I
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Grundlagen der Soziobiologie 2-10
2.1. Charles Darwins Evolutionstheorie 3
2.1.1. Grundidee 3
2.1.2. Selektion als auslesender Faktor 4
2.1.3. Variation als Grundlage der Veränderlichkeit 4
2.1.4. Evolution als Zusammenspiel von Selektion und
Variation 5
2.1.5. Zusammenfassung 5
2.2. Entstehung der Soziobiologie 6
2.2.1. Kritik an der Soziobiologie 7
2.2.1.1. Sozialdarwinismus 7
2.2.1.2. Rasseneugenik 8
2.2.2. Zusammenfassung 9
3. Sozialdarwinismus im Dritten Reich 10-17
3.1. Rassengesetze als Basis naturhistorischer Entwicklung 11
3.2. Politik im Einklang mit den natürlichen Gesetzen 12
3.2.1. Ehepolitik 13
3.2.2. Erziehung 13
3.2.3. Neugliederung des Volkes 14
3.2.4. Zusammenfassung 14
3.3. Antisemitismus als logische Konsequenz 15
3.3.1. Jüdische Weltherrschaft 15
3.3.2. Juden als Rasse 16
3.3.3. Judentum als Urheber aller bedrohlichen
Prozesse 16
3.4. Zusammenfassung 16
II
4. Soziobiologie als ideologisches Fundament 17-19
4.1. Sozialdarwinismus als ideologische Grundlage 17
4.2. Rechtfertigung von rechtsextremistischen Handlungen 18
4.3. Gleichsetzung von Tier und Mensch 19
5. Zusammenfassung und Ausblick 19-20
6. Literaturverzeichnis 21-22
6.1. Selbständig erschienene Publikationen 21
6.2. Unselbständig erschienene Publikationen, Artikel und
Aufs ätze 22
6.3. Elektronisch erschienene Publikationen, Artikel und
Aufs ätze 22
1
1. Einleitung
Rechtsextremistische Ideologien scheinen aus den Köpfen der Menschen nicht zu vertreiben zu sein. Halbwahrheiten dienen als Bezugspunkt, um die abwegigsten Gedankengänge zu begründen, ja sogar wissenschaftlich beweisen zu wollen. »Ideologien beruhen nämlich oft auf einer realistischen Interpretation von Interpretationen oder Erklärungen, die ihrerseits eine gewisse Distanz zur Realität wahren [... und] sich oft auf eine wissenschaftliche Argumentation stützen«. (Boudon 1988: 17) Als Fundament rechts-, teilweise auch linksextremer Ideologien hat sich dabei der Sozialdarwinismus erwiesen. »Die zentralen Elemente des Sozialdarwinismus: „Kampf ums Dasein“ als Grundbedingung auch der menschlichen Existenz, Unterordnung („Gefolgschaft“) unter den Stärkeren (den „Führer“) als vermeintliche Notwendigkeit in diesem Kampf, Solidarität mit der imaginierten Verwandtschaft („Volk“ oder „Rasse“) scheinen in Teilen der Gesellschaft wieder einmal Glauben zu finden.« (Eckert 2001) Dies liegt nicht zuletzt daran, daß die Soziobiologie, die auf den gleichen Prämissen begründet ist, wie der Sozialdarwinismus, immer stärker (in den Medien) vertreten ist. Werden die Gründe für Fremdenfeindlichkeit thematisiert, so »werden dann auch gerne soziobiologische „Erkenntnisse“ vorgetragen, mit denen die Argumentation ihre wissenschaftlichen Weihen erhalten soll. Wichtig an solchen soziobiologischen Ausführungen ist, daß sie sich durchaus an den „normalen“ Medien-Diskurs anschließen lassen«. (Jäger/Jäger 1999)
Rechtsextremistische Ideologien betonen dabei scheinbar biologische Tatsachen wie das natürliche „Recht des Stärkeren“, die Behauptung „natürlicher“ Hierarchien und die Unterscheidung von „lebenswertem und lebensunwertem Leben“, wenn fremdenfeindliches Verhalten gerechtfertigt werden soll - denn man kann ja auch »nicht bestreiten, daß eine grundsätzliche Skepsis allem in irgendeiner Form Fremdartigen oder fremdartig Anmutenden gegenüber beim Menschen vorliegt und daß diese Skepsis durchaus auf lebenserhaltende Funktionen zurückgeführt werden kann.« (Wuketits 1990: 73) Dennoch muß sich die Soziobiologie dann der Kritik
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stellen, ein ideologisches Fundament, wenn auch nur in Ansätzen und Teilaspekten, zu begründen.
In der vorliegenden Arbeit soll deshalb in einem ersten Schritt versucht werden, die Grundlagen der Soziobiologie auf der Basis der Evolutions-theorie nach Charles Darwin herauszuarbeiten. Nach der kritischen Betrachtung, die im Sozialdarwinismus und dessen Auswirkungen im Dritten Reich begründet ist, kann so die Frage gestellt werden, ob die Soziobiologie ein ideologisches Fundament rechtsextremistischen Denkens bildet und wenn ja, welche Konsequenzen sie als Wissenschaft daraus ziehen sollte.
2. Grundlagen der Soziobiologie
Die Erkenntnis, daß sich menschliches Sozialverhalten nicht nur mit Hilfe kulturwissenschaftlicher oder soziologischer Theorien erklären läßt, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker durchgesetzt. Vor allem in den Vereinigten Staaten von Amerika hat sich in den Sozialwissenschaften die Disziplin der Soziobiologie etabliert, deren Anspruch es ist, Sozialverhalten durch die Unterstützung von evolutionstheoretischen und biologischen Aspekten systematisch zu untersuchen und zu erläutern. »Soziobiologie ist die Wissenschaft von der biologischen Angepaßtheit des tierlichen und menschlichen Sozialverhaltens. Weil Sozialverhalten eine ganz wesentliche Rolle in den Selbsterhaltungs- und Fortpflanzungsbemühungen der Organismen spielt, unterliegt es der formenden und optimierenden Kraft der evolutionsbiologischen Vorgänge.« (Voland 1993: 1; Hervorhebung Voland)
Unter Zuhilfenahme der Soziobiologie kann demnach die Frage diskutiert werden, warum sich das Vermehrungs- (und Vernichtungs-)bestreben aller lebenden Individuen gerade in den jeweils vorgefundenen und nicht in anderen (sozialen) Verhaltensäußerungen niederschlägt. Dann aber erhält sie auch eine historische Dimension: Wenn die kausalen Faktoren menschlicher Verhaltensorganisation so erklärt und verstanden werden können, beschreibt sie „Selbsterhaltung“ und „Vermehrung“ als Lebensin-
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teressen durch die gesamte Evolution hindurch. Vielfältige Phänomene der menschlichen Daseinsbewältigung und Kulturgeschichte könnten so vor dem Hintergrund biologischer Funktionalität begriffen werden. In ihrem theoretischen Kern wird sie vom Darwinistischen Paradigma getragen, das im folgenden dargestellt werden soll.
2.1. Charles Darwins Evolutionstheorie
»Noch im 18. Jahrhundert war man davon überzeugt, daß alle Tier- und Pflanzenarten unverändert fortbestehen, wie sie einst entstanden sind.« (Miram/Scharf 1981: 302) Bis ins späte 19. Jahrhundert hatte sich diese Denkweise verändert: Man ging davon aus, daß der Entwicklungsprozeß jedes organischen Lebens einer stetigen Entwicklung und Veränderung unterworfen sei. Darüber hinaus diene er einem bestimmten Zweck und sei von einer höheren Instanz vorgegeben. Dieser teleologischen Sichtweise setzte Charles Darwin 1859 mit seinem Werk On the Origin of Species erstmals ein mechanisches Naturprinzip der Evolution entgegen.
2.1.1. Grundidee
»Darwin ging von der Beobachtung aus, daß die einzelnen Arten viel mehr Nachkommen hervorbringen, als schließlich überleben. Individuen der gleichen Art zeigen - wie die Nachkommen eines Elternpaares - individuelle Unterschiede in bezug auf die meisten Merkmale.« (Hoff/Miram 1987: 22) Da die Populationen über Generationen hinweg relativ konstant bleiben, muß es zum einen eine hohe Sterblichkeit geben; zudem gleichen sich die Individuen einer Art nicht völlig, sondern sind mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgeprägt. Aus diesen Voraussetzungen ergibt sich, daß sich alle Lebewesen im stetigen Kampf um die Sicherung ihrer Existenz befinden, der durch die Knappheit natürlicher Ressourcen - wie etwa Nahrung, Lebensraum oder Geschlechtspartner - bedingt ist. Diesen „Kampf ums Dasein“ (Struggle for Existence) überleben nur die am besten angepaßten Organismen. 1
1 Darwin selbst hatte dabei nicht die Absicht, seine biologischen Kenntnisse auf ein
anderes Gebiet als das der Biologie anzuwenden; er nahm bei seiner Vorstellung
vom Existenzkampf die Übervölkerungsthese des Nationalökonomen Thomas Ro-
4
2.1.2. Selektion als auslesender Faktor
Beim Kampf ums Dasein im darwinistischen Sinn geht es dabei jedoch nicht ausschließlich um das eigene Überleben, sondern vielmehr um das Überleben der eigenen Art. 2 »Für Darwin waren [...] die erblichen Unterschiede besonders wichtig. Ändern sich in einem Gebiet z.B. die Umweltbedingungen derart, daß durch Klimaveränderungen für lange Zeit im Jahr Schnee liegt, so sind unter den dort lebenden Hasen diejenigen, die zufällig ein helleres Fell ererbt haben, vor ihren Feinden besser geschützt als die dunkleren Individuen. [...] Sie werden sich auch entsprechend stärker vermehren. Dabei geben sie das vorteilhafte Merkmal an ihre Nachkommen weiter. Tritt unter diesen nun erneut ein noch helleres Individuum auf, so wird es erneut „bevorzugt“.« (Hoff/Miram 1987: 22) Individuen, die sich nicht ausreichend an ihre Umwelt angepaßt haben, werden selektiert und geraten in den Mechanismus der „natürlichen Selektion“ - und werden somit aus der Gesamtheit der Natur entfernt.
Die natürliche Selektion bewertet innerhalb einer Art die von den Individuen verfolgten Lösungen für die biologischen Grundprobleme von Selbsterhaltung und Reproduktion nach Maßgabe ihrer jeweiligen Effizienz. Es gehört gerade zu den Eigenschaften der biologischen Evolution, daß sich die genetischen Programme der Organismen in dem gleichen Maße in einer Population ausbreiten, wie sie zur erfolgreichen Fortpflanzung beitragen. Auf diese Weise hinterlassen die biologisch erfolgreicheren Individuen mehr Nachkommen, so daß auch deren genetische Programme in der Population zunehmen.
2.1.3. Variation als Grundlage der Veränderlichkeit
Ohne den Mechanismus der Vererbung zu kennen - Johann Gregor Mendel hat seine Versuche über Pflanzenhybriden erst 1865 veröffentlicht 3 ,
bert Malthus an, nach welcher jede Bevölkerung dazu tendiere, sich ungeachtet der
Begrenztheit der ihr zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel zu vermehren. (vgl.
Marten 1983: 69ff.)
2 So schreibt Darwin: »I should premise that I use the term Struggle for Existence in a
large and metaphorical sense, including dependence of one being on another, and
including (which is more important) not only the life of the individual, but success in
leaving progeny.« (Darwin 1859)
3 Vgl. Hoff/Miram 1987: 26.
5
die Entdeckung der DNA als molekulare Grundlage der Vererbung fand erst durch James Watson und Francis Crick im Jahr 1953 statt 4 - ging Darwin außerdem davon aus, daß die Variation der Arten für die Evolution von Bedeutung sei. Wenn zwei Individuen einer Art Nachkommen hinterlassen, werden bei diesen wieder einige dieser Merkmale vorhanden sein; allerdings in einer neuen Kombination zusammengesetzt. Bei der immer wieder stattfindenden Kombination der Merkmale kann es zur Entstehung von Neuem, zur Mutation, kommen.
Damit ist sichergestellt, daß es eine hinreichend große Zahl an Erschei-nungsformen innerhalb einer Art gibt, was es ihr zumindest ermöglicht, sich (langfristig) auf die Änderung externer Einflüsse einzustellen. Jedes neue Individuum tritt nun wieder in den Existenzkampf ein und wird von der Natur dahingehend „beurteilt“, wie gut es sich an seine Umweltbedingungen anpassen kann. Es setzt abermals der Prozeß der natürlichen Auslese ein, der darüber entscheidet, ob das Individuum - und damit langfristig die Art - überleben kann.
2.1.4. Evolution als Zusammenspiel von Selektion und Variation Die Determinanten der darwinistischen Evolutionstheorie sind folglich Variation und Selektion: Die Variation ist dabei dem Zufall überlassen, da die Eltern auf die Weitergabe bestimmter Merkmale keinen Einfluß haben. Die Selektion hingegen ist nicht zufällig, sondern durch die jeweils herrschenden Umweltbedingungen gegeben. Dieser Mechanismus führt über sehr lange Zeiträume zur Verschiebung in der Verteilung der Arten und schließlich zum Entstehen neuer Individuen sowie zum totalen Verschwinden schlecht angepaßter Typen. Das Überleben eines jeden I ndividuums hängt von seiner Tauglichkeit ab, sich auf diese Bedingungen einzustellen und sich erfolgreich zu reproduzieren.
2.1.5. Zusammenfassung
Auch wenn für Darwin viele Fragen offenblieben - er konnte zwar wohl feststellen, daß die Arten sich durch die natürliche Selektion der am bes- 4 Vgl. von Sengbusch 1999.
Arbeit zitieren:
Stefan Proksch, 2001, Soziobiologie - ein ideologisches Fundament?, München, GRIN Verlag GmbH
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