Kurzbeschreibung
Die Arbeit beginnt mit dem ersten Leseeindruck von Gen 25,29-34. Im Anschluss folgt die Synchrone Zugangsweise, in der die Texteinheit abgegrenzt, in den größeren Kontext eingeordnet, der Aufbau, die Bewegung und die Intertextualität der Verse analysiert werden. Daraufhin folgt die diachrone Beobachtung, die lediglich die Entstehungsgeschichte der Texteinheit thematisiert. Zuletzt folgen drei konträre Forschungsthesen zum Sachverhalt.
1. Erster Leseeindruck
Aufgrund der Hinterlistigkeit Jakobs, der den Hunger seines Bruders ausnutzt, um ihm sein Erstgeburtsrecht zu entwenden, hat Gen 25,29-34 bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Verhalten Jakobs erweckt bei mir den Anschein, dass Jakob rücksichtslos ist und sein eigener Bruder keinen Stellenwert in seinem Leben einnimmt.
2. Synchrone Zugangsweise
2.1 Abgrenzung
WESTERMANN sieht ebenso wie GUNKEL die Verse 29-34 als selbstständige Texteinheit an (vgl. WESTERMANN, 1998, 264, 266f.; GUNKEL, 1964, 297.). Dies ist plausibel, da Gen 25,27f. neben der Berufswahl von Jakob und Esau die Sympathien der Eltern gegenüber eines ihrer Kinder schildert. Im Anschluss an diese vollendete Texteinheit erfolgt in Gen 25,29 ein Handlungs- und Zeitwechsel, wobei letzteres auf den Terminus „Einst“ zurückzuführen ist. In dem Vers 29 werden zwar keine neuen Handlungsträger vorgestellt, allerdings wird hier der Fokus ausschließlich auf die Brüder Jakob und Esau gerichtet. Daraufhin findet zwischen den beiden Brüdern ein Dialog statt, indem Esau Jakob um etwas „von dem Roten“ (Gen 25,30) bittet und Jakob als Gegenleistung sein Erstgeburtsrecht fordert (v30f). Das Gespräch zwischen den Brüdern wird fortgesetzt und Esau verkauft sein Erstgeburtsrecht an Jakob, da dieser seinem Bruder Brot und Linsengemüse reicht (v33f). Nach dem Speisen geht Esau hinfort und es folgt der Zusatz, dass er vom Erstgeburtsrecht nicht viel hält. Somit besteht die ganze Geschichte, bis auf wenige Zusätze, aus dem Dialog zwischen Jakob und Esau, was zu einer inneren Kohärenz führt. Der letzte Vers, der die Erzählung beendet, greift noch einmal das Erstgeburtsrecht auf, so dass von einem redundanten Ende gesprochen werden kann.
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Nach Gen 25,34 folgt ein Handlungswechsel, da der Blick nun auf eine Hungersnot, die im Land ausbricht und auf Isaak gerichtet ist, der sich auf den Weg von Gerar zum Abimelech, dem König der Philister, begibt.
2.2 Kontext
Der Konflikt zwischen Jakob und Esau um das Erstgeburtsrecht in Gen 25,29-34 steht im Kontext der „Väter“- bzw. der so genannten „Patriarchen“- Erzählungen, die von Gen 12-50 reichen und somit zwischen der Urgeschichte und dem Buch Exodus vorzufinden sind. In der neueren Literatur werden diese Erzählungen auch als „Erzelternerzählungen“ (= EEE) bezeichnet, da die „Väter“ Israels als Eltern Israels zu verstehen sind. Die beiden älteren Bezeichnungen entsprechen „[…] zwar nicht dem Textbefund der Genesis, wohl aber den Vorstellungen jener, die die Bibel androzentrisch engführen und durch ihre Sprachwahl Leseleitlinien in die Texte eintragen, welche Frauen unsichtbar machen.“ (FISCHER, 1998, 12.) Die Einheitsübersetzung (EÜ) untergliedert allerdings die „Erzelternerzählung“ in die Kapitel „Die Erzväter“ (Gen 11,10-36,43) und „Die Söhne Jakobs“ (Gen 37,1-50,26), so dass, wenn von der „EEE“ die Rede ist, oft nur der Textbereich Gen 12-36 geltend gemacht wird.
2.3 Aufbau
Die Texteinheit Gen 25,29-34 lässt sich in drei Textabschnitte gliedern. Zurückzuführen ist dies vor allem auf die innere Kohärenz, die in den einzelnen Abschnitten herrscht, und auf eine wiederholte Verwendung von Wörtern.
1. Teil: Vers 29f.
2. Teil: Vers 31 33
Inhalt Dialog zwischen Jakob und Esau, indem Jakob das
Erstgeburtsrecht von Esau für das Essen verlangt
Personen Jakob
Esau
Vokabular Wortfeld Tätigkeiten: verkauf verkauft schwören
schwört
Wortfeld Rechte: Erstgeburtsrecht
Wortwiederholung Erstgeburtsrecht (3x)
3. Teil: Vers 34
Inhalt Esau geht nach dem Essen hinfort
Personen Jakob
Esau
Vokabular Wortfeld Rechte: Erstgeburtsrecht
Wortfeld Tätigkeiten: aß, trank, stand auf, ging seines
Weges
Wortwiederholung /
2.5 Bewegung
In Gen 25 ,29 34 ist auf den ersten Blick keine auffällige Dynamik zu erkennen, da der
gesamte Handlungsstrang an einem Ort stattfindet und dieser größtenteils aus einem Dialog
besteht. Vor allem die ersten beiden Verse (29f) wirken auf den Leser starr und träge, was auf
die Emotionen von Esau zurückzuführen ist, der erschöpft vom Feld kommt und dies seinem
Bruder Jakob mitteilt, was die Trägheit erneut unterstreicht
Jakobs Antwort auf die Frage Esaus nach etwas zu Essen treibt die Dynamik schließlich
voran, da die Worte „jetzt sofort“ (v31 ) eine Unruhe innerhalb der Erzählung entfacht. Auch
der Kontrast zwischen Esaus Gelassenheit und der hastigen Antwort Jakobs trägt zur
Dynamik bei, da an dieser Stelle die enormen Gegensätzlichkeiten der Brüder aufeinander
treffen. Es hat den Anschein, dass die entstandene Dynamik im Text durch die darauf
folgende Antwort von Esau (v32 ) gehemmt wird. Allerdings ist dies nicht der Fall, da die
impulsiven Worte „Schwör mir jetzt sofort“ (v33 ) von Jakob die gegensätzlichen
Charakterzüge der Brüder erneut untermauern, sodass sich die Erzählung weiter zuspitzt und
eine unterschwellige Spannung zwischen Jakob und Esau wahrzunehmen ist. Allerdings endet
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Arbeit zitieren:
Tobias Neuhaus, 2009, Das Erstgeburtsrecht, München, GRIN Verlag GmbH
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