Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Weg zur Intifada 1
2.1 Konfliktpotenzial unter israelischer Besatzung 2
2.2 Formen der Intifada 4
3. Die Hamas von der Gründung bis zu ersten Selbstmordanschlag 5
3.1 Entstehung aus den Muslimbrüdern 5
3.2 Gründung der Hamas 7
3.3 Die programmatische Ausrichtung am Islam 7
3.4 Positionierung der Hamas zu Israel und der PLO 9
4. Hamas auf dem Weg in den Terror 10
4.1 Zwischen Guerilla und Terror 11
4.2 Warum Terror? 13
5. Zusammenfassung 14
1. Einleitung
Die Hamas ist eine Organisation, die sich der Befreiung Palästinas verschrieben hat. Was als religiös motivierte Widerstandsbewegung gegen die israelische Besatzung 1987 im Geiste der ersten Intifada entstand, wandelte sich in den Folgejahren zu einer international geächteten Terrororganisation. Im Zuge dieser Arbeit soll erläutert werden, wie sich die Hamas aus dem Schoß der vornehmlich karitativ ausgerichteten Muslimbruderschaft zu einer gewaltbereiten Organisation entwickelte, die 1993 ihren ersten Selbst-mordanschlag verübte. Es soll ebenfalls Gegenstand dieser Arbeit sein, welchem Kalkül sie bei der forcierten Eskalation der Gewalt folgte. Den Begriff der „Selbstverteidigung“ aufgreifend soll zunächst erläutert werden, welches gesellschaftliche Klima die israelische Besatzung schuf, welchen Vorteil die vorhandenen Strukturen der Muslimbruderschaft der Hamas verschafften und wie sie die Situation der Besatzung schließlich nutzen konnte, um sich gegenüber ihren säkularen, bereits etablierten Konkurrenten zu behaupten. Die Rolle der religiösen Motivation und Legitimation der Organisation und ihrer Vorgehensweise muss dabei berücksichtigt werden.
2. Weg zur Intifada
Über den Auslöser der ersten Intifada (arabisch: Abschütteln) sind sich die Historiker einig. Am Abend des 8. Dezember 1987 prallte ein israelischer Lastwagen frontal gegen zwei mit palästinensischen Tagelöhnern besetzten Sammeltaxis, woraufhin 4 Menschen verstarben. Gerüchte, der Unfall sei mit Absicht herbeigeführt worden, lösten in den besetzten Gebieten Massendemonstrationen bisher unbekannten Ausmaßes aus, welche der Beginn über Jahre anhaltender Unruhen sein sollten. In diesem Teil der Arbeit soll das von israelischer Besatzung geprägte politische, kulturelle und wirtschaftliche Klima in den palästinensischen Gebieten beleuchtet werden. Gleichzeitig ist die Situation auch für den späteren Wandel hin zum islamistischen Terrorismus - im Speziellen der Hamas
1 Spiegel Online, Hamas begrüßt Terroranschlag, 17.04.2006,
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,411699,00.html (14.08.2009).
2 Bin Laden, Osama, Message to Amercia, zit. in: Richardson, Louise, Was Terroristen wollen. Die Ursachen der
Gewalt und wie wir sie bekämpfen können, Frankfurt a. M. 2007, S. 68.
- relevant, welcher sich in einer „Umgebung sozialer Ungerechtigkeit, politischer Repression und Perspektivlosigkeit“ einen idealen Nährboden vorfindet, „gerade [...] wenn andere Möglichkeiten politischer Partizipation und Reform blockiert sind“. 3
2.1 Konfliktpotenzial unter israelischer Besatzung
Obgleich in den 1970er Jahren mit der Übernahme israelischer Technologien ein kurzer Aufschwung erzielt werden konnte, stellten Landenteignung und restriktive Wasserzuteilung seitens der israelischen Besatzer einen unüberwindbaren Hemmschuh für die Entwicklung des palästinensischen Agrarsektors dar. Damit einhergehend litt die Beschäftigungssituation unter den Folgen israelischer Politik. Verdienten sich 1969 rund 45% der Palästinenser in der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt, bot diese 1984 nur noch 19% einen Arbeitsplatz und konnte die marginale Entwicklung im industriellen Sektor nicht kompensieren. 4 Dieser war mit einem Anteil von 8% am BIP kaum entwickelt und konstituierte sich vornehmlich aus Kleinstbetrieben. Im Sog des israelischen Arbeitsmarktes entwickelte sich ein Subunternehmertum, welches Israels Industrie und Landwirtschaft unqualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stellte. Doch nicht nur Israel bot den Palästinensern Arbeitsplätze. Gerade in den 1970er Jahren wanderten viele hoch qualifizierte Arbeitskräfte in die Öl fördernden Golfstaaten ab (v.a. Kuwait). Allerdings war diese Entwicklung seit Beginn der 1980er Jahre strukturell rückläufig. Dieser Trend gipfelte in der Ausweisung von Palästinensern aus Kuwait zu Beginn des 2. Golfkrieges, welche nicht zuletzt durch die pro-irakische Haltung der PLO provoziert wurde. 5 Diese Entwicklung hatte nicht nur Folgen für die palästinensische Wirtschaft (rund 40% aller Familie hatten mindestens einen im Ausland arbeitenden Verwandten), sondern wirkte sich auch auf die Perspektive der jungen, angehenden Akademiker aus. Vor allem Familien der Unterschicht waren durch Arbeitsmigration in die Lage versetzt worden, ihren Kindern eine akademische Ausbildung zu ermöglichen. So kam die Mehrzahl der Studenten Anfang der 1980er Jahre vom Lande oder aus einem der Flüchtlingslager. Ihre Chance auf eine ihrem Qualifikationsniveau entsprechende Arbeit war äußerst gering. 6 In den besetzten Gebieten sank die Beschäftigungsrate mit steigender Bildung. Allgemein lässt sich ein Wandel der gesellschaftlichen Strukturen durch den Fluss von Migrantenrente feststellen, die den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss der
3 Müller, Harald, Internationaler Terrorismus. In: Knapp, Manfred/ Krell, Gert (Hrsg.), Einführung in die internationa-
le Politik. Studienbuch, 4. überarb. Aufl., Oldenbourg 2003, S. 494.
4 Beck, Martin, Friedensprozess im Nahen Osten. Rationalität, Kooperation und politische Rente im vorderen Orient,
Wiesbaden 2002, S. 282.
5 Vgl. ebd., S. 283ff.
6 Vgl. Croitoru, Joseph, Hamas. Der islamische Kampf um Palästina, Bonn 2007, S. 67.
traditionellen Oberschicht schwinden lies, welche sich stark über Landbesitz definiert hatte. 7 Die kontinuierliche Landnahme der Israelis verschärfte den wirtschaftlichen und sozialen Abstieg der Grundbesitzer zusätzlich. Ein palästinensisches Sprichwort bringt die kulturelle und politische Bedeutung von Land prägnant zum Ausdruck: „Wer kein Land besitzt,, besitzt auch keine nationale Heimat“. 8
Sowohl die Meinungs- als auch die Pressefreiheit wurde seitens der israelischen Besatzer massiv eingeschränkt. Zeitungen, Zeitschriften und Bücher wurden verboten; ebenso wie Kulturveranstaltungen, Kunstausstellungen oder Vorträge sofern sie unter dem Verdacht standen, politisch motiviert zu sein. 9 Ziel dieser Politik war es, „die Etablierung einer palästinensischen kollektiven Identität zu verhindern“. 10 Diesem Ziel folgend wurde die Bildung politischer Institutionen oder anderweitige Partizipation am politischen Prozess von den Besatzungsbehörden im Keim erstickt. So standen Kontakte zur PLO und sogar Sympathiebekundungen unter Strafe. Die administrative Haft schien ein probates ein Instrument der Unterdrückung, mit dem Aktivisten auch ohne Gerichtsprozess festgesetzt werden konnten. In israelischen Gefängnissen saßen 1987 rund 4700 Palästinenser, von denen viele Misshandlungen über sich ergehen lassen mussten. Allerdings wurde diese Praktik zum Bumerang für die israelischen Besatzer, denn während den Gefängnisaufenthalten wurden die Palästinenser mit radikaler Ideologie konfrontiert. „Der Knast wurde zur Kaderschmiede der Intifada“ und die „Generation der Okkupation“ wurde zunehmend mit nationalistischem und islamistischem Gedankengut konfrontiert. 11 Weitere Facetten der Repression waren neben dem Abriegeln von Straßen und Brücken, sowie dem zeitweiligen Abstellen von Wasser und Elektrizität, Vergeltungsaktionen des israelischen Militärs. Im Gegenzug zu palästinensischen Übergriffe auf Siedler wurden Häuser versiegelt oder zerstört. In den Jahren 1985 bis 1987 waren von diesen Maßnahmen 125 Gebäude betroffen. 12 Die Rechtsgrundlage dieser Praktiken bezieht sich bezeichnenderweise auf die Defence (Emergency) Regulations von 1945, welche die britischen Mandatsbehörden zur Unterdrückung jüdischer Terrororganisationen erließen. 13
7 Ausführlicher zur Deformation des Humankapitals und den Folgen der rentistischen Transformation vgl. Beck,
Martin, Friedensprozess im Nahen Osten. Rationalität, Kooperation und politische Rente im vorderen Orient, Wiesba-
den 2002, S. 286ff.
8 Büren, Rainer, Ein palästinensischer Teilstaat? Zur internen, regionalen u. internationalen Dimension der Palästina-
frage Baden-Baden 1982, S. 64.
9 Vgl. Croitoru, Joseph, Hamas. Der islamische Kampf um Palästina, Bonn 2007, S. 72.
10 Ebd., S. 72.
11 Vgl. Schreiber, Friedrich, Der Aufstand der Palästinenser - Die Intifada. Opladen 1990, S. 32
12 Vgl. Croitoru, Joseph, Hamas. Der islamische Kampf um Palästina, Bonn 2007, S. 70.
13 Flores, Alexander, Intifada. Aufstand der Palästinenser, 2. überarb. Aufl., Berlin 1989, S. 33.
Arbeit zitieren:
Pablo Jost, 2009, Von Steinschleudern und Autobomben, München, GRIN Verlag GmbH
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