I n h a l t s v e r z e i c h n i s
A.0 Einleitung
A.1. Zusammenfassung „des Pendels“ 2
A.2. Die Geschichte des Templerordens. 6
B.0 Hauptteil
B.1. Wesenzüge der Lenkung 9
B.1.1. Die Turmgesellschaft 9
B.1.2. Der Plan der Lektoren von Garamond. 10
B.1.3. Gemeinsame Symbolik. 12
B.2. Wie wird die Lenkung vom Autor gewertet. 13
B.2.1. Johann Wolfgang von Goethe 13
B.2.1.1. Rolle der FM in Goethes Leben 13
B.2.1.2. Rolle der FM in WML 14
B.2.2. Umberto Eco. 16
B.3. Die Schicksalskonzeption im Vergleich. 19
B.4. Intellektuelle und künstlerische Hybris 22
C.0 Schluss
D 0 Literaturverzeichnis
Die geheime Lenkung in Wilhelm Meisters Lehrjahren und im Foucaultschen Pendel
A.0 Einleitung
A.1. Zusammenfassung des Pendels
Im Foucaultschen Pendel läßt der Autor „Ungeheures auf Intimes, Weisheit auf Wahnsinn folgen“, schrieb der französische Literaturkritiker Jacques Le Goff nach Erscheinen des Romans 1988 in Le Monde. Dieser Stellungnahme kann ich mich nur anschließen. Noch verstrickter, subtiler und komplexer als Der Name der Rose ist das Foucaultschen Pendel gleichsam ein Lexikon des morgen- und abendländischen Okkultismus, eine Kriminalgeschichte und ein phantastischer Versuch, die Geschichte von ihrem Anbeginn an, neu zu schreibenimmenses Wissen, subtile Spannung, gelehrter Wahnsinn.
Die Geschichte wird dem Leser von dem Ich-Erzähler Cassaubon erzählt, der sich in das Landhaus seines Kollegen und Freundes Belbo geflüchtet hat, um sich die Ereignisse der letzten Tage und Jahre in Erinnerung zu rufen. Dabei greift er immer weiter in die Vergangenheit zurück. Die Geschichte nimmt ihren chronologischen Anfang Ende der 70iger Jahre am Ende der Studienzeit von Cassaubon (3. Buch, Binah). Dieser schreibt gerade an einer Dissertation über die Templer und verbringt seine Abende in der Bar Pilade. Dort lernt er zufällig Belbo kennen, der wie sein Kollege Diotallevi als Lektor für den Verlag Garamond in Mailand arbeitet. Als der Verlag eine Reihe über esoterische Themen herausbringen möchte und ein Oberst Ardenti ein Manuskript über die Templer einreicht, zieht Belbo Cassaubon als Fachmann zu Rate. Der Oberst behauptet einen globalen, 600jährigen Racheplan der Templer entdeckt zu haben, um sich für ihre Auflösung durch König Philipp den Schönen 1307 zu rächen. Dabei beruft er sich auf eine alte Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die er bei den Nachkommen eines Initiierten des Ordens gefunden hat und die er als Teil des Plans entziffert. Cassaubon, Belbo und Diotallevi nehmen das Manuskript nicht weiter ernst und lehnen es als okkulten Wahnsinn ab. Am nächsten Tag ist der Oberst spurlos verschwunden, er scheint ermordet worden zu sein.
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Die geheime Lenkung in Wilhelm Meisters Lehrjahren und im Foucaultschen Pendel
Kurze Zeit später entschließt sich Cassaubon zu einem mehrjährigen Arbeits- und Studienaufenthalt in Brasilien (4. Buch, Chessed), wo er zufällig die Bekanntschaft des obskuren Mailänder Okkultisten Agliè macht, der sich als unsterblicher Graf von Saint-Germain ausgibt. In Brasilien kommt Cassaubon in Kontakt mit den okkulten Riten Südamerikas und beginnt sich mehr und mehr dafür zu interessieren.
Als Cassaubon aus Brasilien zurück kehrt, wird er Mitarbeiter im Verlag Garamond und gründet eine private Agentur für Wissensvermittlung (5. Buch, Geburah). Er wird zum Sam Spade des Wissens. Zu dieser Zeit lernt Cassaubon auch seine spätere Frau Lia kennen, mit der er später einen Sohn bekommen soll. Der Verleger Garamond möchte eine neue Reihe über okkulte Wissenschaften starten, das Hermes Projekt, und gibt seinen Mitarbeitern Belbo, Cassaubon und Diotallevi die Aufgabe, darüber Manuskripte zu sammeln. Cassaubon wächst immer weiter in die Arbeit im Verlag hinein und bezieht seinen Bekannten Agliè immer mehr als Berater in die Bewertung der Manuskripte ein. Als Agliè die drei Lektoren zu zwei mystisch -obskuren Zeremonien mitnimmt, dürfen sie insgeheim der Initiation eines neuen Mitglieds in einen okkulten Orden beiwohnen, wodurch sie wieder an das Manuskript von Oberst Ardenti denken müssen.
Nach Abschluss des Hermes Projektes setzt der Verlag eine neue Reihe über hermetische Wissenschaften, unter dem Namen „Die entschleierte Isis“ auf (6. Buch, Tifereth). Im Laufe ihrer Vorarbeiten kommt den Lektoren die Idee aus Spaß, mit Hilfe von Belbos Computer Abulafia und von Diotallevis Kabbala Kenntnissen, unterschiedliche Texte beliebig zu permutieren und die Ergebnisse zu interpretieren als wären es wahre Texte. Die drei finden Gefallen an ihren omnipotenten schöpferischen Fähigkeiten und machen ihre ersten interpretatorischen Versuche an dem Innenleben eines Autos (6-66). An dieser Stelle wird der große Plan geboren. Die drei Lektoren kramen die alte Templerhandschrift Ardentis raus, deuten sie neu und entwickeln daraus -nur aus gelehrter Spielsucht und intellektueller Hybris- einen gigantischen, aberwitzigen und genialen Weltverschwörungsplan der Templer. In ihrer Deutung hatten die Templer bereits im 14. Jahrhundert den Sagen umworbenen Ombilicus telluri bestimmt,
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jenen alchimistischen Punkt, von dem aus sich die inneren Erdströme beeinflussen lassen. Seine Kontrolle bringt uneingeschränkte Macht. Um diese Machtquelle effizient nutzen zu können, entwarfen die Templer einen hochkomplexen Plan, der ihnen nach einem abzuwartenden technischen Fortschritt von 600 Jahren, den Zugang zu diesem Punkt sichern solle, ohne dass das Geheimnis in der Zwischenzeit entdeckt werden könne.
Unter dieser Prämisse major deuten die drei Hobby-Demiurgen, in einem intellektuellen Kraftakt ohne Gleichen, unsere gesamte (Kultur-) Geschichte, von den schiitischen Anfängen lange vor Christus, bis hin zu Hitlers Holocaust neu. Dabei werfen sie alle syllogistischen Regeln über Bord. Um so weiter die drei Protagonisten den Großen Plan knüpfen, um so mehr werden sie jedoch von ihm gefangen: „Ich gewöhnte mich, Diotallevi zerstörte sich, Belbo bekehrte sich. Aber alle drei verloren wir jene intellektuelle Klarheit, die uns erlaubt, das Ähnliche vom Identischen zu unterscheiden, die Metapher von der Sache zu trennen“ (6, 85). Als der Große Plan fertig ist, zeigt Cassaubon ihn stolz seiner Frau Lia, die, als einzige mit dem common sense ausgestattet, die Handschrift als eine Wäscheliste entpuppt.
Belbo beschließt Agliè aus Rache in den Großen Plan einzuweihen, da dieser ihm seine Freundin Lorenza genommen hat (7. Buch, Nezach). Er erzählt ihm den gesamten Plan und gibt vor das Geheimnis der Templer zu kennen, schweigt aber, da „ein aufgedecktes Initiationsgeheimnis zu nichts mehr nütze ist“ (7, 108). Agliè ist jedoch Mitlied einer realen Sekte, die Belbos Geschichte ernst nimmt und nun das inexistent Geheimnis begehrt. Als Belbo erkennt in welche Gefahr er sich und seine Freunde manövriert hat, ist es zu spät. Agliè stellt Belbo eine Falle und zwingt ihn nach Paris zu kommen, wo er sein Geheimnis vor dem versammelten Satansorden verkünden soll. Zu gleicher Zeit wird Diotallevi ins Krankenhaus eingeliefert, seine Körperzellen folgen den mutwilligen Permutationen der Buchstaben und Wörter, er stirbt an Krebs. Aus Paris kann Belbo Cassaubon noch kurz anrufen und ihm mitteilen, dass der Plan wahr sei.
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Verstört von dieser Nachricht beschließt Cassaubon nach Paris zu reisen, um seinem Freund beizustehen (2. Buch, Chochmah und 9. Buch, Jessod). Doch er kommt zu spät. Er muss mit ansehen, wie sein Freund von der Sekte am „Foucaultschen Pendel“ im Conservatoire des Arts et Metièrs in der Johannesnacht in Paris erhängt wird. Die Sekte wollte nicht Glauben, dass das Geheimnis nicht existiert und alles nur eine Fiktion der drei Lektoren war. Cassaubon kann nach Mailand fliehen, wo er die von Belbo angefertigten Aufzeichnungen der letzten Tage ließt und versucht sich zu verstecken (1. Buch, Kether und 10. Buch, Malchuth). Er erkennt jedoch, dass er keine Chance hat zu entkommen und wartet in Belbos Landhaus auf die abgesandten der Sekte.
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A.2. (Wahre) Geschichte der Templerordens
Der Templerorden ist ein geistlicher Ritterorden, der 1119 von Hugo de Payns (< 1136) in Jerusalem unter dem Namen Pauperes Commilitones Christi templique Salomonis (»Arme Ritter Christi vom Tempel Salomonis«) gegründet worden ist. Seine Anhänger waren zwar monastisch, trugen aber dennoch Schwert und Rüstung. Neben den drei klassischen Gelübden: Armut, Keuschheit und Gehorsam hatte der Orden das Versprechen gegeben, dem Schutz der christlichen Pilger und der heiligen Stätten zu dienen. Da das Leben im feindlichen Land für niemanden einfach ist, sind König und Bischof begeistert von der neuen Streittruppe. Hugo Payns und seine acht Anhänger werden auf dem Jerusalemer Tempelberg untergebracht, genau dort, wo auch der Tempel Salomons gestanden haben soll. Daher kam der Name Fratres militiae templi (»Ritter vom Tempel«).
Der Orden erhält reichhaltigen Zulauf und wächst. 1128 wird vom heiligen Bernhard (Bernhard von Clairvaux), ein Unterstützer und Förderer des Ordens, ein Konzil in Troyes einberufen, auf dem der Orden vom Papst anerkannt wird. Der Orden erhält seine Ordensregel, in der unter anderem festgehalten wird, dass die Ritter weiße Mäntel mit einem roten Tatzenkreuz zu tragen haben und in Hose und Hemd schlafen müssen. Ein Teil des Ordens blieb im heiligen Lang und beschützte die Pilger, während das Gros des Ordens sich in der Heimat entwickelte.
Durch großzügige Schenkungen des Königs Alfons von Argonien, des Königs von Portugal und anderer bedeutender Herrscher kam der Orden zu einem immensen Vermögen. Er verfügte vor allem in Frankreich über erhebliche Besitztümer. Da die Templer in ganz Europa agierten, wurden sie schnell zum mächtigsten Orden des Mittelalters und zum ersten „multinationalen Großkonzern“. In dieser Eigenschaft erfanden sie lange vor Florenz den Scheck. Wer nach Jerusalem reisen wollte, ohne seine Besitztümer mitnehmen zu wollen, reichte sie bei den Templern ein und bekam dafür einen Schuldbrief, der er im gesamten Verbreitungsgebiet der Templer einreichen konnte.
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Arbeit zitieren:
Dr. Martin Giese, 2000, Die geheime Lenkung in „Wilhelm Meisters Lehrjahren“ und im „Foucaultschen Pendel“, München, GRIN Verlag GmbH
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