Die Entstehung und Entwicklung der Actionheldin am Beispiel der Ellen Ripley in den Filmen der Alien-Tetralogie unter besonderer Berücksichtigung ihrer emanzipatorischen Auswirkung auf das Kino der Neuzeit.
Referat
Die Bachelorarbeit beschäftigt sich mit der Analyse der Figur Ellen Ripley in den Filmen Alien, Aliens, Alien³ und Alien - Die Wiedergeburt. Ziel der Arbeit ist es, zu definieren, wie anhand ihrer Figur der Weg für die nachfolgenden, weiblichen Actionheldinnen geebnet wurde und wie Ellen Ripley zum Prototypen der neuen, starken Frau im Film avancierte.
Nach einer allgemeinen Charakterisierung der Protagonistin Ellen Ripley und einer Analyse der Frauenrolle im Science-Fiction Genre wird Ripley`s Wandlung in jedem Film der Reihe genau untersucht um zum Schluss die emanzipatorischen Auswirkungen der Filmfigur auf die Filme der siebziger Jahre bis heute darzustellen.
3
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 5
2 Das Science Fiction Genre 7
2.1 Die Vorreiter des Science Fiction Films. 7
2.2 Veränderungen im Science-Fiction Genre. 8
2.3 Alien - Die Tetralogie 9
2.4 Zusammenfassung des Kapitels „Das Science-Fiction Genre“ 11
3 Klischees: Heroes und Shereos. 12
3.1 Heroes 12
3.2 Sheroes 12
3.3 Zusammenfassung des Kapitels „Klischees: Heroes und Sheroes“ 13
4 Weibliche Helden des Action Kinos - The female Gender 15
4.1 Unterscheidung zwischen Warrior Woman und Killer Babe 15
4.2 Die 5 Archetypen der Actionheldin nach Rikke Schubart 16
4.2.1 The Rape Avenger 16
4.2.2 The Dominatrix 17
4.2.3 The Mother 17
4.2.4 The Daughter. 18
4.2.5 The Amazon 18
4.3 Zusammenfassung des Kapitels „Weibliche Helden des Action Kinos - The
female Gender“ 19
5 Alien Quadrilogie - Inhalt und Analyse 20
5.1 Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt. 20
5.1.1 Analyse und Hintergrundinformationen 21
5.2 Aliens - Die Rückkehr 22
5.2.1 Analyse und Hintergrundinformationen 24
5.3 Alien 26
5.3.1 Analyse und Hintergrundinformationen 27
5.4 Alien - Die Wiedergeburt. 28
5.4.1 Analyse und Hintergrundinformation 29
5.5 Zusammenfassung des Kapitels „Alien Quadrilogy - Inhalt und Analyse“ 30
6. Alien Environment - Formen der Umgebung. 32
6.1 Der Künstler H.R Giger. 32
6.2 Die Nostromo - Raumschiff der Crew 33
Planet LV 426 und das Alienschiff 34
6.4 Der Planet Fiorina 161. 35
6.5. Zusammenfassung des Kapitels „Alien Environment - Formen der
Umgebung “ 35
7. Das Alien 37
7.1 Alien-Gender 37
7.2 Egg, Facehugger und Chestburster. 38
7.2.1 Egg 38
7.2.2 Facehugger 38
7.2.3 Chestburster 39
4
7.3 Darstellungen der Geburt 39
7.3.1 Die computerüberwachte Geburt. 40
7.3.2 Die erzwungene Befruchtung von Kane 40
7.3.3 Die Geburt des Aliens. 41
7.4 Die Darstellung der Männlichkeit in Alien 42
7.5 Analyse der Tötung von Lambert und Parker - mit einer besonderen
Betrachtung auf das Geschlecht des Opfers 43
7.6 Zusammenfassung des Kapitels „Das Alien“ 43
8. Ellen Ripley 45
8.1 Allgemeine Analyse der Figur Ellen Ripley 45
8.2„The final girl“ 46
8.3 Ripley und die Liebe 48
8.4 Verhalten Ripley s gegenüber anderen Frauen der Crew (Lambert
Vasquez) 49
8.5 Newt 50
8.6 Die Königin - Ripleys Kampf gegen die Alienmutter 52
8.7 Zusammenfassung des Kapitels „Ellen Ripley“ 52
9 Ripleys Wandlung von der Navigatorin zur Killermaschine 54
9.1 Alien: Ripleys Wandlung. 54
9.1.1 Ripley s Albtraum beginnt. 54
9.1.2 Ripley übernimmt das Ruder 54
9.1.3 Ripleys Misstrauen gegenüber dem Androiden Ash. 55
9.1.4 The final girl Ripley 55
9.2 Aliens: Ein Familiendrama 56
9.2.1 Ripley erwacht nach 57 Jahren 56
9.2.2 Ripley kehrt mit den Marines auf den Planeten LV 426 zurück 57
9.2.3 Ripley übernimmt das Kommando. 57
9.2.4 Ripley ersetzt Newt die Mutter. 58
9.3. Alien : Die Todeszone 59
9.3.1 Ripleys Aufnahme auf dem Planeten Fiorina. 59
9.3.2 Clemens wird Ripleys Vertrauter 59
9.3.3 Die Häftlinge warnen Ripley 60
9.3.4 Ripleys Vergewaltigung 61
9.3.5 Ripley übernimmt die Kontrolle. 62
9.3.6 Ripleys Freitod. 64
9.4 Alien - Die Wiedergeburt: Die Auferstehung Ripley 64
9.4.1 Parallelen zur Darstellung der Venus 64
9.4.2 Die Geburt der Königin 65
9.4.3 Ripleys neue Rolle. 66
9.4.4 Call 67
9.4.5 Der Ausbruch der Aliens. 68
9.4.6 Ripley s Klone 68
9.4.7 Ripley s Baby 69
9.5 Zusammenfassung des Kapitels „ Ripley s Wandlung“ 70
10. Zusammenfassung und Fazit 74
11. Literaturverzeichnis 76
5
1. Einleitung
1979 warb die Presse mit der Tagline 1 des Films Alien „Im Weltraum hört dich niemand schreien“ für ein neues Actionkonzept. Das Produzententeam der 20th Century Fox erklärte Alien zum Kinoerlebnis der „anderen Art“, bei dem einem vor Spannung die Haare zu Berge stehen. Ein Science-Fiction Schocker, der durchaus mit Actionstreifen wie „Starwars“ 2 und dem Horrorepos „The Texas Chainsaw Massacre“ 3 mithalten kann.
„This was future fantasy with razor sharp things. A ground breaking genre classic which gave nightmarish fold to unspeakable anxieties which witnessed the birth of a new breed of scream heroine and which would spoon generations of shape shifting sequel.” 4 erklärt der Sprecher auf der Bonus CD der Alien-Quadrology. Verfasst wurde das Science-Fiction Drama von Alan Dean Foster, um schließlich in einem insgesamt 18-jährigen Prozess von den Regisseuren Ridley Scott (Alien-1979), James Cameron (Aliens-1986), David Fincher (Alien³-1992) und Jean -Pierre Jeunet (Alien-Die Wiedergeburt-1997) in Szene gesetzt zu werden. Die Figuren und Welten von Alien wurden von dem Schweizer Künstler H. R. Giger entworfen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sequels spielt in allen Filmen dieser Serie nur eine einzige Schauspielerin die Hauptrolle: Sigourney Weaver.
Bereits mit seiner Veröffentlichung im Jahre 1979 zog dieser Action-Film mit einer Frau in der Hauptrolle das Interesse der Kritiker auf sich. Dieser Film verknüpft Zukunftsfantasien mit vielen Tabus. Beispielhaft hierfür sind die Schwängerung des Menschen durch spinnenartige Monster, die ihre Opfer mit langen, schwanzartigen Geschlechtsteilen befruchten, die Darstellung einer androgynen Heldin, die weder Tod noch Teufel fürchtet und eher männlich als sexy daher kommt oder eine Spezies, deren Ziel die kompromisslose Fortpflanzung der eigenen Art ist. Gerade hier finden sich ausgeprägte Entwürfe verschiedenster Modelle von Geschlechtlichkeit: Menschen, Androiden 5 und Cyborgs 6 . Interessant erscheint bei der Alien-Reihe zunächst seine konsequente Mischung von Horror- und Science-Fiction Genre: Technologie wird der dämonisierten Natur gegenübergestellt, Körpergrenzen verwischen, Geschlechterbestimmungen verlieren ihre Differenziertheit. Die Besonderheiten qualifizieren die Tetralogie zum Paradebeispiel der unterschiedlichsten Präsentationen von Körperlichkeit, die sich
1 Bezeichnung für einen ergänzenden oder erläuternden Untertitel
2 Starwars(1977.2008), Regie: George Lucas
3 The Texas Chainsaw Massacre(2003), Regie Marcus Nispel, Protagonistin: Jessica Biel
4 Vgl. Alien Quadrilogy (1997): Bonus DVD
5 bezeichnet einen Roboter, der einem Menschen täuschend ähnlich sieht und sich
menschenähnlich verhält
6 bezeichnet ein Mischwesen aus lebendigem Organismus und Maschine
6
in ihrer oft maschinellen Konstruiertheit (z.B. des Aliens) der Natur in den Weg stellen und sich so besonders gut zur Analyse eignen. Doch abgesehen von dem erschreckend maschinenähnlichen Design des Aliens und seiner Umgebung, die H.R. Giger für den ersten Teil konzipierte, ist die immer wiederkehrende Hauptfigur Ellen Ripley das eigentlich Faszinierende. Nicht nur, weil sie abweichend von der Norm in dem von Männern dominierten Genre des Science-Fiction Films eine weibliche Heldin darstellt, sondern auch und gerade weil sie ein Frauenbild verkörpert, das sich im Laufe der Episoden entwickelt und immer wieder neu definiert.
7
2 Das Science Fiction Genre
Das Wort Science-Fiction setzt sich aus den Teilen Science 7 und Fiction 8 zusammen. Science-Fiction Themen werden in Romanen, Erzählungen, Filmen und anderen Formen verarbeitet. Oft zeigt der Science-Fiction Film ein naturwissenschaftliches oder soziologisches Ereignis und dessen meist negative Auswirkung in der Zukunft. Ein bedeutendes Themenfeld ist das Fremde - die Bedrohung durch das Unbekannte. Für den Part des Unbekannten werden gerne ausserirdische Wesen in die Geschichte mit einbezogen. Ein Beispiel hierfür sind die Filme „Independece Day“ 9 oder auch „Terminator“ 10 . Ebenso sind Zeitreisen ein phantastisches Motiv („Donnie Darko“ 11 ). Aber auch außer Kontrolle geratene Forschungen, meistens einhergehend mit menschlichem Versagen und Unterschätzung der Situation („Alien“, „The Matrix“ 12 ) werden genauso gerne thematisiert wie das Unerklärliche, welches ein starkes Werkzeug des Science-Fiction Films ist. Nennenswert sind hier „Signs“ 13 , „Solaris“ 14 oder der kürzlich erschienene Film „The Happening“ 15 .
2.1 Die Vorreiter des Science Fiction Films
Den vielleicht ersten Sience-Fiction Film drehte Georges Méliès 1897 „Les Rayons Röntgen“. In dem einminütigen Schwarzweißfilm wird ein Mann von einem Arzt geröntgt, worauf sich das Skelett vom Körper löst und herumläuft, während der restliche Körper zurückbleibt.
H.G. Wells sorgte im 19. Jahrhundert mit seinem Roman „Krieg der Welten“ für Aufregung. Seine Horrorgeschichte über Außerirdische, die unsere Erde angreifen, wurde bereits 1898 als Buch veröffentlicht. 1938, in der Nacht vor
Abb. 1: Buchcover : Krieg der
Welten (1898) Halloween strahlte ein Radiosender das adaptierte Hörspiel im Radio aus und verursachte unter den Zuhörern eine Panik, weil sie glaubten eine reale Berichterstattung zu hören. Byron Haskin brachte den Roman 1953 zum ersten
7 Science= Wissenschaft
8 Fiction= Dichtung und darstellende Kunst
9 Independence Day(1996), Regie: Roland Emmerich, Protagonist: Will Smith
10 Terminator 1(1984), Regie: James Cameron, Protagonist: Arnold Schwarzenegger
11 Donnie Darko(2001), Regie: Richard Kelley, Protagonist: Jake Gyllenhaal
12 The Matrix(1999), Regie: Wachowski-Brüder, Protagonist: Keanu Reeves
13 Signs(2002), Regie: M. Night Shyamalan, Protagonist: Mel Gibson
14 Solaris(2002), Regie: Steven Soderbergh, Protagonist: George Clooney
15 The Happening(2008), Regie: M. Night Shyamalan, Protagonist: Mark Wahlberg
8
Mal auf die Leinwand. Bis heute ist H.G. Wells Horrorstoff viele Male adaptiert worden. Zuletzt 2005 von Steven Spielberg.
Die Arbeit von Wells ist wohl das beste Beispiel dafür, wie glaubhaft und gleichzeitig erschreckend schon damals Erzählungen über fremde Wesen und die Bedrohung der Zivilisation waren.
2.2 Veränderungen im Science-Fiction Genre
In den fünfziger Jahren erfolgte in der Filmindustrie eine Verschmelzung von Science-Fiction- und Horrormotiven: Das gefährliche, monsterhafte Außerirdische, das nicht selten ein gescheitertes Genprodukt der experimentierfreudigen Menschheit war. Es entsteht durch Industriekatastrophen oder Atomkriege, mutiert, greift die Menschen an und wird zur Gefahr für die gesamte Bevölkerung. „Mary Shelleys Frankenstein“ ist das Paradebeispiel eines fehlgeschlagenen Eingriffs des Menschen in die Natur.
Im Laufe der Zeit begann sich das Prinzip der Frankensteins oder Draculas jedoch zu verändern. Die Gefahr lag nun nicht mehr nur beim Menschen, sondern auch in der Natur, die ihren Teil dazu beitrug, das Monster stärker und fürchterlicher zu machen. Monströse, gentechnisch veränderte Insekten, Riesenkraken, aber auch unbekannte Wesen aus dem Weltall, welche die Kontrolle über die Körper der Menschen unbemerkt übernahmen, waren Stoff für neue Filmthemen. Besonders nennenswert für diese Neuerung ist der Amerikaner John W. Campbell jr. Er bevorzugte Geschichten, die Themen wie Soziologie, Psychologie und Politik behandelten. Von ihm favorisierte Geschichten mussten auf einer verblüffenden Annahme beruhen oder zumindest im Lauf der Handlung eine erstaunliche Wendung nehmen. Im Jahr 1951 entstand unter der Regie von Christian Nyby einer der ersten Science-Fiction Filme nach dem Roman von Campbell: „Das Ding aus einer anderen Welt“. In diesem Film stürzt ein außerirdisches Flugobjekt in der Arktis ab. Der außerirdische Pilot wird zunächst von Wissenschaftlern geborgen, entwischt ihnen jedoch und macht anschließend Jagd auf die Menschheit. Fortan füllten die Science-Fiction Filme die Kinos. Immer mehr Menschen begannen sich dafür zu interessieren, wie die fremde, neue, zukunftsorientierte Welt aussehen würde und wie die Menschheit um ihre Existenz auf der Erde kämpft. Eine Weiterentwicklung des Genres brachte den Science-Fiction Film einem weiten Publikum näher: Mit „2001: Odyssee im Weltraum“ (geschrieben von Arthur
9
C. Clarke und gedreht von Stanley Kubrick, 1968) und „Planet der Affen“ (nach Pierre Boulle, 1968) begann New Hollywood seine Revolution und erreichte auch das „Mainstream“ -Kino. Mit „Der weiße Hai“ 16 und „Star Wars“ erfand Hollywood schließlich den Blockbuster. Zwischen dem „Space-Märchen“ und der „Unheimlichen Begegnung der dritten Art“ (beide 1977) liegen, auch im Stil und der Art, bereits Welten. Gleiches gilt für „Alien“ (1979) und seinen Nachfolger, der 8 Jahre später gedreht wurde.
Insgesamt ist das Science-Fiction Genre weltweit stark von US-Autoren dieser Zeit beeinflusst. Superhelden und Comic-Figuren erleben dieser Tage ihre Renaissance, der Weltraum bildet den Hintergrund realistischer und fantastischer Abenteuer, die Natur stellt die Menschen vor neue Herausforderungen. Man darf gespannt sein, was noch kommen wird.
2.3 Alien - Die Tetralogie
Als der erste Teil der Science-Fiction-Filmreihe „Alien“ 1979 in die Kinos kam, erlangte er bald Kultstatus und es wurden anschließend drei Fortsetzungen gedreht.
1979: Alien - Das unheimliche Monster aus einer anderen Welt (Ridley Scott)
1986: Aliens (James Cameron)
1992: Alien³ (David Fincher)
1997: Alien - Die Wiedergeburt (Jean Pierre Jeunet).
Die Handlung von Alien ist typisch für das SF-/Horrorgenre, seine Themen haben aber einen aktuellen Bezug. Alien schneidet verschiedene Themengebiete an, wie z.B. Feminismus 17 , Wissenschaft und Humanismus 18 . Der Vierteiler spielt mit verschiedenen Bildern der Weiblichkeit und einer neuen Darstellung der Frau. Er zeigt eine Frau, die in einem Mainstream - Blockbuster alleine gegen das Böse kämpft. Alien war einer der ersten Filme, der eine Frau zur Protagonistin eines Actionfilms wählte. Die Hauptdarstellerin Sigourney Weaver wurde innerhalb des
16 Der weiße Hai(1975), Regie: Steven Spielberg, Protagonist: Roy Schneider
17 bezeichnet eine politische Bewegung mit dem Ziel, die Gleichwertigkeit, Menschenwürde und
Entscheidungsfreiheit von Frauen, die Selbstbestimmung über deren Leben und ihren Körper zu erreichen.
18 bezeichnet die Gesamtheit der Ideen von Menschlichkeit und des Strebens danach, das menschliche Dasein
zu verbessern. Der Begriff leitet sich ab von den lateinischen Begriffen humanus (menschlich) und
humanitas (Menschlichkeit) - WIKIPEDIA
10
Mehrteilers als sportliche Actionheldin bekannt, die einen Hauch Maskulinität mit starkem Durchsetzungsvermögen und Mut paarte. Dies war ein absolutes Novum für die 70er Jahre. Bei der Crew des Raumschiffs „Nostromo“ handelte es sich nicht um Welteneroberer, die zu neuen Grenzen aufbrachen, sondern um hart arbeitende Profis, denen ihr Gehalt und eine schnelle Heimkehr zu Familie und Freunden wichtiger waren, als Abenteuer. Mit anderen Worten: es waren Menschen wie wir, die plötzlich und unerwartet dem namenlosen Grauen gegenüberstanden. Man kann sich nur allzu leicht mit der Mannschaft der „Nostromo“ und ihrem Überlebenskampf identifizieren. Das macht Alien noch schrecklicher.
Es war Dan O`Bannon, der das Potential erkannte, mit Alien wieder den Horror in das Science-Fiction Genre zurück zu bringen: ganz im Stile der klassischen 50er Jahre. Er kreierte den Charakter des Aliens, seine Eigenschaften und auch das tödliche Verhalten gegenüber anderen Spezies - das Biest im All bekam eine Gestalt. Sein Partner Ronald Shusett brachte das Projekt erst richtig ins Rollen. Ihre Idee, ein „Hybridmonster“ zu erschaffen, welches den Menschen zur Fortpflanzung benutzt, präsentierten die beiden David Giler, Produzent der Brandywine Production Company. Ihren Mut, die Geschichte logisch, schnörkellos und mit starken Charakteren zu kreieren, verschaffte Alien einen riesigen Erfolg. Mit Ridley Scott als Regisseur wurden der Film und das Alien zum Klassiker. Wenig später brachte Dan O`Bannon H.R Giger mit ins Spiel und zeigte Giler und Scott die Entwürfe der Alienmetamorphose, von Giger selber „Necronomicon“ genannt. Gigers Alien war kein Monster im traditionellen Sinne. Es war noch düsterer und noch obszöner. Gleichzeitig war es aber auch elegant, schlank und faszinierend in seiner Erscheinung. Der Schweizer Surrealist wurde nicht nur engagiert, um das Monster vom Facehugger 19 bis zum Alien zu gestalten, sondern er sollte auch das Wrack des Raumschiffes, inklusive der Eier sowie die Landschaft des Planeten entwerfen. Erst sieben Jahre nach Alien kam die Fortsetzung Aliens - Die Rückkehr in die Kinos. Für ein Sequel ist das eine sehr lange Zeit. Bis zum Jahre 1997 folgten noch weitere zwei Filme: Alien³ (1992) von
19 Spinnenartiges Tier, das sich um das Gesicht des Menschen klammert und ihn mit einem langen Schlauch
durch den Hals befruchtet
11
Regisseur David Fincher und Alien-Die Wiedergeburt (1997), den Jean-Pierre Jeunet inszenierte.
Kein Sequel konnte jedoch den Erfolg des ersten Teils übertrumpfen. Alien, der mit einem Budget von $11,000,000 produziert wurde und mit dem Einspielergebnis von $104,931,801 fast das zehnfache der Produktionskosten einspielte, war der erfolgreichste Teil der Reihe.
2.4 Zusammenfassung des Kapitels „Das Science-Fiction Genre“
Vorreiter des Science Fictiongenre, wie z.B. Georges Méliès oder H.G. Wells faszinierten ihr Publikum schon im 19. Jahrhundert mit phantastischen Erzählungen und schockierenden Storys über das Ende der Menschheit. In den 50er Jahren, als es die Monster aus den Büchern schon bis auf die Leinwand geschafft hatten, gab es einen Wandel, bei dem nicht mehr nur die Menschen frankensteinartige Monster erschufen, sondern die Natur Einzug in die Welt des Unmöglichen erhielt. Fortan waren dem Science Fiction -und Horror Genre keine Grenzen mehr gesetzt. Im Jahr 1979 kam Alien in die Kinos. Die Menschen waren bis zu diesem Zeitpunkt schillernde Helden wie Superman oder Batman gewöhnt, die kreischende Frauen oder gleich die ganze Welt vor Ungeheuern retteten. Doch Ellen Ripley veränderte das Genre. Sie war die erste weibliche Actionheldin, die eine Waffe in die Hand nahm und weder Tod noch Teufel fürchtete, um das Leben ihrer Crew zu retten.
12
3 Klischees: Heroes und Shereos
3.1 Heroes
Laut Wikipedia ist ein Held „eine meist männliche Person mit besonders herausragenden Fähigkeiten oder Eigenschaften, die sie zu besonders hervorragenden Leistungen, sogenannten Heldentaten, treibt. Dabei kann es sich um reale oder fiktive Personen handeln, also um Gestalten der Geschichte, aber auch der Legende oder Sage. Die Taten des Helden bescheren ihm entsprechenden Heldenruhm. Seine heldischen Fähigkeiten können von körperlicher Art (Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer etc.) oder auch geistiger Natur sein (Mut, Einsatzbereitschaft für Ideale oder Mitmenschen).“ 20 Aber warum sagt selbst Wikipedia, dass ein Held meist männlich sein muss? Tatsächlich gibt es doch zwei Geschlechter. Und die weiblichen Actionheldinnen sind auf dem Vormarsch. Es gibt einen großen Unterschied zwischen den beiden Superhero-Geschlechtern, der bis heute noch Wellen schlägt. Während sich Männer, wie Sylvester Stallone in „Rambo 21 “, wenig um ihre Sauberkeit und das äußere Erscheinungsbild scheren und Bruce Willis in „Stirb Langsam“ 22 im Laufe des Films immer schmutziger wird, müssen Frauen immer das kleine bisschen besser aussehen.
Rikke Schubart beschreibt dies treffend: „It`s not fair. Heros can have broken teeth and squint like Clint Eastwood, suffer from a speech defect like Sylvester Stallone, have foreign accents like Arnold Schwarzenegger and Jean-Claude Van Damme, be old like Charles Bronson, bald like Kojak, wear constant i-am-very-very-pissedoff expressions like Steven Seagal, or be just plain ugly like Chuck Norris. In short, men don`t have to look good to be heroes.” 23
3.2 Sheroes
Ein kleiner Rückblick auf die siebziger Jahre zeigt, dass sich in den letzten Jahrzehnten viel in frauenpolitischen Fragen bewegt hat. Nicht nur, dass Gesetze Abb. 6:Stirb Langsam 4.0
zur Gleichberechtigung von Frauen verabschiedet wurden, auch im gesellschaftlichen Bewusstsein hat sich dieses Thema einen festen Platz
20 Vgl. Wikipedia „Held“
21 Rambo(1982-2008), Regie: u.a. Ted Kotcheff, Protagonist: Sylvester Stallone
22 Stirb Langsam(1988-2007) Regie: u.a. John McTiernan, Protagonist: Bruce Willis
13
erkämpft. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass es in dieser bewegten Zeit viele Frauen gab, die nicht für ihre persönliche Freiheit einstanden oder sich in irgendeiner Form politisch engagierten. Gerade ältere Generationen oder Frauen aus einem konservativeren Umfeld waren nicht so leicht von den drastischen Veränderungen zu überzeugen, welche die Neue Frauenbewegung forderte und auch in Gang setzte. Und natürlich gab es auch immer wieder genügend männliche Vertreter, die sich den Gleichstellungsversuchen von engagierten Frauen vehement entgegensetzten. Auch wenn sich viel getan und verbessert hat seit dieser Zeit, werden Frauen noch immer diskriminiert und unterdrückt. So ist es umso verständlicher, dass Frauen, ganz gleich ob im realen Leben oder auf der Leinwand ernst genommen werden wollen und nicht ständig die kleine sexy „Catwoman“ in engem Catsuit und High Heels sein wollen.
„Was einen nicht umbringt, macht einen stärker“ 24
Mit diesem Klischee macht Sigourney Weaver in Alien Schluss. Ellen Ripley tritt in Alien als starke Frau auf, die sich nicht scheut, sich schmutzig zu machen oder gar ihr Leben zu riskieren. Die Alien Quadrilogie ist eine der ersten Actionreihen, in der die Tradition der Darstellung der Frau als schwaches Wesen im Actionfilm durchbrochen wird und eine Frau nicht nur in den Mittelpunkt des Geschehens gesetzt wird, sondern in dem diese zusätzlich als starke Heldin aus einer von Männern dominierten Welt auftritt.
3.3 Zusammenfassung des Kapitels „Klischees: Heroes und Sheroes“
Lange Zeit galten Actionfilme als reine Männersache. Beispielhaft seien Superman, Rambo und auch James Bond genannt. In diesen Filmen werden Frauen stets als mehr oder weniger hilflose Wesen oder gar als Opfer dargestellt. Bis Ende der 70er Jahre war es Frauen nicht gestattet, in Actionfilmen eine aktive und starke Rolle zu übernehmen weil der Mann das gesellschaftlich stärkere Geschlecht darstellte. Der Held war stets die Rolle, die von einem Mann besetzt war. Die Frauen schmückten den Mann als hübsches Accessoire. Wenn man sich frühe James Bond Filme ansieht, so fällt auf, dass die attraktiven Bondgirls
23 Vgl. Schubart (2007), S. 5
24 Zitat: Uma Thurman, Kill Bill
14
lediglich als Beiwerk der Filme eingesetzt wurden, deren einzige Rolle darin bestand, nett zu lächeln und sich am Ende des Filmes vom Helden retten zu lassen.
15
4 Weibliche Helden des Action Kinos - The female Gender
"All you need to make a film is a girl and a gun" 25
Weibliche Actionheldinnen sind in der heutigen Zeit an der Tagesordnung. Das Kino wird überschwemmt von stahlharten, mordlustigen Frauen, die auf Rache oder Geld aus sind. Es gibt die Darstellung der wenig weiblichen, androgynen Actionheldin, wie sie z.B durch Sigourney Weaver als Ellen Ripley im Film Alien dargestellt wird. Auf der anderen Seite gibt es Figuren, bei denen die Weiblichkeit auffällig überbetont wird. Dies ist z.B. bei Milla Jovovich als „Ultraviolet“ 26 im gleichnamigen Film der Fall.
4.1 Unterscheidung zwischen Warrior Woman und Killer Babe
Es lassen sich zwei Kategorien von Actionheldinnen unterscheiden. Einmal gibt es mit der männlichen „Warrior Women“ die Kämpfernatur, deren eher männlichen Züge durch kurze Haare und männliche Kleidung unterstrichen wird, andererseits das weibliche „Killer Babe“, das jeden Kampf mit perfekt gestylter Frisur und langen Fingernägeln besteht. 27
Die Einteilung in die männliche oder weibliche Kategorie bezeichnet man als „Gender“. Man geht man bei der Zuordnung von der Annahme aus, „dass das Geschlecht eine sozialkulturelle Konstruktion (gender) und ist vom biologischen Geschlecht zu unterscheiden ist“. 28 Somit ließen
Abb. 7: Xena
sich Actionheldinnen heute teilweise eher dem
männlichen Gender zuordnen. Beschränkt man sich bei der Zuordnung auf die von der Gesellschaft als männlich bestimmten Verhaltensmerkmale, wie Mut, Aussehen, emotionale Kälte oder einfach den Trieb nach Anerkennung, so haben diese nichts mehr mit einer typischen Frau gemein. Die Heldinnen nehmen Waffen in die Hand, töten ihre Feinde ohne mit der Wimper zu zucken und brechen nicht weinend zusammen, wenn sie einen Fehler begangen haben. Diese typisch weiblichen oder männlichen Merkmale werden folglich nicht mehr aus dem biologischen Geschlecht mit ihrem Schwächen und Stärken bestimmt, sondern leiten sich aus dem Gender, den männlich oder weiblichen Merkmalen
25 Zitat: Jean Luc Godard
26 Ultraviolet: (2006), Regie: Kurt Wimmer, Protagonistin: Milla Jovovich
27 Vgl.: Talentdevelop
28 Vgl.:Schnell (2000), S. 176
16
ab. Sie resultieren aus dem Verhalten der Frau gegenüber ihren Feinden, den Bekannten und Verwandten.
4.2 Die 5 Archetypen der Actionheldin nach Rikke Schubart
“The woman with a gun does not signify a man with a phallus.” 29
Anders als männliche Actionhelden, deren Heldentum meistens nicht hinterfragt wird, wollen wir bei einer Frau stets wissen: Warum ist sie zu einer Superheldin geworden. Warum ist sie so brutal? Wie kann eine Frau nur so kaltherzig sein? Wenn Beatrix Kiddo („Kill Bill“) 30 ihre Familie rächt, indem sie die Ex-Killerin, die mittlerweile Mutter einer 6 jährigen Tochter ist, mit einem Messer ersticht, geht ein Raunen durch den Saal, als ob wir ihr so etwas nicht zugetraut hätten. Bei einem Mann wie Rambo oder dem Terminator 31 nehmen wir diese Taten jedoch als selbstverständlich hin. Der Mann steht in der Gesellschaft schon seit der Steinzeit als Ernährer, Beschützer und Rächer da. Ihm gestehen wir ein blutiges Gemetzel eher zu als einer zierlichen Frau wie Beatrix Kiddo oder eben Ellen Ripley. Nach Rikke Schubart 32 gibt es 5 Archetypen, die den Charakter der Frau und ihre Absichten im Film definieren: The Rape Avanger 33 , the Domatrix 34 , the Mother 35 , the Amazon 36 und the Daughter. Der Archetyp entwickelt sich im Laufe des Film parallel zur Entwicklung der Hauptfigur.
4.2.1 The Rape Avenger
„The Rape Avenger“ steht für eine Frau, die nach ihrer Vergewaltigung und Missbrauch zu einer neuen Stärke findet. Anders als in der Realität trachtet sie nach dem Leben ihres Peinigers. Die Vergewaltigung diszipliniert die Frau nicht, sondern lässt sie zu Messer und Pistole greifen.
“Don`t let her looks fool you. She`s the fucking Energizer Bunny. Just do her and dump her. Don`t try and get cute and play the doctor first. I made that mistake. It nearly killed me.” 37
29 Vgl. Schubart (2007), S. 173
30 Kill Bill (2003/04), Regie: Quentin Tarantino, Protagonistin: Uma Thurman
31 Terminator (1984-2003), Regie: James Cameron, Jonathan Mostow, Protagonist: Arnold Schwarzenegger
32 Vgl. Schubart (2007), S. 169 ff
33 Übersetzung: Die vergewaltigte Rächerin
34 Übersetzung: Die Dominante
35 Übersetzung: Die Mutter
36 Übersetzung: Die Amazone
37 Timothy (Craig Bierko) in Tödliche Weihnachten über Charly Baltimore
17
Bevor der sexuelle Übergriff stattfand, war die Rächerin eine sanfte, süße und oft auch hausmütterliche Figur. Nach dem Gewaltübergriff sieht sie die Welt mit anderen Augen. Auch die Darstellung von Charly Baltimore in „Tödliche Weihnachten“ 38 ist ein gutes Beispiel.
4.2.2 The Dominatrix
Fundamental für die Konstruktion der weiblichen Heldin ist „The Domatrix“. Sie entspricht dem Wunsch vieler Männer, die sich eine kampflustige, meistens von einem schweren Schicksal heimgesuchte Actionheldin wünschen, die ihren Peinigern - wenn auch meistens auf humorvolle Weise- gehörig einheizt. Die dominante Figur trägt meistens enge, oft auch aus Lack und Leder bestehende, Kleidung und erregt die Phantasie von einer modernen Domina, die für ihre Arbeit bezahlt wird. Beispiele hierfür gibt es reichlich. Pamela Anderson in „Barbwire“ 39 , Halle Berry und Michelle Pfeiffer alias „Catwoman“ 40 oder Milla Jovovich in „Ultraviolet“
4.2.3 The Mother
Rikke Schubart vereint in ihrem Archetyp „The Mother“ zwei Elemente: Das Gute und das Böse. „The Mother“ vereint eine liebende, fürsorgliche Mutter mit den schlechten Angewohnheiten einer strengen Karrierefrau, die in einer Männerwelt die Macht an sich reißen will. Der Archetyp „The Mother“ ist mutig, stark, ambitioniert, streng und auch gewalttätig, wenn es erforderlich ist. Sie verteidigt ihre Familie um jeden Preis.
“The psychology of the mother as an archtype is simple: The good mother is nurting and reproductive, and constitutes the mental space of the family. She is not with her family. She is the family. […] She is the cultural symbol of “mother nature” and “mother earth” 1
Ein Paradebeispiel des Muttertyps ist Sarah Connor in „Terminator 2: Judgement Day“. Sarah Connor transformiert von einer normalen Hausfrau zur Beschützerin ihres Sohnes und kommt somit ihrem maschinellen Freund, dem Terminator in seinem destruktiven und absolut beschützerischen Verhalten gegenüber John Connor gegenüber sehr nahe.
38 Tödliche Weihnachten (1996), Regie: Renny Harlin, Protagonistin: Geena Davis
39 Barbwire (1996), Regie: David Hogan, Protagonistin: Pamela Anderson
40 Catwoman (2004), Regie: Pitof, Protagonistin: Halle Berry
Arbeit zitieren:
Jana Flender, 2008, Ellen Ripley: Arbeiterin, Killermaschine, München, GRIN Verlag GmbH
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