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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Gemeinwesenarbeit in der pluralen Gesellschaft. 5
2.1. Grundlagen der Gemeinwesenarbeit 5
2.1.1. Gemeinwesen 5
2.1.2. Gemeinwesenorientierung. 6
2.1.3. Gemeinwesenarbeit 6
2.2. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen 8
3. Interreligiöser Dialog 10
3.1. Klärung des Grundbegriffs. 10
3.2. Beziehungsmodell der Religionen 11
3.3. Toleranzkonzeption für den interreligiösen Dialog 12
3.4. Ebenen des interreligiösen Dialogs 13
4. Gemeinwesenarbeit und interreligiöser Dialog in der Praxis 15
4.1. Grundsätzliche Chancen und Grenzen 16
4.2. Ansatzpunkte in der Praxis. 18
5. Persönliche Stellungnahme. 22
Quellenverzeichnis 26
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1. Einleitung
Die Bundesrepublik Deutschland ist aus ökonomischen, demographischen und humanitären Gründen seit den 1960er Jahren de facto zu einem Einwanderungsland geworden (Geißler 2006: S. 237). Diesem Umstand Rechnung tragend, lebt heute in Deutschland eine Vielzahl von Menschen aus den verschiedensten Ländern der Welt. Diese zunehmende Pluralisierung fällt dabei vor allem in westdeutschen Großstädten auf, in denen Personen und Familien mit den verschiedensten religiösen, ethnischen und kulturellen Hintergründen Tür an Tür im selben Gemeinwesen wohnen. Das Aufeinandertreffen verschiedener Ethnien im Gemeinwesen erfordert die wechselseitige Auseinandersetzung mit den jeweiligen Kulturen und Religionen sowohl der Einwanderer 1 als auch der Aufnahmegesellschaft, da die Formierung einer für alle Beteiligten funktionierenden multikulturellen Gesellschaft in der BRD einen gelingenden Umgang mit Fremdem zur Grundlage haben muss. In diesem Sinne konstatiert auch Rickert (zitiert nach Leimgruber 2007): „Die humane Orientierung dieser Gesellschaft wird entscheidend davon abhängen, ob es gelingt, Verständnis für die Fremdheit der Fremden aufzubringen, für deren Anderssein und deren religiöses Empfinden“ (Rickert zitiert nach ebd.: S. 82). Die hieraus folgende Verständigung ist - neben der Verständigung auf politisch-rechtlicher bzw. sozialstaatlicher Ebene - vor allem auf der Ebene von Individuen und Gruppen zwischen Menschen notwendig, die im Gemeinwesen Alltagsrealitäten teilen. Somit muss auch eine im Gemeinwesen tätige Soziale Arbeit - die Gemeinwesenarbeit - Aspekte der Multikulturalität und Multireligiosität nicht nur beachten, sondern einen aktiven Beitrag zur interkulturellen und interreligiösen Verständigung leisten. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung muss vor allem dem Aspekt der Religion eine besondere Beachtung zukommen, da Konflikte - vor allem im Bezug auf den Islam - häufig als aufgrund religiöser Prägungen und Differenzen entstanden betrachtet werden. Als zweite Aufgabenstellung fordert dieser Umstand von der sozialarbeiterischen Gemeinwesenarbeit über interreligiöse Dialoge Prozesse zu initiieren, die sowohl Migranten als auch Einheimischen einen Zugang zu religiösem Fremdverstehen eröffnen, Annäherungen erlauben und Verständigung sowie gemeinsames Handeln im Gemeinwesen befördern. Diesen beiden eben skizzierten Anforderungen an die Gemeinwesenarbeit folgend, ist es Anliegen vorliegender Arbeit, theoretische Hintergründe der Gemeinwesenarbeit und des
1 Aus praktischen Gründen wird in dieser Arbeit die männliche Schreibweise benutzt. Die Meinung, die männliche Schreibeweise würde eine „[…] patriarchale Definitionsmacht und männliche Dominanz gegenüber Frauen mittels Sprache […]“ (Pankofer zitiert nach Klug 2003: S. 7) zum Ausdruck bringen, teile ich nicht. Selbstverständlich sind beide Geschlechter gleichermaßen gemeint
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interreligiösen Dialogs in der multireligiösen Gesellschaft zu skizzieren sowie Chancen und Grenzen als auch konkrete Ansatzpunkte für den interreligiösen Dialog in der sozialarbeiterischen Gemeinwesenarbeit aufzuzeigen.
Diesem Anliegen gemäß, werden im zweiten Kapitel dieser Arbeit zunächst die Grundlagen der Gemeinwesenarbeit dargestellt (Kapitel 2.1.), um anschließend gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu skizzieren, denen Gemeinwesenarbeit unterworfen ist (Kapitel 2.2.). Im dritten Kapitel wird in einem ersten Schritt der Grundbegriff des interreligiösen Dialogs geklärt (Kapitel 3.1.), um anschließend das hierfür maßgebliche Beziehungsmodell der Religionen (Kapitel 3.2.) sowie die zugrunde liegende Toleranzkonzeption darzustellen (Kapitel 3.3.). Abschließend werden die verschiedenen Ebenen des interreligiösen Dialogs aufgezeigt (Kapitel 3.4.).
Kapitel vier dient der Untersuchung praktischer Implikationen. Hierfür werden zunächst grundsätzliche Chancen und Grenzen des interreligiösen Dialogs im Gemeinwesen diskutiert (Kapitel 4.1.) und anschließend Ansatzpunkte für die Praxis des interreligiösen Dialogs in der Gemeinwesenarbeit herausgearbeitet (Kapitel 4.2.).
Das abschließende fünfte Kapitel dient einer persönlichen Stellungnahme des Autors über die Thematik vorliegender Arbeit.
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2. Gemeinwesenarbeit in der pluralen Gesellschaft
Im Rahmen des vorliegenden zweiten Kapitels wird zunächst die Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip in ihren Grundzügen beschrieben (Kapitel 2.1.), um daraufhin die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen sich Gemeinwesenarbeit vollzieht, sowie daran anknüpfende Imperative zu skizzieren (Kapitel 2.2.).
2.1. Grundlagen der Gemeinwesenarbeit
Um darzustellen was Gemeinwesenarbeit ist, erweist es sich als notwendig in einem ersten Schritt die Begrifflichkeiten des Gemeinwesens (Kapitel 2.1.1) sowie der Gemeinwesenorientierung zu klären (Kapitel 2.2.2), um anschließend die Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip der Sozialen Arbeit vorzustellen zu können (Kapitel 2.2.3.).
2.1.1. Gemeinwesen 2
Prinzipiell meint Gemeinwesen „[…] den Sozialraum, der die Perspektive auf ein bestimmtes Umfeld eröffnet, in dem Menschen sich begegnen, lernen, sich sozialisieren, in dem sie ihre alltäglichen Erfahrungen machen und das geprägt ist von unterschiedlichen Lebenslagen“ (Spenn et al 2008: S. 21). Dieser Sozialraum muss dabei als sozialer Nahraum in einem kommunalen Zusammenhang betrachtet werden, in dem unterschiedliche Akteure wie Privatpersonen und Familien, Institutionen, Organisationen und Unternehmen in gegenseitiger Transaktion wirken. Interaktionsbezüge können dabei in Form von Handlungen und Kommunikation zwischen einzelnen Akteuren auf der Individualebene, zwischen verschiedenen sozialen Systemen - wie beispielsweise Vereinen oder Kirchen - auf der Gruppenebene, in der Verbindung verschiedener Gruppen und Akteure auf der Netzwerkebene sowie zwischen den verschiedenen Ebenen bestehen (ebd.: S. 21). Dem Gemeinwesenbegriff zufolge werden die unterschiedlichen Akteure in ihrer Einbettung in einen größeren (Umwelt-) Zusammenhang - das Gemeinwesen - und in die dort vorzufindenden Strukturen und Potenziale gesehen.
2 Wenn im weiteren Verlauf dieser Arbeit von sozialem Nahraum, Sozialraum, Quartier, Stadtteil oder Ähnlichem gesprochen wird sind diese Begriffe stets synonym zu der im Rahmen dieses Unterkapitels entfalteten Definition von Gemeinwesen zu verstehen.
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2.1.2. Gemeinwesenorientierung
Der an das Gemeinwesen anschließende Begriff der Gemeinwesenorientierung bezieht sich auf die Akteure innerhalb eines Gemeinwesens und bezeichnet die Offenheit und das grundsätzliche Bemühen:
„[…] die eigenen Potenziale und das eigene Handeln in Bezug zu setzen zu den Potenzialen und zum Handeln anderer Akteure im gesellschaftlichen Umfeld. Wichtig dabei ist eine grundsätzliche Bereitschaft, die eigenen Aktivitäten in zusammenhängender Perspektive mit anderen Akteuren zu sehen, sich zu vernetzen und zu kooperieren und sich dabei an Ressourcen zu orientieren mit dem Ziel der Erschließung gemeinsamer Potenziale zur Schaffung eines Mehrwerts für das Gemeinwesen“ (Spenn et al 2008: S. 7).
Dieser Definition folgend, beschreibt Gemeinwesenorientierung eine Haltung der gewinnbringenden Kooperation und Transaktion von Akteuren im Gemeinwesen zum Wohle des sozialen Nahraums und der hierin lebenden Menschen sowie zur Gestaltung des lokalen (Wohn-) Umfeldes unter gegenseitiger Berücksichtigung der Lebenswelten und Interessen der verschiedenen Angehörigen des Gemeinwesens.
2.1.3. Gemeinwesenarbeit 3
Gemeinwesenarbeit beschreibt ein grundlegendes Arbeitsprinzip der Sozialen Arbeit, dem eine strikte Gemeinwesenorientierung als Haltung und die These zugrunde liegt, „[…] dass individuelle soziale Problemlagen von Menschen oft einen strukturellen Hintergrund im gesellschaftlichen Kontext haben und mit entsprechenden Rahmenbedingungen etwa im lokalen Lebensumfeld zusammenhängen“ (Spenn et al 2005: S. 7). Dementsprechend liegt der Fokus der Gemeinwesenarbeit auf der Verbesserung der Lebenslagen im sozialen Nahraum durch Strukturveränderungen, Etablierung sozialer Netzwerke, Verbesserung materieller und sozialer Infrastruktur sowie der Förderung von Selbstorganisation. Gemeinwesenarbeit nimmt also keine individualisierende sondern eine gesellschaftliche Sichtweise ein, nach der von Ressourcen im Gemeinwesen ausgegangen wird und Menschen sowie sonstige Akteure in ihren Lebenswelten aktiviert, ermutigt und befähigt werden sollen, gemeinsame Probleme zu erkennen und deren Lösung selbsttätig und öffentlich anzugehen (Vondrasek 2006: S. 253). Ziel ist also die Anregung und Unterstützung von Veränderungsprozessen, die an
3 In der seit Mitte der 1960er Jahre geführten Debatte rund um die Gemeinwesenarbeit haben sich verschiedeneteilweise ideologische - Konzepte der Gemeinwesenarbeit herauskristallisiert. Diese aufzuzeigen und zu diskutieren würde zum einen den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen, zum anderen jedoch auch keinen zusätzlichen Nutzen für die weitere Argumentation bereithalten. Deshalb wird an dieser Stelle darauf verzichtet. Verwiesen wird hierzu jedoch auf Galuske (2005) Kapitel 6.
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Alltagserfahrungen der Bevölkerung ansetzen und zu gemeinsamen Aktionen der Akteure führen mit dem Ziel einer verbesserten Lebensqualität zum Wohle aller Bürger (ebd.: S. 253). Bezogen auf die Akteure geht es „[…] um die gemeinsame Erarbeitung von, gemäß den entsprechenden kulturellen Normen, notwendigen Fertigkeiten und Institutionen“ (Galuske 2005: S. 101). Im Rahmen der Realisierung dieser Zielstellungen können die verschiedensten Methoden und Arbeitsformen der Sozialen Arbeit zum Tragen kommen sowie Methoden der Sozialforschung, der Kulturarbeit und des politischen Handelns einbezogen werden. Dementsprechend kann Gemeinwesenarbeit keinem ‚allgemeingültigen Manual’ folgen, sondern muss in ihrer Methodik und Struktur stets an den tatsächlichen Bedarfen und Gegebenheiten des konkreten Gemeinwesens ansetzen. Als zentral erweist sich hierbei der konsequente Einbezug der Bevölkerung und deren Potenziale. Dem folgend sind die Kernelemente einer professionellen sozialarbeiterischen Gemeinwesenarbeit die gezielte Anregung, Unterstützung, Beratung und Koordinierung von Mobilisierungs-, Unterstützungs-und Eigeninitiativprozessen unter Nutzung möglichst aller aktivierbarer Ressourcen eines lokalen Systems. Die Realisierung einer in diesem Sinne skizzierten Gemeinwesenarbeit erfordert die Beachtung folgender drei zentraler Elemente:
(1) Phasierung des Hilfeprozesses: Da Gemeinwesenarbeit immer in Zusammenarbeit mit der Bevölkerung unter der strikten Ausrichtung an deren Interessen erfolgen sollte, muss mit Phasenmodellen vorsichtig umgegangen, und diese je nach Bedarf an die tatsächlichen Gegebenheiten prozessual angepasst werden. Generell können jedoch fünf aufeinander folgende Phasen ausgemacht werden. Diese sind: „1. Feststellen und Bewusstmachen von Bedürfnissen und Zielen; 2. Ordnen und Prioritätensetzen bei den Bedürfnissen und Zielen; 3. Entwickeln der Bereitschaft, ans Werk zu gehen; 4. Ausfindigmachen von Hilfsquellen […]; 5. Übergang zur Aktion“ (Herwig/Wegener zitiert nach Galuske 2005: S. 106). Rollen und Verhaltensweisen der Gemeinwesenarbeiter 4 : Orientiert an der oben erläuterten Gemeinwesenorientierung und an der Autonomie der Bewohner des Gemeinwesens, ist das hier maßgebliche Rollenverständnis des Gemeinwesenarbeiters das eines Befähigers. Dieser verhilft den Menschen dazu „[…] ihre Bedürfnisse zu artikulieren, sich zusammenzuschließen und zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen“ (ebd.: S. 106). Ausgehend von den tatsächlichen Notwendigkeiten und den Bedürfnissen der Beteiligten, ist der Befähiger auch
4 Nach Ross (zitiert nach Galuske 2005: S. 107f) können vier verschiedene Rollen des Gemeinwesenarbeiters identifiziert werden. Diese sind die Rollen des Leiters, des Befähigers, des Sachverständigen und des Sozialtherapeuten. Wie oben dargestellt wird, ist das hier maßgebliche Rollenverständnis des Gemeinwesenarbeiters das des Befähigers. Da das Vorstellen aller anderen Rollen den Rahmen dieser Arbeit überstrapazieren würde, wird darauf verzichtet. Verwiesen wird jedoch auf Galuske (2005) Seiten 107f.
Arbeit zitieren:
Dipl. Sozialarbeiter/Sozialpädagoge (FH) Fabian Frank, 2009, Interreligiöse Dialoge in der Gemeinwesenarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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