1. Einleitung
Überall und zu allen Zeiten haben Menschen Mittel gesucht und auch gefunden, um der Wirklichkeit mit ihren Problemen und ihrer gewöhnlichen, langweiligen und routinierten Existenz für kurze Zeit zu entkommen. Doch Ecstasy und viele andere Drogen sind schädlich und der Konsum bringt viele Risiken mit sich. Der Himmel, in den die Drogen ihre Opfer führen, verwandelt sich schnell in eine Hölle von Krankheit und moralischem Zerfall.
In der heutigen Gesellschaft definieren sich die meisten Menschen über ihren Beruf. In dem Seminar „Drogen in der Arbeitswelt" wurde über die Existenz, den Gebrauch und die Wirkung von Drogen im Zusammenhang mit Erfolgsdruck und der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft gesprochen. Der Leistungsdruck durchzieht die meisten Lebensabschnitte eines jeden Menschen. Er beginnt schon in der Schule und endet oft erst mit dem Ausscheiden aus der Arbeitswelt. Um diesem ständigen Leistungsdruck standhalten zu können und nicht unter der Last der leistungsorientierten Gesellschaft zu zerbrechen, greifen viele Menschen zu leistungssteigernden Substanzen oder suchen nach Möglichkeiten nach der Arbeit abschalten zu können.
Diese Hausarbeit untersucht in diesem Kontext, ob die Droge Ecstasy eine Fluchtmöglichkeit aus der heutigen Leistungsgesellschaft darstellt. Um diese Frage zu untersuchen, werden einführend grundlegende Informationen über Ecstasy dargestellt. Anschließend folgt ein geschichtlicher Abriss über die Hauptsubtanz von Ecstasy - Methylendioxy-N-Methamphetamin (MDMA). Es folgt eine Erläuterung über die Wirkungsweise von Ecstasy, die in neurologische Wirkung, physische Wirkung und soziale Wirkung aufgeteilt ist. Im Vordergrund steht hierbei die soziale Wirkung, da diese eine größere Bedeutung für das Hausarbeitsthema spielt. Anschließend wird das soziale und körperliche Risikopotential von Ecstasy untersucht, um später zu erörtern, ob Ecstasy eine Fluchtmöglichkeit aus dem Leistungsdruck darstellt. Im Anschluss folgt ein anonymes Interview, welches vertiefende Einblicke in die Untersuchung schaffen soll. Danach wird der Stellenwert des Berufes bzw. der Arbeit in der heutigen Leistungsgesellschaft betrachtet und in folgende Unterpunkte eingeordnet: Folgen des Leistungsdrucks und Ecstasy als Gegenpol zum Leistungsdruck. Dort wird die Möglichkeit Ecstasy als Fluchtmöglichkeit aus der Leistungsgesellschaft zu
konsumieren vertiefend untersucht und erörtert. Abschließend folgt eine Zusammenfassung, die die Untersuchung des Hausarbeitsthemas resümiert.
2. Was ist Ecstasy
Ecstasy ist heutzutage ein Sammelbegriff für eine chemische Gruppe von psychoaktiven synthetischen Drogen 1 . Die chemische Gruppe der Phenethylamine enthält verschiedene Stoffe, wie zum Beispiel „MDA", „MDMA", „MBDB", „DOM" und weitere; diese Substanzen haben alle einen ähnlichen chemischen Aufbau und eine ähnliche Wirkungsweise. Der klassische Wirkstoff in Ecstasy ist die chemische Substanz 3,4-Methylendioxy-N-Methamphetamin (MDMA). 2 Auf diesen ursprünglichen Inhaltsstoff möchte ich mich in meiner Hausarbeit konzentrieren und andere mögliche Inhaltsstoffe von Ecstasy vernachlässigen. MDMA liegt meist als ein lange haltbares, bitteres, geruchsneutrales, weißes, kristallines Pulver vor. Die Ausgangssubstanzen von MDMA sind Amphetamin und Methamphetamin, die in ihrer chemischen Zusammensetzung modifiziert wurden. Es handelt sich daher bei MDMA nicht um ein Amphetamin, man bezeichnet MDMA stattdessen als Amphetamin-Abkömmling bzw. Amphetaminderivat. 3 Ecstasy wird fälschlicherweise oft den Designerdrogen zugeordnet. Nach der Definition von Gary Henderson sind Designerdrogen „Substanzen, welche psychoaktive Eigenschaften einer Droge enthalten, deren Molekularstruktur jedoch verändert wurde, um strafrechtliche Verfolgung zu umgehen". 4 Bei MDMA handelt es sich jedoch um ein Präparat, dass im Zuge der Medikamentenentwicklung synthetisiert wurde. Ecstasy wirkt psychoaktiv und entaktogen 5 , daher hat es große Bedeutung im sozialen Verhalten von Menschen bzw. der Konsumenten und deren Umfeld. MDMA ist als Ecstasy meist in Tablettenform unter vielen verschiedenen Synonymen, Farben und Formen anzutreffen und wird oral konsumiert. Ecstasy ist heutzutage eine illegale Party-
Definition: Chemisch hergestellte Substanz, die eine Veränderung der Psyche und des Bewussteins von Menschen hervorruft.
Vgl.Walder, P., Amendt, G. Ecstasy & Co. Alles über Partydrogen, S.34.
Vgl. Sauer, O., Weilemann S. Drogen. Eigenschaften-Wirkungen-Intoxikation, S. 52.
Walder, P., Amendt, G. Ecstasy & Co. Alles über Partydrogen, S.35.
Definition: Die Möglichkeit, den inneren Kern seiner selbst zu berühren und sich mit schmerzlichen emotionalen Aspekten auseinanderzusetzen, die sonst nur schwer oder gar nicht
zugänglich sind.
und Spaßdroge, die in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz fällt und nur auf dem Schwarzmarkt zu erwerben ist.
3. Die Geschichte von MDMA
Über die erste Synthese von MDMA gibt es in der Literatur unterschiedliche Angaben. Einige Autoren schreiben dem Pharmaunternehmen E. Merck im Jahre 1912 die erste Synthese von MDMA zu. 6 Wiederum andere Autoren sehen den Chemiker Fritz Haber als Erfinder von MDMA und datieren seine erste Synthese auf das Jahr 1898. 7 Einen Beleg für Habers angebliche erste Synthese von MDMA existiert allerdings nicht. Wissenschaftlich belegt ist dagegen die Patentierung von MDMA durch das Unternehmen Merck im Jahr 1912 beim Kaiserlichen Patentamt. Mögliche Anwendungsbereiche können nicht mehr sicher rekonstruiert werden. Einige Autoren berichten über die Verwendung von MDMA als Appetitzügler, allerdings wurde kein Verwendungszweck bei der Patentierung eingetragen. Es gibt keine Quellen, die die Vermarktung oder die medizinische Nutzung belegen und so verschwand MDMA für einige Jahre von der Bildfläche. Erst durch Experimente der US-Armee Ende der 50er Jahre gewann die Substanz MDMA erneuet an Interesse. Im Zuge des „kalten Krieges" suchte das US-Militär nach einer sogenannten „Wahrheitsdroge" für Verhöre und sah offenbar Potenzial bei psychoaktiven Substanzen. In diesem Rahmen wurden verschiedene experimentelle Tierversuche mit MDMA und anderen Substanzen durchgeführt. Zu wirklicher Beachtung gelangte MDMA erst durch Alexander Shulgin, der im Jahre 1965 das vermeidliche therapeutische Potenzial von MDMA entdeckte. So fand MDMA als „Therapie-Droge" Einzug in einen kleinen Kreis von Therapeuten, der sich stetig erweiterte. „MDMA is penicillin for the soul, and you don't gibe up penicillin, once you've seen what it can do." 8 Dieses Zitat macht deutlich, welche Chancen für die Zukunft in MDMA gesehen wurden. Dies war unter anderem durch die Forschung des Chemikers Nichols zu erklären. Dieser stufte MDMA in eine neue und bis dahin unbekannte Stoffgruppe ein - den Entaktogenen. Nichols beschreibt die Wirkung von Entaktogenen wie folgt:
Rabes, M., Harm, W. XTC und XXL Ecstasy, S. 42.
7 Vgl. Neumeyer, J., Schmidt-Semisch, H. Ecstasy - Design für die Seele, S. 185.
" Neumeyer, J., Schmidt-Semisch, H. Ecstasy - Design für die Seele, S. 33.
Übersetzung: MDMA ist Penicillin für die Seele und man verzichtet nicht auf Penicillin, wenn
man gesehen hat, was es bewirken kann.
„Diese Substanzen wirken so, dass sie es dem Therapeuten bzw. dem Patienten ermöglichen, den inneren Kern seiner selbst zu berühren und sich mit schmerzlichen emotionalen Aspekten auseinanderzusetzen, die sonst nur schwer oder gar nicht zugänglich sind." 9
Ab dem Ende der 70er Jahre entwickelte sich MDMA zum Genussmittel und verbreitete sich schnell als Straßen-, Freizeit- und Tanzdroge von Amerika aus kommend über Europa. Es setzte sich schnell der Name Ecstasy durch und man konnte Ecstasy zwischenzeitlich sogar an Bars mit Kreditkarte käuflich erwerben. Im Jahr 1985 kamen erstmals Diskussionen über den weitverbreiteten Konsum auf. Diese führten in Anlehnung an fragwürdige Begründungen zu einem Verbot von MDMA in den USA. Ein Jahr später folgten viele Länder der internationalen Gemeinschaft und stufte MDMA als illegale Substanz ein. Eine Folge der Einstufung als illegale Droge war die starke Einschränkung der Forschungsmöglichkeiten im Bereich der Psychotherapie. Eine weitere nicht zu unterschätzende Folge war die Entwicklung eines Schwarzmarktes mit ungewisser Qualität der Ecstasy Pillen, der die gesundheitlichen Risiken des Konsums enorm steigerte und die Konsumenten kriminalisierte. 10
4. Wirkungsweise von MDMA beim Menschen
Man sollte die Wirkung der Substanz MDMA auf den menschlichen Organismus in verschiedene Bereiche spezifizieren. Die wichtigsten Bereiche, auf die ich in den Abschnitten 4.1 bis 4.3 eingehen möchte, sind die neurologische Wirkung, die physische Wirkung und die soziale Wirkung. Bei dem oralen Konsum von MDMA dauert es zwischen 20-60 Minuten bis die Substanz in den Blutkreislauf gelangt und sich im Organismus verteilt hat. Von der eingenommenen Menge gelangt nur ein geringer Teil zum Gehirn. Dort setzt als erstes die neurologische Wirkung von MDMA ein; aus dieser resultieren dann die physischen Veränderungen und die sozialen Verhaltensänderungen des Individuums. Die Dauer des bewusstseinsveränderten Zustandes hängt von Faktoren, wie zum Beispiel der Höhe der Dosierung und dem Geschlecht, ab. Man kann die Dauer grob auf 3-6 Stunden eingrenzen.
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Vgl.Walder, P., Amendt, G. Ecstasy & Co. Alles über Partydrogen, S.40 ff.
Arbeit zitieren:
Nessim Krieger, 2009, Ecstasy – Fluchtmöglichkeit aus der heutigen Leistungsgesellschaft in eine Realität ohne Erfolgsdruck?, München, GRIN Verlag GmbH
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