VOLITION UND LERNBEEINTRÄCHTIGUNG
Inhalt
1 EINLEITUNG 1
2 EMOTION, MOTIVATION UND VOLITION 2
3 DAS RUBIKON-MODELL NACH HECKHAUSEN (1989) 7
4 BEDEUTUNG DER VOLITION FÜR LERNBEEINTRÄCHTIGTE SCHÜLER 11
5 FAZIT 15
6 LITERATUR 16
i
VOLITION UND LERNBEEINTRÄCHTIGUNG
1 Einleitung
In diesem Text soll die Volitionstheorie in Bezug auf die Bedeutung für das schulische Lernen und Lernbeeinträchtigungen kurz aufgezeigt werden. Dazu werden zunächst die Begriffe Emotion, Motivation und Volition erklärt und ihre Zusammenhänge beleuchtet. Aus der Wissenschaft der Motivationsforschung und der Volitionspsychologie entstammt auch die Handlungstheorie, die sich mit der tatsächlichen Ausführung einer Zielintention befasst. Diese wird im vorliegenden Text mittels des Rubikon-Modells dargestellt, welches motivationale und volitionale Phasen in sequenzieller Reihenfolge beschreibt. Es werden verschiedene Handlungskontrollmodelle vorgestellt, sowie Strategien der Handlungskontrolle. Den Abschluss bilden drei Fallbeispiele, in denen volitionale Probleme und mögliche Gegenmaßnahmen erläutert werden.
1
VOLITION UND LERNBEEINTRÄCHTIGUNG
2 Emotion, Motivation und Volition
In der Literatur gelten Emotion, Kognition, Motivation und Volition als psychische Grundphänomene, die zwar eng verbunden sind, zur besseren Anschaulichkeit aber getrennt voneinander betrachtet werden können. 1 Diese Anschauung der geteilten menschlichen Psyche in verschiedenen Funktionen geht zurück auf PLATON und prägt das Bild der menschlichen Seele bis heute. 2 Emotionen wurden dementsprechend als Gefühle übersetzt, während mit Kognition der Verstand gemeint war. 3 HASSELHORN und GOLD stellen in ihrem modernen INVO-Modell (Individuelle Voraussetzungen) fünf Merkmalsbereiche dar, die diesem Verständnis zugrunde liegen und für erfolgreiches Lernen ausgeprägt sein müssen. 4 Eine Beeinträchtigung auch nur eines dieser Bereiche führt zu Lernschwierigkeiten der betroffenen Person. Neben kognitiven Faktoren werden motivational-volitionale Merkmale genannt; diese werden in diesem Text hauptsächlich behandelt, wobei der Schwerpunkt auf der Volition liegt. Zuvor sollen die Begriffe Emotion, Motivation und Volition kurz erläutert werden.
1 Sokolowski 1993, S.2
2 vgl. Doucet 1971, S.299f
3 vgl. Sokolowski 1993, S.27
4 vgl. Hasselhorn/Gold 2006, S.68
2
VOLITION UND LERNBEEINTRÄCHTIGUNG
Der Begriff Emotion wird als Klassifikation gebraucht und beschreibt als eine Art Überbegriff
„ganzheitliche und unmittelbare Lagebeurteilungen“, wie zum Beispiel Gefühl, Erleben, Affekt, etc. 5 Emotionen hängen dem Motivationsmodell von HECKHAUSEN (1977) zufolge insofern mit Motivation zusammen, dass sie weit reichende Folgen für die Etablierung und Stabilisierung von Motiven haben. 6 Jüngere Motivationstheorien beinhalten Emotionen dagegen als den gewünschten Zielzustand einer Handlung; die Gefühle stehen somit am Ende eines Motivationsprozesses und dieser dient dazu, sie zu erreichen. 7 Auf die schulische Leistung haben Emotionen desweiteren insofern bedeutenden Einfluss, dass sie die Ursache sind für affektive Kräfte, ohne die es nach CIOMPI „wohl überhaupt kein Wollen und Handeln“ gäbe. 8 Während positive Emotionen den Lernenden dazu bringen, für Inhalte eher offen zu sein und die Wahrnehmung zu weiten, führen negative Emotionen zu Einschränkungen des Lernenden. Anders ausgedrückt: Gefühle können eine motivierende Richtung hin zu etwas subjektiv Positivem verleihen oder gerade dies unterdrücken. 9 Motivation wird in der Lernpsychologie definiert als „die Absicht oder Bereitschaft einer
Person, sich in einer konkreten Lernsituation intensiv und ausdauernd mit einem Gegenstand auseinander zu setzen“ 10 , mit dem oben genannten Ziel der positiven Emotion. Eine der wichtigsten Voraussetzungen ist im Zusammenhang mit erfolgreichem Lernen das Lern- und Leistungsmotivsystem, welches durch (Miss-)Erfolgsorientierung, leistungsbezogenes Selbstvertrauen bzw. leistungsrelevante Selbstkonzepte charakterisiert wird. 11 Eine nähere Beschäftigung mit diesen Determinanten muss hier aber ausbleiben.
Ob eine Person motiviert ist oder nicht, kann jedoch nicht von außen erkannt werden, sondern nur durch Rückschlüsse wahrgenommen werden. Der Status der Motivation wird grob unterschieden in extrinsisch und intrinsisch. Extrinsische Motivation bedeutet eine Zielsetzung und Kontrolle von außen, die Belohnung oder andere Konsequenzen einbezieht. Im Gegensatz dazu steht intrinsische Motivation, bei der Lernaktivitäten von Lernenden ihrer selbst willen ausgeübt werden, was wiederum eine wichtige Voraussetzung für gute
5 vgl. Hackfort 1999, S.270f
6 vgl. Heckhausen 1977, S.175f
7 vgl. Rheinberg 1997, S.11
8 Ciompi 2005, S.95
9 vgl. Ciompi 2005, S.102
10 Krapp/Weidenmann 2006, S.218
11 vgl. Hasselhorn/Gold 2006, S.103
3
VOLITION UND LERNBEEINTRÄCHTIGUNG
schulische Leistung ist. 12 Intrinsische Motivation wird besonders von jenen Lernenden entwickelt, die sich als selbstbestimmt, autonom und kompetent wahrnehmen. 13 PRENZL u.a. nennt sogar sechs Varianten von Lernmotivation (amotiviert extrinsischintrojiziertidentifiziertintrinsischinteressiert), die er nach dem Grad der Selbstbestimmung und des Inhaltsanreizes differenziert. 14 Als oberste Stufe der Motivation gilt demnach das Interesse. Ist ein Lernender im Sinne dieser Theorie interessiert, so empfindet er einerseits hohe Inhaltsanreize an einem Lernstoff (es ist sogar angenehm, sich damit zu beschäftigen), andererseits fühlt er sich in hohem Maße selbstbestimmt bei seinem Tun. Um hohe Lernmotivation speziell im Bereich der Ausbildung zu erreichen, fügt PRENZL u.a. den oben genannten Bedingungsfaktoren weitere drei Faktoren zu. Lernmotivation hängt demzufolge ab von:
• Wahrgenommene inhaltliche Relevanz
• Wahrgenommene Instruktionsqualität
• Wahrgenommene soziale Einbindung
• Wahrgenommene Kompetenzunterstützung
• Wahrgenommene Autonomieunterstützung
• Wahrgenommenes inhaltliches Interesse beim Lehrenden
Motiviert zu sein reicht allein jedoch nicht aus, um ein Ziel zu erreichen. Der Prozess der aktiven Umsetzung eines Motives und die Beibehaltung dieser Handlung allen Versuchungen zum Trotz - also der Wille - ist Thema der Volitionsforschung. 15 So wie Motivation und Emotion zusammenhängen, sind dementsprechend auch Volition und Motivation eng aufeinander bezogen, wie in diesem Kapitel ersichtlich werden soll.
Die lernpsychologische Wissenschaft hat sich über lange Zeit fast ausschließlich mit Theorien zu Emotionen und Motivation befasst und die Willensprozesse des Menschen außer Acht gelassen, bzw. sie als der Motivation untergeordnet betrachtet. HALISCH und KUHL sprechen sogar von einer tief verwurzelten Angst der Psychologie vor volitionalen Konzepten. 16 Willenshandeln ist dadurch gekennzeichnet, dass sich der Lernende bewusst nach einem Handlungsziel ausrichtet (Intention) und die Chancen der Zielerreichung gegen
12 vgl. Mietzel G. 2001, S.343f
13 vgl. Deci&Ryan 1985, S.32
14 Prenzl u.a. 1996, S.108ff
15 vgl. Hasselhorn/Gold 2006, S.118
16 vgl. Halisch / Kuhl 1987, S.275
4
Arbeit zitieren:
MSc Andreas Hermjohannes, 2009, Die Bedeutung der Volition bei Lernbeeinträchtigungen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 19 Seiten
Belastungserleben, Unterstützungsbedarf und Ressourcen von Eltern hörg...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Seminararbeit, 23 Seiten
Sportmotorische Tests - Ein Vergleich aktueller und alter Normwerte
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Examensarbeit, 85 Seiten
Die Identitätsentwicklung als zentrale Aufgabe des Jugendalters
Psychologie - Entwicklungspsychologie
Hausarbeit, 21 Seiten
Lernbehinderung - Definition, Ursachen, Ansätze der schulischen Förder...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Hausarbeit, 19 Seiten
Konstruktivismus - eine Perspektive für den Sachunterricht? Überlegung...
Sachunterricht, Heimatkunde (Grundschulpädagogik)
Examensarbeit, 117 Seiten
Olympische Winterspiele - Bewegungsförderung anhand von themenorientie...
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik
Unterrichtsentwurf, 55 Seiten
Forschendes Lehren - eine Praktikumsreflexion unter Analyse der Lehrer...
BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik
Seminararbeit, 45 Seiten
Demokratie lernen durch Rituale und Regeln
Politik - Didaktik, politische Bildung
Hausarbeit (Hauptseminar), 17 Seiten
Anforderungen an die Finanzplanung des Insolvenzverwalters zur Vermeid...
Diplomarbeit, 131 Seiten
Handlungsorientierter Unterricht
Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden
Hausarbeit, 22 Seiten
Andreas Hermjohannes's Text Die Bedeutung der Volition bei Lernbeeinträchtigungen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Andreas Hermjohannes hat den Text Die Bedeutung der Volition bei Lernbeeinträchtigungen veröffentlicht
Andreas Hermjohannes hat einen neuen Text hochgeladen
Interdependenzen zwischen Emotion, Motivation und Kognition in Selbstr...
Befähigung zum lebenslangen Le...
Corinna Weber
Motivation: A Biosocial and Cognitive Integration of Motivation and Em...
Eva Dreikurs Ferguson
Cognitive Perspectives on Emotion and Motivation
Gordon H. Bower, Nico H. Frijda, V. Hamilton
Your Destiny Switch: Master Your Key Emotions, and Attract the Life of...
Peggy McColl, Neale Donald Walsch
0 Kommentare