Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis VI
Symbolverzeichnis VIII
1. Einführung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Gang der Untersuchung 2
2. Grundlagen und Begriffsabgrenzungen 3
2.1 Beteiligungen. 3
2.1.1 Der Begriff der Beteiligung. 3
2.1.2 Der Beteiligungslebenszyklus 6
2.2 Unternehmenssteuerung 8
2.2.1 Der Begriff der Steuerung 8
2.2.2 Wertorientierte Unternehmenssteuerung. 10
2.2.2.1 Hintergrund der Wertorientierung 10
2.2.2.2 Der Marktwert als Zielgröße einer wertorientierten
Unternehmensf ührung 11
2.3 Kennzahlen(-systeme) zur Unternehmenssteuerung 13
2.3.1 „Traditionelle“ Kennzahlen. 14
2.3.2 Wertorientierte Kennzahlen. 15
3. Das Rechnungswesen als Datenbasis der Unternehmensteuerung 17
3.1 Divergenzen der Rechenwerke. 18
3.2 Konvergenzen der Rechenwerke 21
3.2.1 Gründe der Harmonisierung 21
3.2.2 Dimensionen der Harmonisierung. 23
I
4. Konzeption des Economic Value Added (EVA) 26
4.1 Grundlagen des EVA. 26
4.1.1 Ursprung und Zielsetzung 26
4.1.2 Grundmodell der EVA-Berechnung. 27
4.1.3 Conversions: Transformation vom Accounting Model zum
Economic Model 30
4.2 Basiselemente des EVA. 33
4.2.1 Bestimmung des Capital Employed und des NOPAT. 33
4.2.1.1 Operating Conversions 35
4.2.1.2 Funding Conversions. 37
4.2.1.3 Shareholder Conversions. 39
4.2.1.4 Tax Conversions 41
4.2.2 Bestimmung des Kapitalkostensatzes. 42
5. Konzeption des Cash Value Added (CVA) 44
5.1 Grundlagen des CVA 44
5.2 Basiselemente des CVA 45
5.2.1 Bestimmung des Cash Flow Return on Investment 46
5.2.1.1 Brutto Cashflow. 50
5.2.1.2 Bruttoinvestitionsbasis. 52
5.2.2 Bestimmung des Kapitalkostensatzes. 54
6. Gegenüberstellung der wertorientierten Konzepte EVA und CVA 55
6.1 Anforderungen an wertorientierte Steuerungskennzahlen 55
6.2 Gegenüberstellung von EVA und CVA 57
6.2.1 Zielkongruenz. 57
6.2.2 Vergleichbarkeit 60
6.2.3 Kommunikationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit 62
6.3 Kritische Würdigung 64
7. Anpassungen des EVA und CVA im Kontext der Steuerung von
Beteiligungen. 66
7.1 Aufwendungen mit Investitionscharakter. 67
II
7.2 Derivativer Goodwill. 68
7.3 Cash-Pooling 71
7.4 Konzernsteuerquote 71
7.5 Kapitalkostensatz. 74
8. Zusammenfassung und Ausblick 77
Anhang. X
Literaturverzeichnis XII
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Phasen des Beteiligungslebenszyklus.
Abbildung 2: Reichweiten des Steuerungsbegriffs.
Abbildung 3: Konvergenzbereich des internen und externen Rechnungswesens.
Abbildung 4: Ermittlung des Market Value Added.
Abbildung 5: Spektrum möglicher Ausprägungen des EVA.
Abbildung 6: Ermittlung des NOPAT im EVA-Ansatz.
Abbildung 7: Ermittlung des Capital Employed im EVA-Konzept.
Abbildung 8: Berechnung des Brutto-Cashflow im CVA-Konzept.
Abbildung 9: Berechnung der Bruttoinvestitionsbasis im CVA-Konzept.
Abbildung 10: Bestimmung des Unternehmenswertes auf Basis des EVA-Ansatzes.
Abbildung 11: Werttreiber von Residualgewinnkonzepten.
Abbildung 12: Übersicht der Beurteilung von EVA und CVA.
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Relevante Beteiligungsquoten und korrespondierende Rechtspositionen. 5
Tabelle 2: Systematisierung traditioneller Kennzahlen. 14
Tabelle 3: Systematisierung wertorientierter Kennzahlen. 16
Tabelle 4: Übersicht zu den Anforderungen an Steuerungskennzahlen. 56
V
Abkürzungsverzeichnis
AktG
APT
BB
BC
BCF
BCG
Bd.
BIB
bspw.
BuW
BW
bzw.
b&b
CAPM
CFRoI
Co.
CVA
DAX
DBW
DCF
EBIT
EBITA
EBITDA
EFM
EK
EP
FB
FCF
FK
Fn.
GmbH
GmbHG
HGB
HHL
Hrsg.
H.
IAS International Accounting Standards
VI
KoR
krp
KStG
MVA
NaAV
NOPAT
NOPBT
No.
ÖA
RoC
ROCE
RoE
RoI
RONA
RoS Return on Sales
Sp.
StuB
SVA
SVR Shareholder Value Return
S. Seite
UR
URL
u.a.
Vol.
WACC
WiSt
WISU
WPg
ZfB
zfbf
ZfhF
ZfP
ZfPU
VII
Symbolverzeichnis
§ Paragraph §§ Paragraphen
abschreibbares Anlagevermögen zum Zeitpunkt t aAV
t
Beta-Faktor β
Brutto-Cashflow zum Zeitpunkt t BCF
t
Buchwert des bilanziellen Eigenkapitals zum Zeitpunkt t BEK
t
Bruttoinvestitionsbasis zum Zeitpunkt t BIB
t
Kapitalwert zum Zeitpunkt t C
t
Capital Employed zum Zeitpunkt t CE
t
Cashflow Return on Investment zum Zeitpunkt t CFRoI
t
Cash Value Added zum Zeitpunkt t CVA
t
Nettodividende (Nettoauszahlung an Eigentümer) für die Periode t d
t
Veränderung des Unternehmenswertes zum Zeitpunkt t MW ∆
t
Marktwert des Eigenkapitals zum Zeitpunkt t EK
t
Economic Value Added zum Zeitpunkt t EVA
t
) ( τ Erwartungswert des Residualgewinns der Periode τ zum RG E t Zeitpunkt t Free Cashflow zum Zeitpunkt t FCF
t
Marktwert des Fremdkapitals zum Zeitpunkt t FK
t
Periodengewinn laut GuV zum Zeitpunkt t G
t
investiertes Kapital zum Zeitpunkt t IK
t
Market Value Added zum Zeitpunkt t MVA
t
Marktwert des Unternehmens zum Zeitpunkt t MW
t
Marktwertzuwachs zum Zeitpunkt t MWZ
t
Nutzungsdauer n
Net Operating Profit After Taxes zum Zeitpunkt t NOPAT
t
VIII
Net Operating Profit Before Taxes zum Zeitpunkt t NOPBT
t
Ökonomische Abschreibung zum Zeitpunkt t ÖA
t
Zinssatz der Alternativanlage r
A
Eigenkapitalkostensatz r
EK
risikoloser Zinssatz r
F
Fremdkapitalkostensatz r
FK
Rendite des Marktportfolios r
M
Credit Spread r
SP
gewichtete Kapitalkosten zum Zeitpunkt t r
WACCt
Residualgewinn zum Zeitpunkt t RG
t
Return on Capital Employed zum Zeitpunkt t ROCE
t
(Ertrag-) Steuersatz s Zeitindex t Zeitindex τ
Umsatzerlös(e) zum Zeitpunkt t UE
t
IX
1. Einführung
1.1 Problemstellung
Unternehmen aller Branchen und Größen erweitern seit Jahren ihre Beteiligungs-portfolios. 1 Schätzungen zufolge sind in Deutschland heute bereits etwa drei Viertel aller Aktiengesellschaften und mehr als die Hälfte der Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) in Konzernen organisiert. 2 Als Folge dieser Entwicklung sind zunehmend komplexere Unternehmensstrukturen zu beobachten, weshalb die effiziente Steuerung der Beteiligungsunternehmen an Relevanz gewinnt und zum kritischen Erfolgsfaktor für die Konzernleitung wird. 3
In den letzten Jahren hat sich die Steigerung des Unternehmenswertes in der Wirtschaftspraxis als Ziel etabliert. 4 Eine Vielzahl von Unternehmen hat die Wertorientierung bereits in ihre internen Steuerungssysteme implementiert und wertorientierte Kennzahlen eingeführt. So bekennen sich 26 Unternehmen der DAX 30-Unternehmen in ihren Geschäftsberichten zur Wertorientierung als Zielrichtung der Unternehmensführung. 5 Davon weisen 22 Unternehmen explizit aus, dass sie wertorientierte Kennzahlensysteme für die interne Steuerung heranziehen. Unter den genannten Konzepten sind auch der Economic Value Added (EVA™) 6 und der Cash Value Added (CVA) zu finden, welche Gegenstand der vorliegenden Arbeit sind.
Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Unternehmensstrukturen erweist sich die Steuerung von Beteiligungen als besondere Herausforderung für die internen Steuerungssysteme. Vor diesem Hintergrund ist kritisch zu hinterfragen, inwieweit die bisher genutzten wertorientierten Steuerungsgrößen den Anforderungen komplexer Beteiligungsportfolios gerecht werden.
1 Vgl. Morgner / Schmidt (2001), S. 41; Schmidt (1989), S. 270; Unzeitig (2000), S. 29 f.
2 Vgl. Emmerich / Habersack (2005), S. 3 sowie die dort angegebene Literatur.
3 Vgl. Eckey / Schäffer (2006), S. 251; Morgner / Schmidt (2001), S. 41.
4 Vgl. Gebhardt / Mansch (2005), S. 1.
5 Vgl. dazu und im Folgenden Fischer / Rödl (2003), S. 428 f.
6 Der EVA ist durch Stern Stewart & Co. markenrechtlich geschützt und muss demnach als
„EVA™“ gekennzeichnet sein. Auf diese Kennzeichnung wird im Folgenden jedoch aus
Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet.
1
Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es daher, die Eignung des EVA und des CVA als Steuerungsgrößen für Beteiligungen zu untersuchen. Darauf aufbauend werden Anpassungsmaßnahmen diskutiert, die im Kontext der Steuerung von Beteiligungen Verzerrungen bei der Leistungsbeurteilung eliminieren und so zur Verbesserung der Kennzahlen beitragen.
1.2 Gang der Untersuchung
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in acht Kapitel. Im Anschluss an die Einleitung (Kapitel 1) werden im 2. Kapitel die inhaltlichen Grundlagen und Begriffe für die Steuerung von Beteiligungen erläutert. Hierzu zählt neben einer Einführung in die Thematik der Beteiligungen (Abschnitt 2.1) die Thematisierung der Unternehmenssteuerung (Abschnitt 2.2). Anschließend wird in Abschnitt 2.3 auf Kennzahlen(-systeme) zur Unternehmenssteuerung eingegangen.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Rechnungswesen als Datenbasis der Unternehmenssteuerung. Dazu werden zunächst die Divergenzen des externen und internen Rechnungswesens erläutert (Abschnitt 3.1) und anschließend in Abschnitt 3.2 die Hintergründe und Strategien ihrer Harmonisierung dargestellt.
Die Kapitel vier und fünf bilden den thematischen Mittelpunkt der Arbeit. Hier werden die konzeptionellen Grundlagen des Economic Value Added (Kapitel 4) und des Cash Value Added (Kapitel 5) dargestellt. Dazu werden einführend die Grundlagen der Modelle erläutert (Abschnitt 4.1 und Abschnitt 5.1) und anschließend ihre Basiselemente detaillierter betrachtet (Abschnitt 4.2 und Abschnitt 5.2).
Das 6. Kapitel dient der Gegenüberstellung der Steuerungsgrößen EVA und CVA. Hierzu werden zunächst in Abschnitt 6.1 Anforderungen an wertorientierte Kennzahlen formuliert. In Abschnitt 6.2 werden sie dann auf Basis dieser Anforderungen einander gegenübergestellt und diskutiert. Anschließend folgt eine kritische Würdigung der Konzepte (Abschnitt 6.3).
Im 7. Kapitel schließlich werden Anpassungsmaßnahmen des EVA und CVA zur Steuerung von Beteiligungen vorgestellt. Die verschiedenen Anpassungen werden in den Abschnitten 7.1 bis 7.5 erläutert. Das 8. Kapitel bildet mit einer Zusam-
2
menfassung der erarbeiteten Ergebnisse und einem Ausblick den Abschluss der Arbeit.
2. Grundlagen und Begriffsabgrenzungen
Diese Arbeit befasst sich mit der Steuerung von Beteiligungen mittels wertorientierter Kennzahlen. Daher werden in diesem Kapitel die Grundlagen und Begriffe im Hinblick auf Beteiligungen und die Unternehmenssteuerung erörtert. Der Einsatz von Kennzahlen bei der Steuerung von Unternehmen sowie die Vorzüge und Vielfalt wertorientierter Steuerungsgrößen ist Gegenstand des abschließenden Abschnittes.
2.1 Beteiligungen
2.1.1 Der Begriff der Beteiligung
Unter Beteiligungen werden im deutschen Handelsrecht „Anteile an anderen Unternehmen“ verstanden, „die bestimmt sind, dem eigenen Geschäftsbetrieb durch Herstellung einer dauerhaften Verbindung zu jenen Unternehmen zu dienen“ 7 . Zwar ist gemäß § 271 II 2 HGB die Form der Beteiligung unerheblich, 8 dennoch gilt die widerlegbare Vermutung für das Bestehen einer Beteiligung, wenn der Anteil am Nennkapital der Gesellschaft 20 % überschreitet. 9 Neben der Dauerhaftigkeit des Engagements muss eine tatsächliche Beteiligungsabsicht bestehen. 10 Eine bloße Kapitalanlage ist damit ausgeschlossen.
Umfassender gestaltet sich demgegenüber der betriebswirtschaftliche Beteiligungsbegriff. Die Betonung der Dauerhaftigkeit eines Engagements als Kriterium des Handelsrechtes erweist sich vor dem Hintergrund steigender Flexibilitätsan-forderungen zunehmend als unzweckmäßig. 11 Gegenüber der juristischen Auslegung betont die Betriebswirtschaft daher Aspekte der Steuerung und der damit einhergehenden Ausgestaltung des Controllings. 12 Als Zweck einer Beteiligung
7 Vgl. § 271 I 1 Handelsgesetzbuch (HGB).
8 Lediglich die Mitgliedschaft in einer eingetragenen Genossenschaft ist ausgeschlossen (§ 271
II 5 HGB).
9 Vgl. Borchers (2002), S. 21.
10 Vgl. Kleinschnittger (1993), S. 15.
11 Vgl. Borchers (2002), S. 21.
12 Vgl. Weber (1980), S. 9 f.
3
rückt dadurch die Vorteilhaftigkeit der Unternehmensverbindung in den Mittelpunkt. 13 Auch wenn es aus betriebswirtschaftlicher Sicht keine einheitliche Definition gibt, 14 so hat sich doch die Unterscheidung zwischen einer unternehmerischen und einer wirtschaftlichen Beteiligung etabliert. 15
Von einer unternehmerischen Beteiligung spricht man, wenn die Möglichkeit besteht, Einfluss auf die Strategie des anderen Unternehmens zu nehmen sowie die Beteiligung in die eigene Strategiegestaltung einzubeziehen. 16 Diese Auffassung führt zu einer Ausweitung des Beteiligungsbegriffs auf Formen der unternehmerischen Kooperation, wie bspw. der unternehmensübergreifenden Steuerung auf der Basis von Verträgen oder persönlichen Beziehungen. 17 Eine tatsächliche Einflussnahme wird bei der unternehmerischen Beteiligung nicht verlangt. Auch die Frage nach der Motivation für die Einflussnahme bleibt unbeantwortet.
Umfassender gestaltet sich der wirtschaftliche Beteiligungsbegriff. Dieser unterstellt nicht nur die Gelegenheit zur Beeinflussung einer Beteiligung, sondern zudem auch ein Interesse diesen Einfluss auszuüben. 18 Anreize für die Nutzung des Einflusses sind
das Recht auf Anteile am Bilanzgewinn,
die Pflicht zur anteiligen Haftung bei Bilanzverlusten, aber auch das Recht auf Anteile am Liquidationserlös. 19 In welchem Umfang eine Unternehmensverbindung zu tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten führt, ist von der Beteiligungsquote abhängig. Je höher die Quote, desto weit reichender sind auch die Möglichkeiten, auf die Geschäftspolitik der Beteiligung einzuwirken (vgl. Tabelle 1). Dabei ist neben der absoluten Quote auch die relative Beteiligungsquote für das tatsächliche Einflusspotential zu beachten. So kann bei einem gestreuten Aktienbesitz schon bei Quoten unter 50 % ein faktischer Konzern vorliegen. 20
13 Vgl. Horváth (1997), S. 81; Schubert / Küting (1981), S. 244 f.
14 Vgl. Wurl (2003), S. 6.
15 Vgl. Burger / Ulbrich (2005), S. 7.
16 Vgl. Horváth (1997), S. 82.
17 Vgl. dazu und im Folgenden Burger / Ulbrich (2005), S. 7.
18 Vgl. Burger / Ulbrich (2005), S. 7.
19 Vgl. Kleinschnittger (1993), S. 16; Weber (1980), S. 9.
20 Vgl. Borchers (2002), S. 23.
4
Tabelle 1: Relevante Beteiligungsquoten und korrespondierende Rechtspositionen.
Der Besitz von Unternehmensanteilen wird vom wirtschaftlichen Beteiligungsbegriff nicht vorausgesetzt. 21 Damit können auch andere Unternehmensverbindungen, wie bspw. Strategische Allianzen, virtuelle Unternehmen und Netzwerk-organisationen, als Beteiligungen bezeichnet werden.
21 Vgl. dazu und im Folgenden Burger / Ulbrich (2005), S. 7 f.
5
Für die in dieser Arbeit zu betrachtenden Organisationsformen sind vor allem Holding-Strukturen interessant. Eine Holding ist ein Unternehmen, das rechtlich selbständig ist und eine oder mehrere Beteiligungen hält. 22 Je nach Umfang der Einflussnahme kann man zwischen einer Investmentgesellschaft, Finanzholding, Strategischen Holding und einem Stammhauskonzern unterscheiden. 23 Besonders die Management-Holding, wie die Strategische Holding auch genannt wird, 24 hat sich dabei als Unternehmensstruktur etabliert. 25 Als Obergesellschaft fungiert hier eine Holding, die für die strategische Führung des Unternehmensverbundes zuständig ist, während die Beteiligungsunternehmen weitestgehend eigenständig sind und die operativen Aufgaben übernehmen. 26 Zu den Aufgaben der Holdingleitung gehört es die Beteiligungen zu steuern und auf ihre Zielerreichung hin zu kontrollieren. 27
2.1.2 Der Beteiligungslebenszyklus
Betrachtet man Beteiligungsverhältnisse im Zeitablauf, so stellt man fest, dass diese keineswegs statisch sind. Vielmehr befinden sie sich in einem stetigen Wandlungsprozess, aus dem sich immer neue Aufgabenstellungen und Steue-rungsanforderungen an das übergeordnete Unternehmen ergeben. Das beherrschende Unternehmen sollte daher Kenntnis darüber haben, in welcher Phase sich eine Beteiligung befindet, um bei Bedarf entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.
Die Funktion des auf Dieckhaus zurückgehenden Beteiligungszyklus ist die dynamische Darstellung der Entwicklungsphasen einer Beteiligung. 28 Das auf dem Produktlebenszyklus 29 basierende Modell unterteilt die Entwicklung einer Beteiligung in drei oder vier primäre Phasen sowie etwa 20 sekundäre Abschnitte, aus denen die jeweilige Beziehung von dezentraler Einheit und Zentrale abzuleiten
22 Vgl. Scheffler (2005), S. 60.
23 Vgl. Ringlstetter / Obring (1992), S. 1305-1307.
24 Vgl. Burger / Ulbrich (2005), S. 68.
25 Vgl. Bühner (1992), S. 11 f.; Wurl / Mayer (1999), S. 13 f.
26 Vgl. Bühner (1992), S. 13 f.
27 Vgl. Scheffler (2005), S. 84.
28 Vgl. Dieckhaus (1993).
29 Vgl. unter anderem Meffert (2005), S. 338-346.
6
ist. 30 Zu den übergeordneten Phasen zählen die Akquisitions-, die Integrations-, die Beteiligungs- und die Desinvestitionsphase (vgl. Abbildung 1), 31 aus denen sich die Anforderungen an die Steuerung der Beteiligung ergeben.
Abbildung 1: Phasen des Beteiligungslebenszyklus.
Quelle: Burger / Ulbrich (2005), S. 9; vgl. auch Dieckhaus (1993), S. 148. Die Akquisitionsphase umfasst den gesamten Kaufprozess einer Beteiligung. Zunächst wird die Akquisitionsstrategie festgelegt und dann nach geeigneten Kaufobjekten gesucht, um diese anschließend im Hinblick auf die Zielvorgaben zu beurteilen. 32 Mit dem Kauf des Unternehmens endet die Akquisitionsphase.
Bereits in der Akquisitionsphase ist die Abschätzung von Integrationserfordernissen und -möglichkeiten notwendig, sie beeinflussen sogar den Auswahlprozess. 33 Damit ist die Integration jedoch nicht abgeschlossen. Ihre Fortsetzung findet sie in der Beteiligungsphase und der dort zu vollziehenden Eingliederung der Beteiligung. Aus Sicht des Controllings ist es daher sinnvoll, eine phasenübergreifende Integrationsphase in den Lebenszyklus einzubinden.
Die Beteiligungsphase schließt direkt an den Abschluss des Kaufvertrages an. In dieser Phase soll der Erfolgsbeitrag der Beteiligung durch die Nutzung der Syner- 30 Vgl. Burger / Ulbrich (2005), S. 8.
31 Für eine umfassende Betrachtung der einzelnen Phasen vgl. Dieckhaus (1993), S. 141-240.
Die Integration(sphase) wird hier als Bestandteil der Beteiligungsphase ausgewiesen.
32 Vgl. Coenenberg / Sauter (1988), S. 694-702.
33 Vgl. dazu und im Folgenden Burger / Ulbrich (2005), S. 10.
7
gie- und Restrukturierungspotentiale maximiert werden. 34 Um dies zu realisieren, bedarf es von Seiten der Obergesellschaft vielfältiger Steuerungs- und Kontrollanstrengungen. 35 Zur Anwendung kommen hier die Instrumente des Planungs- und Berichtswesens, aus denen entsprechende Kennzahlen zur Steuerung abgeleitet werden können.
Mit der Desinvestitionsphase bzw. dem Verkauf der Beteiligung endet deren Lebenszyklus. 36 Die Gründe für den Ausstieg können zwar vielfältig sein, 37 grundsätzlich sind sie jedoch in einer Umkehr der Erfolgschancen in Risiken zu sehen. Der Prozess der Ausgliederung entwickelt sich spiegelbildlich zur Akquisitionsphase. 38
Die Beteiligungsphase ist für die Steuerung der Beteiligung die wesentliche Phase. Daher beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf die Betrachtung dieses Lebensabschnitts einer Beteiligung.
2.2 Unternehmenssteuerung
2.2.1 Der Begriff der Steuerung
In der betriebswirtschaftlichen Literatur wird der Begriff der Steuerung auf unterschiedliche Weise verwendet und folglich auch verschiedenartig definiert bzw. abgegrenzt. 39 Die verwendeten Begriffe unterscheiden sich dabei besonders bezüglich ihres Umfanges.
In der umfassendsten Auslegung des Steuerungsbegriffes beziehen sich die Autoren bei ihrer Definition auf die Kybernetik. 40 Die Regelungstheorie als Teilgebiet der Kybernetik unterscheidet die Prinzipien der Regelung und der Steuerung, wobei der hier unterstellte Steuerungsbegriff beide Prinzipien umfasst. 41 Die Steue-
34 Vgl. Coenenberg / Sauter (1988), S. 702.
35 Vgl. Maier (2001), S. 46.
36 Vgl. Burger / Ulbrich (2005), S. 9.
37 Vgl. Dieckhaus (1993), S. 220 f.
38 Vgl. Burger / Ulbrich (2005), S. 9.
39 Vgl. Coenenberg (1995), S. 2078; Schweitzer (2005), S. 20; Hahn (1996), S. 47.
40 Vgl. Becker (1990), S. 302-308; Coenenberg (1995), S. 2078; Ossadnik (1999), S. 139 f.;
vgl. hierzu auch Anthony et al. (2007) und die Erläuterung des angloamerikanischen Mana-
gement Accounting mit den Phasen Planning, Implementation und Control. Vgl. Anthony et
al. (2007), S. 4 f. sowie ausführlich S. 456-470.
41 Vgl. Coenenberg (1995), S. 2078. Zum Begriff der Kybernetik und den Prinzipien der Rege-
lung und Steuerung vgl. dazu und im Folgenden Baetge (1974), S. 23-36.
8
rung ist darauf ausgerichtet, Störungen im Unternehmen (Abweichungen von einer vorgegebenen Plan- bzw. Sollgröße) im Voraus abzuwehren bzw. ihnen entgegenzuwirken. Aufgrund dieses Prinzips der Vorkopplung wird die Steuerung auch vereinzelt als Vorsteuerung verstanden. 42 Die Regelung hingegen ist rückwärtig gekoppelt und wird daher als Nachsteuerung verstanden. 43 Sie greift damit erst nach dem Auftreten einer Störung, d.h. nach einer Abweichung, die über einen Kontrollvorgang festgestellt wird, in den Prozess ein und korrigiert die Entwicklung. Der zu Grunde gelegte Steuerungsbegriff auf Basis der kybernetischen Regelung und Steuerung muss somit sowohl Planungs- als auch Kontrollaufgaben umfassen.
Nach der Definition Schweitzers hingegen ist die Steuerung als „ein geordneter, informationsverarbeitender Prozess zielführender Eingriffe (Anpassungsmaßnahmen) in die Planrealisation“ 44 und somit als ein der Planung prozessual und zeitlich nachgelagerter Vorgang zu verstehen. Im Rahmen der Steuerung der Planrealisierung geht es um die Durchsetzung von Planvorgaben, den Abgleich der realisierten mit den vorgegebenen Werten sowie die Analyse von Abweichungen (Kontrolle) und die Einleitung von Gegenmaßnahmen bei deren Auftreten. 45 Der Begriff der Steuerung ist nach dieser Auffassung mit der kybernetischen Regelung vergleichbar. 46
Hahn geht bei der Abgrenzung des Steuerungsbegriffs noch einen Schritt weiter und definiert Steuerung als „die detaillierte Festlegung und die Veranlassung der Durchführung des Entscheidungsergebnisses“ 47 . Der Vergleich von Plan- und Ist-Größen und die Einleitung von Gegenmaßnahmen werden hier an die im Prozess nachfolgende Kontrolle abgetreten. 48
Dieser Arbeit liegt der umfassende Steuerungsbegriff nach Coenenberg und Anthony et al. zu Grunde, d.h. die Steuerung umfasst Planungs-, Umsetzungs- und
42 Vgl. Amshoff (1994), S. 191.
43 Vgl. dazu und im Folgenden Amshoff (1994), S. 60 f. sowie S. 191.
44 Vgl. Schweitzer (2005), S. 20.
45 Vgl. Schweitzer / Küpper (2003), S. 3.
46 Vgl. Siefke (1999), S. 9, Fn. 35.
47 Vgl. Hahn (1993), Sp. 3186; Hahn (1996), S. 47.
48 Vgl. Hahn (1996), S. 47 f.
9
Kontrollaufgaben. Abbildung 2 zeigt die unterschiedlichen Abgrenzungen der Steuerung noch einmal im Überblick.
Abbildung 2: Reichweiten des Steuerungsbegriffs.
Quelle: In Anlehnung an Anthony et al. (2007), S. 5; Hahn (1996), S. 46.
2.2.2 Wertorientierte Unternehmenssteuerung
2.2.2.1 Hintergrund der Wertorientierung
Seit Beginn der 1980er Jahre ist ein weltweiter Anstieg von Mergers & Acquisitions-Transaktionen zu beobachten. 49 Oft begünstigten dabei Wertlücken zwischen dem Wert eines Unternehmens am Kapitalmarkt und seinem tatsächlichen Wert die Übernahmeentscheidungen. Darüber hinaus hat aus Unternehmenssicht die Globalisierung der Finanzmärkte in den letzten Jahren zu einem verstärkten Wettbewerb um die finanziellen Ressourcen von potentiellen Investoren geführt. 50 Diese verfügen inzwischen über eine breite Basis an alternativen Anlagemöglichkeiten und formulieren gegenüber den Unternehmen entsprechend höhere Rendi-
49 Vgl. dazu und im Folgenden Knorren (1998), S. 7 f.; Günther (1997), S. 5.
50 Vgl. Fischer (1999), S. 1; Pape (2004), S. 37.
10
teforderungen. 51 Infolge dieser Einflüsse entwickelten sich Konzepte zur wertorientierten Unternehmenssteuerung.
Leitgedanke der wertorientierten Unternehmenssteuerung ist die Ausrichtung sämtlicher unternehmerischer Entscheidungen an den Gewinn- bzw. Einkommensinteressen der Anteilseigner des Unternehmens. 52 Diese grundlegende Ausrichtung wird auch als Shareholder Value-Orientierung bezeichnet. 53 Ihre heutige Popularität verdankt sie unter anderem der Arbeit von Rappaport 54 , dessen theoretische Grundlagen später von Copeland et al. 55 vertieft und konkretisiert wurden. In Deutschland trat dieses Managementkonzept erstmals in den 90er Jahren in Erscheinung. 56
Im Kern zielt die wertorientierte Unternehmensführung auf die Maximierung des Eigenkapitalwertes ab. 57 Diese grundlegende Orientierung gilt als weitgehend akzeptiert. 58 Zentrale Ziel- und Steuerungsgröße der wertorientierten Unternehmensführung ist somit der Marktwert eines Unternehmens.
2.2.2.2 Der Marktwert als Zielgröße einer wertorientierten Unternehmensführung
Der Wert eines Unternehmens bestimmt sich aus der Summe der Werte seines Fremd- und Eigenkapitals. Der Anteil des Eigenkapitals am Wert des gesamten Unternehmens wird als „Shareholder Value“ bezeichnet und ergibt sich aus der Differenz von Gesamtunternehmenswert und Fremdkapital. 59
Die Erwartung der Investoren, dass ein Unternehmen zukünftig Zahlungsüberschüsse generieren wird, welche an die Kapitalgeber ausgeschüttet werden, spiegeln sich im Marktwert des Unternehmens wider. 60 Formel (1) zeigt die Berechnung des Marktwertes einer Unternehmung, bestimmt nach der klassischen Dis- 51 Vgl. Knorren (1998), S. 6; Pape (2004), S. 37-39.
52 Vgl. Knorren (1998), S. 1; Schultze / Hirsch (2005), S. 1.
53 Vgl. Beck (2003), S. 1; Pape (2000), S. 711.
54 Rappaport (1986).
55 Copeland et al. (1990).
56 Vgl. Coenenberg / Salfeld (2003), S. 3; Pfaff / Bärtl (1999), S. 86.
57 Vgl. Beck (2003), S. 1; Burger / Buchhart (2001), S. 551; Lorson (1999), S. 1329.
58 Vgl. Gebhardt / Mansch (2005), S. 1.
59 Vgl. Rappaport (1999), S. 40.
60 Vgl. Fischer (1999), S. 1.
11
Arbeit zitieren:
Christian R. Albrecht, 2007, Economic Value Added und Cash Value Added zur Steuerung von Beteiligungen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Cash Value Added vs. Economic Value Added - eine kritische Gegenüberst...
Seminararbeit, 23 Seiten
Economic Value Added als Instrument einer wertorientierten Unternehmen...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 23 Seiten
Economic Value Added und Market Value Added
Ein Modell zur Ermittlung der ...
Studienarbeit, 40 Seiten
Externes Controlling von Klein- und mittelständischen Unternehmen unte...
Diplomarbeit, 125 Seiten
Christian R. Albrecht hat den Text Economic Value Added und Cash Value Added zur Steuerung von Beteiligungen veröffentlicht
Christian R. Albrecht hat einen neuen Text hochgeladen
Investitionssteuerung, Periodenerfolgsrechnung und Economic Value Adde...
Matthias M. Schabel
Human Value Management: The Value-Adding Human Resource Management Str...
Jac Fitz-Enz, Fitz-enz
Competitive Branding: Winning in the Market Place with Value-Added Bra...
Torsten H. Nilson, Nilson
0 Kommentare