Inhalt
1. Einführung 3
2. Begriffsklärung 4
3. Werkentstehung 5
4. Kompositorischer und historischer Hintergrund 6
5. Anlage der Tonbandkomposition und damit verbundene Problematiken 7
6. Individuelle phonetische Wahrnehmung 11
7. Schlussbemerkung 12
8. Literaturverzeichnis 13
2
1. Einführung
Das 1965 komponierte Werk „It’s gonna Rain“ ist die erste offizielle Tonbandkomposition von Steve Reich. Es gilt als ein Schlüsselwerk, das alle folgenden Tonbandkompositionen von ihm beeinflusste. Er befasst sich in diesem Werk zum ersten Mal mit Tonbandschleifen und Phasenverschiebung. Diese Techniken hatte er sich in den Jahren von 1963 bis 1965 am San Fransisco Tape Music Center angeeignet. Die erfolgreiche Arbeit mit diesen Techniken im Werk „It’s gonna Rain“ bewegten ihn dazu, sie auch in seinen folgenden Werken anzuwenden und zu verfeinern. Typisch für die frühen Werke von Steve Reich ist die Verwendung von relativ wenig musikalischem Material. Durch diesen sparsamen Einsatz der musikalischen Mittel wurde seine Kompositionsweise später als „Minimal Music“ bezeichnet. Der Komponist distanzierte sich aber von diesem Begriff und sprach lieber von der Kompositionsweise des „graduellen Prozesses“. Das minimalistische Repertoire ergab sich vor allem durch das Experimentieren im Tonbandstudio. Die Arbeit im Tape Music Center und seiner Mitarbeit an der Uraufführung von Terry Rileys Tonbandkomposition „In C“ 1965 prägten sein kompositorisches Denken maßgeblich. Die Verwendung von sprachlichem Material war elementarer Bestandteil seiner frühen Bandexperimente. Ein charakteristisches Merkmal seiner frühen Werke ist außerdem, dass er nicht komponierte, um eine klangliche oder melodische Melodie Idee zu fixieren, sondern, um zu hören, wie sich ein zuvor entworfener Prozess in der klanglichen Umsetzung darstellt. 1 Speziell in „It’s gonna Rain“ wird das sprachliche Material durch die fortwährende Phasenverschiebung kontinuierlich verwandelt.
Im Folgenden soll zunächst, nach einer kurzen Begriffsklärung, die Entstehung des Werkes dargestellt sowie dessen kompositorischer und historischer Hintergrund erläutert werden. Im Anschluss soll das Werk genauer analysiert werden. Dabei werden seine musikalische Anlage, Kompositionsweise, beabsichtigte und unbeabsichtigte Effekte, sowie die verschiedenen Ebenen der phonethischen Wahrnehmung untersucht.
1 Volker Straebel: „Patterns, Loops und Phase-shifting: die Minimal- Music des Steve Reich“, in: Neue Zeitschrift für Musik (1999), S. 52.
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2. Begriffsklärung
Im Zuge einer Beschäftigung mit Tonbandkompositionen von Steve Reich wird man immer wieder mit den Begriffen Loop, Phasenverschiebung und Minimal Music konfrontiert. Loop und Phasenverschiebung sind zwei grundlegende Kompositionstechniken in den meisten Tonbandkompositionen. Der Loop bezeichnet im Grunde eine elektronische Wiederholungsschleife, die einen musikalischen Abschnitt endlos wiederholt. Charakteristisch ist bei dieser Wiederholung, dass sie maschinisch exakt erfolgt. Die Wiederholung beim Loop muss nicht, wie in der instrumentalen Wiederholung, aus dem musikalischen Sinnzusammenhang, bzw. dem Takt oder der Phrase abgeleitet werden. Der Loop ist meist durch eine höhere formale Ebene auf die musikalische Phrase aufgesetzt und kann in einen musikalischen Sinnzusammenhang hinein schneiden. Eine Phasenverschiebung ergibt sich, sobald zwei völlig identische musikalische Momente gegeneinander verschoben werden. Dies kann durch die beiden, physikalisch zusammenhängenden, Bezugsgrößen ‚Tempo’ und ‚Tonhöhe’ erfolgen. Spielt man zwei identische musikalische Momente mit geringfügig unterschiedlichen Frequenzen ab, so entsteht eine ‚Schwebung’. Bei komplexerem musikalischem Material erfolgt die Auslöschung von Frequenzbändern. Der gleiche Effekt ergibt sich, wenn man das Tempo beider Tonbänder geringfügig verändert. Bei der Wahrnehmung des Textes ergibt sich bei dieser minimalen Phasenverschiebung ein reliefartiges, plastisches Abbild. Bei größeren Verschiebungen überlappen sich sonst getrennte Details und das musikalische Bild wird verschwommen. 2
Das Werk „It’s gonna Rain“ wird der musikalischen Strömung der Minimal Music zugeordnet. Diese vor allem durch amerikanische Komponisten geprägte Strömung fand ihren Höhepunkt zwischen den Jahren 1960 - 1970. Auch, wenn Steve Reich diesen Überbegriff als problematisch für seine Kompositionen erachtet, besitzt „It’s gonna Rain“ bestimmte Charakteren, die es zur Strömung zuordnen lassen. Der Begriff ‚Minimal Music’ umfasst jegliche reduzierte Musik. Er sagt aus, dass es sich um wenige Tonbandausnahmen, wenige Noten, wenige Instrumente und wenig Klangveränderung handelt. Besonderes Merkmal von Minimal Music ist ein streng geregelter Ablauf und häufige Wiederholungen. Das Titelthema „It’s gonna Rain“ besteht zum Beispiel aus den
2 Georg Sachse: Sprechmelodien, Mischklänge, Atemzüge : phonetische Aspekte im Vokalwerk Steve
Reichs. S. 75.
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Arbeit zitieren:
Martin Beinicke, 2008, Steve Reich „It’s gonna Rain“, München, GRIN Verlag GmbH
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