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5. Zusammenfassung und Ausblick 15
6. Literaturverzeichnis 16-17
6.1. Selbständig erschienene Publikationen 16
6.2. Unselbständig erschienene Publikationen, Artikel und Aufsätze 16
6.3. Elektronisch erschienene Publikationen, Artikel und Aufsätze 17
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1. Einleitung
Sich mit Alleinerziehung als biographischer Option zu beschäftigen, erscheint auf den ersten Blick bizarr: Auch heute herrscht in vielen Köpfen zum Thema Alleinerziehende noch das Bild der hoch emanzipierten Frauen vor, die für sich im Speziellen und den Feminismus im Allgemeinen Kind und Karriere vereinen wollen, und den Mann dabei nur als notwendiges Übel ansehen. Den zweiten Blick auf die Statistik gerichtet, die Einelternfamilien als zahlenmäßig ernstzunehmende Gruppe erfaßt, und den allgemeinen Wandel der Lebensformen bis hin zur Enttraditionalisierung gewohnter Familienstrukturen ergänzend, erscheint die Fragestellung in einem ganz anderen Licht. »Der Begriff „Familie“ ruft bei vielen Menschen die Vorstellung einer aus Vater, Mutter und Kindern bestehenden lebenslangen Gemeinschaft hervor. Dieses immer noch dominierende Bild einer traditionellen bürgerlichen Familienstruktur entspricht allerdings nach der Entwicklung der letzten Jahrzehnte nicht mehr der gesellschaftlichen Realität.« (Erdmann 1997: 15) Mit der Pluralität gängiger Lebensformen - Ehepartner, außereheliche Lebensgemeinschaften, Stieffamilien, Patchworkfamilien, das Singledasein, räumlich getrennte Beziehungen living apart together und andere; aber eben auch die Einelternfamilie - drängt sich die Frage auf, inwieweit diese im Sinne einer biographischen Option bewußt gewählt oder als nur zeitweise gegebener Umstand akzeptiert wurden. »Der persönliche Lebensentwurf, verstanden als langfristige, wenn auch oft unbestimmte Lebensplanung, ist [...] eine „primäre Quelle der Identität“.« (Schöningh 1991: 29) Kann man sich tatsächlich für einen Identitätsentwurf entscheiden, der so stark mit Schwierigkeiten und Verleumdungen besetzt ist, wie die Mythen und Gerüchte 1 , mit denen sich Alleinerziehende immer wieder auseinanderzusetzen haben? Ob Alleinerziehung als biographische Option anzusehen ist, ist vor allem ein definitorisches Problem: Die Gruppe der Alleinerziehenden ist in sich heterogen; die Aufschlüsselung der Umstände, die zur Alleinerziehung geführt haben, hängt stark von den individuellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Mütter oder Väter ab, so daß die Erfassung biographischer Optionen nur fallbezogen sein kann. Die Wahl einer Option schließt in ihrer Definition die Wahl anderer Optionen zum gleichen Zeitpunkt explizit aus, biographische Optionen sind durch ihre Nachhaltigkeit bezüglich des Lebensverlaufs geprägt. Dennoch können Entscheidungen über den Lebensverlauf
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durch andere, spätere Entscheidungen ergänzt und verändert werden. Hinzu kommt, daß Alleinerziehung in ihrer Geschichte vor allem ein frauenspezifisches Problem war. Diese Schwierigkeiten des Forschungsgegenstandes zu vereinen versuchend, spannt vorliegende Arbeit den Bogen von einer allgemeinen Darstellung der Alleinerziehung über ihre geschichtliche Entwicklung hin zu mikrosoziologischen Fallbeispielen, die als Ausgangsmaterial für allgemeingültige Aussagen zur biographischen Option Alleinerziehung dienen sollen. Inwiefern diese der Realität entsprechen, kann im Rahmen dieser Arbeit nicht ermittelt, nur vermutet werden.
2. Alleinerziehung
2.1. Definition und terminologische Schwächen
Eine Definition des Begriffs „Alleinerziehung“ ist durch seine weite Auslegung im alltäglichen Sprachgebrauch schwierig. »Sprechen wir von Alleinerziehenden, so meinen wir damit verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen Lebensbedingungen.« (Generalsekretariat ZdK 1984: 2) In ihrer eigenen, subjektiven Betrachtung können sich Personen unterschiedlichster Lebenssituationen als alleinerziehend bezeichnen, obwohl sich ihre Lebensumstände völlig voneinander unterscheiden. Eine verheiratete Mutter, deren Mann aus beruflichen Gründen nur am Wochenende nach Hause kommt, wird sich ebenso wie ein geschiedener Mann, der mit seinen Kindern eine Wohnung im Haus seiner Eltern bewohnt, „alleinerziehend“ fühlen. Die Situation eines alleinstehenden Haushaltsvorstands mit (minderjährigen) Kindern ist mit diesen Konstellationen jedoch nicht vergleichbar - die Verwendung des Wortes bleibt dennoch kongruent. Nicht zuletzt aus dem Grund, die terminologische Schwäche des Begriffs „Alleinerziehung“ auszugleichen, existieren für diese Lebenssituationen undphänomene eine Vielzahl von Bezeichnungen, die - auch in der Literatur - trotz ihrer Unterschiedlichkeit synonym verwendet werden 2 .
Betrachtet man die biographische Option ‘Alleinerziehung’, so müssen diese jeweils nur in ihrem Sinnzusammenhang verständlichen Begriffe noch enger gefaßt werden: Nicht nur die Frage danach, ob es sich um eine alleinerziehende Frau oder einen
1 vgl. Cullen 1995
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alleinerziehenden Mann handelt, können für die Optionsmöglichkeiten unter Umständen ausschlaggebend sein, sondern auch, aus welchem Grund Kinder alleine erzogen werden und inwiefern diese Entscheidung bewußt oder unbewußt getroffen wurde.
2.2. Formen der Alleinerziehung
Grundsätzlich lassen sich nach dem jeweiligen Familienstand vier Gruppen Alleinerziehender voneinander unterscheiden: Ledige Alleinerziehende - deren Kinder entweder außerehelich geboren wurden oder einer Adoption entstammen - geschiedene Alleinerziehende, Alleinerziehende, die zwar (noch) verheiratet sind, aber von ihrem Ehepartner getrennt leben sowie verwitwete Alleinerziehende. Nicht jede dieser vier Formen läßt die Subsumierung von Alleinerziehung als biographische Option automatisch zu; auch hier spielt der konkrete Fall eine entscheidende Rolle. Dieser Aspekt soll im folgenden verdeutlicht werden.
2.2.1. Verwitwete Alleinerziehende
Am anschaulichsten läßt sich die biographische Option ‘Alleinerziehung’ im Falle von alleinerziehenden Witwen und Witwern ausschließen. Zwar kann der Tod des Ehepartners generell eine Option für den eigenen weiteren Lebensverlauf darstellen, doch ist es sehr abwegig, Alleinerziehung als anerkanntes Mordmotiv zu betrachten. Die Passivität, mit der die meisten Witwen und Witwer in ihre Lage gebracht werden, steht im Gegensatz zum aktiven Moment, das jede biographische Option in sich trägt.
2.2.2. Verheiratete, aber getrennt lebende Alleinerziehende
Die Entscheidung, als Ehepartner getrennt zu leben, w ird wohl ebenso in den wenigsten Fällen aus der Motivation heraus getroffen, daß einer der Ehepartner ab sofort aktiv alleinerziehend sein möchte, sondern ist nur notwendige Konsequenz dieser Entscheidung, sofern Kinder in der Ehe existieren. Darüber hinaus kann in vielen Fällen der Zeitpunkt, in dem der Übergang zur Einelternfamilie stattfindet, nur schwer bestimmt werden. Ebenso schwer ist auszumachen, von welchem Zeitpunkt an der alleinerziehende Elternteil sich die Verantwortung für die Kinder eventuell mit einem neuem Partner teilt und die Alleinerziehung damit wieder aufgehoben wird. Das Treffen
2 »„Alleinerziehende“, „Alleinerziehende Mütter“, „Alleinerziehende Väter“, „Ein-Elternteil-Familie“,
„Unvollständige Familie“, „Alleinstehende Mütter mit Kindern“, „Alleinstehende Väter mit Kindern“,
„Restfamilie“ oder auch „Single-parent-family“.« (Balloff 1990: 71)
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einer biographischen Option wird innerhalb dieser Gruppe also nicht den Regelfall darstellen.
2.2.3. Geschiedene Alleinerziehende
Eine Vielzahl alleinerziehender Frauen - und gerade Männer - wird durch die Scheidung vom ehemaligen Ehepartner in diese Situation gebracht. Die (biographische) Option liegt hierbei in erster Linie darin, sich für das weitere Leben ohne den Ehepartner zu entscheiden, »„gekündigt“ wird nur dem Ehepartner, mit dem das Zusammenleben nicht länger erträglich ist, gekündigt wird nicht den Kindern.« (Tyrell 1983: 365) Diese Entscheidung kann zwar gemeinsam und in beidseitigem Einverständnis getroffen werden, ist aber weiterhin biographisch individuell zu bewerten. Da der Scheidungsgrund aber auch in den wenigsten Fällen die bewußte Entscheidung für ein weiteres Leben als A lleinerziehende oder Alleinerziehender istzum Beispiel wenn bereits ein neuer Partner oder eine neue Partnerin gefunden wurdeso ist die Scheidung nicht die eigentliche biographische Option für die Alleinerziehung, kann diese jedoch, im Falle der Inanspruchnahme des Sorgerechts, in sich tragen. Insofern spielt die Scheidung, ähnlich wie bei getrennt lebenden Ehepartnern, eine Sonderrolle.
2.2.4. Ledige Alleinerziehende
Im Fokus der weiteren Betrachtung bleiben durch den fast vollständigen Ausschluß der bislang vorgestellten drei Alternativen ledige Alleinerziehende. Nur wer ledig ist, kann die biographische Option treffen, alleinerziehend zu sein. Nur unter diesen Umständen hängt die Entscheidung nicht von anderen externen Einflüssen ab, sondern ist für den jeweiligen Lebensverlauf selbst gewählt. Da ledige Väter und Mütter jedoch nicht immer aus eigener Entscheidung heraus alleinerziehend sind, kann es sich auch in dieser Gruppe nicht zwingend um eine biographische Option handeln. Wer von seinem Partner - vielleicht gerade weil ein Kind zur Welt kommen wird - im Stich gelassen wird, kann zwar die Alleinerziehung als Lebensform und damit Teil des eigenen Lebensverlaufs annehmen, aktiv biographisch entschieden wurde dann jedoch nicht. Im Gegensatz dazu stehen diejenigen ledigen Alleinerziehenden, die ihr Kind adoptiert haben - und eben diejenigen, die bewußt alleinerziehend schwanger sind. Hier ist die Alleinerziehung eine unabhängig getroffene Entscheidung.
Arbeit zitieren:
Stefan Proksch, 2000, Alleinerziehung im Wandel. Auf dem Weg zur biographischen Option?, München, GRIN Verlag GmbH
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