Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1. Quellenlage und Forschungsstand 3
2. Vorbetrachtung - Der Krieg im Pazifik 4
2.1. Situation Japans Mitte 1945 6
2.2. Japans Friedensinitiativen 7
3. Harry S. Truman und die Beweggründe für die Abwürfe 9
3.1. Das „Interim Committee“ 9
3.2. Darstellung in den Memoiren 11
3.3. Außenpolitische Gründe 12
3.4. Innenpolitische Gründe 15
3.5. Weitere Gründe für den Abwurf 16
4. Der Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki 17
5. Nachgeschichte 18
6. Schlussbetrachtungen. 19
7. Quellen- und Literaturangabe 21
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1. Einleitung
Am Morgen des 16. Juli 1945 explodierte auf einem Testgelände der US-Army in New Mexico die erste Atombombe. 1 Mit diesem erfolgreichen Test begann das Atomzeitalter und die USA waren die erste Atommacht. Vorausgegangen war der Explosion eine mehrjährige, unter strengster Geheimhaltung liegende, Forschungsarbeit von zahlreichen Physikern und Wissenschaftlern verwandter Disziplinen. 2 Im Rahmen des so genannten „Manhattan-Projekt“ wurde seit 1943, unter Präsident Roosevelt die Entwicklung von Atomwaffen forciert. 3 Ausschlaggebend für das Projekt war die Vermutung, dass das nationalsozialistische Deutschland ebenfalls an Atomwaffen forschen könnte. 4
Noch am 16. Juli wurde Präsident Truman, der sich in Potsdam auf der Dreimächtekonferenz befand, von dem geglückten Test unterrichtet. Einen Tag später wurden ihm alle Einzelheiten und der massive Zerstörungsfaktor der neuen Waffe mitgeteilt. 5 Ob die Atombombe eingesetzt werden soll oder nicht wurde schon seit Monaten im „Interim Committee“ von Spitzen der Truman-Administration und führenden Wissenschaftler diskutiert. 6 Letztlich lag die Entscheidung zum Abwurf aber bei Truman selbst. Warum Präsident Truman die Atombomben einsetzte und welche Beweggründe für den Einsatzbefehl ausschlaggebend waren, sind Gegenstand dieser Arbeit. Es soll untersucht werden, welche Faktoren ihn in seiner Entscheidung beeinflusst haben.
1.1. Quellenlage und Forschungsstand
Die Geschichte des Atombombenabwurfs wurde seit jeher heiß diskutiert. Gerade in den Jahren 1995 und 1996 erschienen zahlreiche Monografien und Sammelbände, die sich zum fünfzigsten Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki intensiv und äußerst kritisch mit der Vorgeschichte und Geschichte des Abwurfs beschäftigten. Aufgrund der Fülle an Publikationen in diesen Jahren, lässt sich die Literatur aber auch schwer überschauen. Der Autor kann jedoch auf vorhandene Forschungsmeinungen aufbauen. Hier hervorzuheben ist in besonderem Maße die
1 TRUMAN, Harry S.: Memoiren Bd. 1. Das Jahr der Entscheidungen. Stuttgart 1955. Hier S. 425.
2 FRÖHLICH, Stefan: Das Manhattan-Projekt. In: Michael Salewski (Hg.): Das Zeitalter der Bombe. Die Geschichte der
atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute. München 1995. S. 50-72. Hier S. 50f.
3 HEIDEKING, Jürgen / MAUCH, Christof: Die Geschichte der USA. 6. überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart
2008. Hier S. 276.
4 Vgl. hierzu allgemein BAGGE, Erich R.: Keine Atombombe für Hitler. In: Michael Salewski (Hg.): Das Zeitalter der
Bombe. Die Geschichte der atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute. München 1995. S. 27-50.
5 TRUMAN: Memoiren (wie Anm. 1) S. 425f.
6 SHELL, Kurt L.: Harry S. Truman. Politiker. Populist. Präsident. Göttingen / Zürich 1998. Persönlichkeit und
Geschichte. Bd. 156 / 157. Hier S. 65f.
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Monographie von Gar Alperovitz „Hiroshima. Die Entscheidung für den Abwurf der Bombe“. In seinem Buch wird dieses komplexe Thema umfassend von verschiedenen Perspektiven beleuchtet und er kommt zu klar nachvollziehbaren Schlüssen. Das 1996 erschienene Buch vom Dennis S. Wainstock „The Decision to Drop the Atomic Bomb“ bietet ebenfalls einen sehr guten Einblick in die Überlegungen, die für den Atombombenabwurf ausschlaggebend waren. Ein Hauptteil dieser Arbeit stützt sich auf die Forschungsarbeit dieser beiden Autoren. Als Quellen dienen die Memoiren von Harry S. Truman. Das Thema des Abwurfs wird in seinen Memoiren, nach Meinung des Autors, zwar nur sehr unzureichend dargestellt und ausgeführt, bietet aber dennoch einen kleinen Überblick über die möglichen Beweggründe des Präsidenten. Sie werden aber nicht genauer thematisiert und untersucht. Aufgrund der Vielzahl von Publikationen und den damit verbundenen Sichtweisen und Argumentationsstrukturen wird vom Autor versucht das Thema facettenreich zu beleuchten, um so einen umfassenden Überblick über die Beweggründe Trumans zu geben.
2. Vorbetrachtung - Der Krieg im Pazifik
Bereits seit Ende der 30er Jahre trat Japan unter einer ultranationalistischen Führung in expansionistischer Weise im ostasiatischen Raum auf. Der japanische Einflussbereich wurde systematisch erweitert und es wurde versuchte die dort vorhandenen Rohstoffvorkommen unter japanische Kontrolle zu bringen. 7 Mit dem Überfall auf den Marinestützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii am 7. Dezember 1941 wurde Japans schärfster Gegner im Kampf um Einflusssphären, die USA, zum Eintritt in den Krieg gezwungen. Wenig später erklärten nach Japan auch Deutschland und Italien den USA den Krieg. 8 In der Anfangszeit des Krieges im Pazifik konnte Japan weite Teile des pazifischen Raums unter seine Kontrolle bringen. Dies lag vor allem an den Überraschungsmomenten zu Beginn des Krieges, wie Pearl Harbor, wo ein Großteil der amerikanischen Pazifikflotte beschädigt wurde, aber auch an der erst anlaufenden Kriegsmaschinerie der USA. 9 Dadurch dass die USA wesentlich stärkere Kräfte zur Niederwerfung Nazideutschlands bereitstellten, ging der Krieg im Pazifik in der Anfangsphase eher schleppend voran. 10 Mit der Seeschlacht bei den Midway-Inseln im Juni 1942 kam der Umschwung im pazifischen Raum eher unerwartet und wesentlich schneller als in Europa. Japans Streitkräfte
7 POHL, Manfred: Geschichte Japans. 3. aktualisierte Auflage. München 2005. Hier S. 71ff.
8 ZÖLLNER, Reinhard: Die Geschichte Japans. Von 1800 bis zur Gegenwart. Paderborn (u.a.) 2006. Hier S. 378.
9 Ebd. S. 378f.
10 So waren 60% des amerikanischen Militärpotenzials für den Krieg gegen Hitler reserviert. Vgl. hierzu HEIDEKING /
MAUCH: Die Geschichte der USA (wie Anm. 3) S. 278.
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büßten hier ihre Offensivkraft ein, die Seeherrschaft blieb jedoch erhalten. 11 Die Offensive ging nun auf die amerikanischen Streitkräfte über. 12 Zwischen der Schlacht bei den Midway-Inseln und der Seeschlacht im Golf von Leyte, im Oktober 1944, dort wo die japanische Seeherrschaft im pazifischen Raum endgültig endete 13 , wendeten die USA die so genannte Strategie des „Inselspringens“ an. Sie kämpften sich mühsam von Insel zu Insel und näherten sich den japanischen Hauptinseln. Ziel dieser Strategie war es vor allem die eigenen Verluste möglichst gering zu halten, was jedoch aufgrund massiver japanischer Gegenwehr und dem schwierigen Terrain oft misslang. 14
Der Krieg trat nun in die vorletzte Phase, welche eine „Materialschlacht“ sondergleichen war. 15 Die sich jetzt endgültig in der Offensive befindenden Amerikaner verloren von April bis Juni 1945 viele Kriegsschiffe und Flugzeuge. Auf japanischer Seite waren die Verluste aber ungleich höher, der größte Teil der japanischen Flotte und ca. 8000 Flugzeuge gingen verloren. 16 Aufgrund der hohen Verlustraten bei der japanischen Marine, halbierte sich auch die Handelsschifftonnage. Es waren kaum genügend Schiffe vorhanden, die ausgereicht hätten, Japan mit genügend Rohstoffen und Lebensmitteln zu versorgen. 17 Mit der Eroberung von Guam und Saipan standen den Amerikanern ab November 1944 geeignete Basen zur Verfügung, die große und verheerende Bombenangriffe auf japanische Großstädte ermöglichten. Bis dahin war Japan, anders als Europa, weitgehend von Bombardements verschont geblieben. 18 Städte wie Hiroshima, Kokura und Nagasaki, die als mögliches Ziel für den Atombombenanwurf auserkoren waren, wurden bewusst von den Luftangriffen verschont. 19 In dieser vorletzten Kriegsphase näherten sich die USA dem japanischen Mutterland. Mit der Eroberung der strategisch wichtigen Inseln Iwo Jima und Okinawa wurden die „Türen“ zu den japanischen Hauptinseln geöffnet. Hier forderten die harten Kämpfe zahlreiche
11 ADAMS, Willi P.: Die USA im 20. Jahrhundert. München 2000. Oldenbourg Grundriss der Geschichte. Bd. 29. Hier S.
80.
12 HEIDEKING / MAUCH: Die Geschichte der USA (wie Anm. 3) S. 278.
13 ADAMS: Die USA im 20. Jahrhundert (wie Anm. 11) S. 80.
14 http://www.worldwar2history.info/Pacific/
15 ADAMS: Die USA im 20. Jahrhundert (wie Anm. 11) S. 80.
16 Ebd.
17 ZÖLLNER: Die Geschichte Japans (wie Anm. 8) S. 381.
18 GRAYLING, Anthony C.: Die toten Städte. Waren die alliierten Bomberangriffe Kriegsverbrechen? 2. Auflage.
München 2007. Hier S. 94.
19 WAGNER, Wieland: Das nukleare Inferno: Hiroshima und Nagasaki. In: Michael Salewski (Hg.): Das Zeitalter der
Bombe. Die Geschichte der atomaren Bedrohung von Hiroshima bis heute. München 1995. S. 72-94. Hier S. 74.
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Opfer auf beiden Seiten. 20 Die letzten Bollwerke vor den japanischen Inseln waren gefallen und die endgültige Niederlage Japans lediglich eine Frage der Zeit. Nachdem Deutschland am 8. Mai 1945 bedingungslos kapitulierte und Italien schon vorher aus dem Krieg ausschied, war Japan ohne Verbündete und stand nun allein im Kampf gegen die Alliierten. Ein weiterer Tiefpunkt in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 war die Nichtverlängerung des sowjetisch-japanischen Neutralitätsabkommen von 1941. Die Gefahr einer sowjetischen Kriegserklärung vergrößerte sich und Japans Situation verschlechterte sich weiter. 21 In einem Geheimabkommen auf der Konferenz von Jalta verpflichtete sich die Sowjetunion drei Monate nach Beendigung des Krieges in Europa in den Krieg gegen Japan einzutreten. 22 Mit dem Fall Okinawas trat der Krieg in seine entscheidende Phase und der Untergang Japans war absehbar.
2.1. Situation Japans Mitte 1945
Als Okinawa erobert worden war ließen die Kämpfe im pazifischen Raum stark nach, beide Konflikparteien sammelten neue Kräfte für die Entscheidung. 23 Die US-amerikanischen See- und Luftstreitkräfte kontrollierten die Gewässer um Japan und verhinderten einen ausgedehnten Warenverkehr zwischen Japan und seinen Besitzungen. Die Seefahrtsstraßen zu wichtigen Rohstoffgebieten und die japanischen Häfen wurden vermint und der Schiffsverkehr kam fast zum Erliegen. Die Industrieproduktion sank erheblich, weil es an kriegswichtigen Materialen wie Rohöl und Erzen fehlte. 24 Da Japan aufgrund seiner Insellage sehr stark von Importen abhängig ist und diese durch die überlegene amerikanische Militärpräsenz nicht mehr in nennenswerten Massen eingeführt werden konnten, war es nicht mehr möglich die materiellen Verluste durch Neuproduktion auszugleichen. Erschwerend kam hinzu, dass die japanischen Industriebetriebe seit Beginn der Bombardements fast vollständig zerstört wurden. 25 Circa 20% der Nahrungsmittel kamen aus Übersee und die Kalorienaufnahme der Japaner beschränkte sich auf ein Mindestmaß, im Sommer 1945 betrug der tägliche Aufnahme circa 1680 Kalorien, benötigt werden für eine annähernd optimale Versorgung aber 2000 Kalorien pro Tag. 26 Diese Zahlen verdeutlichen die
20 Ebd.
21 ALPEROVITZ, Gar: Hiroshima. Die Entscheidung für den Abwurf der Bombe. Hamburg 1995. Hier S. 103 und S. 739.
22 KREBS, Gerhard: Die Kapitulation Japans und der Abwurf der Atombomben. In: Periplus. Jahrbuch für
außereuropäische Geschichte. Bd. 5. Berlin 1995. S. 34-49. Hier S. 35
23 Ebd. S. 828.
24 WAINSTOCK, Dennis S.: The Decision to Drop the Atomic Bomb. Westport 1996. Hier S. 10f.
25 ALPEROVITZ: Hiroshima (wie Anm. 21) S. 33.
26 WAINSTOCK: The Decision (wie Anm. 24) S. 12.
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Jan-Hendrik Hütten, 2009, Harry S. Truman und die Entscheidung zum Abwurf der Atombomben, München, GRIN Verlag GmbH
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