E X E C U T I V E S U M M A R Y_______
Die Rolle des arabischen Satellitenfernsehens im Prozess politischer Transformation und als potentieller Träger einer (medial geführten) Demokratisierung im Mittleren Osten und Nordafrika wird besonders im anglo - amerikanischen Raum intensiv debattiert und stellt als forschungsleitende Fragestellung im Rahmen der vorliegenden Arbeit die Grundlage einer faktorgraphischen, theoretisch fundierten Analyse.
In der arabischen Welt, einer geolinguistischen Region, deren Medienlandschaft bis in die jüngste Vergangenheit durch die Informationsministerien ihrer autoritären Regimes geprägt war, hat das Aufkommen der Satellitentechnologie einen revolutionären gesellschaftlichen Wandel eingeleitet, dessen genaue Richtung nicht noch mit Eindeutigkeit festzuschreiben ist. Die Tatsache, dass das arabische Satellitenfernsehen rechtlich, territorial und machtpolitisch den Einflussbereich eines einzelnen Staates übersteigt und mit geringem technischem Equipment zu empfangen ist, macht das Medium beinahe immun gegenüber diktatorischen Zensurbestrebungen und illustriert sein inhärentes demokratiepolitisches Potential. Der Informationsrevolution folgte eine rasche Umstrukturierung des arabischen
Kommunikationsraumes, die nach der Gründung professioneller Nachrichten- und Unterhaltungsmedien wie Al Jazeera oder Al Arabiya zahlreiche Optimisten dazu veranlasste, Prognosen hinsichtlich einer bald folgenden demokratischen Transformation der Region abzugeben. Obwohl etwa ein Jahrzehnt später die Machtstrukturen der arabischen Staaten unverändert bleiben, hat das grenzüberschreitende Satellitenfernsehen eine Fülle an subtilen gesellschaftlichen Dynamiken hervorgebracht, die den politischen Raum und die politische Kultur tiefgreifend veränderten und Hoffnungen machen bezüglich einer internen Reformbewegung.
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Inhaltsverzeichnis
1. Methodische Überlegungen 3
1.1 Forschungsleitende Fragestellung und Überlegungen zur Messbarkeit. 3
1.2 Theoretische Verortung des Untersuchungsgegenstandes 4
1.3 Begründung der Methodenwahl 9
1.4 Begriffliche Dimension 11
1.4.1 Zuordnung „Arabische Welt“ und „Araber“ 11
1.4.2 Problematik arabischer Begrifflichkeit 13
1.4.3 Politische Terminologie 15
2. Das Phänomen arabisches Satellitenfernsehen. 18
2.1 Nachrichten in der arabischen Welt vor dem Zeitalter des Satellitenfernsehens 18
2.2 Der „CNN - Effekt“ 20
2.3 Der Aufstieg von Al-Jazeera und Co. 22
3. Der „Al Jazeera - Effekt“ - Die Umstrukturierung des arabischen
Kommunikationsraumes 26
3.1 Das demokratiepolitische Potential des arabischen Satellitenfernsehens 26
3.2 Tatsachenbezogene Berichterstattung und die Kultivierung eines demokratischen
Bewusstseins 28
3.3 Veränderte Konzeption von Öffentlichkeit und kultureller Identität 31
4. Arabische Unterhaltungsformate 33
4.1 Talk Shows und Diskussionssendungen 34
4.2 Arabische Talk Shows und Politischer Wandel 36
4.3 Die Entwicklung und Ausformung des Reality-Formats im sozio- kulturellen
Kontext der arabischen Welt 39
4.4 Reality TV und Demokratisierung 44
5. „Offshore Democracy“ - Chancen und Gefahren für reale Demokratisierung. 52
6. Anhang 62
6.1 Literaturverzeichnis. 63
6.2 Abbildungsverzeichnis 69
2
1. Methodische Überlegungen
1.1 Forschungsleitende Fragestellung und Überlegungen zur Messbarkeit
Die vorliegende Forschungsarbeit ist grob auf die folgende forschungsleitende Fragestellung ausgerichtet: Inwieweit ist das arabische Satellitenfernsehen potentiell in der Lage, politische Transformationsprozesse in der Region zu beeinflussen und die Demokratisierung der Staaten der arabischen Welt zu fördern?
Daraus ergeben sich für die Durchführung der wissenschaftlichen Untersuchung folgende Teilforschungsfragen:
FF1: Worin besteht die Funktion Neuer Medien im Kontext politischer Transformation? FF2: Unter welchen Bedingungen operieren Al Jazeera und andere transnationale Medien in autoritären arabischen Systemen?
FF3: Wie war die Medienlandschaft in der arabischen Welt vor Beginn der Satellitenrevolution strukturiert und welche Veränderungen bringen die arabischen Satellitensender?
FF4: Welchen Einfluss haben Al Jazeera und andere transnationale arabische Satellitensender die Umgestaltung der öffentlichen Meinung und kulturellen Identität in der arabischen Welt und durch welche Merkmale äußert sich dies?
FF5: Gibt es politische Impulse in den arabischen Gesellschaften, deren Existenz sich durch das Vorhandensein oder die Berichterstattung des grenzüberschreitenden Satellitenfernsehens erklären lässt?
FF6: Ist eine eventuelle Demokratisierung der arabischen Staaten abhängig von bestimmten inhaltlichen Formaten der Satellitensender? Oder genügt die bloße Existenz von Al Jazeera und Co. als zentrale Neuerung in der arabischen Gesellschaft mit demokratischen Implikationen um demokratische Transformationsprozesse hervorzubringen? Muss der Demokratisierung gewissermaßen eine gezielte und journalistisch verarbeitete demokratische Agenda zugrunde liegen?
Da es sich bei dieser Arbeit um hypothesengenerierendes Vorgehen handelt und eine Beantwortung der Forschungsfragen weitgreifende Erklärungen unter Bezugnahme wissenschaftlicher Quellen notwendig macht, ist das Formulieren von Hypothesen im Konditionalstil (Wenn… dann; Je…desto…) zu diesem Zeitpunkt nicht möglich und
3
gleichermaßen wenig förderlich. Die Ergebnisse der Untersuchung werden als Fließtext im Hauptteil der Arbeit zu finden sein und im Executive Summary zusammenfassend dargestellt.
1.2 Theoretische Verortung des Untersuchungsgegenstandes
Die Debatte um potentielle politische Implikationen des arabischen Satellitenfernsehens ist geprägt von zahlreichen Widersprüchen, die sich nicht zuletzt aus einer theoretischen Verunsicherung ergeben und eine exakte Einordnung des Untersuchungsgegenstandes äußerst diffizil gestalten. Zunächst handelt es sich beim Thema des arabischen Satellitenfernsehens um einen Gegenstand, der sowohl territorial als auch rechtlich und machtpolitisch den Hoheitsbereich einer Nation übersteigt und die Grenzen zwischen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Sachverhalten, sowie von inner- und außenpolitischer Betrachtungsweise verschwimmen lässt. Wie Kai Hafez, Professor für vergleichende Mediensystemforschung und Nahost-Berater des Auswärtigen Amtes, zutreffend attestiert, ist es betreffend der arabischen Region nicht eindeutig geklärt, woran man die Funktion (und letztlich ebenso die Wirkung) dieses Neuen Mediums im Kontext politischer Transformation eigentlich messen soll. Denn Medien, so Hafez, operieren in den autoritären arabischen Systemen unter ganz anderen Bedingungen als ihre Counterparts in konsolidierten Demokratien und können daher nicht an den Maßstäben westlicher Professionsethik gemessen werden. 1 Dazu kommt, dass der Gegenstand im Theoriegefüge der beiden wissenschaftlichen Disziplinen, die ihn hauptsächlich betrachten, völlig unterschiedlich wahrgenommen wird. Seitens der Medien- und Kommunikationsforschung herrscht Konsens darüber, dass Medien in ihrer idealtypischen Funktionsweise als objektiver Informant ein gewisses demokratisches Grundpotential aufweisen, welches allerdings, und dies beeinträchtigt die Anwendung in Bezug auf den spezifisch arabischen Zusammenhang der Analyse, nur dann zum Einsatz kommen kann, wenn ein demokratischer Rahmen bereits vorhanden ist. Die regulären Funktionen der Medien für die Gesellschaft werden danach zumeist in drei, je nach Verfasser unterschiedlich ausformulierte, Bereiche eingeordnet, die zum Teil normativ in den rechtlichen Grundsätzen der westlichen Demokratien verankert sind. Diese umfassen 2 :
1 Vgl. Hafez, Kai: Arabisches Satellitenfernsehen - Demokratisierung ohne politische Parteien?, in: Politik und
Zeitgeschichte, Nr. 48, 22.11.2004, S. 17-23, abgerufen unter:
http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/48/Beilage/003.html (28.03.07)
2 Vgl. Müßigbrodt, Klaus: Journalismus und der Schutz des Privaten. Perspektiven der analytischen Philosophie,
Mentis Verlag GmbH, Paderborn, 2006, S. 9ff
4
(1) Die demokratietheoretischen Funktionen: Information, Kritik und Kontrolle als Orientierungsfunktionen; Diese Aufgaben sind z.B. in den deutschen Landespressegesetzen fixiert
(2) Die gesellschaftspolitischen Funktionen: Grundversorgung der Bevölkerung mit Information zur Meinungsbildung. Explizit stehen solche Aufgaben z.B. in den Staatsverträgen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (3) Die soziokulturellen Funktionen: Selbstaufklärung der Gesellschaft z.B. durch die Steigerung des Bildungsniveaus; Identitätsstiftung und Integration; Stärkung der sozialen Kohäsion
Im Gegenzug genießen die Massenmedien weitestgehende Autonomie und verfassungsrechtlichen Schutz um den Aufgaben entsprechend nachkommen zu können. Praktisch sind diese Funktionen allerdings nicht ohne weiteres auf die Medien der arabischen Welt zu übertragen, da besonders das Fernsehen sie erst in demokratischem Umfeld erfüllt: „Die Regierung ist abwählbar, das Parlament und die Parteien sind installiert, die durch die Medien zur politischen Meinungsbildung beitragen. Medien, die in dieser Situation dem Gebot der Objektivität (…) massiv den Rücken kehren, können zwar weiter existieren, solange sie die Gesetze befolgen. Aber für die öffentliche Debatte und die Meinungsbildung haben sie nur eine untergeordnete Bedeutung. Demokratischen Medien muss es darum gehen, den großen Institutionen, Organisationen und Persönlichkeiten in den Medien Raum zu verschaffen, die Agenda zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zu verhandeln. Die Meinung des Mediums selbst ist eine Nebenfunktion, die vor allem der Zuspitzung der Problemdefinition dient, die von anderen Akteuren ausgetragen, aber nicht klar formuliert wird (…).“ 3
In den autoritär organisierten arabischen Staaten verfügen Gewerkschaften, NGOs und insbesondere politische Parteien, wenn sie überhaupt existieren, über geringe Repräsentativität und Reputation. Zudem ist die Bindung zwischen Medien und Zivilgesellschaft mangelhaft ausgeprägt, da die organisierte Öffentlichkeit nur schwach entwickelt ist. In einer solchen Situation muss, so Hafez, der demokratietheoretische Idealtyp des Medienverhaltens anders konzipiert werden um in seiner spezifischen Ausformung ein ausgedehntes Funktionsspektrum zu umfassen, welches fehlende demokratische Institutionen und Mechanismen eventuell ausgleichen könne. 4
3 Hafez, 2004, abgerufen unter: http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/48/Beilage/003.html (28.03.07)
4 Vgl. Ebenda
5
Im Vergleich zu der hierbei attestierten, ausgefeilten Rolle im demokratischen System wurde den Massenmedien in der politikwissenschaftlichen Transformationsforschung bislang kaum Beachtung geschenkt, da besonders das Fernsehen als zu leicht kontrollier- und zensierbar erachtet wird. Vielmehr seien Alternativmedien, das Internet und neuerdings sogar die Boulevardpresse 5 die wichtigsten Träger des Systemwechsels in autoritären Verhältnissen. In der Realität zeigte sich jedoch, dass diktatorischen Regimes wie in der arabischen Welt häufig Liberalisierungen der Presse und des Internets zuließen, da diese Medien stets nur kleine Eliten erreichten und sich in der Folge kaum etwas an den politischen Verhältnissen änderte. Das Fernsehen dahingegen wurde stets strengstens zensiert, denn es erreicht die Massen und ist aufgrund der hohen Analphabetenrate in den meisten arabischen Ländern das wichtigste Medium der Bevölkerung. Es sei dabei Naomi Sakr zuzustimmen, die argumentiert, dass: „Political leaders continue to ascribe considerable influence to television news (…) Ultimately, the rationale that motivates governments to use media as an arm of foreign policy shares some of the same assumptions that they rely on to rationalise censorship. The idea that ‘hearts and minds’ can be won by providing coverage of certain issues in one case, or silencing coverage of certain issues in the other, downplays the extent to which individuals and communities form opinions and prioritise issues based on their own lived experience, cultural knowledge, expectations and interpretative frames of reference.” 6 Durch seinen aufwendigen Produktionsprozess, der großer Studios und zahlreicher Ressourcen bedarf, war das Fernsehen seitens der herrschenden Eliten leicht zu kontrollieren. Doch diese Ausgangslage hat sich mit der Satellitenrevolution im Laufe der 1990er Jahre zusehends geändert. Das arabische Satellitenfernsehen agiert grenzüberschreitend, abseits von nationaler Gesetzgebung und ist mit geringen technischen Voraussetzungen zu empfangen; was zur Folge hat, dass das staatliche Kommunikationsmonopol immer weiter verloren geht. Da die ältere Transformationstheorie für national basierte Mediensysteme konzipiert war und den Fall der Grenzüberschreitung nicht vorsah, erfassen hier auch derartige politikwissenschaftliche Instrumentarien die Lage nicht vollständig. 7
5 Im Rahmen einer Studie untersuchte Adam Jones die Rolle von Boulevardmedien in politischen
Transformationsprozessen von autoritären zu demokratischen Regimes und wendet sich später dem Spezialfall
Jordaniens zu. Siehe: Jones, Adam: From Vanguard to Vanquished. The Tabloid Press in Jordan, in: Political
Communication, Volume 19, Number 2, 2002, S. 171 - 188
6 Sakr, Naomi: Approaches to exploring Media-Politics Connections in the Arab World, in: Sakr,
Naomi (Hrsg.): Arab media and political Renewal. Community, Legitimacy and Public Life, Tauris,
London, 2007, S. 1f
7 Vgl. Hafez, 2004, abgerufen unter: http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/48/Beilage/003.html
(28.03.07)
6
Weiters wird bei der Beschäftigung mit dem Phänomen des arabischen Satellitenfernsehens der Forschungszweig der Medienwirkungsforschung berührt, der zumindest indirekte Implikationen für die Richtung der vorliegenden Arbeit besitzt. Die Formulierung der forschungsleitenden Fragestellung nach dem Einfluss von Al Jazeera und Co. auf politische Transformationsprozesse suggeriert bereits eine Grundpositionierung, die von verhältnismäßig starken Medienwirkungen auf das soziokulturelle Umfeld, sowie spezifischen Effekten auf die Einstellungen und das Verhalten des Zuschauerkreises ausgeht, und hierbei relativiert werden muss. Nun handelt es sich bei der Frage nach Medienwirkungen um einen Klassiker der Medien- und Kommunikationsforschung, dem sich in der Vergangenheit wie heute zahlreiche einschlägige Studien unter Berücksichtigung verschiedener, am Kommunikationsprozess beteiligter, Faktoren widmen. 8 Es ist an dieser Stelle kaum förderlich, die dabei hervorgebrachte Menge an Theorien und Wirkungsmodellen zu diskutieren und gemäß ihrer Validität zu überprüfen. Genauso wenig soll eine standardisierte Wirkungsformel die Grundlage für die nachfolgenden Betrachtungen bilden. Die vorliegende Arbeit geht von der Annahme aus, dass massenmediale Wirkungszusammenhänge sich äußerst heterogen gestalten und in ihrer Komplexität kaum zu erfassen sind. Dazu kommt, dass, im Vergleich zu Europa und den USA, wenige wissenschaftliche Untersuchungen vorliegen, die sich speziell mit dem Einfluss von Fernsehen und Internet auf die Bevölkerung der arabischen Welt beschäftigen oder die dabei vorhandene Wechselwirkung zwischen medial vermittelten Botschaften und Tendenzen zu politischer Mitbestimmung analysieren. Es ist kaum zu erwarten, dass geringfügige Liberalisierungen in den Bereichen der Meinungs- und Pressefreiheit, wenn beschränkt auf das Satellitenfernsehen und das Internet, eine sofortige und gleichförmige politische Umgestaltung in mehr als zwanzig Staaten hervorrufen wird. Genauso wenig lassen sich jedoch bedeutende Ereignisse in der jüngeren Vergangenheit der arabischen Staaten erforschen, ohne einen Rückbezug zu deren medialer Vermittlung herzustellen um damit Verständnis darüber zu erlangen, warum diese stattfanden. 9 In den für diese Arbeit konsultierten wissenschaftlichen Quellen finden sich zahlreiche Einschätzungen darüber, inwieweit die Umgestaltung der arabischen Medienlandschaft mit politischen Veränderungen
8 Es sei dabei verwiesen auf Standartwerke der Massenkommunikationsforschung, wie: Bonfadelli, Heinz:
Medienwirkungsforschung I. Grundlagen und theoretische Perspektiven, UVK Medien, Konstanz, 1999 /
Bonfadelli, Heinz: Medienwirkungsforschung II. Anwendungen in Politik, Wirtschaft und Kultur, UVK Medien,
Konstanz, 2000 / Merten, Klaus: Wirkungen der Medien, in: Merten, Klaus / Schmidt, Siegfried J. /
Weischenberg, Siegfried (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in die
Kommunikationswissenschaft, Westdeutscher Verlag, Opladen, 1994, S. 291 - 328 / Schenk, Michael:
Medienwirkungsforschung, 2. Aufl., Mohr Verlag, Tübingen, 2002 uvm.
9 Vgl. Sakr, in: Sakr, 2007, S. 2f
7
korreliert. Mit dem Aufkommen von Al Jazeera und anderen Satellitensendern in der Region häufte sich zunächst die Anzahl derer, die in dieser Entwicklung den Vorboten der Demokratisierung zu erkennen glaubten und im Rahmen übermäßig positivistischer Prognosen baldige Machtwechsel zugunsten des arabischen Volkes voraussahen. Kaum zehn Jahre und weit reichende empirische Analysen später sind die Beurteilungen weitaus differenzierter. Die Mannigfaltigkeit der Ansichten darüber, wie die Korrelation von arabischem Satellitenfernsehen und demokratischem Wandel wahrgenommen, verstanden und interpretiert wird, spiegelt sich in den weiteren Ausführungen der vorliegenden Untersuchung wider.
Dabei soll an dieser Stelle ebenfalls die spezifische Bedeutung von Al Jazeera diskutiert werden, da der Sender bei der Beschäftigung mit dem arabischen Satellitenfernsehen zwangsläufig eine Sonderrolle einnimmt. Wie Hafez zutreffend bemerkt war „die Frage, ob arabische Fernsehsender zur Avantgarde des Demokratiedenkens und der Demokratiebewegung in der arabischen Welt werden könnten, (…) im Grunde immer wesentlich auf Al-Jazeera konzentriert“ 10 , eine Tatsache, die die wissenschaftliche Untersuchung vor gewisse Herausforderungen stellt. Spätestens seit dem 11. September 2001 ist der arabische Sender für jedermann ein Begriff; und zwischen Regierungskritiken, Terrorismusvorwürfen und Demokratiehoffnungen wird die Thematik von dem Großteil der Abhandlungen im Rahmen eines immer gleichen Bezugssystems betrachtet. Walter Armbrust bezeichnet dieses als „friend or foe logic“, in der der Sender verbunden mit erhitzter Rhetorik oszilliert in einem dualistisch konstruierten Schema zwischen „Al Jazeera as the Great White Hope of civil society“ und „Al Jazeera as the Great Satan of Anti-Americanism“. 11 Weiters problematisch ist die Tatsache, dass „the network was made to stand for all Arab media“, was dazu führte, dass viele Artikel die Begriffe „Al Jazeera“ und „die Medien“ bzw. „Al Jazeera“ und „das arabische Satellitenfernsehen“ synonym verwenden. Dabei ist der Sender keine Reflektion der gesamten Medienlandschaft; er ist, so Armbrust, nicht einmal ein Medium und diese Dichotomie müsse im Zuge präziser Analysen unbedingt gebrochen werden. 12 Al Jazeera kommt bei der Beschäftigung mit dem Untersuchungsgegenstand zweifelsohne eine besondere Bedeutung zu, da der Sender als Vorreiter der Satellitenrevolution zahlreiche Neuerungen und wichtige Verdienste für die arabischen Gesellschaften hervorbrachte. Jedoch
10 Hafez, 2004, abgerufen unter: http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/48/Beilage/003.html (28.03.07)
11 Vgl. Armbrust, Walter: Al Jazeera is not a Medium, in: Transnational Broadcasting Studies (TBS): The Real
(Arab) World. Is reality TV democratizing the Middle East? And other studies in satellite broadcasting in the
Arab and Islamic worlds, TBS Volume 1, Number 2, The American Univ. in Cairo Press (u.a.), Cairo (u.a.),
2005, S. 3
12 Ebenda
8
ist er letztlich Teil eines größeren Phänomens und soll dementsprechend in der vorliegenden Arbeit neben einer Vielzahl weiterer transnationaler Satellitensender betrachtet werden. Aus diesem Grunde wird auf eine detaillierte Programmanalyse eines oder mehrerer Kanäle verzichtet und andere Faktoren (wie Entstehung, Organisation, Rezeption, Finanzierung und kontroverse Reaktionen verschiedener Regierungen) vernachlässigt, es sei denn diese haben aufgrund ihrer Implikationen Relevanz gemäß der forschungsleitenden Fragestellung.
1.3 Begründung der Methodenwahl
Um den gewählten Untersuchungsgegenstand entsprechend zu analysieren, wurde die Methode der faktorgraphischen, theoretisch fundierten Literaturrecherche gewählt und die wissenschaftliche Fragestellung durch Konsultation der relevanten Fachliteratur bearbeitet. Da die notwendigen Daten aufgrund vieler Faktoren nur sehr schwer mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen gesammelt werden könnten, erscheint eine empirische Untersuchung in diesem Falle als ungeeignet. Eine erste Literatursichtung und Analyse des Forschungsstandes hat ergeben, dass eine wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema des arabischen Satellitenfernsehens im Prozess der politischen Transformation und als potentieller Träger einer (medial geführten) Demokratisierung im Mittleren Osten in höchstem Maße gesellschaftlich und wissenschaftlich relevant ist und in dieser Form im deutschsprachigen Raum noch kaum erforscht worden ist. Aus diesem Grunde wird bei der Durchführung des Forschungsvorhabens überwiegend auf englische Fachliteratur zurückgegriffen werden. In Vorbereitung auf die Erstellung dieser Arbeit wurde eine umfassende Literaturrecherche in Bibliotheken, Literaturdatenbanken, Bibliographien, wissenschaftlichen Fachzeitschriften, dem Internet, dem Gesamtverzeichnis lieferbarer Bücher und Literaturlisten aus bereits recherchierter und beschaffter Literatur durchgeführt, so lange bis auf sämtliche Standardwerke und -autoren zum Thema zugegriffen werden konnte. Bei der Auswahl und Analyse der Quellen wurde, soweit dies als Leser möglich war, besonders auf die Einhaltung wissenschaftlicher Qualitätskriterien geachtet. Dazu zählte vor allem die Objektivität im Sinne einer intersubjektiven Nachvollziehbarkeit, im Rahmen derer sämtliche Stufen des empirischen Forschungsprozesses (alle Messinstrumente, Berechnungen und Zitate) dokumentiert und transparent gemacht werden müssen. Der Großteil der wissenschaftlichen Untersuchungen nutzte dabei die Methoden der Inhaltsanalyse (vor allem von arabischen Medienprodukten) und Befragung (von Mitarbeitern der Satellitensender und der arabischen Bevölkerung). Die wissenschaftliche Plattform und das dazugehörige Journal Arab Media & Society (früher TBS - Transnational Broadcasting Studies) ist eines der wichtigsten
9
Ressourcen für die vorliegende Bakkalaureatsarbeit. Mit Hauptquartier in Kairo, Ägypten und wissenschaftlich höchst renommierten, internationalen Mitwirkenden auf allen Levels beschäftigt sich Arab Media & Society seit jeher intensiv dem Spannungsfeld von Medien und Gesellschaft in der arabischen Welt und dem nachhaltigen Einfluss grenzübergreifenden Satellitenfernsehens in der Region. Die Vielzahl und der wissenschaftliche Qualitätsgehalt der Publikationen sind außergewöhnlich und werden durch häufige „peer reviews“, der Prüfung der wissenschaftlichen Qualität durch unabhängige Gutachter, zusätzlich gesichert. Dabei muss gleichzeitig erwähnt werden, dass aufgrund des hohen Abstraktionsgrades des Untersuchungsgegenstandes und der Schwierigkeiten, die sich aus dem spezifischen Umfeld der arabischen Welt ergeben, selbst Schlussfolgerungen einschlägiger Studien mit Vorsicht betrachtet werden müssen. Die zur Einschätzung der Wirkungsweise arabischer Satellitensender notwenigen Daten aus Publikumsanalysen sind in den arabischen Staaten schwer zu beschaffen, „(…) perhaps because of the same combination of official and informal constraints that held back most types of public opinion polling until the early 2000s.“ 13 Außerdem werden in der arabischen Welt viele Programme über illegale Satellitenschüsseln empfangen, die statistisch nicht zu erfassen sind. In Algerien, Marokko und im Libanon entstanden informelle Netzwerke, in denen ein Kabel von Haus zu Haus verlegt wurde und sich so mehrere Haushalte eine Satellitenschüssel teilen. 14 Das besonders von der Werbeindustrie bemängelte Fehlen verlässlichen Zahlenmaterials über Zuschauerpräferenzen und Einschaltquoten veranlasst auch Jon Alterman zu der Schlussfolgerung, dass „we know shockingly little about what the people of the Middle East watch, and how they interpret that information“. 15 Verbunden mit der Tatsache, dass seit der Revolution des
Satellitenfernsehens und seiner enormen Bedeutungszunahme nur wenige Jahre vergangen waren, „pronouncements about new media influence have too often been limited to observations about causality that are broadly positivist in character but without being grounded in empirical research.“ 16 Aus diesem Grunde wurde bei der Darstellung der verschiedenen Positionen zum Thema gegebenenfalls Quellenkritik geübt und auf eventuell fehlende oder zweifelhafte empirische Ergebnisse hingewiesen.
Es wurden zum Teil nicht-wissenschaftliche Publikationen, wie journalistische Artikel und Regierungserklärungen, in die Betrachtung einbezogen, da diese wichtige Einblicke
13 Vgl. Sakr, in: Sakr, 2007, S. 3
14 Vgl. Miles, Hugh: Al-Dschasira. Ein arabischer Nachrichtensender fordert den Westen heraus, aus d. Engl.
von Bernhard Jendricke, Europäische Verl.-Anst., 2005, S. 57
15 Alterman, Jon: Arab Media Studies. Some methodological Considerations, in: Zayani, Mohamed (Hrsg.): The
Al Jazeera Phenomenon. Critical Perspectives on New Arab Media, Paradigm Publishers, Boulder, Colo., 2005,
S. 207
16 Vgl. Sakr, in: Sakr, 2007, S. 3
10
ermöglichen zum Verständnis von Populärkultur und der Positionierung von soziokulturellen Impulse.
1.4 Begriffliche Dimension
Da die Beschäftigung mit der Thematik arabischen Satellitenfernsehens vielerorts die Verwendung mehrdeutiger Begriffswelten und Fachtermini umfasst, soll im Rahmen der folgenden Unterkapitel deren Definition und Bedeutung für die vorliegende Arbeit ermittelt werden.
1.4.1 Zuordnung „Arabische Welt“ und „Araber“
Wenn in der untersuchten Fachliteratur über „Arabien“, die „arabische Welt“ bzw. deren Mitglieder gesprochen wird, so bleibt in der Regel ungeklärt, auf genau welche arabischen Staaten und Bevölkerungsgruppen letztlich Bezug genommen wird. Obwohl in der öffentlichen Wahrnehmung die Zugehörigkeit scheinbar leicht zu verorten ist, ergeben sich bei genauerem Hinsehen zahlreiche Missstimmigkeiten im Hinblick auf Kennzeichen und Kriterien einer exakten Bestimmung.
So ist „Arabien“ kein einheitlich definierter Terminus, sondern verweist, als Kurzform oder in der Umgangssprache, auf eine der drei folgenden Sachverhalte: (1) die arabische Halbinsel, als Urheimat der Araber und heutigem Sitz der Staaten Bahrain, Jemen, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate; (2) das Königreich Saudi-Arabien, dessen Fläche den Großteil der Halbinsel ausmacht; und (3) Watan al-Arabi, das von der syrischen Baath-Partei und anderen arabischen Nationalisten propagierte, fiktive „arabische Vaterland“, das damit die Gesamtheit aller arabischen Länder bezeichnet und in der Regel die Ideologie des Panarabismus und des arabischen Einheitsstrebens inkludiert. „Panarabismus“ wird demzufolge definiert als „die (nationalistische Wunsch)Vorstellung der Etablierung eines arabischen Staates, der die verschiedensten arabischen Länder unabhängig von religiösen und ethnischen Differenzen umfasst“ und soll, in abgeschwächter Form, ebenfalls die Vorstellung der Etablierung eines geteilten arabischen (Medien)Kommunikationsraumes“ mittragen. 17 Ähnliche Probleme der exakten Bestimmung ergeben sich bei der Nutzung des Begriffspaares „arabische Welt“, welches entweder die Gesamtheit der Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga 18 und deren Bewohner bezeichnet, oder wiederum Bezug nimmt auf das zusammenhängende Siedlungsgebiet der Araber bzw. das bereits genannte Watan al-Arabi.
17 Hepp, Andreas: Transkulturelle Kommunikation, UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz, 2006, S. 205
18 Siehe Abbildung 1: Mitglieder der Arabischen Liga, S. 63
11
Beides ist keinesfalls identisch, denn es finden sich sowohl arabische Minderheiten in Ländern, die keine Mitglieder der 1945 gegründeten Vereinigung sind (z.B. Türkei, Iran und Israel), als auch Mitgliedsstaaten, die im engeren Sinne nicht unbedingt als arabisch bezeichnet werden würden (z.B. Somalia, Dschibuti und die Komoren). 19 Umgelegt auf die damit beschriebenen orientalischen Bevölkerungsgruppen kann die Zuordnung wiederum auf verschiedenen Grundlagen beruhen, deren Kontext in unterschiedlichen Zeiten und Kulturkreisen stark voneinander abweicht. Unabhängig von religiöser Zugehörigkeit, kann die Zuordnung einer Person zur Gruppe der „Araber“ aufgrund folgender unterschiedlicher Kriterien getroffen werden 20 :
(1) Genealogisch: die Herkunft der Vorfahren kann auf einen arabischen Stamm zurückgeführt werden (die ursprünglichen Bewohner der arabischen Halbinsel und der syrischen Wüste). „This definition covers fewer self-identified Arabs than not, and was the definition used in medieval times, for example by Ibn Khaldun.“ (2) Linguistisch: die Muttersprache bzw. in Weiterführung die Art des kulturellen Ausdrucks ist Arabisch (inklusive alle gängigen Dialekte und Ausformungen dessen). Dieses Kriterium umfasst ca. 250 Millionen Menschen. „Certain groups that fulfill this criterion, such as many Egyptians, reject this definition on the basis of genealogy.” (3) Politisch: jeder Bürger eines Landes, in dem die Nationalsprache oder eine der offiziellen Sprachen arabisch ist; oder Bürger eines Mitgliedsstaates der arabischen Liga (was bedeutet, dass Arabisch die Regierungssprache ist, auch wenn der Großteil der Bevölkerung diese nicht benutzt). Diese Definition ist die umfassendste und gleichzeitig umstrittenste, da sie die gesamte arabische Diaspora ausschließt und nicht nur Araber gemäß dem genealogischem Kriterium berücksichtigt, sondern ebenso „those Arabized-Arab-identified“, „Arabized non-Arab-identified groups (such as some Maronite Lebanese) and even non-Arabized indigenous ethnicities which may be non-Arabic-speaking, monolingually or otherwise (such as the Berbers in Morocco, Kurds in Iraq, or the Somali majority of Arab League member Somalia).“ Diese Definition würde eine Gesamtheit von über 300 Millionen Menschen umfassen.
Die relative Bedeutung der genannten drei Kriterien wird von verschiedenen Gruppen unterschiedlich bemessen und ist häufig Thema interner Auseinandersetzungen. Zum Teil werden die Merkmale zum Zwecke der Definition miteinander verbunden, wie hier nach
19 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Welt (27.07.07)
20 Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Arab (27.07.07)
12
Habib Hassan Touma, der Araber als jemanden bezeichnet der „(…) is a national of an Arab state, has command of the Arabic language, and possesses a fundamental knowledge of Arab tradition, that is, of the manners, customs, and political and social systems of the culture.” 21 Wenn im Rahmen der vorliegenden Arbeit die Rede ist von der arabischen Welt, Arabien bzw. Arabern so inkludiert diese Zuordnung auf staatlicher Ebene die Länder Ägypten, Algerien, Bahrain, Irak, Jemen, Jordanien, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Mauretanien, das Sultanat von Oman, Katar, Saudi-Arabien, Sudan, Syrien, Tunesien, die Vereinigten Arabischen Emirate, die palästinensische Autonomie-Behörde, sowie das Territorium Westsahara. All diese 20 Gebiete sind Mitglieder der Arabischen Liga und nutzen Arabisch als eine der offiziellen Sprachen in Regierung und Bevölkerung. Ebenso vollständig eingeschlossen ist dabei die arabische Diaspora. Sollte es sich um die Länder Somalia, Dschibuti und die Komoren handeln, die Mitglieder der Vereinigung sind, obwohl sich der Großteil ihrer Bevölkerung in erster Linie anderer Sprachen bedient (jedoch Arabisch in der Regel verstanden und zu religiösen Zwecken benutzt wird) bzw. sollten arabische Minderheiten in Nicht-Mitgliedsstaaten oder andersartige Bevölkerungsgruppen mit arabischem Migrationshintergrund angesprochen werden, wird dies berücksichtigt und gesondert gekennzeichnet.
1.4.2 Problematik arabischer Begrifflichkeit
Aufgrund der Tatsache, dass das arabische Alphabet über einen anderen Zeichensatz verfügt, als die lateinische Schrift ergeben sich bei der Wiedergabe arabischer Namen und Begriffe Probleme bezüglich der Schreibweise (und Aussprache). Anders als bei der einfachen fremdsprachlichen Übersetzung muss hierbei auf die Methodik der Transkription bzw. Umschrift zurückgegriffen werden. Darunter versteht man die „Darstellung bestimmter Termini (bes. Namen) aus einer fremden Schrift mit Hilfe einer Lautschrift oder angepasst an die Ausspracheregeln einer Zielsprache“, wobei jedes Transkriptionssystem auf die Spezifika der jeweiligen Zielsprache abgestimmt werden muss. 22 Diese aussprachebasierte Darstellung des Originalterminus von Sprache mit Hilfe einer phonetisch definierten Lautschrift oder eines anderen Basisalphabetes als Lautschriftersatz erfüllt den Zweck, dass auch ohne Kenntnisse der Ausgangssprache und ihres Schriftsystems eine annähernd korrekte Abbildung und Aussprache des Wortes möglich ist. 23 Da der Begriff gemäß den Lautregeln und dem Klang der Zielsprache übertragen wird, unterscheidet sich die Darstellung eines Wortes des
21 Touma, Habib Hassan: The Music of the Arabs, Amadeus Press, Portland, Oreg., 1996, S. xviii, zit. nach:
Ebenda
22 http://de.wikipedia.org/wiki/Transkription_%28Schreibung%29 (29.07.07)
23 Vgl. Ebenda
13
Arbeit zitieren:
Anna Fritzsche, 2008, Democratic Republic of Al Jazeera? Transnationales Satellitenfernsehen und sein Einfluss auf Demokratisierungsprozesse in der arabischen Welt, München, GRIN Verlag GmbH
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Daughters of Eve: Women's Writing from the German Democratic Republic
Nancy Lukens, Dorothy Rosenberg
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