Zu Beginn dieser Rezension möchte ich die beiden Autoren des Textes kurz vorstellen. Timo Ehmke studierte Mathematik und Technik auf Lehramt an den Universitäten Flensburg und Kiel. Er schloss mit dem ersten Staatsexamen ab und promovierte 2001 an der Universität Flensburg. Aktuell arbeitet er am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel, wo er 2007 seine Habilitation in Pädagogik und Empirische Bildungsforschung erlangte. Einige momentane Forschungsschwerpunkte sind die Mathematikkompetenz von Erwachsenen im Speziellen, aber auch die Entwicklung derselben über die gesamte Lebensspanne hinweg und die soziale Herkunft im Rahmen der PISA Studie 2003 und 2006. Jürgen Baumert ist als Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin beschäftigt. Außerdem hat er aktuell die Vizepräsidentschaft der Max-Planck-Gesellschaft inne. Er studierte Klassische Philologie, Philosophie und Sport. Danach folgte die Promotion in Klassischer Philologie und Philosophie an der Universität Tübingen 1968. Er studierte außerdem Psychologie und Erziehungswissenschaften und erlangte die Habilitation in Erziehungswissenschaft 1982 an der Freien Universität Berlin. Desweiteren lehrt er als apl. Professor für Erziehungswissenschaft an der FU Berlin und als Honorarprofessor für Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsinteressen betreffen die Bereiche Lehr-/Lernforschung, Kognitive und motivationale Entwicklung im Jugendalter, Internationaler Leistungsvergleich und Entwicklung von Bildungssystemen. Der vorliegende Text ist Bestandteil der Ergebnisse der PISA Studie 2006. Die Autoren greifen somit auch auf die entsprechende Stichprobe der Untersuchung zu. Das Thema des Abschnittes ist der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenzerwerb der befragten Jugendlichen in den unterschiedlichen Ländern. Es wird die Frage gestellt, inwieweit Bildungssysteme Schülern, unabhängig von deren sozialem Hintergrund, gleiche Chancen zum Kompetenzerwerb anbieten. Die Verfasser des Textes verweisen zunächst auf die PISA Studien von 2000 und 2003, in welchen man herausfand, dass diese Unabhängigkeit in Deutschland nur begrenzt vorhanden ist und die soziale Herkunft einen entscheidenden Faktor für die Kompetenz der Lernenden darstellt. Andere Untersuchungen, die sich besonders auf die Bildungsbeteiligungen konzentrierten, belegen zwar eine Lockerung dieses
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Zusammenhangs, weisen aber auch auf weiterhin bestehende Chancenungleichheit bei höheren Bildungseinrichtungen hin.
Deshalb stellen die Autoren zu Anfang die These, dass sich die sozialen Disparitäten im Kompetenzerwerb und in der Bildungsbeteiligung nicht verändert haben. Um diese Vermutung zu untersuchen, geht man auf vier Fragestellungen ein. Zunächst wird ermittelt, wie stark der sozioökonomische Status an die naturwissenschaftliche Kompetenz in den OECD-Ländern gekoppelt ist und in welchem Maße sich dies im Vergleich zu den beiden vorherigen Studien verändert hat. Danach folgt nur für Deutschland die Analyse, inwieweit sich der Zusammenhang zwischen sozialschichtspezifischen Disparitäten zu einerseits den Kompetenzen, andererseits der Bildungsbeteiligung verändert hat.
Im Weiteren erläutert der Text die für die Untersuchung genutzten Messinstrumente. Um den sozioökonomischen Status zu beschreiben verwendet man ISEI-Werte (International Socio-Economic Index of Occupational Status). Aufgrund der Berufe der Eltern, die zu einem gewissen Maß auf Bildung und Einkommen einer Person schließen lassen, werden Ranglisten entworfen. Außerdem benutzt man die EGP-Klassifikation, bei welcher der Blickwinkel eher auf qualitative Werte gelegt und somit ein 6-Klassen-Modell für die Berufsrichtungen erstellt wird.
Die erste Frage, nach der Kopplung zwischen sozioökonomischen Status und naturwissenschaftlicher Kompetenz wird mit Hilfe des sozialen Gradienten untersucht. Dabei handelt es sich um eine Geradengleichung, die an die mittleren Kompetenzwerte der Schüler, bezogen auf die ISEI-Werte derer Eltern, angenähert wird. Eine positive Steigung der Geraden bedeutet, dass Lernende mit besserem sozialem Hintergrund öfter ein höheres Kompetenzniveau erreichen als jene, denen in diesem Bereich Mittel fehlen. Solch eine positive Steigung beobachten die Autoren in allen OECD-Staaten. Jedoch gibt es auch Schüler mit hoher Kompetenz, deren Eltern niedrige ISEI-Werte aufweisen und umgekehrt. Der Zusammenhang der Werte unterscheidet sich aber länderspezifisch. Finnland hat einen sehr niedrigen Anstieg der Geraden, während Deutschlands Gradient im Vergleich dazu eine starke Steigung zeigt. Allgemein stellen die beiden Autoren fest, dass sich die Untersuchungsländer in den Kompetenzen weniger unterscheiden, wenn man sich die Schüler mit Eltern mit hohem sozioökonomischem Status anschaut, als betrachtet man jene mit niedrigem Wert. Um den Vorhersagefehlern vorzubeugen, die
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mittels der Gerade entstehen können, wird ein zweiter Wert eingeführt: das Maß der aufgeklärten Varianz. Diese Norm gibt an, wie genau es möglich ist, mit einem Einflussfaktor von Mehreren ein Ereignis vorauszusagen. Ein hoher Wert bedeutet dann, dass man mittels der sozialen Herkunft die Kompetenz gut vorhersagen kann. Finnland besitzt hierbei wiederum ein hohes Kompetenzniveau in Verbindung mit einer geringen Varianzaufklärung. Deutschland hat ein hohes Kompetenzniveau inne, allerdings auch einen hohen Wert für die Vorhersage. Insgesamt stellen die Autoren klar, dass „[g]erade in Staaten, in denen der sozioökonomische Status einen unterdurchschnittlichen Vorhersagewert für die Kompetenz hat (…), Jugendliche ein hohes Kompetenzniveau [erreichen]“ (Ehmke; Baumert 2007b, S.322). Um die Veränderungen dieser Kopplung in den Ländern zu untersuchen, werten die Verfasser die Kernwerte der sozialen Gradienten zu den unterschiedlichen Messzeitpunkten aus. Dabei stellen sie fest, dass besonders in Deutschland die Werte, sowohl für die Steigung des Gradienten, als auch für die Varianzaufklärung in Bezug auf die Lesekompetenz, deutlich gesunken sind und zeigen somit in eine positive Richtung. Die Tendenz lässt sich allerdings bei der gleichen Untersuchung in den Bereichen mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenz nicht wiederfinden. Für die dritte Frage nach den Veränderungen der Kompetenzen von Jugendlichen aus unterschiedlichen Sozialschichten in Deutschland, benutzt man das EGP-Modell, um die Klassen zu definieren. „Die EGP-Klassifikation ordnet die Berufe nach der Art der Tätigkeit (manuell, nicht-manuell, landwirtschaftlich), der Stellung im Beruf (selbstständig, abhängig beschäftigt), der Weisungsbefugnis (keine, geringe, große) und den erforderlichen Qualifikationen (keine, niedrige, hohe)“ (Ehmke; Baumert 2007b, S.312). Die Autoren errechnen für den Untersuchungszeitraum einen deutlichen Anstieg der mittleren Lesekompetenzwerte der untersten sozialen Schicht. Sie machen insgesamt eine leicht positive Tendenz für den Abbau von zu niedrigen Lesefähigkeiten aus.
Um eine Veränderung der Bildungsbeteiligung ins Licht zu rücken, erläutern die beiden Autoren die Teilnehmerwerte der EGP-Klassen an den unterschiedlichen Schulen für das Jahr 2000 und 2006. Dem voran stellen sie eine kurze Erläuterung der Entstehung von primären und sekundären Bildungsungleichheiten, die durch die Bildungsexpansion zwar nicht auffallend verringert, aber dennoch gelockert wurden. Außerdem weisen sie
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Arbeit zitieren:
Christian Hochmuth, 2009, Bildung und soziale Ungleichheit, München, GRIN Verlag GmbH
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