Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. WAS IST EIN SYSTEM? 4
3. GRUNDLAGEN DER SYSTEMTHEORIE. 4
3.1. KYBERNETIK 5
3.2. HOMÖOSTASE. 7
3.3. AUTOPOIESE. 8
3.4. SOZIALE SYSTEME. 9
3.5. WIRKLICHKEIT AUS SICHT DES SOZIALEN KONSTRUKTIONISMUS 11
4. FAMILIENTHERAPIE UND SYSTEMTHEORIE 11
4.1 DIE BEDEUTUNG VON SPRACHE 12
4.2 WAS IST EIN PROBLEM? 13
4.3. WIE WERDEN PROBLEME ERZEUGT? 14
4.4. SIND PROBLEME VIELLEICHT AUCH NÜTZLICH? 14
5. TECHNIKEN UND MODELLE DER SYSTEMISCHEN THERAPIE UND BERATUNG. 15
5.1. DAS SYSTEMISCHE FRAGEN. 15
5.2. ZIRKULARITÄT 16
5.3. ZIRKULÄRE FRAGEN 17
5.4. ENTWICKLUNG SYSTEMTHERAPEUTISCHER VERFAHREN 17
5.5. DAS MAILÄNDER MODELL. 18
6. FAZIT 19
LITERATUR. 21
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1. Einleitung
Systemische Denkmodelle können gewissermaßen als populär bezeichnet werden. Sie sind mittlerweile nicht nur in nahezu allen Beratungskontexten und Arbeitsfeldern der sozialen Arbeit zu finden, sondern halten ihren Einzug zunehmend in Bereichen wie Politik, Sozialmanagement oder Unternehmensführung. Unterschiede in der Anwendung und Umsetzung systemischer Grundgedanken ergeben sich durch das Arbeitsfeld sowie den Handlungsauftrag. Diese Arbeit gibt einen kleinen Einblick die Grundlagen der Systemischen Therapie und Beratung, wobei wir uns die Frage gestellt haben, wo die Grenzen dieser Therapie-Methode liegen und in wie weit sie uns neue Möglichkeiten und Blickrichtungen im Vergleich zur klassischen Psychotherapie liegen. Systemische Beratungsmethoden entstammen ursprünglich den Methoden der Familientherapie und systemischen Therapie. Da es zwischen Beratung und Therapie keine grundsätzlichen theoretischen und methodischen Unterschiede gibt, werden die Begriffe Therapie und Beratung in dieser Arbeit teilweise synonym verwendet. Systemische Beratungsmethoden entwickelten sich innerhalb der Familientherapie auf Grundlage von systemtheoretischen Erkenntnissen verschiedener Wissenschaftsbereiche. Wir möchten darauf hinweisen, dass im Bearbeitungsrahmen dieser Hausarbeit keine ausführliche Ausarbeitung der Systemtheorien möglich ist. Es handelt sich bei den vorgestellten Theorien und Modellen und den später folgenden Methoden um eine unseres Erachtens relevante Auswahl, die auch im Rahmen des Seminars besprochen worden sind. In dieser Arbeit haben wir in Kapitel Zwei die grundsätzliche Frage „was ist ein System“ bearbeitet um dann im dritten Kapitel auf die Grundlagen der Systemtheorie mit ihren zugrunde liegenden Denkweisen und wissenschaftlichen Theorien einzugehen. Die folgenden Kapiteln Vier und Fünf sind praxis- bezogener und vermitteln einen Einblick in die Arbeitsweisen und die Anwendung der Systemtheorie.
In der Schlussreflexion kommen wir noch mal auf unsere Fragestellung zurück und werfen einen Blick auf die Vor- und Nachteile dieser Theorien, insbesondere in der praktischen Anwendung.
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2. Was ist ein System?
Sehr reduziert und allgemein ausgedrückt, handelt es sich bei einem System um eine Einheit, die aus unterschiedlichen Elementen zusammengesetzt und geordnet ist (SIMON ET AL. 1999, S. 320).
Der Systembegriff lässt sich in allen klassischen Wissenschaftsbereichen finden. Er wurde sowohl in den Naturwissenschaften als auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften als hypothetisches Konstrukt entwickelt, um Phänomene zu erklären. Anfangs lag der Schwerpunkt der Systemtheorien bei der Organisation und Interaktion der einzelnen Elemente im Gesamtzusammenhang des Systems. Mit der Idee, dass ein System nur durch die Unterscheidung zu seiner Umwelt als solches erkannt werden kann, verlagerte sich das Interesse nun mehr auf Aspekte von System und Umwelt (RITSCHER 2002, S. 22 und SIMON ET AL. 1999, S. 320). Daraus ergab sich eine differenzierte Definition des Systembegriffs. System meint: „…einen ganzheitlichen Zusammenhang von Teilen, deren Beziehungen untereinander quantitativ intensiver und qualitativ produktiver sind als ihre Beziehungen zu anderen Elementen. Diese Unterscheidung der Beziehungen konstituiert eine Systemgrenze, die System und Umwelt des Systems trennt“ (WILLKE 1993, S. 282).
Die Erkenntnisse der systemtheoretischen Konzepte führten dazu, lebende von nichtlebenden Systemen zu unterscheiden. Nicht- lebende Systeme, wie zum Beispiel Maschinen, sind vom Beobachter durchschaubar und steuerbar. Dagegen zeichnen sich die lebenden Systeme durch eine Eigendynamik aus, die von außen nicht vorhersagbar und steuerbar ist. Lebende Systeme sind dynamisch und prozesshaft und verfügen über scheinbar grenzenlose Verhaltensmöglichkeiten. Wie und warum trotzdem eine Ordnung in Systemen entsteht, ist eine der Kernfragen der Systemtheorie (SCHLIPPE & SCHWEITZER 2003, S. 55ff)
3. Grundlagen der Systemtheorie
Systemtheoretische Konzepte versuchen Gesetzmäßigkeiten in Systemen zu finden, mit deren Hilfe die strukturelle und prozessuale Organisation unter Berücksichtigung der Auseinandersetzung mit der Umwelt zu erklären ist. Bei der Entwicklung dieser Systemtheorien versuchten die einzelnen Wissenschaftsbereiche, parallel zueinander, ein allgemeines Modell zu finden, eine Systemtheorie als Metatheorie.
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Der österreichische Biologe Ludwig von Bertalanffy (1901-1972) wird in diesem Zusammenhang häufig als der Begründer einer allgemeinen Systemtheorie bezeichnet. Er entwickelte Theorien über offene Systeme im Fließgleichgewicht (In seinem Modell befinden sich lebende Systeme in einem ständigen Fluss, innerhalb dessen ein Gleichgewicht angestrebt wird, welches, wenn es erreicht wird, nur kurz gehalten werden kann (Schlippe, 1993, S.21)). die er selbst als allgemeine Systemtheorie bezeichnete. Seiner Vorstellung nach müssten sich in Systemen Modelle, Prinzipien und Gesetze finden lassen, die sich allgemein auf Systeme übertragen lassen, unabhängig von deren Natur. Gleichzeitig verwendet er die Bezeichnung „lebende Systeme“ und grenzt seine Theorie von der Kybernetik ab (SCHLIPPE 1993, S. 21). Im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Varianten von systemtheoretischen Modellen. Diese Modelle entstammen unterschiedlichen theoretischen Ausgangspunkten und setzten daher auch unterschiedliche Schwerpunkte. Bisher ließen sich die Modelle noch nicht zu einem schlüssigen Gesamtkonzept zusammenfügen (SIMON ET AL. 1999 S. 321). Die einzelnen Modelle und Theorien hatten (parallel zu ihrer zugehörigen Wissenschaft) erkenntnistheoretische Konsequenzen, die im Bereich der Familientherapie zu einem Umdenken (z. B. bezüglich therapeutischer Interventionen) führten. Die Methoden, die aufgrund dieser Erkenntnisse entwickelt wurden, sind noch heute aktuell und finden ihre Anwendung mittlerweile in vielen psycho-sozialen Beratungsbereichen. Als Grundlage werden einige Modelle im Folgenden kurz skizziert.
3.1. Kybernetik
Der Begriff Kybernetik ist auf den Mathematiker Norbert Wiener zurückzuführen. Allgemein ausgedrückt ist die Kybernetik die Lehre von den sich selbst steuernden und regulierenden Systemen (WENZEL o. J.). Ursprünglich beziehen sich die wissenschaftlichen Untersuchungen von Phänomenen wie Regulation,
Informationsverarbeitung, -speicherung, -austausch, Selbstorganisation, Kontrolle und Adaption auf die Beschreibung von Steuerungsvorgängen in technischen Systemen (SIMON ET AL. 1999, S. 192). Die Kybernetik entwickelte sich zu einer übergreifenden Wissenschaft, der die Annahme zugrunde lag, dass Organismen und soziale Strukturen denselben Steuerungsmechanismen unterliegen. Nach KLAUS und LIEBSCHER (1967, S. 806) ist unter einem „System von Objekten eine nicht leere
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Menge, eine Klasse oder ein Bereich (oder möglicherweise auch mehrere solcher Mengen) von Objekten zu verstehen, zwischen denen eine gewisse Relation besteht“. Diese abstrakte Definition lässt es zu, den Systembegriff auf nahezu alle Wirklichkeitsbereiche zu beziehen.
Diese Systemtheorie hatte Einfluss auf die Familientherapie der 60er und 70er Jahre. Die strukturelle Familientherapie (z. B. nach Minuchin) und die strategische Familientherapie (z. B. nach Haley) verfolgten die Vorstellung von den von außen beobachtbaren objektiven Merkmalen und Prozessen eines Familiensystems (SCHLIPPE & SCHWEITZER 2003, S. 50ff). Das Anliegen, objektive Aussagen über Systeme und ihr Verhalten zu machen, wird als die Kybernetik 1. Ordnung bezeichnet. Der Physiker Heinz von Foerster hat der Systemtheorie die Kybernetik 2. Ordnung hinzugefügt. Die kybernetischen Prinzipien werden nun auf die Kybernetik selbst bezogen (Kybernetik der Kybernetik). Der Glaube an die Existenz eines objektiv beobachtbaren Systems wird aufgegeben. „Die Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, ist unsere Erfindung“ (FOERSTER 1981, S. 40) Die Kybernetik 2. Ordnung bezieht den Beobachter als Teil des Kontextes, den er beobachtet, mit ein (SIMON ET AL. 1999, S. 192). Somit rückt nun die Interaktion zwischen Beobachter und beobachtetem System in das Zentrum des Interesses. Wie die etymologischen Wurzeln des Wortes Obacht zeigen, handelt es sich um eine aktive kognitive Leistung. Beim Beobachten wird ein Phänomen selektiert und von seinem Kontext, seiner Umwelt oder seinem Hintergrund unterschieden. Durch diese Unterscheidung zieht der Beobachter eine Grenze zwischen der Innenseite eines Phänomens mit seinem Inhalt, Raum oder Zustand und seiner Außenseite. Beim Beobachten blickt der Mensch von der Außenseite auf die Grenze zur Innenseite (SIMON 1995, S.15). FRITZ B. SIMON (1995, S. 15) beschreibt dies folgendermaßen: „Die Merkmale der Unterscheidung, die einer unterschiedenen Einheit zugeschrieben werden, sind keine Elemente der Einheit selbst, sondern ihres Kontextes“. Das Ergebnis dieser Betrachtung ist eine subjektive Wirklichkeitskonstruktion, die als eine Art innere Landkarte dient. Diese innere Landkarte lässt sich beschreiben, erklären und bewerten. Somit stellt sie eine notwendige Orientierung für den Betrachter dar, auf dessen Basis wiederum eigenes Verhalten und Möglichkeiten gewählt werden können (SIMON 1995, S. 13ff).
Die Frage, auf welche Weise und in wieweit der Mensch aktiv an der Konstruktion seiner Wirklichkeit beteiligt ist, stellt die Kernfrage der konstruktivistischen
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Arbeit zitieren:
Tessa Schleifenbaum, Gisa Koller, 2007, Grundlagen der systemischen Therapie und Beratung, München, GRIN Verlag GmbH
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