Einleitung
Gruppenarbeit wurde in meiner Schulzeit relativ häufig eingesetzt, doch hatte man nicht selten das Gefühl, kein sinnvolles Arbeiten als Ergebnis dieser Sozialform zu beobachten. Oft wurden einfach die Aufgaben in der Gruppe verteilt und wenn möglich zu Hause in Einzelarbeit erledigt, um sie dann zusammen in der nächsten Stunde zu präsentieren. In diesem Zusammenhang möchte ich der Frage auf den Grund gehen: Welche Vor- beziehungsweise Nachteile bergen Gruppenarbeiten in sich? Dabei möchte ich des Weiteren erörtern, wann es sinnvoll ist Gruppenunterricht anzuwenden und welche Voraussetzungen dafür hergestellt sein müssen. Wie wird es möglich aus Schülern ein wirkliches Team zu formen, in welcher sich Solidarität und damit die Chance auf tolle Ergebnisse entwickeln? Für mich selbst ist die Thematik deshalb besonders interessant, weil ich relativ häufig Gruppenarbeit miterlebte, aber nur geringfügig die besonderen Leistungen beobachtete, die diese Sozialform verspricht. Grob gegliedert möchte ich mich kurz damit beschäftigen, was Gruppenunterricht meint, anschließend die Funktionen desselben erörtern und mich danach mit der zentralen Frage, den Vor- und Nachteilen, auseinandersetzen.
Meinem Kommentar liegen im Wesentlichen die Publikation von Hilbert Meyer „Unterrichtsmethoden. II: Praxisband“ (2005) und der Aufsatz Herbert Gudjons „Gruppenunterricht. Eine Einführung in Grundfragen“ (2003) zugrunde.
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Hauptteil
Um den Untersuchungsgegenstand einzugrenzen, möchte ich zuerst die Definition Meyers von Gruppenunterricht anführen. Demnach ist „Gruppenunterricht […] eine Sozialform des Unterrichts, bei der durch die zeitlich begrenzte Teilung des Klassenverbandes in mehrere Abteilungen arbeitsfähige Kleingruppen entstehen, die gemeinsam an der von dem Lehrer, der Lehrerin gestellten oder selbst erarbeiteten Themenstellung arbeiten und deren Arbeitsergebnisse in späteren Unterrichtsphasen für den Klassenverband nutzbar gemacht werden können. Gruppenarbeit ist die in dieser Sozialform von den Schüler/innen und dem Lehrer, der Lehrerin geleistete zielgerichtete Arbeit, soziale Interaktion und sprachliche Verständigung“ (Meyer 2005, S.242).
Mittels dieser Sozialform werden vor allen Dingen Integration und Verhalten in Teams trainiert, die Fähigkeit Konflikte auszutragen und dem Schüler die Möglichkeit gegeben sich eigener Interessen bewusst zu werden, diese zu formulieren und zu verteidigen. Dabei muss die Aufgabenstellung so formuliert werden, dass Zusammenarbeit benötigt wird und die Schüler nicht bloß in einem Verband zusammen sitzen, aber der Lernprozess nur bei jedem in Einzelarbeit erfolgt. Gudjons spricht in diesem Zusammenhang von Gruppenaktivitäten statt Gruppenunterricht (vgl. 2003, S.11). Meyer fasst die Erfahrungen, die bei den Interaktionen sowohl innerhalb der Gruppe als auch zwischen Lehrkraft und Gruppe gemacht werden, als soziales Lernen zusammen (vgl. 2005, S.241).
Die Kompromisse, die Schüler in einer Teamarbeit herausarbeiten müssen, aber auch die gemeinsame Verfolgung eines Ziels, überwiegend mittels des Mediums Sprache, führen zu einem lebenswichtigen Verständnis von Kommunikation. Gruppenarbeiten bauen dabei darauf auf, die besonderen sozialen Leistungen einer Gruppe mit Lerninhalten zu verbinden. Mit anderen zusammen wird es leichter oder erst möglich bestimmt Dinge zu verstehen oder durchzuführen, man arbeitet auf Grundlage ähnlicher Werte und wird sensibel für den Anderen und sich selbst. Dabei wird das Ziel, den Schüler zur Mündigkeit, zu erziehen maßgeblich unterstützt. In einem Team lernt man sich selbst zu repräsentieren, eigenverantwortlich zu handeln und auf unerwartete Erwartungen und Situationen zu reagieren. Diese Merkmale einer sozialen Gruppierung
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sind aber nur partiell auf die einfache Zusammenstellung von Kindern innerhalb einer Schulklasse anwendbar, da die Schüler nicht immer freiwillig eine Gemeinschaft bilden und die Zeit, welche nötig wäre um ein Team einzuarbeiten, meistens fehlt. Des Weiteren muss häufig die Konstellation der Teilnehmer geändert werden, bei welcher einerseits Freundeskreise bedacht, anderseits die Balance zwischen stärkeren und schwächeren Schülern nicht außer Acht gelassen werden darf. Trotz dieser Einschränkungen scheint der Gruppenunterricht mit den reinen sozialen Vorteilen der Gruppe dem Frontalunterricht in seiner Effizienz überlegen zu sein. Wie ist es dann aber möglich, dass dieses Konzept in meiner Schulausbildung und in den beobachteten Situationen während des Grundpraktikums meistens nicht funktionierte? Nach Meyer liegt das Problem oder besser der Erfolg des Gruppenunterrichts im „planvollen Wechsel der Symbolisierungsformen (und dem sich dabei von selbst einstellenden Wechsel der Handlungsmuster)“ (Meyer 2005, S. 247). Er schlägt also vor, im Gruppenunterricht andere Handlungsmuster als im Frontalunterricht anzuwenden. Bisweilen sogar in den eingeteilten Gruppen einer einzelnen Gruppenarbeit Verschiedene. Diese Überlegung ist für mich einerseits schlüssig, andererseits kritisch zu hinterfragen. Bei der Recherche zum Thema wurde in Rezensionen oftmals kritisiert, dass sich dieses Konzept von unterschiedlichen Handlungsmustern in unterschiedlichen Gruppen zwar für „Showstunden“ eignen würde, aber für die Realität im Unterricht nur mit Vorsicht zu genießen sei. Denn solche Gruppenarbeiten widersprechen dem institutionellen Rahmen, welchen die Schule vorschreibt. Einerseits wäre es toll, Schülern so viel Freiheit entgegen zu bringen, andererseits entsteht das Risiko, dass Schüler völlig Unterschiedliches lernen, was aber den Anforderungen von Überprüfungen nicht genügt.
Trotz dessen scheint die Empfehlung von „außergewöhnlichen“ Handlungsmustern für die Teamarbeit nötig, um dem Problem des Desinteresses von Schülern zu begegnen. Aufbauend auf diesem Verständnis von Gruppenunterricht möchte ich nun auf die sich daraus ergebenden Vor- und Nachteile eingehen. Viele der positiven Effekte ergeben sich schon allein aus der Gruppe heraus, ohne die besondere Lernsituation. Das Team ermöglicht es ein Zusammengehörigkeitsgefühl aufzubauen, außerdem bietet es einen geschützten Raum um, zu Anfang auch falsche Aussagen zu treffen ohne sich vor der Klasse zu blamieren. In der Situation der Gruppenarbeit werden die Lernenden
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Arbeit zitieren:
Christian Hochmuth, 2009, Welche Vor- beziehungsweise Nachteile bergen Gruppenarbeiten in sich?, München, GRIN Verlag GmbH
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