Inhaltsverzeichnis
Themen
1. Einleitung. 2
2. Theoretische Überlegungen zu Kind und Sache. 3
2.1. Definitionen. 3
2.1.1. Kind und Sache. 3
2.1.2. Lebenswelt. 5
2.1.3. Lernvoraussetzungen. 5
2.2. Bedeutung von Lernvoraussetzungen für den Sachunterricht. 6
3. Sozial- und kulturwissenschaftliche Aspekte im Sachunterricht. 7
3.1. Kerncurriculum. 7
3.2. Perspektivrahmen. 8
4. Sachthema. 8
5. Methode zur Erhebung der Lernvoraussetzungen. 9
5.1. Definition „Interview“ 9
5.2. Formen von Interviews. 9
5.3. Interview mit Kindern. 10
6. Eigene Analyse. 11
6.1. Planung. 11
6.2. Rahmenbedingungen. 11
6.3. Durchführung und Ergebnisse. 12
6.3.1. Hanna. 12
6.3.2. Jonas. 14
6.4. Auswertung. 15
6.4.1. Hanna. 15
6.4.2. Jonas. 17
7. Schlussfolgerung aus den Ergebnissen für einen guten Sachunterricht. 17
8. Literaturverzeichnis
9. Erklärung
10. Anhang
2
1. Einleitung
Bei der Bearbeitung des Rahmenthemas „Die Dialektik von Kind und Sache im Lehr- Lern-Kontext“, stütze ich mich im theoretischen Teil der Hausarbeit auf die im Verzeichnis genannten Literatur. Ich werde grundlegend Begriffe erläutern und die Rolle der Lernvoraussetzungen von Kindern im Hinblick auf den Lehr-Lern-Prozess im Sachunterricht aufzeigen.
Die Beschreibung meiner gewählten Methode zur Erhebung der Lernvoraussetzungen wird den Übergang zum praktischen Teil der Hausarbeit bilden. Dort werde ich das Vorwissen zwei von mir gewählter Kinder erfassen. Ich entschied mich hierbei für das Sachunterrichtsthema „Feuerwehr“. Dieses Thema werde ich durch den sozial- und kulturwissenschaftlichen Aspekt charakterisieren und sachlich erörtern. Während meines Allgemeinen Schulpraktikums hatte ich die Gelegenheit dieses Thema zu bearbeiten und nahm auch an einem Besuch der örtlichen Feuerwehr teil. Dieses Thema löst bei vielen Kindern Begeisterung und Staunen aus. Ich finde es im Sachunterricht sehr bedeutsam. Die Kinder lernen spielerisch die wichtigsten Dinge bezüglich der Brandbekämpfung und wissen, wie sie sich bei Ausbruch eines Feuers verhalten sollten. Sie erhalten einen Einblick in die Arbeit der Feuerwehr und deren Notwendigkeit. Für die Erfassung der Lernvoraussetzungen wählte ich die Methode des Interviews. Hierzu führe ich in der Hausarbeit erst eine Definition des Begriffs Interview auf und beschreibe dann kurz die Hauptformen von Interviews. Ich werde näher auf die von mir gewählte Interviewform eingehen.
Des Weiteren werde ich mein Vorgehen während der Untersuchung beschreiben und meine Ergebnisse, auch in Bezug auf den Sachunterricht, darlegen. Ziel dieser Hausarbeit wird also sein, das Vorwissen zweier Kinder bezüglich des Themas „Feuerwehr“ zu erfassen, miteinander zu vergleichen und die Ergebnisse auf die Gestaltung eines am Kind orientierten Sachunterrichts zu beziehen.
3
2. Theoretische Überlegungen zu Kind und Sache
2.1 Definitionen
2.1.1 Kind und Sache
Im Folgenden werde ich mich zum Einen auf die von Köhnlein und zum Anderen auf die im Sammelband von Ragaller leitenden Prinzipien des Sachunterrichts stützen. Köhnlein nennt in seinem Text vier Prinzipien, entsprechend dieser Hausarbeit werde ich meine Aufmerksamkeit auf die beiden fundierenden Prinzipien Kind- und Sachorientierung, bzw. Kind- und Sachgemäßheit richten.
Prinzipien sind regulative Ideen und immer in gegenseitiger Wechselwirkung zu verstehen. Sie entstehen, wenn Didaktikern wichtige Punkte im Unterricht fehlen. Daraufhin werden neue Prinzipien verfasst. Sie können sich abschwächen aber auch verstärken. 1 Bei dem ersten Prinzip, der Kindorientierung, steht das Kind im Mittelpunkt. Es wird als Subjekt des Unterrichts angesehen und bestimmt diesen. Ziele, Inhalte und Methoden des Unterrichts richten sich nach dem Kind. Das Kind soll als Individuum und eigene Persönlichkeit wahrgenommen werden. Ragaller fasst drei Teilbereiche der Kindorientierung zusammen. Der Schüler soll in seinem Kindsein ernst genommen werden, in jedem Kind soll das Individuelle gesehen werden und die gegenwärtige Lebenssituation, also die Interessen- und Lebenswelt der Kinder, muss bewusst wahrgenommen werden. 2
Ferner beschreibt sie die Wesensmerkmale von Kindern. Diese müssen berücksichtigt werden, damit ein Lernerfolg erreicht werden kann. Hierzu gehört, dass Kinder am liebsten Spaß haben und sich bewegen wollen. Sie möchten handelnd tätig sein und benötigen das Gefühl von Geborgenheit. Außerdem besitzen sie eine Liebe zur Natur, zum Schönen und zum Detail kleiner Dinge. Hinter all dem wollen Kinder den Sinn erfassen und beim Entdecken dieser Dinge mit anderen Kindern zusammen sein und neue Freundschaften erleben. Diese Bereiche gilt es vom Lehrenden wahrzunehmen, um auf die Interessen und Ängste der Kinder eingehen zu können. Er muss sie in ihren kindlichen Tätigkeiten der Welterfassung, wie Wundern, Fragen, Staunen oder Machen, unterstützen und in jedem Kind die Individualität berücksichtigen. Tätigkeiten, denen
1 Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts. S.54
2 Vgl. Ragaller, S: Gestaltungsgrundsätze eines zeitgemäßen Sachunterrichts. S. 165
4
Kinder privat nachgehen, sollten ihnen auch in der Schule gewährt werden. 3 Köhnlein definiert den Begriff der Kindgemäßheit ähnlich. Er benutzt den Begriff der veränderten Kindheit als „...Folge gesellschaftlich-kultureller Veränderungen.“ 4 Ebenso sieht er grundlegend, „...wie das Kind gesehen wird, wie seine 'Anlagen', Erfahrungen und Lebensumstände, sein Lernstand und seine Motivation aufgenommen werden [...].“ 5 Die Individualität des Kindes ist ihm für einen kindgemäßen Unterricht also auch wichtig.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es schwierig ist, den Begriff der Kindorientierung genau zu bestimmen. Die Vorstellung vom Kind und seiner Lebenswelt verändert sich mit der Zeit. Eine Definition von Kindorientierung, bzw. -gemäßheit, ist also auch von der jeweiligen Ansicht der Gesellschaft, Didaktiker, Psychologen, Erziehungswissenschaftler, etc. abhängig. 6
Der Begriff der Sachorientierung impliziert, laut Maras und Kaiser, den Anspruch der Sache im Unterricht. Das Prinzip „...fordert eine sachangemessene Erkenntnisgewinnung, Urteilsbildung und Umgangsweise.“ 7 Der Inhalt soll vom Lehrenden im Hinblick auf den Stand der Wissenschaften ausgewertet werden und von den Schülern mit geeigneten Methoden bearbeitet werden. Grundsätzlich muss hierbei die Lernsache richtig und klar sein. Die Inhalte müssen logisch strukturiert sein und die Verfahren dem Ge-genstand gerecht werden. 8 Die Sachorientierung beinhaltet die Vermittlung von Allgemeinwissen, „...gesicherter Informationen und bewährter Denk- und Arbeitsweisen.“ 9 Köhnlein beschreibt den Begriff der Sachgemäßheit als einen genetischen Begriff. Sachzusammenhänge sollen aus der Lebenswelt der Kinder aufgegriffen und im Unterricht so bearbeitet werden, dass sie in die Richtung der Wissenschaften gehen. 10 Kind- und Sachorientierung verstehen sich nicht als Gegensätze. Zwischen beiden Prinzipien herrscht ein Spannungsfeld. Das Ziel ist es, ein ausgewogenes Gleichgewicht herzustellen. Hierbei bewegt man sich immer auf einer „...Gratwanderung zwischen Inhaltslosigkeit und curricularer Überreglementierung.“ 11 Die Probleme bei der Gestaltung eines sowohl kingemäßen als auch wissenschaftsorientierten Sachunterrichts besteht
3 Vgl. Ragaller, S: Sachunterricht. S. 166
4 Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts S. 55
5 Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts S. 55
6 Vgl. Ragaller, S: Sachunterricht. S. 166
7 Maras, R.: Kindorientierung im Sachunterricht. In: Ragaller, S.: Sachunterricht. S. 167
8 Vgl. Maras, R.: Kindorientierung im Sachunterricht. In: Ragaller, S.: Sachunterricht. S. 167
9 Kahlert, J. In: Ragaller, S: Sachunterricht. S. 172
10 Vgl. Köhnlein, W. Leitende Prinzipien und Curriculum des Sachunterrichts S. 57
11 Kahlert, J. In: Ragaller, S: Gestaltungsgrundsätze eines zeitgemäßen Sachunterrichts. S. 172
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darin, dass die Methoden fachlich sowie kindgemäß verpackt werden müssen. „Die Bestimmung des Verhältnisses von Kind und Sache [...] bleibt eine ständige Entwicklungsaufgabe der Didaktik des Sachunterrichts, deren Bearbeitung sich auch die aktuellen Konzeptionen des Sachunterrichts in Zeiten von Messbarkeitsvorstellungen Vergleichsarbeiten und Bildungsstandards stellen müssen.“ 12
2.1.2. Lebenswelt
Der Lebensweltbegriff ist zu verknüpfen mit dem Heimatbegriff. Er wird auch als Sache des Sachunterricht beschrieben oder als „Lebenswirklichkeit“ oder „Alltagswelt“. Lebenswelt ist zu verstehen als Realität. Er umfasst sozusagen alle Faktoren, die auf ein Kind einwirken und die es wahrnimmt. Es ist „...die Gesamtheit aller Personen und anderer Lebewesen, aller Sachen und Sachverhalte, zu denen das Kind Beziehungen aufgebaut hat und aufbaut.“ 13 Die Basis der Lebenswelt bildet ein Erfahrungs- und Erlebnisprozess. Auch die Umwandlung logischer Kategorien des Bewusstseins sind eng ver-bunden mit der Lebenswelt. 14 Sie versucht Grundlagen und Anforderungen der Vernunft und des Handelns zu bestimmen, indem „...diese auf [...] Sinnschichten zurückgeführt werden.“ 15 In Bezug auf den Sachunterricht bedeutet Lebenswelt „...durch die Hinwendung zum Leben der Schüler eine solide Ausgangsbasis für Lern- und Verstehensprozesse zu schaffen,...“. 16 Das Fach Sachunterricht soll den Kindern also dabei helfen, sich ihre Lebenswelt zu erschließen. Darüber hinaus bildet die Lebenswelt das Bezugsfeld von Kind- und Sachorientierung im Sachunterricht. Hier wird an Erfahrungen, Erlebnissen und Interessen der Kinder angeknüpft. 17
2.1.3. Lernvoraussetzungen
Lernvoraussetzungen sind all das, was ein Kind in den kommenden Unterricht mitbringt, also das bislang Gelernte zu einer im Unterricht folgenden Thematik. Als synonym bekommen die Begriffe Vorwissen, Präkonzepte, Vorkenntnisse, Vorerfahrungen, Einstellungen oder Alltagstheorien immer mehr Beachtung in der Didaktik und Pädagogik. Erworbene Fähigkeiten, Kenntnisse, Haltungen und Interesse spielen hierbei
12 Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 256
13 Soostmeyer: Die „Sache“ des Sachunterrichts, S. 211/212
14 Vgl. Neißeler, A. Lebenswelt. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 31
15 Neißeler, A. Lebenswelt. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 31
16 Ebd. S. 31
17 Vgl. Neißeler, A. Lebenswelt. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des Sachunterrichts. S. 31
6
eine große Rolle. 18 Lernvoraussetzungen sind bei jedem Lernenden, auch geschlechtsspezifisch, unterschiedlich ausgeprägt. Bekannt ist dieses Problem auch unter dem Begriff der „doppelten“ Heterogenität. Es gilt Lerngegenstände zu individualisieren, um eine Chancengleicheit zu gewährleisten. So muss das Vorwissen jeder Schulklasse neu erfasst und analysiert werden. Heterogenität entsteht aus lebensweltlichen Kontexten, Vorwissen und Lernständen der Kinder und unterschiedlichen Sachkontexten. Diese Faktoren müssen den Lehrenden bewusst sein von ihnen bei der Planung des Unterrichts berücksichtigt werden. 19 „Erst die Kenntnis der individuellen Lernvoraussetzungen ermöglicht die Aufbereitung des Lerngegenstandes im Spannungsfeld von fachwissenschaftlich-curricularer Anforderungen und individuellen Erfahrungen der Kinder.“ 20
2.2. Bedeutung von Lernvoraussetzungen für den Sachunterricht
Das Vorwissen der Kinder ist für einen erfahrungsoffenen Sachunterricht von elementarer Bedeutung. Die Erfahrungen der Kinder aufzunehmen, gehört zu den wichtigen Prinzipien eines guten Sachunterrichts. Die Kinder müssen die Möglichkeit bekommen, ihre Individualität in den Unterricht mit einfließen zu lassen und über die Inhalte des Unterricht mit entscheiden zu können. Sie sollen vom Lehrenden nicht als Lernanfänger angesehen werden, denn Kinder bringen immer Vorwissen mit in die Schule. Die Lern-voraussetzungen bilden eine grundlegende Basis für das Kind, an welche angeknüpft werden muss, damit kein zusammenhangloses Wissen entsteht. Um diese Vorerfahrungen als Lehrender zu erfassen gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Zum Beispiel wird der Morgenkreis zielgerichtet hierfür eingesetzt. Die Erfassung des Vorwissens bedarf die Beachtung von emotionalen Signalen und die Interpretation von Mimik und Gestik der Kinder. Lehrende müssen hierfür also für die unterschiedlichen Vorerfahrungen der Kinder sensibilisiert werden. 21
Lernvoraussetzungen werden oftmals als kognitive Strukturen verstanden, die man verändern und auf die man aufbauen kann. Der Begriff umfasst die „...gesamte individuelle
18 Vgl. Vgl. Martschinke, S. und Kopp, B. Heterogene Lernvoraussetzungen. In: Kahlert, J. Handbuch Didaktik des
Sachunterrichts. S. 367
19 Vgl. Hempel, M. Diagnostik der kindlichen Lebenswelt als Voraussetzung der Förderung des Kompetenzerwerbs
der Lernenden. S. 23-27
20 Hempel, M. Diagnostik der kindlichen Lebenswelt als Voraussetzung der Förderung des Kompetenzerwerbs der
Lernenden. S. 27
21 Vgl. Hempel, M. (2004): Zur Bedeutung des Vorwissens der Mädchen und Jungen im Anfangsunterricht des
sozialwissenschaftlichen Sachunterrichts. S. 38-44
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Brigitte Poppinga, 2008, Die Dialektik von Kind und Sache im Lehr- Lern-Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
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