David Easton hat die Vorstellung, dass man sich das politische Leben als politisches System vorstellen kann. Doch was ist ein politisches System? Dazu müssen zu allererst die Fragen geklärt werden: Was ist politisch beziehungsweise Politik? Was versteht man unter dem Begriff System?
Der Begriff Politik war ursprünglich „auf die inneren Verhältnisse und die Bestands- wahrungeines überschaubaren (Stadt-) Staates [der polis] angelegt“ (Mols 2006, 28). Jedoch umfasst die heutige Definition des Begriffes viel mehr Facetten. Als zentralen Objektbereich von Politik kann man zum Beispiel den Staat sehen, der die Elemente Staatsvolk, Staatsgebiet und Staatsgewalt aufweist. Außerdem ist der Staat Träger des Monopols legitimer Gewaltanwendung. Das Problem bei dieser Definition von Politik ist jedoch, dass Handlungen, die als politisch verstanden werden, aber nicht in den Bereich von staatlichen Institutionen fallen, nicht zugeordnet werden können. Man kann Politik auch als politische Ordnung, also als Regelung des Zusammenlebens von Menschen in der Gesellschaft, beschreiben. Elemente dieser politischen Ordnung sind dann: Normen, Regeln, Institutionen und politische Kräftegruppen. Die Schwierigkeit liegt allerdings darin, dass dynamische Komponenten von Prozessen nicht abgebildet werden, sondern nur statische Rahmenbedingungen bei dieser Definition von Politik beschrieben werden können (Wuthe 1977, 10).
Ein weiterer Ansatz ist, Politik als politisches Handeln zu verstehen. Dabei kann man politisches Handeln als Machthandeln auslegen, dass durch die Elemente Machterwerb, Machtgebrauch und Machtverlust gekennzeichnet ist. Dabei stellt sich aber die Frage was Macht genau ist und ob politisches Handeln allein durch Macht definiert werden kann. Erweitert man diesen Ansatz, so kann politisches Handeln als öffentliche Herrschaft beschrieben werden, was bedeutet, dass politische Macht institutionell verfestigt wird. Bestandteile dieser öffentlichen Herrschaft sind unter anderem: Befehl und Gehorsam, Über- und Unterordnung, Zustimmung oder Duldung und Machtungleichheit. Politische Herrschaft definiert als öffentliche Herrschaft politischer Ordnung muss einerseits alle gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse umfassen und andererseits für alle Gesellschaftsmitglieder gelten. Das Hauptproblem, welches sich hier auftut ist, dass Herrschaft in den meisten Fällen historisch gewachsen und einschränkbar ist.
Eine andere Annahme ist politisches Handeln als Entscheidungshandeln zu erklären. Denn jede Gesellschaft muss, um zu bestehen, Probleme lösen und am Ende jedes Problemlösungsprozesses muss eine Entscheidung getroffen werden (Wuthe 1977, 11ff).
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All diese unterschiedlichen Definitionen, was als politisch bezeichnet werden kann, haben ihre Vor- und Nachteile. Versucht man nun die verschiedenen Ansätze zusam- menzufassen,so lässt sich Politik so beschreiben: „Politik vollzieht sich als spezifisches soziales Handeln in einem bestimmten Objektbereich um vermittels Machtgebrauch interessenbedingte Konflikte über gesellschaftliche Probleme durch verbindliche Entscheidungen zu regeln und somit je nach Zielrichtung gesamtgesellschaftliche Ordnung zu erhalten oder zu verändern.“ (Wuthe 1977, 14).
Der Begriff des Systems bezeichnet „eine Anzahl von miteinander in Beziehung ste- hendenTeilen, die zu einem gemeinsamen Zweck miteinander operieren.“ (Forrester 1972, 9). Dabei kann ein System sowohl aus Sachen als auch aus Menschen bestehen. Klassisch kennt man den Systembegriff aus den Naturwissenschaften (z.B.: Organismus aus der Biologie; Maschine aus der Mechanik). Die moderne Sozialwissenschaft geht von der gleichen Definition des Systembegriffs aus, wobei die zentralen Charakteristika eines sozialwissenschaftlichen Systems Integration und Interpendenz sind (Wuthe 1977, 23). In Gesellschaften sind Systeme natürlich gewachsen und die Menschen, die sie als allgegenwärtig ansehen, passen sich ihnen an (Forrester 1972, 10). Soziale Systeme bestehen aus einer beliebigen Anzahl von Personen oder Personengruppen, deren wechselseitige Beziehungen Geschehensabläufe darstellen. Eine Person kann aber nie als Ganzes Teil eines Systems sein, sondern nur eine bestimmte Rolle im System einnehmen (Wuthe, 1977, 23).
Nach diesen Begriffserklärungen stellen sich nun die Fragen, was nun das politische System ist, und warum Easton das Politische als System sieht. „ Das politische System ist der Objektbereich, der die Gesamtheit politischen Handelns innerhalb einer Gesellschaft umfasst, in dem politische Funktionen auf Grund vorgegebener Strukturen durch Systemelemente wahrgenommen werden und sich in Machtbildungs- und Entscheidungsprozessen niederschlagen.“ (Wuthe 1977, 28). Jeder Teil des politischen Lebens kann für sich allein betrachtet und analysiert werden (z.B.: Parteien, Regierung, Wahlen etc.) und bei einer Kombination dieser Ergebnisse erhält man ein grobes Bild, der unterschiedlichen Einheiten, die das politische Leben ausmachen. Diese Einheiten des politischen Lebens kann man aber nur gänzlich verstehen, wenn man sie im Zusammenhang mit den anderen Einheiten betrachtet (z.B.: Parteien gemeinsam mit Interessengruppen). Somit kommt David Easton zu dem Schluss,
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dass das politische Leben ein System wechselseitiger Beziehungen ist. Die Aktionen des politischen Systems stehen deshalb miteinander in Beziehung, da sie alle mehr oder weniger dazu beitragen, dass autoritative Entscheidungen gefällt werden, die für die Gesellschaft ausgeführt werden (Easton 1957, 383f).
Für Easton ist das politische System ein Subsystem des gesamten sozialen Systems (Davies & Lewis 1971, 124). Er möchte mit seiner „general theory of politics“ (Davies & Lewis, 45) alle Aspekte des politischen Lebens erfassen. Seine Theorie soll einfach sein und bei der untersten Analyseeinheit ansetzen. Außerdem soll sie nicht auf spezifische Ziele oder grundlegende Gegenstände demokratischer Systeme abzielen, sondern sie soll alle Bereiche erklären, mit denen alle politischen Systeme, unabhängig von ihrer Organisation und Gestaltung, zu kämpfen haben. Methoden, Prämissen und Kategorien der Analyse sollen trotz zahlreicher Unterschiede gleich sein (Easton 1965b, 14; Davies & Lewis 1971, 45).
Außerdem möchte Easton die ‚general problems‘ alle politischen Systeme analysieren. Die Frage die er sich stellt ist, wie politische Systeme bestehen bleiben, egal ob die Welt gerade eine Welt der Stabilität oder eine des Wandels ist. Mit seiner Theorie möchte er die wichtigen Variablen, die zu Beantwortung dieser Frage führen, identifizieren (Easton 1965b, 15; Davies & Lewis 1971, 45).
Easton nimmt des Weiteren an, dass das politische System selbstregulierend ist; seine Struktur auf Grund von Umwelteinflüssen stetig ändert: „ a system may persist even though everything else associated with it changes continuously and radically“ (Davies & Lewis 1971, 51).
Wie kann man aber nun das politische System identifizieren und es von den anderen sozialen Systemen abgrenzen?
Easton sieht das politische System als Satz sozialer Interaktion seitens Individuen und Gruppen, wobei Interaktionen in seiner Theorie die Basiseinheit zur Analyse politischer Systeme darstellen. Grundlegend, für Prozesse und Aktivitäten die diesem System zu-geordnet werden können, ist, dass sie autoritativ Werte für die gesamte Gesellschaft verteilen. Als autoritativ gilt diese Werteverteilung aber erst dann, wenn sich die Menschen daran gebunden fühlen, was unter anderem durch Angst vor Sanktionen, Tradition, Loyalität oder das Gefühl der Legalität der Entscheidungen hervorgerufen werden kann. Aber auch in Familien, religiösen Gemeinschaften oder anderen Institutionen des sozialen Systems können Werte autoritativ verteilt werden. Hier besteht der Unterschied
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Arbeit zitieren:
Mareike Ariaans, 2009, Politisches System Eastons, München, GRIN Verlag GmbH
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