Aufgrund der überaus umständlichen, abschweifenden und „hochgestochenen“ Schreibweise Klaus Dörners, habe ich mich Anfangs sehr widerwillig mit dem Text „Verantwortung vom letzten her“ auseinandergesetzt. Ich finde es sehr schade, dass inhaltlich sehr philosophische und zukunftsrelevante Texte, die möglichst viele Menschen, gerade Professionelle aus dem sozialen Bereich, lesen sollten, so leserunfreundlich formuliert sind, dass sich viele davon abgeschreckt fühlen, oder der eigentliche Inhalt unzugänglich bleibt. Diese „elitäre“ Schreibweise ist eine Form von Aus- und Abgrenzung von der Norm (dem normalen Bürger), die gerade Klaus Dörner anprangert und vermeiden möchte. Mir ist klar, dass gerade diese komplizierte Art zu formulieren dazu anregen soll, sich ernsthaft mit dem Text zu beschäftigen und sich die Ideen die dahinter stecken zu erarbeiten um sie so besser zu verinnerlichen, allerdings geben viele Leser bestimmt nach einigen Zeilen auf, sei denn sie werden wie wir Studenten mehr oder weniger zum Weiterlesen gezwungen. Um mich selbst nicht weiter zu quälen, versuche ich in einer freien Weise die für mich wichtigsten Grundgedanken des Verfassers, der sich sehr an Levinas anlehnen, darzulegen.
Dörners Wunschgedanke ist, so wie in Schweden und Norwegen bereits geschehen, alle Behinderten-Institutionen ab zu schaffen und alle behinderten Menschen in das „normale“ Leben zu integrieren. Wir „Sozialprofis“ sollten dafür bezahlt werden, dass wir die Letzten der Gesellschaft, also die schwächsten Mitglieder, wie zum Beispiel Schwerbehinderte, wieder in das gesellschaftliche Leben einzugliedern. Dörner ist der Überzeugung, dass das Zusammenleben in einer sehr heterogenen Gruppe auch eine heilsame Wirkung auf die „Normalen“ Mitglieder der Gesellschaft hat. Indem ich mich in einer sozialen Art einbringe, meine Zeit aufwende für Menschen, die mich brauchen, erfahre auch ich die heilsame Wirkung des Helfens. Mit Zunahme der Institutionen im 18.Jahd. , in die wir Menschen, die besonders hilfebedürftig sind, wegsperren, laut Dörner „zu lebenslanger Haft“ verurteilen, haben wir uns freie Zeit erkauft. Diese Zeit ist unsere „Freizeit“ die wir mit mehr oder weniger sinnvollen, oder sinnlosen Beschäftigungen füllen und möglichst gut gelaunte, schöne und gesunde Menschen um uns haben wollen, um nicht an die eigene Endlichkeit und Verletzlichkeit erinnert zu werden. Dabei wird das Leben der meisten Menschen immer leerer und unerfüllter, was sich anhand des gesteigerten Drogen-Konsums
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und Suiziden beobachten lässt. Es scheint also nicht zu funktionieren, alles „Kranke“ oder andersartige aus unserer Gesellschaft zu verbannen. Jeder Mensch möchte in irgendeiner Form vom anderen gebraucht werden. Der „Letzte“, der sehr Hilfebedürftige, braucht mich. Ich habe ihm gegenüber eine Verantwortung, die sich aus dem Menschsein heraus ergibt, da nur so unsere Gesellschaft funktionieren kann. Jeder Mensch ist angewiesen auf andere Menschen, auf die soziale Gruppe. Der Mensch ist kein Einzelgänger, der Niemanden braucht und einsam durch die Steppe zieht. Daraus ergibt sich eine grundsätzliche Verantwortung für den anderen. Und das Leben eines Einzelnen ist leer, wenn er nicht der Gemeinschaft, dem Anderen dienen kann. Nicht umsonst ergreifen so viele Menschen soziale Jobs, in denen sie Hilfsbedürftigen Menschen dienen können und dadurch ihre Erfüllung finden. Wir sollten uns allen klar machen, dass auch wir Pädagogen, Sozialarbeiter, Sonderpädagogen u.s.w. unsere Patienten/Klienten brauchen, dass auch wir abhängig von ihnen sind. Nicht nur in finanzieller Hinsicht, denn ganze Berufsgruppen werden durch Institutionen ernährt, sondern auch in seelisch-geistiger Hinsicht. Was würden wir machen, wenn uns Niemand mehr braucht? Anhand des Beispiels, welches Klaus Dörner auf S. 180 beschreibt, wird deutlich dass selbstbestimmtes Leben allein nicht ausreicht um glücklich zu sein. Das trifft auf uns „Normale“ ebenso wie Menschen mit besonderem Pflegebedarf zu. Auch ein Hilfsbedürftiger möchte gerne helfen und eine „Bedeutung für Andere“ haben. „Jeder Mensch will notwendig sein und kann dies nur vom Anderen her“ (Dörner, S. 180, letzte Zeile).
Dörner regt in seinem Text an, anstelle von Institutionen dafür zu sorgen, dass Integration in der Nachbarschaft stattfindet. Wenn jeder sich für seine unmittelbaren Nachbarn mit verantwortlich fühlt, wäre allen geholfen. Dafür sind eine Netzwerkarbeit und eine geregelte Nachbarschaftshilfe notwendig, die meiner Meinung nach reell immer mehr an Bedeutung gewinnen. Immer mehr integrative Wohnprojekte mit Gemeinschaftsräumen entstehen, die einen Paradigmenwandel erahnen lassen. Nicht zuletzt die Landespsychiatrie in Dortmund- Aplerbeck soll zum großen Teil aufgelöst werden und die Insassen in ein betreutes Wohnen übergehen. Dieser Integrative Ansatz, der soviel Selbstbestimmung wie möglich zum Ziel hat, breitet sich mehr und mehr auch in Deutschland aus.
Allerdings scheint dieser Gedanke nicht vollständig zu sein, wenn man nicht vom Letzten her denkt. Wenn so viele Menschen wie möglich aus den Institutionen
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Arbeit zitieren:
Tessa Schleifenbaum, 2008, Ein Essay zu Dörners "Die Verantwortung vom Letzten her", München, GRIN Verlag GmbH
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