern heißt jetzt das Motto. ´Blended Learning´ ist die neue Philosophie der Branche. Hinter dem englischen Begriff, der in keinem Anbieterprospekt mehr fehlt, verbirgt sich die Erkenntnis, dass E-Learning die herkömmliche Weiterbildung in den Unternehmen nicht ersetzen kann. Stattdessen ist gemischtes, in der deutschen Fachübersetzung, ´hybrides Lernen´ gefragt, also ein Methodenmix aus Präsenzschulung und elektronischem Lernen“ (Reppert, 2002, 1). Blended Learning bedeutet also, dass Face-to-Face-Arrangements in der Schule mit asynchronen und synchronen Medienarrangements verknüpft werden (vgl. Reinmann-Rothmeier, 2003, 28). Virtuelle Lernumgebungen, Audio, Video und Bücher haben ihren gleichberechtigten Platz im und neben dem Unterricht. Auch in der Methodenwahl sind keine Grenzen gesetzt. In der Schule findet in der Regel automatisch Blended Learning statt, da eine virtuelle Lernumgebung den Präsenzunterricht niemals ersetzt. Eine virtuelle Lernumgebung kann den Unterricht lediglich über Strecken ergänzen oder begleiten, wenn sie für alle Lernenden in den Unterricht integriert wird oder als Differenzierungsangebot für einzelne zur Verfügung steht.
5 Bis vor kurzem noch war auf der Startseite die Zahl der angemeldeten Nutzer angegeben, welche von
Tag zu Tag deutlich stieg.
2. Grundlagen 14
Die mittlerweile erkannte Notwendigkeit von Blended Learning und damit der Schritt weg von reinen virtuellen Lernumgebungen hin zu ergänzenden Präsenzphasen, trifft somit hauptsächlich auf berufliche Weiterbildungsformen zu. Immer mehr Autoren sehen die Zukunft darin, bei der Gestaltung von Lernumgebungen eine ausgewogene Kombination von E-Learning-Angeboten und klassischen Präsenzlernformen zu kreieren (vgl. Reinmann-Rothmeier, 2003, 29).
2.2.7 Andere Formen virtuellen Lernens
Es gibt die vielfältigsten Formen des Lernens und Lehrens im Internet. Die mittlerweile wohl bekannteste und am häufigsten eingesetzte Methode stellt aber mit Sicherheit die Informationsrecherche dar. Diese wird in der Regel ergänzend zu traditionellen Lehrveranstaltungen in der Schule oder Universität eingesetzt. Kaum jemand würde aber heutzutage die Veranstaltung daher als virtuell oder computerunterstützt bezeichnen, da der Computer mittlerweile als Werkzeug zum Alltag gehört. Das Problem, das beim Medium WWW jedoch auftritt ist die Unübersichtlichkeit des Internets und die Flut der neu hinzukommenden Informationen.
Eine weitere bisher noch nicht genauer betrachtete Form sind offene Diskussionsforen und Team-Weblogs 6 im Internet. Der Lernende oder Informationssuchende kann zu jedem beliebigen Thema das passende Forum oder Weblog finden oder ein neues Thema eröffnen. Diese Foren können zur kurzfristigen Bearbeitung eines aktuellen Problems genutzt werden. Bei langfristiger Teilnahme an einem Diskussionsforum kann sich hier auch ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln, das in der Regel auf dem gemeinsamen Interesse an einem Thema beruht. Nach Brown (2001 zit. bei Schmidt, 2004, 29) bieten diese „Communities“ ein enormes Lernpotenzial und sind praktisch eine Idealform des sozialen Lernens im Internet. Die Entstehung solcher „eingeschworener Lerngruppen“ ist im Bereich der Schule allerdings schwer zu erreichen (vgl. zu diesem Abschnitt Schmidt, 2004, 29).
6 Ein Weblog (Kunstwort aus „Web“ und „Logbuch“), üblicherweise einfach nur Blog genannt, ist eine
Webseite, die periodisch neue Einträge enthält. Neue Einträge stehen an oberster Stelle, ältere folgen in
umgekehrt chronologischer Reihenfolge. Bei einem Team-Weblog können alle gemeinsam an den Ein-
trägen arbeiten (vgl. Wikipedia).
3.Didaktische und methodische Begründung des computergestützten Lernens 15
3. Didaktische und methodische Begründung des com-
putergestützten Lernens
3.1 Medienkompetenz als Kulturfertigkeit
Die Tatsache, dass mittlerweile fast in jedem Kinderzimmer ein Fernseher und/oder ein Computer bzw. eine Spielkonsole stehen, zeigt, wie sehr die Medien bereits Einzug in die Lebenswirklichkeit der Schüler gefunden haben. Auch Email-, Handy- und SMS-Kommunikation gehören zum Medienalltag der Kinder und Jugendlichen. Dieser Entwicklung stehen viele Eltern, aber auch Lehrer und Erzieher mit gemischten Gefühlen gegenüber.
Auch die zunehmenden Neuerungen im Bereich der Medien lösen unterschiedliche Reaktionen aus. Die einen sehen vor allem die sich eröffnenden Chancen der Neuen Medien wie die Vielzahl von Informationen und die Bildungsmöglichkeiten. Andere hingegen fürchten die Risiken die mit den Neuen Medien verbunden sind wie die Gefahr von Verwechslung des medial Wahrgenommenen mit der Realität und daraus resultierende Passivität und Verunsicherung in den sozialen Welten. Noch ist die Spielsucht nicht als Krankheit anerkannt, dennoch gibt es schon therapeutische Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, die ein Art Doppelleben führen zwischen der realen und einer Cyber-Welt 7 .
In einer Gesellschaft, die man nach obigen Ausführungen zu Recht auch als eine Mediengesellschaft bezeichnet, muss Medienkompetenz als eine Schlüsselqualifikation gesehen werden. Der Begriff „Medienkompetenz“ wird in der Literatur meist sehr unscharf verwendet und nicht genauer definiert. Man beschränkt sich meist auf die damit ver-bundenen Assoziationen beim Leser und führt lediglich einzelne Handlungsfelder auf.
7 „Im Therapiegespräch erzählte sie, dass sie doch viele Freunde habe. ´Wir gehen zusammen schwim-
men oder kochen, setzen uns unter Bäume und quatschen über Jungs.´ Es dauerte eine Weile bis
Trautsch begriff, dass diese Freunde alles Wesen aus der ´World of Warcraft´ waren“ (Deggerich,
Markus (2005): Kulturkampf im Kinderzimmer. In: Der Spiegel, Nr. 33 (2005), S. 40-42)
Arbeit zitieren:
Robert Klapp, 2004, E-Learning im Fach BwR an der Realschule, München, GRIN Verlag GmbH
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