Inhaltsverzeichnis
1. Einführung. 3
2. Das sprachliche Zeichen. 4
3. Die triadische Struktur des Zeichens nach Peirce 5
3.1 Die Universalität der Zeichen. 5
3.2 Quali-, Sin-und Legizeichen. 7
3.3 Ikon, Index und Symbol 8
3.4 Rhema, Dicizeichen und Argument 10
3.5 Die drei Trichotomien von Peirce 10
3.6 Unterscheidungs- und Zuordnungsprobleme in der Zeichenklassifizierung. 12
3.7 Der Prozess der Semiose im Alltag. 14
4.1 Saussures Zeichenmodell 15
4.2 signifiant und signifié. 15
4.3 Der Charakter der Zuordnung von signifié und signifiant 16
4.4 langue und parole 17
5. Die Natur des Zeichens nach Morris. 19
5.1 Vier Korrelate der Semiose 19
5.2 Syntaktik, Semantik und Pragmatik als Dimensionen des Zeichenprozesses. 21
5.3 Zeichenklassifikation. 22
6. Das sprachliche Zeichen bei Bühler. 23
6.1 Aspekte der Sprachtheorie nach Bühler 23
6.2 Das Organonmodell. 24
7. Resümee 25
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1. Einführung
Zeichen bestimmen unseren Alltag. Die Menschen sind ständig von ihnen umgeben, egal ob bei einem Spaziergang durch den Wald oder einem Bummel in der Stadt, ob bei Fernsehschauen oder einem Bewerbungsgespräch. Durch das Benutzen von Zeichen sind wir bewusst bzw. unbewusst an verschiedenen Zeichenprozessen beteiligt. Zeichen helfen uns, sich in unserer Umwelt zu orientieren und miteinander umzugehen. Sie vermitteln Bedeutung, die sonst nicht offensichtlich wäre. Die wichtigste Eigenschaft eines Zeichens besteht jedoch darin, für den Zeichenbenutzer etwas darzustellen, ohne dieses selbst zu sein. Dabei können alle sinnlich wahrnehmbaren Dinge beispielsweise Gegenstände, Zeichnungen, Texte oder Sprache, Gesten, aber auch Handlungen, Vorstellungen, Erinnerungen als Zeichen fungieren. Diese stellen ein entscheidendes Instrument für die menschliche Interaktion dar, dabei erlauben sie der handelnden Person, ihre eigenen, individuellen Erfahrungen mit der Welt zu konkretisieren und Informationen und Gefühle mitzuteilen. Die Zeichen und die Zeichenhaftigkeit der Welt sind schon seit der Antike ein Gegenstand philosophischer Reflexion gewesen, allerdings entstand erst im 20. Jahrhundert eine eigenständige Disziplin daraus, die sich systematisch mit allen Aspekten der Zeichenkommunikation befasst: die Semiotik bzw. Semiologie der Zeichentheorie. Mehrere Linguisten haben sich mit dem Thema des sprachlichen Zeichens beschäftigt und versuchten herauszufinden, in welchem Zusammenhang die Bedeutung mit der gemeinten Sache steht. Um die Eigenart sprachlicher Zeichen eindeutiger herausheben zu können, werden in der folgenden Hausarbeit unterschiedliche Charakteristika verschiedener Zeichentypen und Zeichenmodelle besprochen. Ausführlich diskutiert werden die Zeichenmodelle von Charles Sanders Peirce, Ferdinand de Saussure, Charles William Morris und Karl Bühler. Sie haben die notwendigen Beiträge zur Etablierung einer unabhängigen Wissenschaft von den Zeichen geleistet.
Es soll im Allgemeinen verdeutlicht werden, was sprachliche Zeichen sind, welchen Inhalt sie haben, wie sprachliche Zeichen von Zeichenbenutzern verwendet werden und in welcher Beziehung sie diesem gegenüber stehen. Durch die Darstellung der einzelnen Modelle sollte weiterhin ein Einblick in die Komplexität und die Hintergründe der sprachlichen Zeichen und deren Verwendung in der menschlichen Kommunikation geschaffen werden.
Hierzu wird zunächst ein Überblick über grundlegende Voraussetzungen, die ein Zeichen erfüllen muss, gegeben. Im Anschluss daran kommt eine Übersicht über die
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allgemeine Definition aller Zeichen nach Peirce und eine ausführliche Skizzierung seiner Zeichentypologie, durch die eine Einordnung des Zeichens ermöglicht werden kann. Im Folgenden werden auch mögliche Zuordnungsprobleme unter der Pierce’chen Zeichenklassifizierung diskutiert.
Nach dem triadischem Zeichenmodell nach Peirce kommt es zur Darstellung der bilateralen Zeichenstruktur nach dem Schweizer Linguist Ferdinand de Saussure. Insbesondere dem sprachlichen Zeichen kommen es in dem Kapitel auch einige wichtige Charakteristika hinzu.
Im nächsten Absatz dieser Hausarbeit wird der pragmatische Zeichenbegriff von Charles Morris näher betrachtet. Im Zuge dessen wird auf seine dreidimensionale Gliederung der Semiotik eingegangen. Die Untersuchung dieser Dimensionen wird als Syntaktik, Semantik und Pragmatik angeführt.
Im letzten Abschnitt folgt das von dem Sprachpsychologen Karl Bühler entwickelte Organonmodell, das zur Darstellung seines Zeichenbegriffs einer natürlichen Sprache dient. Der instrumentelle Charakter seines Sprachzeichens wird auch in einer Trias von Zeichenfunktionen unterschieden.
Die oben genannten Zeichenmodelle werden in der vorliegenden Hausarbeit ausführlich beschrieben und mit zahlreichen Beispielen unterlegt. Anschließend folgen ein Resümee, in der die Hauptgedanken dieser Hausarbeit zusammengefasst werden, sowie das Literaturverzeichnis.
2. Das sprachliche Zeichen
Die älteste Definition des Zeichenbegriffes geht zurück auf Aristoteles: "Aliquid stat pro aliquo“ 1 ("Etwas steht für etwas anderes"). Ein Zeichen danach ist etwas Wahrnehmbares, was vertretend für etwas anders steht. Dies ist die auffälligste und sichtbarste Eigenschaft von Zeichen jeder Art, dass sie einem Zeichenbenutzer etwas präsent machen können, ohne selbst dieses etwas zu sein. 2 Als Zeichen kann daher alles sinnlich Wahrnehmbare fungieren, was in irgendeiner Weise Gegenstand der menschlichen Wahrnehmung oder Vorstellung werden kann und stellvertretend für etwas anderes steht.
Typischerweise wird zunächst an konkrete Gegenstände gedacht. Beispiele dafür dienen die Verkehrszeichen oder eine Lautfolge, die in einem Gespräch auf etwas verweist.
1 vgl. Linke, A. et al. (2004), S. 17
2 vgl. ebd.
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Es gibt aber auch Zeichen, die nicht auf einen konkreten Gegenstand verweisen, aber dennoch etwas bezeichnen. Es kann beispielsweise das rote Licht der Verkehrsampel oder ein Einhorn sein. Alles kann grundsätzlich durch ein Zeichen bezeichnet werden, auch Vorstellungen oder Abstrakta.
Zwischen dem eigentlichen Zeichen und dem, was dieses bedeutet, muss darüber hinaus eine Verbindung herrschen, um ein Zeichen überhaupt als solches erkennbar zu machen. Diese Verbindung wird als „Referenzbezug“ 3 bezeichnet und kommt erst durch die Interpretation des Zeichenbenützers zustande. Zeichen verweisen nicht aus sich selbst heraus auf etwas anderes. Der Zeichenbenützer muss erst einen Bezug aufbauen. Dementsprechend hat er eine allgemeine Vorstellung davon, wie beispielsweise ein Baum auszusehen hat. Diese Vorstellung ermöglicht ihm jegliche Arten von Bäumen, die entsprechenden Merkmale besitzen, als solche zu erkennen. Sieht der Zeichenbenutzer nun beispielsweise im Wald eine Birke kann er diese bezeichnen, indem er einen Bezug zwischen dem virtuellen und wirklichen Zeichen herstellt. In dem Fall bezieht sich das Wort ‚Baum’ auf einen spezifischen Baum - die Birke. Demzufolge gilt ein Zeichen nur als solches, wenn es sich durch sein Benutzer hergestellten Bezugs auf ein von ihm konkret Bezeichnetes richtet. 4
3. Die triadische Struktur des Zeichens nach Peirce
Der amerikanische Philosoph und Naturwissenschaftler Charles Sanders Peirce gilt als Begründer der allgemeinen modernen Semiotik. 5 Seine universale Zeichendefinition undklassifikation sind grundlegende Bestandteile der Semiotik. Von Peirce wurde auch die Textsemiotik geprägt.
3.1 Die Universalität der Zeichen
Die Zeichentheorie von Peirce hat die Grundlage, dass alles Denken notwendigerweise in Zeichen erfolgt: „every thought is a sign“ 6 denn jeder Gedanke verweist so wie ein Zeichen auf einen anderen Gedanken und bezieht sich auf ein Objekt in der Welt. Das ganze “Universum mit (von) Zeichen durchdrungen, wenn es nicht sogar ausschließlich aus Zeichen besteht“. 7 Damit wird die Semiotik zur Universalwissenschaft erhoben, von der Peirce sagt:
3 vgl. ebd.
4 vgl. ebd.
5 vgl. Nöth, W. (1985), S. 34.
6 vgl. ebd. S. 35.
7 Zit. Peirce, Ch. S. in Nöth, W. (1985), S. 35.
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“ It has never been in my power to study anything - mathematics, ethics, methaphysics, gravitation, thermodynamics, optics, chemistry, comparative anatomy, astronomy, psychology, phonetics, economics, the history of science, whist, men and woman, wine, meterologyexcept as a study of semeiotic.” 8
Am Anfang der Pierceschen Überlegung, was ein Zeichen sei, steht das, was man schon immer wusste. Ein Zeichen sei etwas, das für etwas anderes steht und von jemandem verstanden wird bzw. für jemanden eine Bedeutung hat. Die drei Glieder des Zeichens: 1. das Zeichen selbst, 2. das Zeichen in Beziehung zu seinem Objekt, 3. das Zeichen in Beziehung zu seinem Interpretanten - stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander, das als eine triadische Relation dargestellt wird. 9
Abbildung 2: Triadische Zeichenrelation nach Peirce
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nöth, W. (1985), S. 35.
Die Definition des Zeichens lautet nach Peirce:
"Ein Zeichen oder Repräsentamen, ist etwas, das für jemanden in einer gewissen Hinsicht oder Fähigkeit für etwas steht. Es richtet sich an jemanden, d.h. es erzeugt im Bewußtsein jener Person ein äquivalentes oder vielleicht ein weniger entwickeltes Zeichen. Das Zeichen, welches es erzeugt, nenne ich den Interpretanten des ersten Zeichens. Das Zeichen steht für etwas, sein Objekt. Es steht für das Objekt nicht in jeder Hinsicht, sondern nur in bezug auf eine Art von Idee. [...] ‚Idee' soll dabei so verstanden werden, wie wir sagen, dass jemand die Idee eines anderen mitbekommt." 10
Die drei Aspekte der Zeichentriade - der Zeichenaspekt, der Objektaspekt und der Interpretantenaspekt - lassen sich, jeder für sich selbst, in drei Untergliederungen, so genannte
8 vgl. Nöth, W. (1985), S. 35.
9 vgl. Öhler, K. (1993), S. 127f.
10 Zit. Peirce, Ch. S. in Nöth, W. (1985), S. 35
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Trichotomien zerlegen. 11 Der Zeichenaspekt unterteilt sich in 1. das Qualizeichen, 2. das Sinzeichen und 3.das Legizeichen. In Bezug auf ihre Beziehungen zu ihren Objekten lassen sich Zeichen einteilen in 1. Ikons, 2. Indizes und 3. Symbole. Hinsichtlich seiner Bezüge zu seinem Interpretanten kann ein Zeichen entweder 1. ein Rhema, 2. ein Dicent oder 3. ein Argument genannt werden.
3.2 Quali-, Sin-und Legizeichen
Das Qualizeichen bezieht sich auf die sinnliche Qualität eines Zeichens. Für sich selbst betrachtete hat ein Zeichen jeweils eine materielle Präsenz, den so genannten Zeichenkörper: bei gesprochenen Worten ist es die Schallwelle, bei Schriftzeichen bestimmte dagegen die Farbe der Druckerschwärze, z. B.: rot. Ein Qualizeichen kann auch das blaue Licht einer Neonreklame oder der schrille Ton der Pfeife eines Polizisten sein. Die Erscheinung ist in diesen Fällen gilt als rein und nicht materialisiert. 12 Als Sinzeichen wird ein Zeichen tatsächlich existent. Es handelt sich hier um eine reguläre individuelle Verwirklichung von Qualizeichen, z.B.: diese Neonreklame oder der schrille Ton hier und jetzt. Damit wird das aktuell existierendes Ding oder Ereignis aufgefasst. Legizeichen sind über die Aktualität einer Verwendung hinausreichende, gesetzmäßig verwendbare Zeichen, beispielsweise Verkehrszeichen oder Buchstaben, die auf eine allgemeine und festliegende eingeführte Bedeutung hinweisen und deshalb beliebig wiederholbar und einsetzbar sind. „Ein Legizeichen ist ein Gesetz, das ein Zeichen ist. Ein solches Gesetz ist normalerweise von Menschen aufgestellt. Jedes konventionelle Zeichen ist ein Legizeichen (aber nicht umgekehrt). 13
Die Trichomie von Qualizeichen, Sinzeichen und Legizeichen wird auch durch die synonyme Trias TONE, TOKEN und TYPE ausgedrückt. Dabei wird die kategoriale Dimension dieser drei Zeichenmodi besonders deutlich. TONE ist eng verbunden mit Möglichkeit, TOKEN mit individueller Realisierung und TYPE mit allgemeiner Gesetzartigkeit. Die Definitionen sind ebenso zu Grundbegriffen der Linguistik geworden. 14 Dies lässt sich mit folgendem Beispiel einfacher erläutern: das Wort des deutschen Sprachsystem ‚ein’ als lexikalische Einheit ist ein TYPE - ein beliebig wiederholbares Gesetz. In seiner konkreten Realisierung in einem deutschen Buch wird das Wort zum TOKEN - es
11 vgl. Öhler, K. (1993), S. 127f.
12 vgl. ebd.
13 Zit. Nagl, L.(1992), S. 52.
14 vgl. ebd.
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Arbeit zitieren:
Jagoda Urbanek, 2009, Zeichenmodelle, München, GRIN Verlag GmbH
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